article

KB Hauptverwaltung.jpg | Georg Knorr.jpgKB Stammhaus.jpg Die Knorr-Bremse AG mit Sitz in München ist die konzernführende Obergesellschaft des Knorr-Bremse Konzerns. Knorr-Bremse ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Weitere Produktfelder sind On-Board-Systeme für Schienenfahrzeuge wie Türsysteme und Klimaanlagen, außerdem Bahnsteigtürsysteme sowie Drehschwingungsdämpfer für Dieselmotoren.

Weltweit beschäftigt der Knorr-Bremse Konzern mehr als 12.000 Mitarbeiter (Ende 2005). Der Konzernumsatz belief sich im Jahr 2005 auf 2,7 Mrd. EUR.

Geschichte


Gründung und Aufstieg in Berlin (1905–1920)

Im Jahr 1905 gründete der Ingenieur Georg Knorr in Boxhagen-Rummelsburg (heute Berlin-Lichtenberg) die Knorr-Bremse GmbH, in die er einen bereits 1883 gegründeten Betrieb für Eisenbahn-Druckluftbremsen einbrachte. Geschäftliche Grundlage bildete die Einführung der von ihm entwickelten Druckluftbremse K1 bei den Personenzügen der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnverwaltung. Die Knorr-Bremse GmbH wurde 1911 unter Aufnahme der Continentale Bremsen-GmbH in die Knorr-Bremse AG umgewandelt.

Diversifizierter Konzern (1920–1985)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde mit der Einführung der Kunze-Knorr-Bremse auch der Güterzugverkehr vom Hand- auf den durchgehenden Druckluftbremsbetrieb umgestellt. 1923 führte Knorr-Bremse erstmals Druckluftbremsen für Nutzfahrzeuge ein. Nach der Weltwirtschaftskrise führte Knorr-Bremse die Hik-Bremse im europäischen Schienenverkehr ein und trieb die Umstellung der deutschen Nutzfahrzeugindustrie auf Druckluftbremsen voran. Ende der 1930er Jahre waren 90 % aller deutschen Lastkraftwagen von 7–16 t mit Knorr-Bremsgeräten ausgerüstet.

Die Knorr-Bremse AG entwickelte sich zwischen den Weltkriegen unter der Leitung von Johannes Philipp Vielmetter zum größten Bremsenbauunternehmen Europas. Durch Angliederung weiterer Unternehmen entstand ein diversifizierter Konzern mit rund 20.000 Beschäftigten.

  • Ab 1920 war die Bayerische Motorenwerke AG (BMW) in München ein Tochterunternehmen der Knorr-Bremse AG. Die Motorenabteilung wurde 1922 einschließlich des Firmennamens an eine Investorengruppe wieder verkauft. Das Münchener Tochterunternehmen firmierte bis 1985 als Süddeutsche Bremsen-AG. Auf dem Betriebsgelände befindet sich heute der Stammsitz der Knorr-Bremse AG.

  • 1926 wurde die Kapitalmehrheit an der Motoren-Werke Mannheim AG (MWM) erworben, die aus der Abteilung stationärer Motorenbau der Firma Benz & Cie des Automobilpioniers Carl Benz hervorgegangen war. Mit dem Verkauf an die Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD, heute Deutz AG) im Jahr 1985 trennte sich Knorr-Bremse wieder von der Motorensparte.

  • Das nach langjähriger Kooperation 1938 eingegliederte Stahlwerk in Volmarstein an der Ruhr stellte 1997 den Betrieb ein.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Berliner Stammwerk demontiert. Die Knorr-Bremse AG wurde enteignet. Die Süddeutsche Bremsen-AG in München setzte die Produktion in Westdeutschland fort. Entwicklung und Vertrieb von Bremssystemen übernahm die 1946 gegründete und später nach München verlegte Knorr-Bremse GmbH. Die Knorr-Bremse AG wurde 1960 in eine Kommanditgesellschaft (KG) umgewandelt.

Der Wiederaufbau im Westen mündete 1955 in die international erfolgreiche Einführung der Knorr-Einheitsbremse (KE) für Schienenfahrzeuge. Der Bereich Nutzfahrzeugbremsen verlor dagegen nach dem Zweiten Weltkrieg an Boden. Auch das in den 1960er Jahren etablierte Geschäftsfeld Industrie-Pneumatik stagnierte, und der Dieselmotorenbau begann Ende der 1970er Jahre hohe Verluste zu schreiben.

Konzentration und Expansion seit 1985

1985 leitete ein Eigentümerwechsel die Konzentration des angeschlagenen Konzerns auf die Produktbereiche Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge ein. Die Knorr-Bremse GmbH und die Süddeutsche Bremsen-AG wurden 1985 auf die neu gegründete Knorr-Bremse AG fusioniert. Die Knorr-Bremse KG wurde liquidiert. Veräußert oder eingestellt wurden der Dieselmotoren- und Werkzeugmaschinenbau (beide 1985), die Industrie-Pneumatik (1993) und der Stahlguss (1997).

