Das Kloster Lorsch ist eine ehemalige Benediktiner-Abtei, am Ortsrand von Lorsch, im südhessischen Kreis Bergstraße (Deutschland). Es wurde im Jahr 764 gegründet und bestand 468 Jahre, bis es 1232 dem Erzstift Mainz einverleibt wurde. Im frühen Mittelalter war es ein Geistes- und Kulturzentrum des Fränkischen Reiches. Die Tor- oder Königshalle ist das einzige vollständig erhaltene Baudenkmal der Karolinger-Zeit und gehört zu den bedeutendsten Relikten vorromanischer Architektur in Deutschland. Berühmt sind die heute weltweit verstreuten Werke der Klosterbibliothek. Das Kloster Lorsch (Abtei und Altenmünster) ist seit 1991 Weltkulturerbe der UNESCO.
Ab 764 hielten sich hier schon Mönche aus Gorze auf, die von Chrodegang entsendet wurden. Chrodegang führte, wie auf seiner Eigengründung, Kloster Gorze, die benediktinischen Regeln ein. Auf die Bitte von Chrodegang um Reliquien für das Kloster übergab Papst Paul I. die Gebeine des heiligen Nazarius, die am 11. Juli 765 eintrafen. Das Kloster erhielt damit als eines der Ersten im Frankenreich vom Papst einen römischen Heiligen zum Geschenk.
Die Abtei erhielt damit vermehrt Schenkungen und die Zahl der Pilger nahm sprunghaft zu. Dies mag ein Grund gewesen sein, um einen Kirchenneubau ab 765 zu beginnen. In diesem Jahr wurde Gundeland, ein Bruder von Chrodegang, Abt von Lorsch. Auf einer Anhöhe unweit des alten Standorts (Altenmünster), auf dem heute noch erkennbaren Klostergelände, wurde die neue Kirche gebaut. Das Land wurde der Abtei von Thurinkbert, einem Bruder von Graf Cancor, geschenkt. Als Chrodegang im März 766 starb hatte das Kloster 16 Mönche.
In der Reichsorganisation hatte die Abtei den Königsdienst (servitium regis) zu leisten und sorgte für die Binnenkolonisation. In diesem Kontext muss die Schenkung von Karl dem Großen gesehen werden, der im Jahre 773 und 774 die Mark Heppenheim und die villa Oppenheim übereignete. In der Tradition des ewigen Gebetes (in der Anfangszeit des Klosters für die Familien der Besitzer und des zahlungskräftigen Adels) forderte Karl der Große die Mönche auch auf, für die Königsfamilie und das Reich zu beteten.
Im Jahr 774 wurde die neue Klosterkirche fertig gestellt. Der Abt Gundeland lud Karl den Großen zur Weihe ein, der sich in Speyer aufhielt. Er kam gerade aus Italien zurück, wo er die Langobarden besiegte. Er reiste mit dem Bischof (später Erzbischof) von Mainz Lullus und weiteren Bischöfen nach Lorsch. Lullus nahm die Kirchweihe vor und überführte die Reliquien des heiligen Nazarius in die neue Kirche. Spätestens seit 774 wird es auch erste Gebäude der Königspfalz gegeben haben, die insbesondere von Karl dem Großen und später Ludwig dem Deutschen häufig besucht wurde.
Eine weitere wichtige Aufgabe kam der Abtei ab dem vierten Abt Richbod zu, der ein bedeutendes Skriptorium aufbaute. Im gleichen Jahrhundert ist dem Skriptorium auch eine Schule angeschlossen, somit entwickelt sich daraus die weithin bekannte Klosterbibliothek des Hochmittelalters. Richbod ist vermutlich seit 775 im Kloster als Urkundenschreiber belegt. Er erhielt seine Ausbildung am Hofe von Karl dem Großen bei Alkuin. Es ist zu vermuten, dass er durch seine Nähe zum Königshof 784 zum Abt gewählt wurde und zwischen 791 und 793 in Personalunion auch Erzbischof von Trier war. Als solcher gehörte er zum engeren Gelehrtenkreis (Pseudonym: Macharius) am Königshof um Karl und Alkuin. Das Kloster hatte dadurch eine bedeutende Rolle für die Bücherproduktion und damit auch für die Bildungsreform im fränkischen Reich. Weiterhin ließ Richbold die ecclesia triplex errichten. Dies war eine weitere kleine Kirche die im Zusammenhang mit dem Bau der die ersten Konventsgebäude aus Stein gesehen werden muss. Weiterhin befestigte Richbold das Kloster mit einer Steinmauer.
Durch Schenkungen, die im wesentlichen vom örtlichen Adel stammte dehnte sich die Abtei in den folgenden Jahrhunderten stark aus. Die Schenkungen kamen hauptsächlich aus dem Wormsgau, dem Lobdengau und dem Oberrheingau. Weitere Schenkungen kamen aus dem Kraichgau, dem Speyergau und in geringeren Maße aus dem Lahngau, der Wetterau (Wettereiba), dem Niddagau, dem Maingau, dem Anglachgau (südöstlich von Speyer), dem Ufgau (südöstlich von Speyer), der Wingertland (Wingarteiba im östlichen Odenwald), dem Elsenzgau und dem Breisgau.
