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Pharmakologische Charakterisierung
Rauschdroge CNS-Stimulans
Rechtsstatus
Deutschland BtMG Anlage 2
Geschichte
Isolierung 1859 Albert Niemann.
Erstsynthese 1902 Richard Willstätter
Chemie
IUPAC Name (2R,3S)-3-Benzoyloxy-
tropan-2-carbonsäure-
methylester
Summenformel C17H21NO4
CAS-Nummer 50-36-2
Molmasse 303,36 g/mol
Schmelzpunkt 195 °C (Hydrochlorid)
? (Base)
Löslichkeit Base unlöslich in Wasser

Kokain (auch Cocain) ist eines der weltweit meistverwendeten illegalen Rauschmittel.

Bei der Substanz handelt es sich um ein Tropanalkaloid, das aus den Blättern des Cocastrauchs (bot. Erythroxylum coca Lam.) gewonnen wird. Der Gehalt an Alkaloiden in der Pflanze beträgt zwischen 0,1 und 1,8 Prozent. Hauptbestandteil ist dabei das (-)-Kokain. Kokain ist der Methylester des linksdrehenden Benzoylecgonins. Daneben sind Cinnamylcocain, Benzoylecgonin, Truxilline sowie Tropacain als Nebenalkaloide enthalten.

Die Cocapflanze als Quelle des Kokains wird in Südamerika (Bolivien, Peru und Kolumbien) sowie Java in einer Höhe zwischen 600 und 1.000 m angebaut. Man unterscheidet die Herkunftspflanzen wie folgt :

  • Bolivianisches bzw. Huanuco-Coca: E. coca var. coca
  • Amazonas-Coca: E. coca var. ipadu
  • Kolumbianischer Coca: E. novogratense var. novogratense
  • Trujillo-Coca: E. novogratense var. truxillense

Gewinnung


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Zur Kokaingewinnung werden aus den Blättern des Cocastrauchs die Alkaloiden mit Lösungsmitteln extrahiert und der Auszug verseift (Esterspaltung). Die Ecgonine werden dann mit Benzoylchlorid und Methanol zum Kokain verestert. Auf diese Weise werden auch andere enthaltene Alkaloide in Kokain umgewandelt. Die Ausbeute erhöht sich damit um ein Vielfaches.

Die Extraktion und die Kokainsynthese werden meist vor Ort in ausgehobenen Erdlöchern oder Badewannen durchgeführt. Dies ist auch der Grund für die vielfältigen Verunreinigungen des illegalen Kokains.

Geschichte


Die ersten Cocasträucher kamen 1750 aus Südamerika nach Europa. 1859 gelang erstmals die Isolierung des Alkaloids durch Albert Niemann. 1898 erfolgte die Konstitutionsaufklärung und 1902 die Synthese durch Richard Willstätter. Ab 1879 wurde Kokain verwendet, um Morphinabhängigkeit zu behandeln. Um 1884 kam es als lokales Anästhetikum in Deutschland in klinischem Gebrauch, ungefähr zur selben Zeit, als Sigmund Freud über dessen Wirkungen in seinem Werk Über Coca schrieb:

Die psychische Wirkung des Cocainum mur. in Dosen von 0,05 bis 0,10 Gramm besteht in einer Aufheiterung und anhaltenden Euphorie, die sich von der normalen Euphorie des gesunden Menschen in gar nichts unterscheidet. Es fehlt gänzlich das Alterationsgefühl, das die Aufheiterung durch Alkohol begleitet, es fehlt auch der für die Alkoholwirkung charakteristische Drang zur sofortigen Betätigung. Man fühlt eine Zunahme der Selbstbeherrschung, fühlt sich lebenskräftiger und arbeitsfähiger; aber wenn man arbeitet, vermisst man auch die durch Alkohol, Tee oder Kaffee hervorgerufene edle Excitation und Steigerung der geistigen Kräfte. Man ist eben einfach normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, dass man unter irgend welcher Einwirkung steht.