1993 erfolgte die Divisionalisierung des Konzerns. Die Geschäftsfelder Systeme für Schienen- und Nutzfahrzeuge werden seither von getrennten Gesellschaften wahrgenommen. Der Konzentration auf die Kernbereiche folgte eine starke Expansion in beiden Segmenten. Durch die Übernahme bedeutender Hersteller vor allem in den USA und den Aufbau eines globalen Produktionsverbunds wuchs Knorr-Bremse zum weltweit führenden Anbieter von Bremssystemen sowohl für Schienenfahrzeuge als auch für Nutzfahrzeuge. Der Konzernumsatz stieg zwischen 1987 und 2005 kontinuierlich von 311 Mio. EUR auf 2,7 Mrd. EUR.

Wichtige Schritte der Expansion (S = Schienenfahrzeuge, N = Nutzfahrzeuge):

1990/92 S Übernahme der Eisenbahnbremsensparte von Oerlikon-Bührle, Zürich (Schweiz)
1990/91 N/S Übernahme des VEB Berliner Bremsenwerk, Berlin (Nachfolgeunternehmen von Knorr-Bremse in der ehemaligen DDR)
1991 S Übernahme der New York Air Brake, Watertown (New York, USA)
1993 N Beteiligung an der AlliedSignal Truck Brake Systems Company (Marke Bendix), Elyria (Ohio, USA)
1993 N/S Gründung der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH und der Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH, beide München
1999 N Übernahme des Nutzfahrzeugbremsen-Bereichs der Robert Bosch GmbH
2000 S Übernahme von Westinghouse Brakes, Chippenham (Großbritannien) und Sydney (Australien)
2002 N Vollständige Übernahme der Bendix Commercial Vehicle Systems, Elyria (Ohio, USA)

Konzernstruktur und Eigentümer


Die Steuerung des Knorr-Bremse Konzerns erfolgt über die drei Regionen Europa, Amerika sowie Asien/Australien. Das operative Geschäft ist divisional gegliedert. Die Knorr-Bremse AG hält 100 % des Kapitals der Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH und 80 % des Kapitals der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH. An letzterer ist die Robert Bosch GmbH mit 20 % beteiligt.

Knorr-Bremse ist seit der Gründung im Jahr 1905 ein eigentümergeführtes Unternehmen. Die 1985 neu gegründete Knorr-Bremse AG ist wie die gleichnamige Vorgängergesellschaft nicht börsennotiert. Das Gesellschaftskapital befindet sich im Besitz der Familie des Vorstandsvorsitzenden Heinz Hermann Thiele, der den Konzern 1985 übernommen hat und seither leitet.

Produkthistorie und Geschäftsfelder


Einführung wichtiger Produkte für Nutzfahrzeuge (N) und Schienenfahrzeuge (S)

1903 S K1 Druckluftbremse für Personenzüge
1918 S Kunze-Knorr-Bremse (KK) für Personen- und Güterzüge
1923 N Druckluftbremse für Nutzfahrzeuge
1931 S Hildebrand-Knorr-Bremse (Hik) für Personen- und Güterzüge
1955 S Knorr-Einheitsbremse (KE) für Personen- und Güterzüge
1972 N ABS für Nutzfahrzeuge
1985 S Druckluftbremsventil für schwere amerikanische Güterzüge
1992 N Pneumatisch betätigte Scheibenbremse für Nutzfahrzeuge
2002 N Bendix Driver Control Module für Nutzfahrzeuge
2002 S Modulares Bremssystem für Lokomotiven
2004 S Ölfreier Kompressor für Schienenfahrzeuge

Wichtige Geschäftsfelder und Markennamen

Literatur


  • Franz Ludwig Neher, Fünfzig Jahre Knorr-Bremse. Berlin/München 1955.
  • Manfred Barthel, Kraft und Sicherheit. 75 Jahre Knorr-Bremse. Düsseldorf/Wien 1980.
  • Helmut Engel (Hrsg.), Standort Berlin-Ostkreuz. Historische Knorr-Bremse. Industriekomplex im Wandel. Berlin 2000.
  • Helmut Engel (Hrsg.), Standort Berlin-Marzahn. Historische Knorr-Bremse. Industriekomplex im Wandel. Berlin 2001.
  • Manfred Pohl, Sicherheit auf Schiene und Straße. Die Geschichte der Knorr-Bremse AG. (engl. Ausgabe: Safety First by Road and Rail. The History of Knorr-Bremse AG.) München 2005.

Weblinks


Unternehmen (München) | Produzierendes Unternehmen | Markenname

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Knorr-Bremse".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld