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Kołobrzeg * () (deutsch Kolberg ) ist eine pommersche Hafenstadt in der Woiwodschaft Westpommern im Norden Polens an der Ostsee. Kołobrzeg ist Sol- und Kurbad, die Einwohner leben vorwiegend vom Fremdenverkehr und der Fischereiwirtschaft.

Geografische Lage


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Die Stadt liegt im Norden der Woiwodschaft Westpommern direkt an der Ostseeküste und an der Mündung des Flusses Persante. Das Stadtgebiet erstreckt sich auf ca. 1.800 ha. Die Woiwodschaftshauptstadt Stettin liegt etwa 150 km südwestlich von Kołobrzeg entfernt, zur nächsten größeren Nachbarstadt, Koszalin (Köslin), sind es 41 km.

Geschichte


Kolberg Leuchturm.jpg Archäologischen Untersuchungen zufolge besteht bereits zwischen dem 7. und dem 8. Jahrhundert eine Siedlung, die der Ausbeutung der Salzquellen an der Mündung der Persante dient. Im Jahr 1000 wird Kolberg zuerst in einer Chronik des deutschen Bischofs Thietmar von Merseburg als Sitz eines Bistums unter dem Namen salsa Cholbergiensis erwähnt. Bischof ist Reinbern aus Sachsen.

1255 erhält Kolberg das Stadtrecht nach dem Lübischen Recht. Die Bürger leben vorwiegend vom Seehandel, dem Salzabbau und der Fischerei. 1300 wird mit dem Bau der Hauptkirche, dem heutigen Kolberger Dom, begonnen. 1361 wird Kolberg deutsche Hansestadt und verbleibt bis zum Jahre 1610 in der Hanse. In dieser Blütezeit der Stadt sind die Salzproduktion, der Salzhandel und der Fischfang die Haupteinnahmequellen Kolbergs und bringen viel Wohlstand. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts besaß Kolberg ein eigenes Münzrecht mit Ausnahme der Prägung von Goldmünzen. Das Münzrecht wurde 1548 durch Kaiser Karl V. bestätigt. 1530 wurde in Kolberg die Reformation eingeführt.

Im 17. Jahrhundert entvölkert sich Kolberg durch den Dreißigjährigen Krieg und seine Auswirkungen. In der Folgezeit wird die Festung Kolberg mehrfach belagert, unter anderem im Siebenjährigen Krieg und zuletzt 1807 durch die Truppen Napoleons. Berühmt durch die erfolgreich abgewehrte Belagerung wurden von Gneisenau, von Schill und Nettelbeck. Dieser Erfolg wurde im Propagandafilm Kolberg glorifiziert.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress gehörte die Stadt Colberg (damalige Schreibweise) 1816 zum Kreis Fürstenthum im Regierungsbezirk Cöslin (seit den 1920er Jahren: Köslin) in der preußischen Provinz Pommern. Mit Auflösung des Kreises Fürstenthum zum 1. September 1872 wurde Colberg Sitz des Landrates für den neuen Kreis Colberg-Cörlin.

Die Festung Kolberg war immer wieder Haftort für bekannte Persönlichkeiten Friedrich Ludwig Jahn ("Turnvater Jahn"), Arnold Ruge, Heinrich Schliemann.

Das 19. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch einen langen wirtschaftlichen Aufschwung und die Entwicklung Kolbergs zu einem preußischen See-, Moor- und Solebad. 1872 wird die Festung auf kaiserliche Anordnung aufgehoben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die etwa 33.000 Einwohner große Stadt einerseits prosperierender Badeort, andererseits Sitz von preußischen Heeresleitungsabteilungen mit zahlreichen Kasernen.

1891 wurde durch amtliche Festlegung die Schreibweise der Stadt mit „K" = Kolberg angeordnet. Am 1. Mai 1920 verließ die Stadtgemeinde Kolberg den Kreis Kolberg-Körlin und bildete seitdem einen eigenen Stadtkreis. Bei der letzten deutschen Volkszählung 1939 hatte Kolberg 36.760 Einwohner, von denen sich 94 % zum evangelischen Glauben bekannten. Ende Januar 1945 wurde in Berlin der bis dato teuerste und aufwendigste deutsche Monumentalfilm namens "Kolberg" uraufgeführt. In diesem sehenswerten, in Agfacolor gedrehten Durchhaltefilm über diese ehemals deutsche Stadt haben zahlreiche bekannte Schauspieler mitgewirkt (u.a. Kristina Söderbaum und Heinrich George). Kolberg Altstadt.jpg

Bei den Kämpfen um die Stadt am Ende des Zweiten Weltkriegs wird Kolberg zu 90 Prozent zerstört. Nach der Vertreibung leben im Mai 1945 nur noch etwa 2.200 Deutsche in Kolberg. Die neu hinzuziehenden polnischen Bürger der in Kołobrzegs umbenannten Stadt müssen die vollständig zerstörte Infrastruktur neu aufbauen.

1950 leben etwa 7.000 Menschen hier, 1960 sind es bereits 17.000. Ab 1975 erfolgt eine Wende in der Baupolitik Kołobrzegs. Statt größerer Plattenbauten entstehen seitdem wieder vorwiegend kleinere Häuser auf dem alten, historischen Straßenraster.

In den letzten Jahren sind in Kołobrzeg viele alte Häuser wiederaufgebaut worden, der Fremdenverkehr hat deutlich zugenommen.

