Kloster_muri.jpg Das Kloster Muri war ein Benediktinerkloster im Freiamt, Kanton Aargau in der Schweiz. Gegründet in Muri im Jahr 1027 wurde es im Rahmen der Säkularisierung im Jahre 1841 aufgehoben, was in der Schweiz zu innenpolitischen Auseinandersetzungen führte und selbst Österreich zu Interventionen reizte.
Im Kreuzgang mit dem wertvollen Glasgemäldezyklus aus dem 16. Jahrhundert befindet sich die Habsburger-Gruft. Hier ruhen die Herzen des letzten Kaiserpaars der österreichischen Monarchie, Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita von Bourbon-Parma. Auch die Herzen weiterer Mitglieder der Habsburgerfamilie sind hier bestattet.
Im Klostermuseum werden die wertvollen Kunstschätze des Kloster ausgestellt. Es gibt auch eine permanente Ausstellung des Alpenmalers Caspar Wolf. In der Klosterkirche gibt es nicht weniger als fünf Orgeln; von Mitte Mai bis Ende September finden Orgelkonzerte weltberühmter Organisten statt.
Teile der Klosteranlage werden seit 1843 als Schulhaus, seit 1909 als Pflegeheim und seit 1997 als Sitz der Gemeindeverwaltung genutzt.
Eine erste Blüte durchlebte das Kloster unter dem Abt Luitfrid (1085-1096). Im Jahr 1120 entsandte Muri die ersten Mönche ins Kloster Engelberg. In die Literaturgeschichte ging das Kloster mit dem ältesten erhaltenen, geistlichen Drama in deutscher Sprache ein. Das Osterspiel von Muri entstand wahrscheinlich um 1250.
Mit dem Reformabt Johann Jodok Singisen (1596-1644) erlebte das Kloster eine weitere Blüte. Er legte grössten Wert auf die Bildung der Mönche und sorgte für den Ausbau der Bibliothek, was das Kloster weitherum bekannt machte. 1647 wurden die Reliquien des römischen Märtyrers Leontius überführt, was das Kloster zu einem viel besuchten Wallfahrtsort machte. Einen baulichen Höhepunkt bildete 1694 der Ersatz der romanischen Klosterkirche durch die grösste barocke Kirche der Schweiz.
Ein politischer Erfolg war 1701 die Erhebung in den Rang einer Fürstabtei, was im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einen Sitz unter den Reichsfürsten garantierte. Zu jener Zeit galt Muri als das reichste Kloster der Schweiz. 1750 wurde die Klosterkirche mit Rokoko-Elementen ausgestattet. Die Zeit der Aufklärung überstand das Kloster unversehrt.
1835 kamen erneut antiklerikale Tendenzen auf und der Kanton stellte das Kloster unter eine strenge Aufsicht. Die Klosterschule wurde geschlossen, die Mönche mussten Steuern zahlen, die Aufnahme von Novizen wurde erneut verboten. Am 13. Januar 1841 beschloss das Kantonsparlament nach religiös motivierten Unruhen die Auflösung des Klosters, was zum Aargauer Klosterstreit führte. Ende Januar verliessen die letzten Mönche das Kloster Muri.
Der Abt versuchte, in den katholischen Kantonen Unterstützung für die Sache des Klosters zu erhalten. In einem ersten Schritt kamen einige bisher in Muri Tätige nach Sarnen, wo sie im November 1841 die dort seit 1752 bestehende Lateinschule übernahmen. Bis zum heutigen Tag halten einige Patres an der Obwaldner Kantonsschule (dem Kollegi) Unterricht und betreuen auch das Internat.
Zuerst hofften Abt und Konvent noch, dass das Kloster Muri bald restitutiert würde. Immerhin legte Fürst Metternich dem habsburg-österreichischen Kaiserhof in Wien einen Plan vor, wie dem früheren Stammkloster geholfen werden könnte. Neben diplomatischem Druck war sogar eine militärische Intervention eine der Optionen. Die Hoffnungen auf eine Wiedereröffnung des alten Klosters Muri zerschlugen sich bald. Schon 1845 zog der Konvent unter Abt Adalbert in das ehemalige Chorherrenstift von Gries bei Bozen im Südtirol ein. Seit dieser Zeit besteht das Kloster Muri-Gries. Weil etwa die Hälfte der Patres in Sarnen wohnt und dort unterrichtet, ist manchmal auch vom Kloster Muri-Gries-Sarnen die Rede.
1909 zog die Pflegeanstalt wieder ein. Zwischen 1929 und 1934 erfolgte die Renovation der Klosterkirche. 1957 wurde die Renovation des Kreuzgangs und der Aussenfassade vollendet. Seit 1960 ein kleines Benediktinerhospiz in einem der Flügel eingerichtet wurde, leben wieder einige wenige Mönche im Kloster. 1971 wurden die Herzen des letzten Habsburger-Kaiserpaars im Kreuzgang beigesetzt. Der Wiederaufbau des Ostflügels konnte erst 1989 (also hundert Jahre nach dem Brand) vollendet werden. 1996 erfolgte eine zweite Aussenrenovation, ein Jahr später zog die Gemeindeverwaltung in einen der Klosterflügel ein.
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