Die erste Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola enthielt bis 1906 einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen), so dass ein Liter Coca Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Auch heute enthält Coca-Cola noch - allerdings nichtalkaloide - Inhaltsstoffe der Coca-Blätter. Auch sonst war Kokaingebrauch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa weit verbreitet und legal. Die Gefährlichkeit der Substanz wurde nur allmählich erkannt.

Wirkung und medizinische Anwendung


Kokain ist das älteste bekannte Lokalanästhetikum. Wegen der hohen Suchtgefahr und der ausgeprägten Toxizität wird es so gut wie nicht mehr eingesetzt. Kokain diente aber als Leitsubstanz für viele synthetische Lokalanästhetika wie z. B. Lidocain, Benzocain oder Scandicain.

1884 wurde Kokain zum ersten Mal in der Augenheilkunde eingeführt. Der Einsatz von Kokain für Operationen am Auge ist nach der deutschen Betäubungsmittelverschreibungsverordnung immer noch zugelassen.

Um das Jahr 1885 wurde Kokain gegen Zahnschmerzen benutzt.

Pharmakologie


DrugBank-Nr.
APRD00080
Pharmakodynamik
Wirkung DA/NA/5HT-
Reuptakeinhibition
Toleranzausbildung Tachyphylaxie
Pharmakokinetik
Bio-Verfügbarkeit Oral: 33% ; Nasal: 19% (11%–26%)Louis Pagliaro und Ann Marie Pagliaro: Comprehensive Guide to Drugs and Substances of Abuse, American Pharmacists Association, Washington D.C, 2004 ISBN 1582120668
Plasmahalbwertszeit ca. 1h DrugBank
Lipidlöslichkeit LogP = 2,4
Toxizität
LD50 (Maus) 96 mg/kg (peroral)
Kokain ist ein Wiederaufnahmehemmer (Reuptake-Inhibitor) an Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin-Neuronen. Es verhindert den Transport und somit die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in die präsynaptische Zelle, was eine Erhöhung der Transmitterkonzentration im synaptischen Spalt und damit ein erhöhtes Signalaufkommen am Rezeptor zur Folge hat und u. a. zu einer Erhöhung des Sympathikotonus führt. Bei höherer Dosierung können Symptome wie Nervosität, Angstzustände und paranoide Stimmungen auftreten. Die Dauer des Rausches ist von der Konsumform und der psychischen Konstitution sowie der eingenommenen Menge und Dauer abhängig.

Der Nachweis des Konsums könnte unter günstigen Umständen (insb. bzgl. der Haarlänge) noch Wochen später über entsprechende Untersuchung der Haare erfolgen. Da hierbei in dem Inneren der Haare gewisse Abbauprodukte des Kokains quantifiziert werden, erscheint eine Beeinflussung des Messergebnisses durch vorherige Präparation der Haare (etwa: Dauerwellen-Mittel) in beide Richtungen als möglich, so dass gegebenenfalls sogar fälschlich der Missbrauch festgestellt werden könnte.

Formen

Kokainhydrochlorid
Kokainhydrochlorid, also die kristalline Salzform von Kokain, ist die gebräuchlichste Form von Kokain auf dem deutschen Schwarzmarkt und außerdem das, was man gemeinhin unter Kokain versteht. Kokainhydrochlorid ist gut wasserlöslich und daher zum Schnupfen, Essen oder zur Injektion geeignet. Zum Rauchen eignet es sich schlecht, da es sich erst bei hohen Temperaturen (195°C) verflüchtigt und dann zu einem großen Teil verbrennt. Deshalb wird für diesen Zweck meist Kokainbase oder „Crack“ hergestellt.

Kokainsulfat ("Kokainpaste")

Kokainsulfat ist eigentlich ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kokainhydrochlorid. Es entsteht bei der Verarbeitung der geernteten Blätter des Cocastrauches unter Zugabe von Wasser und Schwefelsäure.

In Südamerika wird Kokainsulfat allerdings auch häufig vermischt mit Tabak geraucht, da es im Vergleich zu den anderen Kokainformen sehr viel billiger ist. Geläufige Bezeichnungen dort sind "pasta", "basuco", "basa", "pitillo", "paco", "paste".

