Kleinmachnow ist eine Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit rund 18.000 Einwohnern. Sie grenzt unmittelbar an den südlichen Berliner Bezirk Zehlendorf und liegt nur wenige Kilometer östlich von Potsdam.
Erstmals im Landbuch Karls IV. von 1375 erwähnt, spielte der Ort eine wichtige Rolle am Bäkeübergang, den verschiedene mittelalterliche Burgen sicherten. Die letzte dieser sämtlich nicht erhaltenen Burgen gehörte den Rittern von Hake, deren Familie bis in das 20. Jahrhundert die Ortsgeschichte prägte. Der Ersatz der Bäke durch den Teltowkanal im Jahr 1907 bescherte dem Dorf die imposante und denkmalgeschützte Schleuse Kleinmachnow. Beide Elemente spiegelt das Wappen der Gemeinde wider – im oberen Teil zeigt es das Schleusentor, im unteren Teil die drei Gemshörner (Haken) aus dem Wappen derer von Hake.
Während der deutschen Teilung im Dornröschenschlaf, zählt die Gemeinde heute wieder zu einer der begehrtesten – und teuersten – Wohnlagen im Speckgürtel Berlins.
Geografie
Geografische Lage
Kleinmachnow wird im Süden vom Teltowkanal abgeschlossen. Nach Norden liegt die Stadtgrenze zu Berlin. Zu Zeiten der
Berliner Mauer war der Ort nur über zwei Brücken am Teltowkanal erreichbar, heute existiert ein eigener Autobahnanschluss an der
A115 im Westen des Ortes.
Nachbargemeinden
Nachbargemeinden sind
Stahnsdorf,
Teltow und
Berlin.
Geschichte
Ursprünglich ein Rittergut entwickelte sich das Gutsdorf Kleinmachnow durch die Siedlungsvorhaben des 20. Jahrhunderts zu dem Berliner Vorort der heutigen Prägung. In Zeiten der deutschen Teilung lag Kleinmachnow in relativer Abgeschiedenheit vom restlichen Staatsgebiet der DDR, da der Ort an drei Seiten von der Mauer zu West-Berlin umgeben war. Die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung waren geprägt von den Auseinandersetzungen über die Rückgabe von Grundstücken an Eigentümer. Alt- und Neu-Kleinmachnower leben mittlerweile friedlich miteinander und haben Kleinmachnow zu einem der attraktivsten Wohngebiete im sogenannten Berliner "Speckgürtel" gemacht.
Mittelalter, Namensgebung
Der Namensbestandteil
Machnow geht auf die
slawische Bevölkerung zurück, die zwischen dem späten 7. und dem 12. Jahrhundert im
Teltow siedelte.
Machnov bezeichnet
einen Ort, der in einer moosreichen (feuchten) Gegend angelegt wurde. (Schlimpert). Die sumpfige Senke wurde durch die
Bäke (früher
Telte) gebildet, die vom
Berlin-Steglitzer
Fichtenberg bis zum
Griebnitzsee floss. Bis auf einen kleinen Restteil in Steglitz sowie im
Bäketal Kleinmachnow ging der Bach im Teltowkanal auf. Den Zusatz "klein" erhielt "Machnow" zur Unterscheidung gleichnamiger Orte. Der längere Zeit verwendete Zusatz
auf dem Sande widerspricht der
feuchten Gegend nicht, denn naturgemäß versuchten Slawen und Deutsche, innerhalb des Sumpfes erhöhte, trockene Stellen für ihre Häuser und Burgen zu nutzen. Da die
eiszeitlich herausgebildete Teltowhochfläche weitgehend aus
Geschiebemergel besteht, waren und sind diese Stellen in der Regel sehr sandig.
