Ein Klettergurt ist ein Sicherungsgerät, welches beim Sportklettern, beim alpinen Klettern, Bergsteigen oder bei ähnlichen sturzgefährdeten Tätigkeiten am Körper getragen wird.
Alle Arten von Klettergurten bestehen aus einer festen und hoch belastbaren Textilkonstruktion, welche eine oder zwei Sicherungsschlaufen aufweist, in die ein Bergseil oder Kletterseil eingebunden oder ein Karabinerhaken eingehängt werden kann. Zum direkten Einbinden werden üblicherweise der Achterknoten als Schlinge oder der Sackstich verwendet.
Der Klettergurt überträgt im Falle eines Sturzes oder auch gewollten "Setzens in das Seil" über die Sicherungsschlaufe die Gewichtskraft des Trägers auf das direkt eingebundene oder mittels Karabinerhaken und/oder weiterem Sicherungsgerät verbundene Seil. Dies gilt sowohl für sturzgefährdeten Bergsteiger als auch für den Sichernden.
Man unterscheidet folgende Arten von Klettergurten:
1. Der Hüftgurt besteht aus zwei miteinander verbundenen Beinschlaufen und einer Hüftschlaufe, welche durch ein festes Textilband, die sogenannte Sicherungsschlaufe, zusammengefasst werden. Durch diese Verbindung wird beim Klettern das Seil direkt durch einen Knoten, eingebunden oder mit einem Karabiner eingehängt. Neben der vorne angebrachten Sicherungsschlaufe besitzt ein Hüftgurt meist seitlich und gegebenenfalls auch hinten angebrachte Materialschlaufen, welche zum Transport von Sicherungsgerät, üblicherweise z.B. Expressschlingen, Karabiner, Klemmkeile, Friends, Bandschlingen, aber auch für Chalkbeutel verwendet werden. - Von den meisten Kletterern werden heutzutage ausschließlich Hüftgurte getragen, vor allem aus Bequemlichkeitsgründen. Das Tragen von Hüftgurten kann bei Stürzen aus großer Höhe durch starke mechanische Beanspruchung des Körpers im Hüft- und Beckenbereich zu Verletzungen führen. Beim Tragen eines Rucksacks besteht die Gefahr, dass es durch deren Zusatzgewicht mit hoch liegenden Schwerpunkt dazu kommt, dass der Stürzende kopfabwärts ins Seil stürzt und auch so hängen bleibt. Daher ist beim Klettern und Bergsteigen mit Rucksack von einer reinen Hüftgurtsicherung abzuraten.
2. Der Brustgurt besitzt zwei Armschlaufen und zwei Sicherungsschlaufen vorne auf der Brust. - Von einer ausschließlichen Brustgurtsicherung ist dringend abzuraten, weil der Brustgurt, wenn er das gesamte Körpergewicht trägt, den Brustkorb komprimiert, was zum Atemstillstand führen kann.
3. Beim Kombigurt wird ein Hüftgurt mit einem Brustgurt mittels einer offenen, d.h. nicht ringförmig zusammengenähten, Bandschlinge verbunden. Dabei wird die Bandschlinge einmal zwischen Hüft- und Brustgurt in einen Knoten gelegt und oberhalb des Brustgurtschlaufen mittels Bandschlingenknoten geschlossen. Als Sicherungspunkt zum Einbinden des Seils oder zum Einhängen von weiterem Sicherungsgerät mittels Karabinerhaken wird nun nicht mehr die Sicherungsschlaufe des Hüftgurtes verwendet, sondern der erstgenannte Knoten der Bandschlinge. - Durch diese Technik erhält man einen höherliegenden Sicherungspunkt, der beim Tragen eines Rucksacks erforderlich ist. Weiterhin reduziert der Kombigurt durch bessere Verteilung der Kräfte das Verletzungsrisiko im Hüftbereich. Kombigurte werden im Sportkletterbereich nur selten verwendet, da das An- und Ablegen des Gurtes relativ umständlich ist.
4. Der Komplettgurt besitzt sowohl Armschlingen als auch Beinschlingen, und hat zwei relativ hoch liegende Sicherungsschlaufen im Brustbereich. - Komplettgurte bieten eine denkbar hohe Sicherheit und sind einfach an- und abzulegen. Komplettgurte werden häufig von Kindern, Anfängern oder ungeübten Personen getragen und unter anderem im professionellen Erlebnis- und Freizeitbereich verwendet. Da sie meist keine Materialschlaufen aufweisen, werden sie zum Klettern von Vorstieg und Nachstieg im allgemeinen nicht verwendet.
Die absolute Mehrzahl der Unfälle im Zusammenhang mit Klettergurten sind auf menschliche Fehler zurückzuführen (falscher Umgang). Das Zurückschlaufen des Gürtels eines Hüftgurtes, falls konstruktionsbedingt notwendig, kann vergessen werden. Dadurch kann sich die Hüftschlaufe des Gurtes bei Belastung öffnen. Weiterhin kann fehlerhafterweise das Kletterseil oder der Karabinerhaken statt in die Sicherungsschlaufe in eine nur gering belastbare Materialschlaufe eingehängt werden, welche dann im Sturzfall reißt. Letztlich muss der Knoten eines eingebunden Seils auch korrekt geschlossen sein, um sich beim Sturz nicht zu öffnen.
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