Kommunikation (lat. communicare „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“) bezeichnet auf der menschlichen Alltagsebene den wechselseitigen Austausch von Gedanken in Sprache, Gestik, Mimik, Schrift oder Bild.
Im erweiterten Sinn ist Kommunikation das wechselseitige Übermitteln von Daten oder von Signalen, die einen festgelegten Bedeutungsinhalt haben, auch zwischen tierischen und pflanzlichen Lebewesen und technischen Objekten oder Systemen.
Der Begriff ist eng verwandt mit dem der Interaktion, in vielen Bereichen sind diese Begriffe sogar synonym, besonders dann, wenn Wechselseitigkeit für den Kommunikationsbegriff vorausgesetzt wird. Gefühle, Emotionen, Stimmungen und Affekte sind ein Teil zwischenmenschlicher Kommunikation.
Das Wort Kommunikation, der heute zum Alltagsvokabular gehört, fand erst Anfang der 1970er Jahre Eingang in den deutschen Sprachgebrauch. Anlass war die das Buch ”Menschliche Kommunikation” der Psychotherapeuten Paul Watzlawick, Don D. Jackson und John Beavin. [ Paul Watzlawick Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien ISBN 3-456-82825-X ]
Ausführlich rechtfertigt sich Paul Watzlawick im Vorwort dafür, den "ungewohnten" Begriff ”Kommunikation” auch in der deutschen Übersetzung beizubehalten.
Definition und Zusammenhang
Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs existiert nicht.
Ein Ansatz besagt, dass die Teilnehmer einer Kommunikation Menschen aber auch andere Lebewesen oder Objekte (insbesondere Geräte) sein können. Demnach kann auch zwischen Menschen und Dingen eine Kommunikation stattfinden, etwa zwischen Mensch und Computer nach dem Schlagwort der „Mensch-Maschine-Kommunikation“.
Diskutiert wird vor allem, ob die Teilnehmer einer Kommunikation Individuen sein müssen, beziehungsweise ob jeder Kommunikation ein Bewusstsein zu Grunde liegt (siehe Turing-Test). In den technischen Disziplinen wird dies verneint und die Kommunikation als ein Prozess betrachtet, der den Zustand des Empfängers verändert. Aus philosophischer Sicht ist fraglich, ob es Kommunikation ohne "Verständnis" und "Erinnerung" überhaupt geben kann. Umstritten ist auch, ob Kommunikation intentional sein muss und ob es einseitige Kommunikation gibt.
Repin_saporoher_kosaken.jpg schreiben dem türkischen Sultan einen Brief"
von Ilja Repin (1880)]]
Eine gängige Beschreibung der Kommunikation in den Geisteswissenschaften ist das Sender-Empfänger-Modell: Es besagt, dass Kommunikation nur stattfinden kann, wenn es mindestens zwei Teilnehmer an der Kommunikation gibt, wobei beide wechselseitig als Sender und als Empfänger fungieren. Dabei ist entscheidend, dass Sender und Empfänger über eine zumindest ähnliche Kodierung der übertragenen Nachrichten verfügen, um die empfangenen Signale interpretieren zu können. Zu beachten ist hierbei, dass dieses Modell der Informationstechnik und -theorie entlehnt wurde. (Shannon/Weaver). Auf die menschliche Kommunikation sind die Annahmen nicht übertragbar, weil beispielsweise individuelle Welttheorien nicht erfasst werden.
Unstrittig ist, dass Kommunikation ein wesentliches Mittel zum Erlangen von Wissen und Erkenntnis darstellt: erst das Sammeln von Daten aus der Umgebung erlaubt es einem Individuum (oder auch einem Gerät), ein Modell der Umgebung zu erstellen und neue Informationen so in einen Kontext zu setzen, dass sie Bedeutung erlangen. Fasst man den Begriff der Kommunikation so weit, dass kein individueller oder intentionaler Sender vorausgesetzt wird, so ist Kommunikation sogar die einzige Möglichkeit zu Lernen, da jede Wahrnehmung Teil eines kommunikativen Vorganges ist.
Bemerkenswert unbekannt ist, dass auch zwischen den kleinsten Bestandteilen aller wahrnehmbaren Existenzen Kommunikation stattfindet mit dem Ziel, "Partnerschaften" zu bilden und zu stabilisieren, und dass das Ziel aller Kommunikation im besten Falle Verständigung über einen möglichst gerechten Austausch von Leistungen ist. Diese Leistungen können weit über das Spektrum von existentieller Grundsicherung (Atmung, Ernährung, Fortpflanzung usw.) bis hin zum Erwerb von Luxusgütern hinausgehen, die letztlich nichts anderem dienen als dem Erreichen von Wohlgefühlen und dem Vermeiden von Unwohlgefühlen (jeweils im weitesten Sinne). Kommunikation wird in diesem Sinne auch als Machtinstrument eingesetzt mit dem Ziel, Positionen zu erreichen, von denen aus mehr Wohlgefühle möglich sind.
In einem weiteren Sinne wird jedes Verhalten als Reaktion auf etwas oder jemanden als Kommunikation verstanden, da jedes reaktive Verhalten Mitteilungscharakter besitzt (Interaktion). Jedes Verhalten stellt eine Form von Kommunikation dar:
"Man kann nicht nicht kommunizieren" (nach Paul Watzlawick) ist ein oft zitierter und bemerkenswerter Satz zur Definition.