Kokainbase ("Freebase")
Kokainbase ist die Basenform von Kokain im Gegensatz zu Kokainhydrochlorid. Während letzteres sehr gut wasserlöslich ist, ist Kokainbase unlöslich in Wasser und somit nicht zum Schnupfen, Essen oder zur Injektion geeignet. Kokainbase ist einerseits ebenfalls ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kokainhydrochlorid, andererseits ist es auch üblich auf dem Schwarzmarkt erworbenes Kokainhydrochlorid wieder zur Base umzuwandeln, da Kokain in Basenform sehr viel effektiver geraucht werden kann als Kokainhydrochlorid. Crack und Freebase (Drugscouts)

Crack
Durch Aufkochen von Kokainhydrochlorid mit Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) entsteht ein Gemisch aus Kochsalz (NaCl) und Kokain-Hydrogencarbonat, welches "Crack" genannt wird. Crack sind Körner („Rocks“), welche bei 96°C mit knackendem („to crack“) bzw. knisterndem („to crackle“) Geräusch als freie Base verdampfen. Diese Form von rauchbarem Kokain hat sich im Gegensatz zur Kokainbase durchgesetzt, da sie wesentlich einfacher, ungefährlicher und mit leichter verfügbaren Mitteln herzustellen ist.

siehe auch: Crack sowie Crack und Freebase (Drugscouts)

Schwarzes Kokain

Während die o.g. Formen alle zum Konsum geeignet sind und/oder bei der Herstellung von Kokain entstehen, ist das sogenannte „schwarze Kokain“ („Coca Negra“) eine spezielle Form, die in jüngerer Zeit zum Schmuggeln verwendet wurde. Dabei wird Kokain z.B. mit Kobalt- und Eisenchlorid vermischt. In dieser (nicht konsumierbaren) Form wird Kokain nicht mehr von den üblichen Tests erkannt. Im Zielland wird das Kokain dann wieder herausextrahiert. Das vermutlich erste Mal wurde Kokain in dieser Form bei einer Beschlagnahmung 1998 in Deutschland entdeckt, woraufhin auch eine größere Menge von schwarzem Kokain am Flughafen von Bogotá gefunden wurde, welches bereits zum Transport nach Afrika vorbereitet war.

Reinheitsgehalte

Heute auf dem Schwarzmarkt verfügbares Kokain ist selten rein, sondern mit verschiedenen Substanzen gestreckt. So liegen die Durchschnittsgehalte bei Kokainhydrochlorid im Kilobereich um die 85% (Anteil an Kokainhydrochlorid), bei Mengen zwischen einem Gramm und einem Kilogramm um die 60% und bei Mengen, die kleiner als ein Gramm sind, um die 35%. Der mittlere Reinhaltsgehalt von Proben, die Kokainbase enthalten, liegt bei knapp 75% (Anteil an Kokainbase). Bemerkenswert hierbei ist, dass in Deutschland der Reinheitsgehalt im Kilobereich bei Kokainhydrochlorid innherhalb der letzten 10 Jahren praktisch stabil geblieben ist, jener der Mengen im Bereich zwischen einem Gramm und einem Kilogramm um etwa 10% abgenommen hat und jener bei den kleinen Mengen von weniger als einem Gramm um etwa 20% abgenommen hat.BKA: Bundeslagebild Rauschgift 2004, 2005 (pdf)

Reines Kokain (mit mehr als 90% Wirkstoffgehalt) ist zwar auf dem Schwarzmarkt auch in kleinen Mengen verfügbar, jedoch sehr selten. Wie beim Heroinkonsum besteht somit die Gefahr, dass der Konsument sich an einen Stoff mit niedrigem Reinheitsgehalt gewöhnt hat und - ohne es zu wissen - plötzlich deutlich potentere Drogen mit einem hohen Wirkstoffgehalt konsumiert. Somit geht der Konsument das Risiko ein, durch eine Überdosis einen schweren gesundheitlichen Schaden zu erleiden oder im Extremfall sogar zu sterben, wenn auch bei Kokain dieses Risiko weit weniger stark ausgeprägt ist als bei Heroin.

