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Ein Kofferwort ist ein Kunstwort und ist eine Kreuzung zweier oder mehrerer Wörter zu einem inhaltlich neuen Begriff, bei der einzelne Wortsegmente getilgt werden können. Geprägt wurde der Begriff in Lewis Carrolls Geschichte Alice hinter den Spiegeln. Dort wird ein zusammengesetztes Wort mit einem Handkoffer (englisch: portmanteau) verglichen. In einem Koffer versammelt man unterschiedliche Gegenstände, und in einem Kofferwort versammelt man ganz entsprechend Teile von Wörtern. Zusammen mit den Wortteilen werden dabei auch die Bedeutungen der Wortteile zusammengefügt.

Etwa 70 Jahre nach Lewis Carroll hat James Joyce in seinem Spätwerk Finnegans Wake Tausende von Portmanteaux geschaffen. Heute werden mit dieser Methode häufig Firmen- und Markennamen aus mehreren Teilen kombiniert.

Synonyme


Geläufige Synonyme für Kofferwort sind: Portmanteau-Wort, Blend, Wortkreuzung, Kontamination und mot-valise.

Abgrenzung von anderen Wortbildungsarten


Das Kofferwort gehört nicht zur Kurzwortbildung, Zusammenbildung, Zusammenrückung oder Ableitung, da diese Wortbildungsarten nur Kurzformen von Langformen darstellen, während das Kofferwort aus zwei Wörtern ein inhaltlich ganz neues bildet. Am ehesten ist das Kofferwort in die Komposita einzuordnen, da es dem Kopulativkompositum sehr ähnelt. Doch anders als beim Kopulativkompositum, bei dem zwei Begriffe inhaltlich nebeneinander und gleichberechtigt stehen, verschmelzen beim Kofferwort zwei Begriffe inhaltlich zu einem neuen.

Mitunter wird ein Kofferwort auch als eine Sonderform des Akronyms verstanden.

Typisierung


Morphologische Typen

In der sprachwissenschaftlichen Literatur gibt es Einigkeit über folgende morphologische Typen, die allerdings unterschiedlich benannt und erklärt werden und hier zusammengefasst dargestellt bzw. bezeichnet werden:

Lautliche Kompromissbildung

Es wird meist nur ein Vokal geändert wie bei: Dorf + Derp > Derf. Grund für diese sind häufig geographisch-bedingte Bildungen. Sie bilden einen sprachlichen Ausgleich zweier gleichberechtigter Begriffe Synonyme in einem mundartlichen Übergangsgebiet.

Haplologische Verkürzung

Eine gemeinsame Lautfolge wird zum gemeinsamen bzw. verbindenden Element wie bei Hotelführer + Verführer > Hotelverführer.

Wortüberschneidung

Kofferwörter, die durch eine Wortüberschneidung entstehen, weisen keine gemeinsame Lautfolge auf wie z. B. Mammut + Elefant > Mammufant. Meist entfallen hier dann von einem oder mehr Komponenten Wortsegmente.

Assonanz

Hier erfüllt die Assonanz keinesfalls die sonst übliche rhetorische Funktion, sondern stellt lediglich ein gemeinsames

homophones oder homographes Segment dar, das die Ausgangslexeme verbindet.

Semantische Typen

Hans Ulrich Schmid beschreibt in einem Aufsatz von 2003 des Weiteren 10 semantische Typen:

  • Der ikonische Typ weist ein symmetrisches Verhältnis der Hintergrundlexeme auf und ist meist ein kurzsilbige Bildung ohne gemeinsames Segment wie z. B.: Demokratie + Diktatur > Demokratur.

  • Beim charakterisierenden Typus verweist ein Hintergrundlexem auf bestimmte Eigenarten des anderen, z. B.: Schleppen + Laptop > Schlepptop.

  • Beim Beziehungstypus sagt ein Hintergrundlexem aus in welcher Beziehung das andere gültig ist, z. B. Schach + Sachverstand > Schachverstand.

  • Beim kausalen, finalen bzw. konsekutiven Typus löst ein Hintergrundlexem semantisch das andere aus, z. B.: slim + Gymnastik > Slimnastik - Hier löst Gymnastik die Schlankheit aus.

  • Beim pleonastischer Typus handelt es sich bei den Hintergrundlexemen um Synonyme, z. B.: Bulle + Polizist > Bullizist.

  • Beim antonymischen Typus stehen die Hintergrundlexeme in einem Gegensatzverhältnis, z. B.: Schweiß + Eisheilige > Schweißheiligen.

  • Beim Kontradiktorischen Typus benennt ein Hintergrundlexem einen Sachverhalt (absichtlich) falsch, z. B.: teuer + Euro > Teuro.

  • Beim metaphorischen Typus stellt das Wortgebilde eine Metaphorik mit der Wirklichkeit her, z. B.: Lust + Luftballon > Lustballon als Bezeichnung für das Kondom.

  • Beim segmentumdeutenden Typus ist im ersten Hintergrundlexem das zweite schon vollständig enthalten. Das so entstandene Wortgebilde besteht dann nur einem Segment der beiden Hintergrundlexeme, z. B.: Porno + no > PorNO.

  • Der freie Assoziationstyp ist ein Sprachspiel, das keinen logischen oder sachlichen Zusammenhang zwischen den Hintergrundlexemen aufweist, z. B.: Haarlem als Bezeichnung für einen Friseursalon.

Verwendungsumgebung


Die russische Sprache (insbesondere die der Sowjetzeit) liebt besonders diese Kofferwörter, wie z. B. Kolchose, Komsomol, Gasprom, Gulag oder Samisdat. Oftmals wurden diese Wörter dann deutsche Lehnwörter.

Markennamen sind häufig als Kofferwort konstruiert (z. B. hanuta für Haselnusstafel). Nicht zu verwechseln sind diese Bildungen mit den noch häufigeren Initialwörtern. So sind Wortschöpfungen wie Haribo (aus Hans Riegel Bonn) oder Hertie (aus Hermann Tietz) keine typischen Kofferwörter sondern Kunstwörter.

Bildungsmotivation


  • Versprecher
  • nominatives Bedürfnis
  • lautliche Kompromissbildung
  • Wortspiel
  • Gelegenheitsbildung

Literatur


  • Hans Altmann, Silke Kemmerling: Wortbildung fürs Examen, Wiesbaden 20052, S.42-44.
  • Elke Donalies: Die Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick, Tübingen 20052, S.92-93.
  • Walter Henzen: Deutsche Wortbildung, Halle an der Saale, 1947, S. 249-256.
  • Friedrich Maurer: Volkssprache. Abhandlungen über Mundarten und Volkskunde. zugleich eine Einführung in die neueren Forschungsweisen (Fränkische Forschungen 1), Erlangen 1933, S.249-256.
  • Dr. Hartmut Günther: Kontamination, in: Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart et al 1993, S. 331
  • Hannelore Poethe: Wort(bildungs)spiele, in: Irmhild (Hrsg.) u.a.: Das Wort in Text und Wörterbuch, Stuttgart et al 2002, S. 23-40.
  • Hans Wellmann: Die Wortbildung, in: Duden. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Hg. von der Dudenredaktion, Mannheim 19986, S. 777.
  • Hans Ulrich Schmid: Zölibazis Lustballon. Wortverschmelzungen in der deutschen Gegenwartssprache, in: Muttersprache 3 (2003), S. 265-278.

Siehe auch


Kofferwort

Portmanteau | Portmanteau | Portmanteau | Mot-valise | הלחם | Szóösszerántás | かばん語 | Portmanteau | Teleskopord | Portmanteau | Portmanteau

 

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