Klosterneuburg ist eine Stadt in
Niederösterreich (
Bezirk Wien-Umgebung) mit 24.843 Einwohnern (
2005).
Sie liegt an der Donau, unmittelbar nördlich von Wien, von dem es durch den Kahlenberg und den Leopoldsberg getrennt ist. Von der Schwesterstadt Korneuburg ist sie seit dem späten Mittelalter durch die Donau getrennt. Ein Teil des Gemeindegebietes ist als Naturpark Eichenhain unter Schutz gestellt.
Geschichte
Die frühesten Spuren menschlicher
Ansiedlung in Klosterneuburg reichen bis in das
Neolithikum zurück. Eine erste Siedlungskontinuität entwickelte sich erst ab der Mitte des
1. Jahrhunderts nach Christus mit der Errichtung eines römischen Hilfstruppen
kastells, dem westlichsten der
Provinz Pannonien.
Zahlreiche archäologische Grabungen legen Zeugnis über das Leben der
Römer und die Besiedlung des Platzes bis ins
5. Jahrhundert; aber der Name dieses Kastells ist uns bis heute unbekannt. Eine nachweisbare Besiedlung dieses
Hochplateaus setzte erst wieder im
11. Jahrhundert ein.
Große Bedeutung erlangte die Stadt um
1113, als sich
Markgraf Leopold III. hier eine ansehnliche Residenzstadt schuf. Leopold III., der mit Agnes, der Tochter
Kaiser Heinrichs IV. verheiratet war, errichtete am Rande der Oberen Stadt seine neue Residenz, die in Anlage und Ausmaß der standesgemäßen Stellung des
Reichsfürsten entsprach. Im Jahr
1114 ließ Leopold III. in feierlicher Weise den
Grundstein für eine neue monumentale
Stiftskirche legen. Die Kirche war ursprünglich ein
Kollegium für weltliche
Kanoniker und wurde erst
1133 in ein
Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. Klosterneuburg bekam damals schon jene Ausdehnung, die sie durch Jahrhunderte beibehielt. Die
Donau bedeutete für die Bewohner dieser Siedlung eine große Bedrohung, war aber auch zugleich ihr Lebensnerv, da auf dem Wasserweg ein Großteil der Handelsgüter befördert wurde. Die häufigen Überschwemmungen drängten die Bewohner jenseits der Donau immer mehr landeinwärts, sodass zu Beginn des
13. Jahrhunderts sich die beiden Stadtteile auseinanderentwickelt hatten. Diese natürliche Teilung brachte für die Bewohner große Schwierigkeiten, die auch
Albrecht I., der sich
1288 in Neuburg eine neue Burg als Residenz errichten ließ, nicht verborgen blieben.
1298 trennte Albrecht I. die beiden Stadthälften und verlieh Neuburg klosterhalben, dem eigentlich älteren Siedlungskern, ein neues
Stadtrecht.
Die schlecht umwehrte und daher schwer zu verteidigende Untere Stadt musste immer wieder den feindlichen
Belagerungen preisgegeben werden. Sie wurde mehrfach geplündert und zerstört, während sich die Bevölkerung in den Schutz der stark befestigten Oberen Stadt begab. So vor allem während der
Türkenbelagerungen von
1529 und
1683. Dass die Stadt 1683 trotz ihrer schwachen Kräfte bis zuletzt durchhalten konnte und somit einen wichtigen Flankenschutz beim Anmarsch der verbündeten Christenheere zum Entsatz von Wien bilden konnte, war in erster Linie das Verdienst zweier
Chorherren und der starken Solidarisierung zwischen Stift und Stadt.
Im
18. Jahrhundert wollte
Karl VI. (HRR) das
Stift Klosterneuburg zu einem Österreichischen
Escorial, d.h. zu einer herrschaftlichen Klosterresidenz, umbauen.
Nach dem Tod
Karl VI. (HRR) geriet da Projekt ins Stocken und wurde die folgenden Jahrzehnte immer schleppender bearbeitet, bis es
1842 nicht mehr weitergeführt wurde. Nur einer der vier Innenhöfe wurde fertig. Von weitem zu sehen sind aber die Kuppeln mit den riesigen Goldkronen, die die Herrschaftstitel des Hauses
Habsburg symbolisieren.
Egon Schiele Klosterneuburg 1907.jpg (1907)]]
In den Jahren
1805 und
1809 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt, am
20. Dezember 1805 weilte
Napoleon kurz im Stift Klosterneuburg.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Klosterneuburg ein noch in sich abgeschlossenes Weinhauerstädtchen mit knapp 5.000 Einwohnern. Mit dem Ausbau der Verkehrsverbindungen nach Wien wählten viele Wiener Beamte und Arbeiter Klosterneuburg als neues Wohndomizil. In den 30er Jahren zählte Klosterneuburg bereits über 15.000 Einwohner.
Mit dem "Anschluss" an das Deutsche Reich
1938 verlor nicht nur
Österreich seine Unabhängigkeit, auch Klosterneuburg büßte seine Selbständigkeit ein. Die Stadt wurde am
15. Oktober 1938 Groß-Wien eingegliedert und bildete mit den Orten Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling und Weidlingbach den 26. Wiener Gemeindebezirk.
Im
Juli 1946 wurde vom
Nationalrat die Rückgliederung Klosterneuburgs und weiterer 80
Gemeinden nach
Niederösterreich beschlossen. Der
Alliierte Rat verweigerte diesem Gesetz jedoch jahrelang seine Zustimmung, sodass die Rückgliederung erst mit
1. September 1954 vollzogen werden konnte. Die gesamten Gebietsteile der vor dem
15. Oktober 1938 ehemals selbständigen Gemeinden
Gugging,
Kierling,
Höflein, Kritzendorf,
Weidling und
Weidlingbach wurden der wiedererrichteten
Stadtgemeinde Klosterneuburg eingegliedert. Damit wurde Klosterneuburg zur drittgrößten Stadt Niederösterreichs.
Bevölkerung
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Einwohnerentwicklung
Nach
St. Pölten und
Wiener Neustadt ist Klosterneuburg drittgrößte Stadt
Niederösterreichs.
In der
Liste der Städte in Österreich liegt Klosterneuburg unter den Top 20.
Bevölkerungsstruktur
Die 15 bis 60 Jährigen bilden mit 58,6 % die größte Bevölkerungsgruppe in Klosterneuburg. Es gibt 25,7 % über 60 sowie 15,7 % unter 15 Jährige. Damit weicht Klosterneuburg nur leicht vom österreichischen Durchschnitt ab. Klosterneuburgs Frauenanteil von 58,2 % ist um 6,8 % höher als der österreichische Durchschnitt.
Herkunft und Sprache
Der Anteil von Klosterneuburgern mit ausländischer
Staatsbürgerschaft lag 2001 bei 8,4 %. Davon waren 2,6 % aus den EU 15 und der Rest aus dem übrigen Ausland. Diese kommen aus:
- Bundesrep. Jugoslawien 1,7 %
- Deutschland 1,4 %
- Türkei 0,5 %
- Bosnien-Herzegowina 0,4 %
- Kroatien 0,2 %
- sonstige EU(15)-Bürger 1,2 %
- sonstige Ausländer 3,0 %
Religionsbekenntnis
Mit 66,4 % ist der römisch-katholische Glaube die am stärksten vertretene Religionsgemeinschaft in Klosterneuburg. Menschen ohne religiöses Bekenntnis nehmen mit 17,2 % den zweiten Platz ein. Es gibt 7,6 % Einwohner evangelischen Glaubens. Außerdem 1,9 % orthodoxen und islamischen Glaubens. Die kleinste religiöse Gruppe sind Klosterneuburger israelitischen Glaubens mit 0,2 %. 4,9 % sind Anhänger sonstiger oder unbekannter Glaubensrichtungen.