Familie von Hake
Im Zuge des
Landesausbaus der
1157 durch
Albrecht den Bären gegründeten
Mark Brandenburg sicherten die
askanischen Markgrafen den damals einzigen Bäkeübergang mit einer Burg. Der askanischen Burg folgte an der gleichen Stelle mindestens eine weitere Burg, die über Jahrhunderte wie das gesamte Dorf Kleinmachnow der Familie
von Hake gehörte. Noch bis 1470 bestand lediglich dieser eine Übergang im ausgedehnten Bäke-Sumpfgebiet. Der
Knüppeldamm lag an der mittelalterlichen Burg und bildete einen strategisch wichtigen Punkt auf der
Handelsstraße Leipzig-
Saarmund-
Spandau. Erst als die brandenburgischen
Kurfürsten 1470 ihre Residenz von Spandau nach Berlin verlegten, kamen zwei weitere Bäke-Übergänge hinzu.
Die erste urkundliche Erwähnung fand Kleinmachnow im Landbuch Karls IV.. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kaufte der Junker Heinrich Hake aus Lebus das Gut Kleinmachnow mit der bestehenden Burg. Das Gut blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz der Familie Hake. Das Dorf südlich des Machnower Sees war ein Ensemble aus der heute nicht mehr vorhandenen Burg (der "Alten" Hakeburg), einem gleichfalls abgetragenen Schloss beziehungsweise Herrenhaus, dem heute denkmalgeschützten Medusenportal, der Kleinmachnower Dorfkirche, einer Wassermühle ("Bäkemühle") und einigen Wohnhäusern. 1906 - 1908 wurde im Auftrag Dietloff von Hakes auf dem nördlich des Machnower Sees gelegenen Seeberg die Neue Hakeburg gebaut. Im Gegensatz zur alten Burg ist sie auch heute noch zu besichtigen.
- Zu Hake von Stülpe (Hans von Hake) siehe Golmberg
Entwicklung Kleinmachnows Anfang des 20. Jahrhunderts
Der Bau des
Teltowkanals 1901 - 1907 und der
Schleuse Kleinmachnow stellte den Wendepunkt in der Entwicklung Dorfes dar. Die Schleuse galt als große Attraktion und lockte an den Wochenenden viele Berliner Ausflügler in die nahe gelegenen Wirtshäuser.
Nachdem sich Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts die Stadt Berlin rapide ausdehnte, wurden in den Vororten Lichterfelde, Zehlendorf, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee eine Vielzahl von Villenkolonien gegründet, die dem Großbürgertum und dem gehobenen Bürgertum Berlins neuen Wohnraum im Grünen erschlossen. Aufgrund seiner großen Beliebtheit als Ausflugsziel rückte Kleinmachnow in das Blickfeld von Erschließungsgesellschaften, die den kommerziellen Erfolg der anderen Villenkolonien kopieren wollten.
Als erste Gesellschaft erwarb die Zehlendorf-Kleinmachnower Terraingesellschaft zwischen 1903 und 1906 von der Familie Hake ein 264 Morgen großes Grundstück östlich des heutigen Zehlendorfer Damms, um dieses als Villenkolonie zu vermarkten. Das heute unter dem Namen "Alte Zehlendorfer Villenkolonie" bekannte Gebiet wurde erschlossen, parzelliert und in den Verkauf gegeben. Wegen der im Vergleich zu den Kolonien in Zehlendorf etwas abgelegenen Lage (der nächstgelegene Bahnhof war und ist "Zehlendorf Mitte") und der fehlenden Infrastruktur gestaltete sich der Verkauf schwieriger als erwartet. Der Erste Weltkrieg trieb die Terraingesellschaft dann zwischen 1914 und 1919 in die Liquidation. Prächtige Villen wie die "Villa Elisabeth" (Zehlendorfer Damm 16) und die "Villa Medon" (Klausenerstrasse 15) zeugen noch heute von den frühen Landhausbauten in der Villenkolonie.
Die Familie Hake konnte sich durch die Verkäufe ihrer finanziellen Sorgen, die aus dem Bau der Neuen Hakeburg und der Renovierung des alten Gutshofs herrührten, entledigen.
