Klimaschutz ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die der globalen Erwärmung entgegen wirken und ihre Folgen abmildern oder verhindern sollen. Weil der Klimawandel bereits nicht mehr völig zu stoppen, sondern nur noch zu mildern (engl. mitigation) und zu begrenzen ist, sind parallel Maßnahmen zur Anpassung (engl. adaptation) an den unvermeidlichen Klimawandel nötig, z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge. Hauptansätze des Klimaschutzes sind heutzutage die Verringerung des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen und die Erhaltung und Unterstützung der Bestandteile der Natur, die das mengenmäßig bedeutsamste Treibhausgas Kohlendioxid aufnehmen (so genannte CO2-Senken). Dies sind vor allem große Waldareale, namentlich tropische und boreale Regenwälder.
Die Klimazukunft hängt vor allem vom politischen Willen zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ab. Inzwischen haben die meisten Länder die völkerrechtlich verbindliche Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen unterzeichnet, mittels der eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert werden soll. In ihrer Folge wird vor allem über Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen verhandelt, die im Kyoto-Protokoll verzeichnet sind. Dieses trat offiziell am 16. Februar 2005 in Kraft und enthält Regelungen bis ins Jahr 2012. Derzeit wird im so genannten Post-Kyoto-Prozess über ein Nachfolgeregime für den anschließenden Zeitraum verhandelt.
Ein Problem beim Klimaschutz sind die zahlreichen Unsicherheiten. Diese resultieren nicht zuletzt in Unsicherheiten über Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklungen in den nächsten Jahrzehnten. Weiterhin trägt zur Unsicherheit bei, dass es zu sogenannten positiven oder negativen Rückkopplungsmechanismen kommen kann. Beispielsweise verringert sich die Rückstrahlung (Albedo) der Sonneneinstrahlung, wenn sich die Größe schnee- und eisbedeckter Flächen verringert. Kommt es zum großflächigen Abschmelzen der Polkappen, würde sich die Erwärmung verstärken. Zu Ausmaß wie zu den Auswirkungen des Klimawandels ist die Bandbreite der Prognosen daher groß: Globale Temperaturerhöhungen zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius werden vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) als wahrscheinlich genannt. Unstrittig ist mittlerweile, dass es einen anthropogenen (durch den Menschen verursachten) Klimawandel gibt. Ob und wie schnell es zu einer regionalen oder gar einer globalen Klimakatastrophe kommt, ist jedoch nur schwer vorherzusagen, da in die zugrundeliegenden Klimamodelle sehr viele Daten und Wechselwirkungen einbezogen werden müssen.
Auf technischer Ebene existieren eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren.Pacala, Stephen und Robert Socolow (2004):Stabilization Wedges: Solving the Climate Problem for the Next 50 Years with Current Technologies, in: Science 305, 14. August, S. 968-972 (engl.) (PDF) Während die Kosten einer solchen Vermeidungsstrategie prinzipiell unumstritten sind, hemmen größere Unsicherheiten bei der Abschätzung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels die notwendigen Investitionen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt dennoch, dass ein effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeidbar werden ließe.Kaemfert, Claudia und Barbara Praetorius (2005): Die ökonomischen Kosten des Klimawandels und der Klimapolitik, in: DIW, Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung 74, 2/2005, Seite 133-136 (PDF)
Unabhängig von der internationalen Klimaschutzpolitik, die durch viele Diskussionen und Eigeninteressen der Staaten nur langsam vorankommt, kann jede/r Einzelne viel zur Vermeidung unnötiger Schäden beitragen. Allein durch Energieeinsparung kann man seinen Durchschnittverbrauch um 20-50 Prozent senken (und damit den Ausstoß von CO2). Gute Isolation der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke), erneuerbare statt fossile Brenn- oder Treibstoffe, die Raumtemperatur zugunsten eines Pullovers um 1-2 °C senken und als Autofahrer energiesparend fahren sind wichtige erste Schritte. Die Organisation atmosfair ermöglicht Ausgleichszahlungen für vermeintliche Klimaschädigungen z.B. durch Flugreisen. Mit den freiwilligen Abgaben werden Klimaschutzprojekte gefördert.