Als Streckmittel wird hauptsächlich Milchzucker ("Edelweiß") verwendet. 51% aller Kokainproben 2004 enthielten Milchzucker (Lactose). Des Weiteren werden als Streckmittel verwendet: Mannit (18%), Inosit (6%), Glucose (4%), Saccharose = Zucker (4%), Fruktose (ca. 1%) und Stärke (ca. 1%).

Durchaus verbreitet ist der Zusatz von weiteren pharmakologisch wirksamen Substanzen, welche gezielt bestimmte spezifische Wirkungen des Kokains "imitieren", um die subjektiv wahrnehmbare Qualität des gestreckten Kokains wieder besser erscheinen zu lassen. So wird beispielsweise häufig dem Kokain das in jeder Apotheke in Deutschland rezeptfrei erhältliche Lokalanästhetikum Lidocain beigemengt. Laut Bundeslagebild Rauschgift 2004 konnte in 28% aller Fälle Lidocain nachgewiesen werden. Als weitere häufige Zusatzstoffe mit pharmakologischer Wirkung sind zu nennen: Phenacetin (36%), Koffein (7%), Procain (2%), Benzocain (1,4%) und Paracetamol (1,4%). Seltene Zusatzstoffe (unter 1%) sind Diltiazem, Tetramisol, Amphetamin, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Ascorbinsäure, Ephedrin, Hydroxyzin, MDMA, Methamphetamin, Pholedrin, Tetracain, Articain, Diacetylmorphin, Ketamin und Phenmetrazin.

Mischkonsum mit anderen Drogen

Kokain vermindert die subjektiv wahrgenommene Wirkung von anderen Drogen wie beispielsweise Cannabis und Alkohol. Ein Kokainist läuft somit leichter Gefahr, eine Alkoholvergiftung zu bekommen als jemand, der Alkohol ohne Beikonsum anderer Drogen trinkt.

Der kombinierte Konsum von Kokain und Alkohol führt mittels einer Umesterung in der Leber zur Bildung der Substanz Cocaethylen im Körper. Cocaethylen ist der Ethylester von Benzoylekgonin (während Kokain der entsprechende Methylester ist) und hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin in gleicher Weise wie Kokain bei längerer Wirkdauer. Es kommt zu einer deutlichen Verstärkung der Wirkung des Kokains auf die vitalen Funktionen, zu einer Steigerung des Aktivitätsdrangs und zu einer Minderung des Alkoholrausches. Dabei sprechen einige Studien dafür, dass Cocaethylen insbesondere für das Herz schädlicher ist als beide Substanzen (Alkohol und Kokain) für sich.

Mortalität

Das Risiko für Kokainkonsumenten, an einer Überdosis Kokain zu sterben, ist etwa 20 mal geringer als für Heroinkonsumenten, an einer Überdosis Heroin zu sterben.Quelle? Weniger als 2% aller sogenannten "Drogentoten" in Deutschland sterben an einer Überdosis Kokain. Das Risiko, auf Grund einer Mischintoxikation unter Beteiligung von Kokain zu sterben, ist wesentlich größer. Etwa 6% aller "Drogentoten" in Deutschland sterben auf Grund einer solchen Mischintoxikation. Von besonderer Bedeutung ist hier einerseits die Mischintoxikation mit Heroin und Kokain und andererseits die von Lidocain respektive Tetracain und Kokain. Besonders die Verunreinigung von Kokain mit Lidocain stellt ein lebensbedrohliches Problem dar, wie eine Studie aus dem Jahr 1999 dreier rechtsmedizinischer Institute in Berlin zur toxikologischen Bewertung der Lokalanästhetika Lidocain und Tetracain bei Drogentodesfällen feststellt.S. Herre et al. (1999): "Zur toxikologischen Bewertung der Lokalanästhetika Lidocain und Tetracain bei Drogentodesfällen", Rechtsmedizin (9), S.174-83 Häufig werden dem Kokain jene in Apotheken freiverkäuflichen und im Vergleich zu Kokain sehr billigen Lokalanästhetika Lidocain und Tetracain zugesetzt. Hierdurch erhöht sich die Gewinnspanne der am Handel beteiligten Akteure. Sowohl das Landeskriminalamt Berlin als auch das Bundesministerium für Gesundheit warnen daher die Apotheker eindringlich vor einer unkritischen Abgabe von Lidocain. Einer der Hauptgründe für den Lidocainverschnitt liegt in der lokalanästhetischen Wirkung dieses Stoffes, durch den beispielsweise beim Zungentest Kokain leicht vorgetäuscht werden kann. Besonders problematisch ist Lidocain- oder Tetracainverschnitt, wenn Kokain weder geschnupft noch geraucht, sondern intravenös injiziert wird. In Berlin waren gehäuft Todesfälle zu verzeichnen, bei denen sehr hohe Blutkonzentrationen von Lidocain oder Tetracainmetaboliten ursächlich beziehungsweise maßgeblich als Todesursache festgestellt wurden. Letztendlich führte die Lähmung des zentralen Nervensystems oder die Blockade des Erregungsbildungssystems des Herzens zum Tode. Im Zeitraum zwischen 1994 und Juli 1998 waren insgesamt 46 Fälle im Zusammenhang mit Lidocain und 13 weitere Todesfälle durch Tetracain zu beklagen.