Die im Weltkrieg und der folgenden Weltwirtschaftskrise nahezu zum Erliegen gekommene Siedlungstätigkeit in Kleinmachnow nahm durch die Aktivitäten verschiedener Siedlungsgesellschaften neuer Prägung Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wieder Aufschwung. In mehreren Tranchen wurde Kleinmachnow in westlicher Richtung erschlossen. Im Gegensatz zur Villenkolonie wurde jetzt Wert auf erschwinglichen Land- und Hauserwerb für mittelständische Familien gelegt, die sich den Traum eines eigenen Heims im Grünen erfüllen wollten. In den späteren Jahren wurde insbesondere durch die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft mbH Kleinmachnow des Bauunternehmers
Adolf Sommerfeld die Erschließung neuer Siedlungsgebiete mit der Erstellung standardisierter Einfamilienhäuser in nahezu industrieller Bauweise betrieben. Noch heute prägen diese Häuser wie beispielsweise in der
Bürgerhaussiedlung große Teile des Kleinmachnower Stadtbildes.
Entwicklung nach 1990
Nach 1990 wurde auch in Kleinmachnow das Prinzip
Rückgabe vor Entschädigung der damaligen Bundesregierung angewandt. Die staatliche Zwangsverwaltung der Häuser wurde per Gesetz aufgehoben, so dass auch solche Grundstückseigentümer, die die DDR verlassen hatten, wieder zu Ihren alten Rechten kamen. Den Mietern blieben Ihre Mietverträge sowie ein begrenztes Vorkaufsrecht.
Deshalb wurde in Kleinmachnow 1990 der erste Mieterbund Brandenburgs gegründet, sowie die Bürgerbewegung und Partei „Kleinmachnower Bürger gegen Vertreibung“, die z. B. 1994 25 % der Wählerstimmen auf sich vereinte. Die Auseinandersetzungen zwischen den Alteigentümern, die ihre Grundstücke und Häuser zurückerhielten, und den „Vertriebenen“ machte Anfang der 1990er Jahre viele Schlagzeilen.
Die Erschließung eines Baugebietes südlich des Stolper Wegs und die Abgabe des günstigen Baugrunds an die Alt-Kleinmachnower, die aufgrund der Restitutionsansprüche, die von ihnen bewohnten Häuser verlassen mussten, entschärfte die aufgeheizte Atmosphäre.
Durch den Zuzug von Familien aus Berlin wuchs Kleinmachnow auf heute 18.000 Einwohner. Durch das grüne Umfeld und die günstige Lage zwischen Berlin und Potsdam hat sich der Ort zu einem der beliebtesten (und teuersten) Vororte Berlins entwickelt.
Eingemeindungen
Einwohnerentwicklung
- Starke Zuwanderung (vor allem junge Familien).
- Viele Kinder und Jugendliche.
- August 2005: 18.000 Einwohner
Politik
Gemeindevertretung
Der Gemeindevertretung besteht aus 28 Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern, und dem hauptamtlichen Bürgermeister.