Sehenswürdigkeiten


Kolberg Dom.jpg | Kolberg Rathaus.jpg | Kolberg Bürgerhaus.jpg

Personen


  • Hans Heinrich von Held wurde 1801 nach Kolberg verbannt. Er schrieb später eine Geschichte Kolbergs und ist der Autor der einflussreichen Schrift Über das Meerbad bei Colberg und die beste und wohlfeilste Art sich desselben mit Nutzen zu bedienen.
  • Paul Hinz, *1899 Bad Polzin. 1930-1945 Domprediger in Kolberg, nach 1945 Superintendent in Halberstadt. Angehöriger des Widerstandes in Dritten Reich. Rettete 1945 wertvolle Domschätze (u.a. die berühmte Schlieffenkrone, Taufbecken), heute wieder im Kolberger Dom zu sehen. Würdigung des deutschen evangelischen Geistlichen im heute polnischen katholischen Dom durch zwei Schautafeln.
Literatur: Paul Hinz (1936)"Der Kolberger Domn und seine Bildwerke"; Paulus HINZ "Bettler und Lobsänger" (Plastiken seines Sohnes, des 17jährig verstorbenen Erdmann-Michael Hinz, *6.6.1933 Kolberg, +9.9.1950 Halberstadt).
  • Herrmann Hirschfeld, Vater des in Kolberg geborenen Magnus Hirschfeld, war Medizinalrat und Badearzt. Er machte sich Mitte des 19. Jahrhunderts um die Einführung einer Kanalisation im aufstrebenden Kurbad Kolberg verdient.
  • Magnus Hirschfeld; *14.5.1868 Kolberg, + 14.5.1938 Nizza. Arzt und Sexualforscher. Literator: Ralf Dose (2005) "Magnus Hirschfeld".
  • Friedrich Ludwig Jahn, preußischer Begründer der Gymnastik, auch "Turnvater Jahn" genannt, lebte fünf Jahre als Verbannter in Kolberg.
  • Egon Krenz, *19.3.1937 Kolberg, ehemaliger DDR-Politiker.
  • Joachim Nettelbeck, geb.20.9.1738 Kolberg, gest. 19.6.1824 Kolberg. Seefahrer und Bürgerrepräsentant während der Belagerung 1807. Herausgabe seiner Lebensbeschreibung durch J.C.L.Haken (1. und 2.Band 1821 Halle, 3.Band 1823 Leipzig).
  • Hermann Plüddemann, * 17.7.1809 in Kolberg, + 24.6.1868 in Dresden. Historienmaler und Illustrator, seit 1848 Prof. in Dresden. Schüler von Begas in Berlin (1828) und Schadow in Düsseldorf (1831). Werke u.a. "Kolumbus und die Seinen erblicken Land" (1836, Nationalgalerie Berlin, heute verschollen), "Der Tod Friedrich Barbarossas" (1846), "Heinrich in Canossa" (1863); Fresken in Schloss Heltorf und Rathaus Elberfeld (1844, 1945 zerstört); Illustrationen zu deutschen Sagen und Klassikern, u.a. "Deutsches Balladenbuch" (1852). Literatur: u.a. Ekkehard Mai (2004) "Hermann Freihold Plüddemann".
  • Martin Plüddemann, * 29.9.1854 Kolberg, + 8.10.1897 Berlin. Balladenkomponist (von Richard Wagner als wichtigster deutscher bezeichnet)und Musikpädagoge. 1878 Kapellmeister St. Gallen, 1880 Gesanglehrer und Musikkritiker in München, 1885 Landsberg/Warthe, 1860 Berlin, 1887 Leiter Singakademie Ratibor, 1890 Dirigent und Musiklehrer in Graz (heute Plüddemannstraße, Plüddemann-Gymnasium), seit 1894 in Berlin. 48 Balladen und Gesänge, ab 1890 von W.Schmid, Nürnberg, herausgegeben. Literatur: u.a. Ludwig Schemann (1930)"Martin Plüddemann und die deutsche Ballade".
  • Karl Wilhelm Ramler, * 15.2.1725 Kolberg, + 11.4.1796. lyrischer Dichter. Übersetzer, Direktor des Nationaltheaters Berlin. Sein Lebenswerk wurden 1800-18001 von Göckingk, Berlin, als "Poetische Werke" herausgeben.

Siehe auch: Liste von Schlachten

Partnerschaften


Gemeinde Kołobrzeg


Die Landgemeinde (polnisch Gmina) Kołobrzeg umfasst eine Fläche von 145 km² und hat 7.500 Einwohner. Es gehören folgende 22 Ortschaften dazu:
  • Błotnica (Spie)
  • Bogucino (Bogenthin)
  • Bogusławiec (Charlottenhof)
  • Budzistowo (Altstadt)
  • Drzonowo (Drenow)
  • Dźwirzyno (Kolberger Deep)
  • Głowaczewo (Papenhagen)
  • Grzybowo (Gribow)
  • Kądzielno (Heinrichshof)
  • Karcino (Langenhagen)
  • Korzystno (Alt Werder)
  • Niekanin (Necknin)
  • Nowogardek (Naugard)
  • Nowy Borek (Neu Borg)
  • Obroty (Wobrow)
  • Przećmino (Prettmin)
  • Rościęcino (Rossenthin)
  • Samowo (Zamow)
  • Sarbia (Zarben)
  • Stary Borek (Alt Bork)
  • Stramnica (Alt Tramm)
  • Zieleniewo (Sellnow)

Auf dem Gebiet der Gemeinde Kołobrzeg liegt auch der nahe der Ostsee gelegene Kamper See (polnisch: Jezioro Resko Przymorskie), der ein beliebtes Erholungs- und Angelzentrum ist. Die Gmina pflegt eine Partnerschaft mit der Gemeinde Ferdinandshof in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt Kołobrzeg selbst gehört der Gmina nicht an, sie bildet eine eigene Stadtgemeinde.

Weblinks


Ort der Woiwodschaft Westpommern | Kurort

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