Personen mit unentdeckten, an sich harmlosen Herzfehlern können bereits nach einmaligem Kokainkonsum sterben.

Suchtpotenzial, sonstige Gefahren und Verbreitung


Nach dem Kokainrausch tritt bei einigen Konsumenten eine starke Depression auf. Dieser Zustand lässt diese Konsumenten nicht selten schnell wieder zur Droge greifen, um der "Kokaindepression" zu entkommen. Dieser Mechanismus ist gefährlich, da er schnell zu einer Abhängigkeit führen kann. Das extreme Hochgefühl, sowie das schnelle Abklingen der Wirkung steigert das Suchtpotential der Droge erheblich.

Der regelmäßige Gebrauch von Kokain kann schnell zu einer psychischen, nicht aber körperlichen Abhängigkeit (Sucht) führen. Ein Spezifikum hierbei (noch stärker ausgeprägt beim Rauchen der Kokainbase Crack) ist die "episodische Gier": Auch bei unerfahrenen Konsumenten kann, wenn die Drogenwirkung abklingt, ein starkes Verlangen eintreten, mehr zu konsumieren. Im Extremfall kann diese Konsumdynamik sog. „Binges“ (engl.; Episoden mit in kurzen Abständen erfolgendem Konsum) zur Folge haben, die viele Stunden oder gar mehrere Tage andauern. Eine Besonderheit bei langfristigem Kokainmissbrauch ist das Auftreten des sogenannten Dermatozoenwahns, der Überzeugung, dass sich Insekten unter der eigenen Haut bewegen. Außerdem wird die Kokainabhängigkeit häufig mit einem Verfall des Gewissens des Konsumenten in Verbindung gebracht - dies vor dem Hintergrund, dass die selbstbewusstseinssteigernde Wirkung im Zusammenspiel mit der Konsumdynamik das soziale Bewusstsein verblassen lässt (weshalb Kokain zuweilen als „Egodroge“ bezeichnet wird).

Verbreitung in unterschiedlichen Milieus/ Szenen

Zwischen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre hat Kokain sich auch verstärkt unter Heroinsüchtigen verbreitet, wo es vor allem intravenös konsumiert wird. Zumeist wird dies mit der Verbreitung von Methadonprogrammen in Zusammenhang gebracht, da bei Methadon der "Kick" fehlt, welchen sich dann viele mit Hilfe von Kokain holen. Der Beikonsum von Kokain stellt für die Drogenhilfe ein großes Problem dar, da die Methadonsubstituierten weiterhin auf die Szene gehen, um sich die Droge zu besorgen, wodurch die für eine erfolgreiche Therapie unerlässliche Ablösung vom alten Umfeld stark erschwert wird. In einigen Städten, insbesondere in Frankfurt am Main und Hamburg, sind seit Ende der 1990er Jahre viele "Junkies" von Kokain- auf Crackkonsum umgestiegen.