- SPD 8 Sitze
- CDU 6 Sitze
- Linkspartei 4 Sitze
- Grüne 2 Sitze
- Bürger für gute Lebensqualität 2 Sitze
- PRO Kleinmachnow 2 Sitze
- WIR für Kleinmachnow 2 Sitze
- FDP 1 Sitz
- LOKALUNION Kleinmachnow 1 Sitz
(Stand: Kommunalwahl am 26. Oktober 2003)
Städtepartnerschaften
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater & Kino
- Kammerspiele Kleinmachnow
- Bürgersaal
Musik
Clubs:
Bands:
- Klartext
- FDW
- Stereotypes
- Kantholz
- Kensington Road 29
- The Clogs
Visuelle Kunst
Jugend und Kultur
JFE Kleinmachnow - Offizieller Jugendclub
Bauwerke
Natur und Naturdenkmäler
Sport
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
- Ebay Deutschland GmbH
- Augustinum Kleinmachnow
- Prototypen • Kollektiv für optophone Kommunikation
- Sanssouci Film GmbH
- Europarc Dreilinden GmbH
Öffentliche Einrichtungen
- JFE Kleinmachnow der Jugendclub in unserer Gemeinde
- Bibliothek
- Einwohnermeldeamt, Bauamt
- Landeseichamt für Berlin und Brandenburg
Bildung
nichtstaatlich bzw. -gemeindlich
- Öffentliche Bibliothek Kleinmachnow
Persönlichkeiten
Bekannte Persönlichkeiten, die in Kleinmachnow leben und lebten
Arnold Schoenberg la 1948.jpg in Los Angeles, etwa 1948]]
- Tina Bara , Fotografin
- Gerhard Bengsch , Schriftsteller, Filmautor
- Tatjana Blacher , Schauspielerin
- Susanne Bormann , Schauspielerin
- Lily Braun, Schriftstellerin
- Hanns Eisler, Komponist
- Richard Groschopp und Ursula Madrasch-Groschopp, Regisseur /stellv. Chefredakteurin "Weltbühne"
- Friedrich Kayßler , Staatsschauspieler
- Paul Henckels, Schauspieler im Film Die Feuerzangenbowle
- Brigitte Horney, Schauspielerin
- Walter Janka, Verleger
- Gerhart Klein, Regisseur
- Hildegard Knef, Schauspielerin
- Herbert Köfer, Schauspieler
- Ferdinand Lepcke, Bildhauer
- Horst Mahler, Rechtsanwalt und Gründungsmitglied der RAF
- Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Vorsitzender
- Heiner Rank, Schriftsteller
- Adolf Reinecke, Schriftsteller
- Arnold Schönberg, Komponist
- Jörg Schönbohm, Politiker und General a.D., Innenminister von Brandenburg
- Heinz Thiel, Regisseur
- Fred Wander und Maxi Wander, Schriftsteller
- Kurt Weill, Komponist
- Christa Wolf und Gerhard Wolf, Schriftsteller
Sonstiges
Öffentliche Hot-Spots
Kleinmachnow hat eine aktive
W-LAN-Kommune, die versucht ein ortsweites öffentliches und kostenloses WLan-Netz zu installieren. Es gibt 6 registrierte öffentliche
Hot-Spots (Stand 25. August 2004).
- Waldi Wlan Zehlendorfer Damm 52
- Jugendfreizeiteinrichtung Kleinmachnow. Ort: Förster-Funke-Allee 106a
- Prototypen Wifi 01. Ort: Zehlendorfer Damm 202
- Prototypen Wifi 02. Ort: Franzosenfichten 2
- Prototypen Wifi 03. Ort: Feldfichten 30
Quellen, Verweise
Literatur
- Gerhard Schlimpert, Brandenburgisches Namensbuch, Teil 3, Die Ortsnamen des Teltow , Hermann Böhlaus Nachf., Weimar, 1972; Zitat zu machnov S. 131
- Bernhard Thieme, Kleinmachnow in der Reihe Märkische Landschaften, be.bra verlag, Berlin Brandenburg 1999 ISBN 3-930863-55-3 Das Buch enthält als Rarität auf Seite 4 die Erstveröffentlichung einer historischen Aufnahme von 1906, die das gesamte Ensemble des Hake'schen Gutshofes in Kleinmachnow mit Wirtschaftstrakt, "alter" Burg, Schloss und Taubenturm zeigt.
- Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 4. Spreeland. Kapitel: Klein-Machenow oder Machenow auf dem Sande. Nach der Ausgabe 1998, Frankfurt/M, Berlin ISBN 3-548-24381-9 308 ff.
- Nicola Bröker, Celina Kress, südwestlich siedeln. Kleinmachnow bei Berlin. Von der Villenkolonie zur Bürgerhaussiedlung, Lukas Verlag Berlin, 2004, ISBN 3-936872-30-9
Weblinks
Ort in Brandenburg