Das Kloster Lorch ist ein ehemaliges Benediktinerkloster in Lorch, Baden-Württemberg (Deutschland).
Die Anfänge der Grundherrschaft des Klosters Lorch waren ungeachtet der Machtstellung seiner Stifter bescheiden. - Die Gründungsausstattung des Benediktinerklosters umfasste zunächst das staufische Hausgut in Lorch und einzelne umliegende Güter um den Hohenstaufen und nördlich der Rems. Außerdem bedachten die Staufer ihr Kloster mit Fernbesitz. Dazu gehörte sicher Ebermergen bei Harburg. Weiterer Besitz im Ries ist nicht unwahrscheinlich. Möglicherweise von den Saliern, d. h. aus der Mitgift der Kaisertochter Agnes, der Gattin Friedrichs I., stammen die Güter auf dem Albuch bei Bolheim und vielleicht auch die um den Weiler Hohenlohe auf dem Härtsfeld.
Die Kräfte richteten sich zunächst auf die Errichtung von Kirche und Klausurgebäuden. Erst 1139 konnte an die Überführung der verstorbenen Staufer von der Stiftskirche in die neue Klosterkirche gedacht werden. Dank der Unterstützung des Königs Konrad III. machte das Kloster gute Fortschritte.
Die Ökonomie des Klosters dürfte sich in diesen Jahren eng an den Vorschriften der Constitutiones Hirsaugienses orientiert haben. Das bedeutete die Eigenbewirtschaftung der nahegelegenen Güter mit Konversen und Hörigen. Das Aufkommen neuer Reformorden brachte für das Benediktinerkloster unangenehme Konkurrenz hervor, zumal innere Zwistigkeiten den Konvent schwächten.
Die Situation des Klosters in der späteren Stauferzeit kann dennoch als gut bezeichnet werden. Die Klosterkirche wurde um die Wende zum 13. Jahrhundert mit Schmuckpfeilern und einem Turm über der Vierung versehen, wodurch die Staufergrablege auch nach außen hin optisch zur Geltung kam.
Der staufische Zusammenbruch bedeutete für das Kloster akute Gefahr: ehemalige Ministerialen beanspruchten einzelne Rechte, die aber zumeist mit Geld abgelöst werden konnten. Gefährlicher noch war der Zugriff des Grafen Ulrich I. von Württemberg. Er versuchte, die Vogtei über das Kloster zu übernehmen. Auch Walther II. Schenk von Limpurg forderte Vogteirechte über verschiedene Klosterorte. Letztlich konnte jedoch keiner seine Ansprüche durchsetzen. Rückhalt fand das Kloster bei den Herren von Rechberg. Außerdem konnte sich Lorch auf ein System gegenseitiger Unterstützung durch die benachbarten Klöster wie Murrhardt, Komburg und Anhausen stützen, so wie der Abt auch diesen bei Streitigkeiten zu Hilfe kam.
Nach der Königswahl des Habsburgers Rudolf I. stellte dieser 1274 das Kloster Lorch unter die Vogtei des Reiches. Das hatte zur Folge, dass es in seine Konflikte mit Graf Eberhard I. von Württemberg hineingezogen wurde. Die Benediktiner gerieten damit in eine Zwickmühle, denn sie strebten den Ausbau ihrer Güter um Stuttgart-Münster an, also mitten im Machtzentrum Württembergs. Das Eingehen eines Schutzverhältnisses mit dem Grafen 1291, unmittelbar nach dem Tode Rudolfs war die Folge.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts geriet das Kloster in eine ernste Krise. Zum einen wurde sein Gebiet von den häufigen Kriegszügen im Lande verheert, zum anderen gingen die Stiftungen, was Größe und Anzahl betraf, merklich zurück. Eine letzte große Übertragung betraf 1279 Güter in Bietigheim, Bissingen und Hohenhaslach. Das Kloster sah sich nun gezwungen, Besitz zu verkaufen, wobei mit Bolheim, Dettingen am Albuch und Erpfenhausen ein ganzer Güterkomplex verloren ging. Um 1329 war der Tiefpunkt erreicht: Papst Johannes XXII. musste dem bereits zurückgetreten Abt Kuno von Gundelfingen befehlen, als Pfleger weiter zu amtieren.
Die mühsame Sanierung ging einher mit einem Wechsel der tonangebenden Kreise im Kloster. Lorch geriet unter den Einfluss der ostschwäbischen Adelfamilien Schechingen, Wöllwarth und Arberg.
Der Machtzuwachs Württembergs in Ostschwaben führte letztlich dazu, dass Abt und Konvent sich dessen Herrschaft nicht entziehen konnte, auch wenn das Kloster nominell noch lange Zeit unter der Vogtei des Reiches stand. Die Interessen des Remstalklosters waren bald so sehr mit Württemberg verzahnt, dass es keine Möglichkeit zu einer selbständigen Territoriumsbildung mehr gab. Die Güterpolitik zielte nun auf die Abrundung der Grundherrschaft nördlich der Rems durch Tauschaktionen mit anderen Klöstern und den Zukauf von strategisch wichtigen Punkten wie der Burg Leineck. Ein weiteres Ziel war der Ausbau in den Weinbaugebieten an Enz und am mittleren Neckar. Besonders traten nun Weinbau und –handel als Geldquelle hervor. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatten die Mönche die kostspielige Direktbewirtschaftung ihrer Weingüter um Stuttgart aufgegeben. Mit der wirtschaftlichen Belebung gingen deutliche Anzeichen für einen religiösen und kulturellen Aufschwung einher. Der 1462 von Graf Ulrich V. veranlasste Anschluss an die Melker Reform fügte sich in dieses Gesamtbild nahtlos ein und traf auf geringen Widerstand. Der adlige Abt Nikolaus Schenk von Arberg wurde schon bald vom bürgerlichen Jodokus Winkelhofer abgelöst.
