Avercamp-ijsvermaak.png zeigt Menschen auf einem zugefrorenen Kanal in den Niederlanden im kalten Winter 1608. Heute dagegen sind die Kanäle im Winter meist eisfrei. Künstlerische Darstellungen solcher Szenen sind nur aus der Zeit zwischen 1565–1640 bekannt]]
Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein. Sie gilt in der heutigen Klimadiskussion als das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation. Doch auch während der Kleinen Eiszeit gab es erhebliche Klimaschwankungen. So stellen zum Beispiel die Zeiträume von 1570–1630 (vgl. LIATE 2) oder von 1675-1715 besonders kalte Zeitabschnitte dar (vgl. LMM).
Der Kleinen Eiszeit ging eine Periode voraus, die als Mittelalterliche Warmzeit oder Mittelalterliches Klimaoptimum bezeichnet wird. Regional und zeitlich unterschiedlich lagen die Temperaturen im Zeitraum zwischen 800/900 und 1200/1300 um ca. 1°C höher als während der Kleinen Eiszeit. Während des Mittelalterlichen Klimaoptimums zog sich das Packeis im nördlichen Atlantik nach Norden zurück und erlaubte es den Wikingern, Island (seit etwa 870) und Grönland (seit 986) zu besiedeln.
Während der Kleinen Eiszeit wurden in Europa und später auch Nordamerika häufig sehr kalte, lang andauernde Winter und niederschlagsreiche, kühle Sommer beobachtet. Mitte des 17. Jahrhunderts drangen Gletscher in den Alpen vor und zerstörten einige Gehöfte und Dörfer. Das Gletscherwachstum während der sogenannten "Kleinen Eiszeit" war übrigens das stärkste seit der letzten richtigen Eiszeit. Die Themse und Kanäle in den Niederlanden waren jeden Winter lange überfroren. Im Winter von 1780 konnte man den Hafen von New York auf dem Eis sicher überqueren. Auf den Großen Seen in Nordamerika blieb das Eis manchmal bis zum Juni.
Aber auch die zeitgenössischen Darstellungen der Malerei werden als Klimazeugen herangezogen. Bekannt sind beispielsweise die Darstellungen von Winterlandschaften Pieter Brueghels, Hendrick Avercamp und anderer niederländischer Meister aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele zeigen Szenen, in denen zugefrorene Kanäle zu sehen sind. Vivaldis Winter-Konzert mit dem dazugehörigen Sonett thematisiert das Schlittschuhlaufen auf der Lagune von Venedig. Heute liegen die Temperaturen höher und die Kanäle frieren nicht mehr zu.
Auch Gemälde der frühen mandschurischen Qing-Dynastie (ab 1644) zeigen Schneelandschaften. Der Zusammenbruch der vorausgehenden Ming-Dynastie wurde durch Missernten infolge einer Kaltperiode hervorgerufen, die in den Chroniken dokumentiert ist.
Eine geringere Aktivität der Sonne sowie ein verstärkter Vulkanismus werden als Ursache der Kleinen Eiszeit angesehen.
Durch Untersuchungen heutiger Vulkaneruptionen sind die in der höheren Atmosphäre, der Stratosphäre, ablaufenden Prozesse bekannt. Dort können vulkanische Feststoffe und Gase für einige Jahre bleiben und sich auf das Klima auswirken. Das Schwefeldioxid wird in einer photochemischen Reaktion zu Schwefelsäure (H2SO4) umgewandelt. Die Säure wird in der Stratosphäre zu einer Wolke aus Aerosol, in der Luft schwebenden Tröpfchen, die die Sonnenstrahlung absorbiert und die Insolation verringert. Im Schatten der Aerosolwolke kühlt sich die untere Atmosphäre, die Troposphäre, ab.
Der bekannteste dieser Ausbrüche war der des Tambora auf der Insel Sumbawa (Indonesien) im Jahre 1815. Im darauffolgenden Jahr 1816, dem „Jahr ohne Sommer“, wurden in Nordeuropa und im Osten Nordamerikas Schnee und Frost im Juni und Juli beobachtet.
Durch die schweren und langen Winter war die Vegetationsperiode reduziert. Die Sommer waren nasskalt, so dass beispielsweise Weizen auf den Halmen verfaulte. Eine Folge war eine geringere Produktion an Nahrungsmitteln, die sich in Hungersnöten niederschlug, die erstmals seit dem 9. Jahrhundert die europäischen Bevölkerungszahlen wieder schrumpfen ließen. Die große Hexenverfolgung in Mitteleuropa fällt in diese Zeit und wird oft mit den Hungersnöten und dem durch die kaltfeuchte Witterung begünstigten Einschleppen von Halluzinogenen, wie z. B. Mutterkorn, in Verbindung gebracht.
Infolge der Abkühlung rückte die Packeisgrenze wieder nach Süden vor und Island wurde teilweise derart eingeschlossen, dass ein Kontakt mit der Außenwelt unmöglich wurde, was die Bevölkerungszahlen dramatisch schrumpfen ließ. Die Klimaverschlechterung war auch der Grund, warum im 16. Jahrhundert die Wikingerkolonie auf Grönland erlosch, der noch um 1300 etwa 3000 Personen angehört hatten. Seit etwa 1850 wurde es in Europa wieder wärmer.
Als in Frankreich im Jahre 1788 der größte Teil der Aussaat durch schwere Unwetter vernichtet wurde, wurde das Brot knapp und die Preise stiegen enorm an. Der dritte Stand, der weitaus größte, aber unterprivilegierte Teil der Bevölkerung, musste hungern. Der folgende Winter 1788/89 war der kälteste Winter der letzten 300 Jahre, zumindest in Mittel- und Westeuropa. In dem Jahr kam es, auch aus diesem Grund, zum Ausbruch der Französischen Revolution.
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