Eine in den frühen Siebziger Jahren anbrechende "Kokain-Epidemie" wollen Forscher in einigen europäischen Metropolen (z. B. Rotterdam) beobachtet haben. Deutsche Großstädte wie z. B. München zogen später nach. Bereits in den Achtziger Jahren wurde festgestellt, dass Kokain keineswegs eine nur im "Glamour-Milieu" (Unterhaltungsbranche u. a.) verbreitete Droge ist. In Rotterdam fand sich auch ein erheblicher Anteil von Konsumenten aus der Arbeiter- und Arbeitslosenschicht, während z. B. in München vergleichsweise viele Nutzer aus dem Angestelltenmilieu kamen (Erhebung von 1986/87).

Kokain ist eine der beliebtesten "Szenedrogen" der Welt. Vermutlich ist sie insgesamt nach Cannabis die illegale Droge mit der höchsten "Lebenszeitprävalenz" (diese bemisst sich nach der Menge der Personen, die die Droge mindestens einmal genommen haben). Dementsprechend gibt es relativ viele, die Kokain gelegentlich konsumieren. Die Grenzen zum regelmäßigen Konsum und dann zur Abhängigkeit sind dabei fließend, und gerade im Zusammenhang mit den spezifischen Wirkungen, die bei vielen die Integration der Droge in ein geregeltes Leben ermöglichen, werden vielen der "Kokainisten" die negativen Auswirkungen des Konsums zunächst nicht bewusst – ganz zu schweigen von den möglichen körperlichen Schäden, die auch im Vergleich zu anderen Drogen bei regelmäßigem Konsum schwerwiegend sein können.

Szenenamen

Gebräuchliche Szenenamen im deutschsprachigen Raum: Schnee, Weißes Gold, Charly oder schlicht Koks, Coca, Coke.

Gebräuchliche Szenenamen in den USA: Coke, Blow, lello (kubanisch/spanisch; gesprochen: "Yay Yo"), Nose Candy, Snow, Dust, Powder.

Preis

Der Schwarzmarktpreis für ein Gramm (i. d. R. gestrecktes) Kokain im Einzelverkauf liegt in Europa etwa zwischen 40 und 90 Euro. In Hamburg und Frankfurt beträgt der Preis durchschnittlich 60 Euro pro Gramm.

Der Schwarzmarktpreis für ein Kilogramm (i. d. R. reines, d.h. 80-90%iges) Kokain im Großhandelsverkauf liegt in Europa etwa zwischen 17.000 und 78.000 Euro pro Kilogramm.United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC): World Drug Report 2004, 2005 (engl.)

Durchschnittspreise im Großhandelsverkauf nach Ländern:

Niederlande, Polen, Portugal, Belgien, Irland, Rumänien, Slowakei, Litauen = ca. 20.000 Eur/kg

Deutschland, Spanien, Ungarn, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Moldawien = ca. 25.000 Eur/kg

Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Schweden, Dänemark, Serbien = ca. 30.000 Eur/kg

Italien, Norwegen, Österreich, Finnland, Tschechien, Griechenland, Albanien = ca. 37.000 Eur/kg

Russland, Ukraine, Slowenien, Estland = ca. 42.000 - 78.000 Eur/kg

Besondere Problematik der Illegalität Kokains

Gefahren durch (unbekannte) Streckmittel
Das Problem illegaler Drogen ist generell, dass sie meist nur gestreckt auf dem Schwarzmarkt angeboten werden. Näheres hierzu ist im einleitenden Abschnitt nachzulesen.

Daher besteht die Gefahr, dass ein unbekanntes Streckmittel enthalten ist, welches unter Umständen gesundheitsschädlich oder sogar tödlich sein kann. Auch allergische Reaktionen bis hin zum Allergieschock gegen die Beimischungen sind bekannt.