Systemischer Zusammenhang
Abstrakter betrachtet bezeichnet
Kommunikation den Vorgang des Verbindens mindestens zweier
Systeme insbesondere von
komplexen Systemen. Im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation, aber auch in einigen technischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen kann der
Interaktionscharakter von Kommunikation sehr einfach verdeutlicht werden: Um funktionieren zu können, sind kommunikativ interagierende Systeme (Personen, hoch entwickelte EDV, Körperzellen etc.) immer bemüht, Informationen in anderen Systemen entstehen zu lassen. Dazu nutzen sie verschiedene
Medien und transportieren ihre Informationen auf unterschiedliche Weise, beispielsweise mittels
Berührung,
Elektromagnetischer Wellen (
Funk,
Licht- bzw.
Farbwechsel,
Wärmeausstrahlung),
elektrischen Strömen,
Schall beziehungsweise
Sprache,
Enzymaustausch etc. Wichtig für den Erfolg ist, dass diese Informationen korrekt
decodiert werden. Verkürzt könnte man auch sagen:
- Kommunikation ist ein wesentliches Element von Systemen. Ohne Kommunikation existiert kein System.
Kommunikation in verschiedenen Wissenschaftsbereichen
Weitere Übersichten in: Kommunikationsmodell
Speziellere Bereiche
Nach den beteiligten Sendern und Empfängern, Techniken und Einzugsbereichen wird unterschieden zwischen:
- Computervermittelte Kommunikation
- Mensch-Maschine-Kommunikation
- Digitale Kommunikation
- Gruppenkommunikation
- Individualkommunikation
- Intimkommunikation
- Massenkommunikation
- Telekommunikation
- chemische Kommunikation
- Zwischenmenschliche Kommunikation
Quellen
Siehe auch
Literatur
Menschliche Kommunikation
- Georg Meggle: Grundbegriffe der Kommunikation. - 2. Auflage. - Berlin/New York, 1997 (1. Aufl. 1981).
- Paul Watzlawick Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien ISBN 3-456-82825-X
- Virginia Satir Kommunikation, Selbstwert, Kongruenz ISBN 3-87387-018-5
- Oliver Jahraus, Nina Ort Bewußtsein, Kommunikation, Zeichen ISBN 3-484-35082-2
- Bernhard Badura, Klaus Gloy Soziologie der Kommunikation ISBN 3-7728-0363-6
- Roland Burkart Kommunikationswissenschaft ISBN 3-205-98185-5
- Kurt Koszyk, Karl Hugo Pruys Handbuch der Massenkommunikation ISBN 3-423-04370-9
- Helmut Glück Metzler-Lexikon Sprache ISBN 3-476-01519-X
- Christiane Grosser Kommunikationsform und Informationsvermittlung ISBN 3-8244-4000-8
- Dirk Baecker Kommunikation ISBN 3-379-20119-7
- Friedemann Schulz von Thun Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1981. ISBN 3-499-17489-8
- ders. Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1989. ISBN 3-499-18496-6
- ders. Miteinander reden 3. Das 'innere Team' und situationsgerechte Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1998. ISBN 3-499-60545-7
- ''Peter Wendl: „Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt zusammen wachsen“ ISBN 3-451-20896-2 *
- Monika Renz: Zuegnisse Sterbender: Todesnähe als Wandlung und letzte Reifung. 3. Aufl. Junfermann, Paderborn. ISBN 3-87387-622-1 (Kommunikation in bewusstseinsfernen Zuständen=terminale Kommunikation)
und weitere ausführliche Liste hier
Technische Kommunikation / Angewandte Linguistik
- Walter Hoffmann Erfolgreich beschreiben - Praxis des technischen Redakteurs; Organisation, Textgestaltung, Redaktion ISBN 3-8007-1652-6
- W. Sturz, C. Walling-Felkner Praxishandbuch Technische Dokumentation ISBN 3-8111-7088-0
- H.P. Krings Wissenschaftliche Grundlagen der Technischen Kommunikation ISBN 3-8233-4543-5
- Norbert Groeben Leserpsychologie. Textverständnis - Textverständlichkeit ISBN 3-402-04298-3
- Anne Lehrndorfer Kontrolliertes Deutsch. Linguistische und sprachpsychologische Leitlinien für eine (maschinell) kontrollierte Sprache in der Technischen Dokumentation ISBN 3-8233-5080-3
- Susanne Göpferich Interkulturelles 'Technical Writing' (2003) ISBN 3-8233-4760-8
und weitere ausführliche Liste hier
Maschinenkommunikation
- Albrecht Beutelspacher Kryptologie - Eine Einführung in die Wissenschaft vom Verschlüsseln, Verbergen und Verheimlichen ISBN 3-528-58990-6
- Arno Bammé, Günther Feuerstein, Renate Genth Maschinen- Menschen, Mensch-Maschinen. Grundrisse einer sozialen Beziehung ISBN 3-499-17698-X
- Hubert L. Dreyfus Die Grenzen der künstlichen Intelligenz. Was Computer nicht können ISBN 3-7610-8369-6
und weitere ausführliche Liste hier
Biochemische Kommunikation
- William H. Calvin Wie aus Neuronen Bewußtsein entsteht ISBN 3-446-17279-3
- Philip E. Stanley, Larry J. Kricka Bioluminescence and Chemilunimescence ISBN 9812381562
- Imre Kerner, Dagny Kerner Der Ruf der Rose. Wie Pflanzen fühlen und wie sie mit uns kommunizieren ISBN 3-462-02166-4
- F. Lottspeich, H. Zorbas Bioanalytik ISBN 3-8274-0041-4
- G.-J. Krauß, J. Miersch Chemische Signale ISBN 3-7614-0707-6
und weitere ausführliche Liste (alternativ) hier sowie konservativ/naturwissenschaftlich hier
Zitat
- Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eines in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Erregungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst. – Botho Strauß (Der Untenstehende auf Zehenspitzen, 2004, ISBN 3-446-20491-1)
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