Als Kleinstadt wird in Geographie und Statistik üblicherweise eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 20.000 bezeichnet. Größere Stufen sind die Mittelstadt mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern und die Großstadt ab 100.000 Einwohnern.
Höhepunkte des gemeinschaftlichen Lebens in einer ansonsten vergleichsweise ereignisarmen Kleinstadt sind die meist jährlichen Traditionsfeste, die von der Gemeinde oder von tonangebenden Vereinen organisiert aber von der nahezu gesamten Einwohnerschaft getragen und besucht wird. Zusätzlich wird auch eine Sogwirkung auf das gesamte ländliche Umland für diesen Jahrestermin mobilisiert, der entscheidend das Ansehen des Namens der Kleinstadt in der Region prägt.
Für die Alltagskultur einer Kleinstadt bestimmend ist die Tatsache, dass hier wie auf dem Dorf beinah jeder jeden kennt, zumindest wenn jemand öffentlich durch Handlungen auffällt. So überschaubar ist die Einwohnerschaft, dass die soziale Kontrolle durch Klatsch, Tratsch und Gerüchte jeden informell durch Sanktionen wie Gesicht verlieren, Schneiden oder sonstigem Ansehensverlust straft, der gewollt oder vermeintlich von der Mehrheitsmeinung abweicht. Daher hatten uneheliche Kinder, Alleinerziehende, politisch Andersdenkende oder homosexuell Orientierte früher und zum Teil auch heute noch erhebliche zusätzliche mentale Belastungen gegenüber der städtischen Freiheit der leben und leben lassen- Anonymität zu ertragen. Die Folge ist zumeist, dass Abweichler auf eigenen Wunsch oder notgedrungen fortgehen, in die größeren Städte abwandern, wo die Toleranz größer erscheint.
Andererseits erlauben Kleinstädte, etwa durch die traditionell dichte Durchdringung mit Vereinskultur, eine oft größere Einbettung der alteingesessenen Individuen in ein Gemeinschaftsleben, die den dieser Art Aktiven einen relativen Schutz vor sozialen Einsamkeitsgefühlen verleiht. Dabei ist die Reserviertheit der ortsansässigen Stammbevölkerung gegenüber bloß Zugezogenen, die manchmal regelrecht in eine Fremdenfeindlichkeit übergeht, häufiger als in Großstädten vorzufinden. Durchbrochen wird solche Selbstbezogenheit meist nur durch viel öffnende Initiative Einzelner oder durch den Einfluss von Interessen Ortsansässiger, die von der Vermietung an Urlauber einen Lebensunterhalt erzielen und daher auf eine offene Kultur des Miteinanders existentiell angewiesen sind.
Künstlerisch hat es zahlreiche Auseinandersetzungen mit dem Thema Kleinstadt gegeben, um die erlebten Konflikte lebensgeschichtlich zu verarbeiten. Beispiel etwa der Song Small Town auf der CD Delia, die dem posthumen Gedenken Andy Warhols seitens seiner künstlerischen Weggefährten Lou Reed und John Cale von Velvet Underground gewidmet wurde. Oder der schweizerische Film Kleine Fluchten, der die Möglichkeit des Wegkommens aus der subjektiv erlebten Trostlosigkeit mittels einer bescheidenen Mofa-Motorisierung in einem zeitgeschichtlichen Kleinstadtkontext der 1950er Jahre erzählt. Der erfolgreiche zweite Roman Sven Regeners Neue Vahr Süd steht hier stellvertretend als Beispiel für zahllose literarische Bearbeitungen des vor allem von jüngeren Leuten als schwierig erlebten Lebens in ländlichen Kleinstädten.
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