Insbesondere mit Lidocain und oder Tetracain versetztes Kokain ist problematisch, wenn das Gemisch intravenös injiziert wird. Es kann zur Lähmung des zentralen Nervensystems und zur Blockade des Herz-Reizleitungssystems führen und deshalb tödlich sein. Seit 1995 waren in Deutschland bisher 46 Fälle im Zusammenhang mit Lidocain und 13 weitere Todesfälle durch Tetracain zu beklagen.Drug-Checking-Konzept für die Bundesrepublik Deutschland, sich beziehend auf eine Studie dreier rechtsmedizinischer Institute in Berlin, 2006

Gefahren durch unbekannte Reinheit

Des Weiteren kann es zu einer versehentlichen Überdosierung mit schweren gesundheitlichen oder tödlichen Folgen kommen, wenn das Kokain einen höheren Reinheitsgehalt hat als vom Konsumenten erwartet und/oder gewohnt.

Cocaismus

Das Kauen der Cocablätter zusammen mit Kalksteinmehl wird als Cocaismus bezeichnet. Dabei treten selten Suchterscheinungen auf, da das Kokain durch den Kalk zum nicht suchterregenden Ecgonin umgesetzt wird. Das Kauen von Cocablättern ist bei den Indianern in den Andengebieten bis heute üblich. Es unterdrückt das Empfinden von Höhenkrankheit oder Hunger. Der Cocaismus greift durch den Kalkzusatz bei regelmäßigem Konsum die Zähne an.

Cocainismus

Als Cocainismus wird der Gebrauch von Kokain durch direkte Aufnahme in den Körper bezeichnet. Meistens wird Kokain durch die Nase aufgenommen (Schnupfen; dieser Vorgang wird im Szenejargon unter anderem „Ziehen“ genannt), aber auch die orale, inhalative (Rauchen) oder intravenöse Aufnahme ist möglich. Der intravenöse Konsum ist definiert durch ein Hochgefühl, das als „ultimative Emotion“ beschrieben wird. Dadurch ist das Suchtpotenzial um einiges höher als bei den anderen Konsumformen. Auch auf Grund der tiefen Depression nach der Euphorie ist das Verlangen nach dem nächsten „Schuss“ enorm. Die Gefahren, die der intravenöse Konsum mit sich bringt, wie Infektionskrankheiten oder Überdosierung, werden nicht mehr wahrgenommen. Der intravenöse Kokainkonsum ist häufig begleitet von körperlicher und sozialer Verwahrlosung. Eine durchschnittliche Dosis von 20 bis 50 Milligramm führt circa 20 Minuten (durch Schnupfen in kürzester Zeit, beim Spritzen unmittelbar und um ein Vielfaches intensiver) nach der Einnahme zu einem gesteigertem Rededrang, größerer allgemeiner Leistungsfähigkeit, erhöhtem Selbstwertgefühl, Euphorie, Bewegungsdrang, verbesserter Konzentration und Wachheit sowie einer Absenkung der sexuellen und sozialen Hemmungen.

Rechtsstatus


Kokain ist in Deutschland ein in Anlage 2 des BtmG gelistetes Betäubungsmittel.BtmG Anlage 2 Cocablätter sind nicht verkehrsfähig. Für den Praxisbedarf darf der Arzt Kokain bei Eingriffen am Auge als Lösung bis zu einem Gehalt von 20% oder als Salbe bis zu einem Gehalt von 2% verschreiben. Von diesem Zweck abgesehen, ist der Besitz von Kokain, z.B. in kristalliner Form, strafbar.

Quellen


Weiterführende Literatur


  • Stöver, H./ Prinzleve, M. (Hg.): Kokain und Crack. Pharmakodynamiken, Verbreitung und Hilfeangebote. Freiburg: Lambertus 2004; ISBN 3-7841-1494-6
  • Hobhouse, Henry: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. Klett-Cotta : Hamburg 4. Auflage 2001, 401 S., ISBN 3-608-91024-7
  • Günter Amendt: Der große weiße Bluff. ISBN 3-922144-65-9
  • Christian Kracht: Faserland.Dtv ISBN 3423129824
  • Günter Amendt: Die Droge, der Staat, der Tod ISBN 3499199424
  • Rätsch, Christian; Ott, Jonathan: Coca und Kokain, AT-Verlag 2004; ISBN 3855027072
  • Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen
  • Kaplan, C. D., D. Korf und C. Sterk:Estimating Cocaine Prevalence and Incidence in Three European Community Cities, Commission of the European Communities, Luxemburg 1987.

Weblinks


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