Politik
Gemeinderat
Der
Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen (nach den Gemeinderatswahlen vom
6. März 2005, in Klammer die errungen Mandate):
- ÖVP 45,4% (20)
- SPÖ 25,4% (11)
- Grüne 13% (5)
- FPÖ 6,6% (2)
- PUK 5,3% (2)
- MIK 2,7% (1)
- WSK 1,4% nicht im Gemeinderat vertreten
(Ergebnisse auf 1 Kommastelle gerundet)
PUK (Plattform unser Klosterneuburg), MIK (Die Familienpartei Klosterneuburg) und WSK (Wahlalternative Solidarisches Klosterneuburg) sind bürgerliche Listen und traten 2005 erstmals an.
Die Gemeinderatsregierung wird von einer Koalition aus ÖVP und Grünen gestellt.
Bürgermeister
- Bürgermeister: Dr. Gottfried Schuh (ÖVP)
- Vizebürgermeister: KR Fritz Kaufmann (ÖVP)
Partnerstädte
Klosterneuburg unterhält mit folgenden Städten eine
Städtepartnerschaft:
Patenschaft
- Es wurde die Patenschaft für die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich übernommen.
Katastralgemeinden
Folgende Katastralgemeinden gehören zu Klosterneuburg:
Wirtschaft
Wirtschaftsstruktur
- 670 Handels-, Gewerbe- und Industriebetriebe, davon
- 600 Kleinbetriebe (1-3 Dienstnehmer)
- 60 Mittebetriebe (max. 10 Dienstnehmer)
- 10 Betriebe über 50 Dienstnehmer
- 149 Landwirtschaftliche Betriebe
- 39 Buschenschanken
Beschäftigungsstand
- 620 Selbständige
- 12.600 Unselbständig Erwerbstätige
Fremdenverkehr
- 10 gewerbliche Beherbergungsbetriebe mit 336 Betten
- 27 private Beherbergungsbetriebe mit 165 Betten
- 1 Jugendherberge mit 60 Betten
- 1 Campingplatz mit 140 Stellplätzen und 50 Zeltplätzen
Sehenswürdigkeiten
Klosterneuburg ist seit alters her auch ein bekanntes Zentrum des Weinanbaus. Hierauf weisen auch die vielen Buschenschenken (Heuriger) in der Umgebung des Ortes hin, eine Art der Straußwirtschaft.
In dem Städtchen ist auch eine staatliche Weinbau-Anstalt beheimatet. Hiernach ist auch die österreichische Methode der Mostzucker-Bestimmung beim Wein in Graden KMW benannt, die ein Äquivalent zu den in Deutschland verbreiteten Öchsle-Graden sind (siehe auch Klosterneuburger Mostwaage). In Klosterneuburg ist auch die Sammlung Essl ansässig, die zu Österreichs bedeutendster Sammlung von Gegenwartskunst in Privatbesitz zählt.
Tourismusinformation
- Zimmer - Informationsbüro +43 (0)2243 320-38
- Tourismusverein: +43 (0)2243 343-96
- Stadtgemeinde Klosterneuburg: +43 (0)2243 444-294
Persönlichkeiten
- Gustav Peichl, österreichischer Architekt+ Autor, Karikaturist "Ironimus"
- Prof. Hademar Bankhofer, österreichischer Gesundheitsexperte und Medizin-Journalist
- Johann Georg Albrechtsberger, österreichischer Musiktheoretiker und Komponist
- Mirjam Unger, Hörfunkmoderatorin und Regisseurin
- O. W. Fischer, österreichischer Schauspieler
- Hans Ledwinka, österreichischer Autokonstrukteur
- Helmut Senekowitsch, bekannter österreichischer Fußballer und Nationalteamtrainer(Schmach von Córdoba)
- Patricia Brooks, österreichische Autorin
- Karlheinz Essl, österreichische Komponist und Elektroniker
- Herbert Prohaska, ehemaliger österreichischer Fußball-Nationalspieler
- Manfred Deix, Karikaturist
- Ewald Baringer, Journalist, Literat
Wichtige Gebäude
Bilder
Bild:Klosterneuburg040531w.jpg|Blick auf Klosterneuburg
bild:Umgebung_von_Wien_(Einseitige_Farbkarte).jpg|Historische Karte (um 1888)
Bild:StiftKlosterneuburg.JPG|Stift Klosterneuburg
bild:evang_kirche.jpg|die Evangelische Kirche (1995)
Weblinks
Ort in Niederösterreich
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