Unter den Klöstern im Reich taucht Lorsch schon 817 auf, die die Hauptlast des Königsdienstes zu tragen hatten (z. B. Abgaben an das Reich oder die Bereitstellung von Soldaten für das Reichsheer). Dies verdeutlicht auch die wirtschaftliche Bedeutung des Klosters für das Frankenreich.
Auch während der Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen ging die Abtei gestärkt heraus. Die Abtei wurde 832 durch Ludwig dem Deutschen besetzt, vermutlich um die Abtei daran zu hindern, für den Kaiser Partei zu ergreifen.
Adalung war 833 auf dem Lügenfeld bei Colmar anwesend und übergab im Auftrag von Ludwig dem Frommen Geschenke an den Papst Gregor IV., der auf betreiben von Lothar I. angereist war. Im Jahr 834 benötigte Ludwig der Deutsche die Rückendeckung der Abtei, gegen seinen Bruder Lothar I. und bedachte die Abtei mit einer Schenkung. In dieser Zeit hatte das Kloster 60 Mönche und Einhard schenkte der Abtei die cella Michelstadt.
Samuel wird 834, nach dem Tode von Adalung, Abt von Lorsch. Er führte die Abtei erfolgreich durch die Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Söhnen von Ludwig dem Frommem. Noch durch dessen Fürsprache wurde Samuel 841 Bischof von Worms, er blieb gleichzeitig Abt in Lorsch. Nach dem Tode von Ludwig dem Frommen unterstützte er Lothar I., so wie dies auch der Fuldaer Abt Rabanus Maurus, der Mainzer Erzbischof Otgar und der Paderborner Bischof Badurat taten. Erst nach zustande kommen des Vertrages von Verdun (843), kam es wieder zu einer Verständigung zwischen den Kirchenfürsten und Ludwig dem Deutschen. Dies äußert sich in einer Urkunde von Ludwig aus dem Jahre 847. In ihr erlaubt der König den durch die Reichsteilung zerrissenen Besitz der Abtei, durch Tausch wieder zu bündeln. Weiterhin wird 852 der Status als Reichsabtei bestätigt.
1232 wurde Lorsch dem Erzbistum Mainz zur Reform unterstellt; die Benediktiner, die sich der angeordneten Reform widersetzten, mussten die Abtei verlassen und wurden durch Zisterzienser ersetzt. Diese konnten sich in Lorsch jedoch nicht halten und wurden 1248 durch Prämonstratenser aus Allerheiligen ersetzt; seither hatte das Kloster den Status einer Propstei. 1461 verpfändete Kurmainz seine Besitzungen an der Bergstraße und damit ging Lorsch an die Kurpfalz, die 1556 die Reformation einführte und das Kloster aufhob. Als die Spanier 1621 von der Bergstraße abzogen, wurde Lorsch niedergebrannt.
Das Kloster Lorsch wurde 1991 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
| Name | von | bis |
|---|---|---|
| Bischof Chrodegang von Metz | 764 | 765 |
| Abt Gundeland | 765 | 778 |
| Abt Helmerich | 778 | 784 |
| Abt Richbod | 784 | 804 |
| Abt Adalung | 804 | 837 |
| Abt Samuel | 837 | 856 |
| Abt Eigilbert | 856 | 864/865 |
| Abt Thiothroch | 864/865 | 876 |
| Abt Babo | 876 | 881 |
| Abt Walther | 881 | 882 |
| Abt Gerhard | 883 | 893 |
| Abt Adalbero | 895 | 897 |
| Abt Liuther | 897 | 900 |
| Abt Adalbero | 900 | 901 |
| Abt Hatto | 901 | 913 |
| Abt Liuther | 914 | 931 |
| Abt Evergis | 931 | 948? |
| Abt Brun (Bruder von Otto I.) | 948? | 951 |
| Abt Gerbod | 951 | 972 |
| Abt Salmann | 972 | 999 |
| Abt Werner I. | 999 | 1001 |
| Abt Werner II. | 1001 | 1002 |
| Abt Gerold I. | 1002 | 1005 |
| Abt Poppo, auch Abt von Fulda (fränkische Babenberger) | 1006 | 1018 |
| Abt Reginbald | 1018 | 1032 |
| Abt Humbert | 1018 | 1032 |
| Abt Bruning | 1037 | 1043 |
| Abt Hugo I. | 1043 | 1052 |
| Abt Arnold | 1052 | 1055 |
| Abt Udalrich | 1056 | 1075 |
| Abt Adalbert | 1075 | 1077 |
| Abt Winther | 1075 | 1077 |
| Abt Anselm | 1088 | 1101 |
| Abt Gerold II. | 1101 | 1105 |
| Abt Hugo II. | 1105 | - |
| Abt Gebhard | 1105 | 1107 |
| Abt Ermenold | 1107 | 1111? |
| Abt Benno | 1111? | 1119 |
| Abt Heidolf | 1119 | - |
| Abt Hermann | 1124 | 1125 |
| Abt Diemo | 1125 | 1139 |
| Abt Baldemar | 1140 | 1141 |
| Abt Folknand | 1141 | 1148 |
| Abt Hildebert | 1148 | - |
| Abt Marquard | 1148 | 1149 |
| Abt Heinrich | 1151 | 1167 |
| Abt Sigehard | 1167 | 1199/1200 |
| Abt Luitpold von Scheinfeld | 1199/1200 | 1214 |
| Abt Konrad | 1214 | 1229 |
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