Die Reform zog eine lebhafte Bautätigkeit nach sich, die im Verein mit den Geldforderungen des Grafen eine neue Finanzkrise hervorrief. Das Kloster beantwortete das mit der Erneuerung und Intensivierung seiner Rechte, was wiederum den Zorn seiner Untertanen hervorrief.
Das Kloster hatte nach und nach seine Besitzungen auf der Ulmer Alb und auf dem Härtsfeld, also außerhalb der württembergischen Machtsphäre, abgestoßen. Abt Georg Kerler kompensierte die Einbindung in das Staatswesen mit einer aktiven landständischen Politik. Im Machtvakuum während der Minderjährigkeit Herzog Ulrichs bot sich ihm für einen historischen Moment nochmals die Perspektive der Reichsunmittelbarkeit, doch wurde sie nicht konsequent genug genutzt. Unter Abt Sebastian Sitterich kehrte Lorch zur engen Kooperation mit dem Herzog zurück. Vielleicht haben die Benediktiner damals schon erkannt, dass ihre Machtmittel zu gering waren. Im Armen Konrad 1514 und im Bauernkrieg 1525 trat dies dann klar zutage. Die Mönche wurden von den aufständischen Bauern ausgeplündert, die Gebäude angezündet. Von den Schäden konnte sich das Kloster nur mühsam erholen. Darüber hinaus wurde es bereits von der Säkularisierung bedroht, da die württembergischen Landstände darin einen bequemen Weg aus der Schuldenkrise des Herzogtums sahen. Zwar hatten die Habsburger noch die Hand über die Prälaten gehalten (und sich den Schutz teuer bezahlen lassen), doch bedeutete die Rückkehr des vertriebenen Herzogs Ulrich 1535 die Einführung der Reformation, die Vertreibung der Mönche und die Zwangsverwaltung für Lorch. An der Struktur der Grundherrschaft wurde nichts geändert, da der Herzog daran interessiert war, sie als Sondervermögen zu erhalten, auf das die Landstände keinen Einfluss hatten. Die Verwalter unternahmen aber nichts gegen die seit 1525 aufgelaufenen Schulden. Durch das Augsburger Interim durften die Mönche 1548 zurückkehren. Unter dem neuen Abt Benedikt gelang zwar die Sanierung, doch waren die Tage des Benediktinerklosters gezählt. 1556 hob es Herzog Christoph auf und verfügte die Errichtung einer Schule, die aus den Einkünften der Grundherrschaft finanziert wurde. Mit dem Tod des letzten katholischen Abtes 1563 war die Geschichte des selbständigen Klosters dann vorbei.
Nach Verzeichnissen aus dem 16. Jahrhundert muss das Kloster sehr viele Reliquien und Kunstwerke besessen haben. Auch die Bibliothek dürfte sehr umfangreich gewesen sein. Bedingt durch Bauernkrieg und Reformation hat sich kaum etwas davon erhalten. Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart bewahrt vier prächtig ausgestattete Chorbücher (zwei Antiphonare, ein Graduale und ein Chorpsalter) auf, die in den Jahren um 1511/12 entstanden sind.
In der Kirche zieht das spätgotische Staufergrabmal die Blicke auf sich. Es wurde von einem unbekannten Göppinger Bildhauer um 1475 geschaffen. Das Hochgrab sollte den Rang der Stifter vor Augen stellen und damit auch den Ruhm des Klosters vermehren. Wohl um 1530 wurden die Pfeiler mit den heute noch sichtbaren Stauferbildnissen versehen. Trotz mehrerer Übermalungen ist die Formensprache der Renaissance gut zu erkennen.
Außerdem befinden sich im Gotteshaus noch zahlreiche Grabmäler von Mitgliedern der Familien von Schechingen und von Wöllwarth sowie von Äbten des 14. bis 16. Jahrhunderts.
Ein Rest des Chorgestühls ist in der Kirche von Täferrot erhalten.
Die Masse der erhaltenen Urkunden und Lagerbücher befindet sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart unter den Signaturen A 499 und H 102/45.
Zum im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Roten Buch des Klosters Lorch (um 1500) und den genealogischen Fälschungen von Hansmartin Decker-Hauff siehe den Hinweis bei Konrad III. (HRR).
Einen ersten Einstieg vermitteln die Artikel in der Germania Benedictina und im Württembergischen Klosterbuch:
Klaus Graf in: Wolfgang Zimmermann/Nicole Priesching (Hgg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart, Ostfildern 2003. ISBN 3-7995-0220-3 Online
Wolfgang Seiffer, in: Franz Quarthal (Bearb.): Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg, in Zusammenarbeit mit Hansmartin Decker-Hauff, Klaus Schreiner und dem Institut für geschichtliche Landeskunde Tübingen (Germania Benedictina 5), St. Ottilien 1975. ISBN 3-88096-605-2
Grundlegend sind zwei Sammelbände:
Felix Heinzer u.a. (Hgg.): 900 Jahre Kloster Lorch. Eine staufische Gründung vom Aufbruch zur Reform. Beiträge einer Tagung des Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins * am 13. und 14. September 2002 in Lorch (VKBW), Stuttgart 2004. ISBN 3-17-018276-5
Peter Wanner (Red.): Lorch – Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster. Heimatbuch der Stadt Lorch, 2 Bde., Lorch 1990 (Beiträge von Klaus Graf, Hermann Kissling, Hermann Ehmer und anderen)
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