Die wirksamste Methode zur Energieeinsparung wäre das Bauen nach Passivhaus-Standard. Eine Umrüstung auf diesen Standard ist bei bereits gebauten Häusern, wenn überhaupt, nur schwer möglich und sehr teuer. Dennoch existieren eine Reihe von Möglichkeiten, auch in herkömmlichen Haushalten Beiträge zum Klimaschutz zu leisten:
Bei anderen propagierten Maßnahmen ist eine Energieersparnis oft nur vordergründig. Fertigprodukte und Produkte aus Kunststoffen werden oft als in der Produktion zu energieintensiv kritisiert. Hier ist aber zu beachten, dass auch die Verarbeitung von z. B. Holz (insbesondere wenn es Kunststoffe ersetzen soll) viel Energie benötigt und großtechnische Verarbeitungsanlagen von Nahrung in der Regel viel energieeffizienter sind als der heimische Herd.
Auch bei der Neuanschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte, Heizungen und Fahrzeugen ist zu berücksichtigen, ob eine Weiterbenutzung ohne Neuanschaffung oder eine Second-Hand-Lösung nicht die energieeffizientere Alternative darstellt, da sowohl die Produktion neuer Geräte als auch die Entsorgung der Altgeräte meist sehr energieintensiv ist. Bei einem dennoch nötigen Neukauf kann der Markt nach Niedrigenergiefahrzeugen abgesucht werden. Die Energieeffizienzklasse der EU gibt außerdem Auskunft über die Verbrauchswerte von Geräten, und für große Haushaltsgeräte wird regelmäßig die Liste "Besonders sparsame Haushaltsgeräte" herausgegeben.Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (2005): Besonders sparsame Haushaltsgeräte 2005/06 (PDF)
Eine der so genannten großtechnischen Lösungen ist die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome und des Hamburger Klimaschutz Fonds. Diese setzt sich ein für die Umsetzung einer kooperativen interkontinentalen Nutzung der Sonnenenergie. In Nord-Afrika und im Nahen Osten soll mittels thermischer Solarkraftwerke Strom erzeugt und dieser durch HVDC-Hochspannungs-Gleichstromleitungen nach Europa geleitet werden. Satellitengestütze Studien einer Denkfabrik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigen das überreichliche Angebot an Solarenergie sowie die Notwendigkeit, die Realisierbarkeit und den Nutzen einer möglichst baldigen Umsetzung der von TREC geforderten Maßnahmen. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nord-Afrika und im Nahen Osten kann genügend Energie und Wasser für den steigenden Bedarf aller beteiligten Staaten erzeugt werden. Dies hätte einen Stopp des Ausbaus von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken in allen beteiligten Staaten zur Folge.
Der als klimaschutztechnischer Idealfall vorzustellende vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe führt nach gängiger Lehrmeinung wegen der Trägheit des Abbaus von Klimagasen und der generell verzögerten Antwort des Klimas auf eine Störung der Atmosphärenzusammensetzung mindestens noch eine Generation lang (ca. 25 Jahre) zu weiterem Temperaturanstieg. Der Verzicht dürfte aber praktisch jeden Anwendungsfall menschlicher Technologie außer Betrieb setzen. Die Folgen für die Zivilisation wären unkalkulierbar. Ersatztechnologien müssten mit Hilfe fossiler Brennstoffe noch vor deren Ende entwickelt und gebaut werden, was viele Experten schon heute für unmöglich halten. Der gänzliche Verzicht auf klimarelevante, fossile Energieträger würde das heutige Wirtschaftssystem kollabieren lassen.
Befürworter umfangreicher Präventivmaßnahmen führen ins Feld, dass die Vorräte der fossilen Energieträger sowieso in kurzen (Öl: 25-40 Jahre, siehe Peak-Oil) bis mittleren (Kohle: 200 Jahre) Zeiträumen an ihre Grenzen geraten, was eine Umstellung auf regenerative Energiequellen oder Kernenergie notwendig macht. Auch mit bereits entwickelten Technologien kann das Problem gelöst werden, ohne dass der Untergang droht. Wichtig ist auch, dass die Effektivität des Energieeinsatzes erhöht wird. Aber auch das ist eher eine politisch-organisatorische, als eine technische Frage, wie folgendes Beispiel zeigt: Für 100 km mit dem PKW kann man 25 l oder 4 l fossilen Treibstoff verbrauchen.
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