article

Der Ausdruck Kolonialismus (v. lat.: colonia Niederlassung, Ansiedlung) bezeichnet als politisches SchlagwortKolonialismus in: Lexikon der Geschichte Bd. 2, Gütersloh: Bertelsmann 1978, S.15f die auf Erwerb und Ausbau von Kolonien gerichtete Politik einiger europäischer Mächte in der Neuzeit. Ziel dieser Politik war die wirtschaftliche, militärische und machtpolitische Nutzung der beherrschten Gebiete durch das Mutterland. Die Bevölkerung der Kolonien wurde dabei von der politischen Willensbildung ausgeschlossen und wirtschaftlich ausgebeutet. Teilweise kam es auch zur gänzlichen Ausrottung der ursprünglichen Bevölkerung.

Begriffsgeschichte


Nach dem Muster des Kolonialismus verfuhren europäische Staaten bei der Eroberung und Ausbeutung anderer Kontinente wie Afrika, Asien, Amerika und Australien. Die europäischen Staaten beförderten Rohstoffe (z. B. Rohrzucker, Gold, Diamanten) aus den kolonialisierten Ländern in die Heimatländer, ohne dafür eine angemessene Tauscheinheit anzubieten. Das Zeitalter des Kolonialismus war auch geprägt von Gewalt und Unterdrückung gegenüber den "Ureinwohnern" (Indigene Völker) dieser Kontinente.

Auch kam es vermehrt zu Sklaverei, v.a. aus Afrika in die neuen Kolonien in Amerika.

Die Ära des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende, als fast alle ehemaligen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Aufgrund der Festlegung von Grenzen auf dem Reißbrett durch die ehemaligen Kolonisatoren ergaben sich in Afrika und im Nahen Osten immer wieder Kriege, da diese Grenzziehungen kulturelle Zusammenhänge kaum berücksichtigt hatten. Viele Staaten der Dritten Welt befanden sich auch nach ihrer Unabhängigkeit in einem Zustand wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihren ehemaligen Kolonisatoren.

Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende des 20. Jahrhunderts wurden erstmals auch russische Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen.

Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machtstrukturen herzustellen, bezeichnet man als Neokolonialismus. Aspekte der heutigen Kultur und Politik ehemaliger Kolonien, welche mit ihrer Vergangenheit als Kolonie zusammenhängen, werden unter dem Begriff Postkolonialismus zusammengefasst.

Eine Weiterentwicklung der Ideologie des Kolonialismus war der Imperialismus (1880-1914).

Ob der Zionismus zum Kolonialismus gezählt werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt.

Die letzten Beendigungen einer Kolonialherrschaft in einer bedeutsamen Kolonie waren die von Hongkong 1997 und von Macao 1999.

Geschichte


19. Jahrhundert

Vor dem ersten Weltkrieg war Großbritannien die bei weitem größte Kolonialmacht, gefolgt von Russland an zweiter Stelle, Frankreich, dem Deutschen Reich, den Vereinigten Staaten und Japan sowie weiteren Staaten. England, Russland und Frankreich traten bereits frühzeitig als Kolonialmächte in Erscheinung.

Kolonialbesitz der Großmächte
  Kolonien Kolonien Metropolen* Insgesamt
  1876 1914 1914 1914
  Mio. km2 Mio. Einw. Mio. km2 Mio. Einw. Mio. km2 Mio. Einw. Mio. km2 Mio. Einw.
England 22,5 251,9 33,5 395,5 0,3 46,5 33,8 440,0
Russland 17,0 15,9 17,4 33,2 5,4 136,2 22,8 169,4
Frankreich 0,9 6,0 10,6 55,5 0,5 39,6 11,1 95,1
Deutschland - - 2,9 12,3 0,5 69,4 3,4 77,2
Vereinigte Staaten - - 0,3 9,7 9,4 97,0 9,7 106,7
Japan - - 0,3 19,2 0,4 53,0 0,7 72,2
6 Großmächte zusammen 40,4 273,8 65,0 523,4 16,5 437,2 81,5 960,2
Kolonialbesitz der übrigen Staaten (Belgien, Niederlande usw.) 9,9 45,3
Halbkolonien (Persien, China, Japan usw.) 14,5 361,2
Übrige Länder 28,0 289,9
Der ganze Erdball 133,9 1.657,0
Quelle: Lenin, "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus"Wladimir Iljitsch Lenin: Werke. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 22, 3. Auflage, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1960, Berlin/DDR. S. 189-309. Erstellt am 20.02.1999. 2. Korrektur 29.10.2000
* Metropole ist im Sinne des Mutterlandes oder der Kolonialmacht selbst zu verstehen

Kolonialmächte

  • Kolonialmächte außerhalb Europas:

Halb-Kolonialmächte

Halb-Kolonien

Verbliebene "Kolonien"

Literatur


  • Aimé Césaire, Über den Kolonialismus, Berlin: Wagenbach 1968
  • Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt am Main 1981
  • Horst Gründer, Eine Geschichte der europäischen Expansion, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1757-2
  • Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Schöningh, 5. Auflage 2004, ISBN 3-8252-1332-3
  • Jürgen Osterhammel, Kolonialismus : Geschichte, Formen, Folgen, Beck : München : Beck 1995, 142 S., ISBN 3-406-39002-1
  • Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hg.) „... Macht und Anteil an der Weltherrschaft.“ Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast-Verlag. Münster 2005, ISBN 3-89771-024-2
  • Udo Scholze/Detlev Zimmermann/Günther Fuchs, Unter Lilienbanner und Trikolore : Zur Geschichte des französischen Kolonialreiches. Darstellung und Dokumente, Leipzig 2001, 289 S., ISBN 3-934565-96-4
  • Jürgen Zimmerer, Joachim Zeller (Hg.), Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen, Berlin: Christoph Links Verlag 2003, ISBN 3-86153-303-0
  • Timm, Uwe: Deutsche Kolonien, Köln 1986

Weblinks


Quellen


Politikwissenschaft | Kolonialismus | Politisches Schlagwort

Colonialism | Kolonializm | Колониализм | 殖民主义

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Kolonialismus".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld