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Ein Kleinaktionär ist ein Teilhaber (Aktionär) eines börsennotierten Unternehmens, der auf Grund seiner geringen Beteiligung keinen merklichen Einfluss auf dieses Unternehmen ausüben kann.

Zur Wahrung der Interessen von Kleinaktionären gibt es die "Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V." (SdK), oder die "Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. " (DSW).

Broker


Noch vor ein paar Jahren war das Ordern von Wertpapier nur über alteingesessene Kreditinstitute bzw. Hausbanken möglich. Im Laufe der 90er - speziell gegen Ende der 90er und mit Unterstützung des Internets haben sich zahlreiche neue Dienstleister, sogenannte Broker etabliert. Sie haben sich auf den Aktienhandel spezialisiert und bieten über ihren direkten Kontakt zum Kunden weitaus günstigere Konditionen an als die Kreditinstitute. Der Kontakt findet hier im Regelfall über Internet, Telefon oder Fax statt und die Depotführung ist bei den Brokern meist kostenlos. Die Anzahl der Anbieter und der tobende Konkurrenzkampf haben dies ermöglicht.

Kleinaktionäre verlieren bei der Fülle von Anbietern und Tarifen schnell den Überblick. Dies hat dazu geführt, dass es einige unabhängige Seiten im Netz gibt, die kostenlos und schnell Vergleiche ermöglichen.

Hauptversammlung


Auch Kleinaktionäre haben das Recht, an einer Hauptversammlung teilzunehmen. Grundvoraussetzung ist, dass man zum entsprechenden Stichtag (Record-Date) mindestens 1 Aktie der Gesellschaft hält. Die Teilnahme an einer Hauptversammlung erfreut sich immer größerer Beliebtheit, vor allem, wenn die Versammlung in Wohnortsnähe stattfindet. Für den Kleinaktionär bietet sich so die Möglichkeit, das internationale Flair der Kapitalmärkte direkt und hautnah miterleben zu können. Die Anforderung der Stimmrechte zur Teilnahme einer Hauptversammlung ist bei inländischen Unternehmen generell kostenlos. Bei ausländischen Hauptversammlungen werden in der Regel Gebühren berechnet.

Auf den Hauptversammlungen gibt es freie Kost und Logis für die Dauer der Hauptversammlung. Dies kann je nach Unternehmen von einfachen Schnittchen bis hin zu reichhaltigen Buffets variieren. Bei großen Firmen ist oftmals ein kostenloses Nahverkehrsticket für den ÖPNV zusätzlich beigefügt.

Die Kosten für eine Hauptversammlung (Anreise, Übernachtung usw.) können als Werbungskosten beim Finanzamt abgesetzt werden. Wichtig ist hier der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit: Wer für 400 Euro Aktien hält, kann nicht Werbungskosten von 300 Euro steuerlich geltend machen.

Stimmrechtsübertragung

Kann man nicht persönlich bei der Hauptversammlung anwesend sein, ist es möglich, seine Stimmrechte auf jede natürliche Person ohne Einschränkung zu übertragen.

Bei DAX-Konzernen ist eine Stimmrechtsvertretung durch die DSWmöglich (genauere Informationen: siehe Link). So ein Stimmrechtsübertrag macht insbesondere deshalb Sinn, um die Repräsentanz von Kleinaktionären auf Hauptversammlungen zu erhöhen. Somit verändert sich auch das Stimmgewicht entsprechend zugunsten von Kleinaktionären. Große Kapitalgesellschaften schenken in der Regel bisher dieser Klientel kaum Aufmerksamkeit. Ziel dieser Bündelung von Stimmrechten ist es, sich als Kleinaktionäre entsprechend Präsenz und Gehör bei Großkonzernen zu verschaffen.

Dividende


Die Dividende erfreut sich allgemein bei Kleinanlegern großer Beliebtheit. Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Ein möglicher Grund liegt in der Ermittlung der Dividendenrendite - ermöglicht sie doch Kleinaktionären, eine Anlage in Aktien mit anderen festverzinslichen Produkten zu vergleichen: Sparbrief, Festgeld, Tagesgeldkonto usw.

In Deutschland ist es üblich, die Dividende am Tag nach der Hauptversammlung auszuschütten. Außerhalb Deutschlands gibt es mehrere Ausschüttungstermine bis hin zur quartalsweisen Zahlung. Dieses variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Für Kleinaktionäre empfiehlt es sich, auf der jeweiligen Homepage des Unternehmens in der Rubrik "Investor-Relations" über den genauen Dividendenmodus zu erkundigen.

Steuerliche Behandlung der Dividenden

In Deutschland kommt bei Dividenden das Halbeinkünfteverfahren zum Tragen. Im Ausland fallen oft Pauschalsteuern an. Unter Einhaltung gewisser Bedingungen können diese auf Antrag reduziert werden. Bei der Steuererklärung kommt es darauf an, ob mit dem betreffenden Land ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Dann erhält man unter Umständen eine steuerliche Gutschrift. In Großbritannien fallen keine Steuern auf Dividenden an.

Indexfonds vs. Exchange traded funds


Indexfonds: Besonders beliebt sind bei Kleinanlegern mittlerweile sogenannte Indexfonds, welche einen der gängigen Börsenindizes annähernd 1:1 abbilden. So reicht es aus, einmal am Tag Nachrichten zu verfolgen, in denen aktuelle Werte von Dax, Euro Stoxx, Dow Jones usw. gemeldet werden und man weiß, ob der Kurs gestiegen oder gefallen ist. Für den Kleinaktionär entfällt zeitaufwändiges Nachfragen am Bankschalter oder im Internet. Vor allem bei kleineren Beträgen und mit wenig Börsenerfahrung macht diese Form der Anlage Sinn. Das Geld ist entsprechend der Zusammensetzung des Indizes gestreut. Negativ-Meldungen, die nur ein einzelnes Unternehmen betreffen und bei einer Einzelanlage möglicherweise zu herben Kursverlusten führen würden, bleiben durch die breite Streuung folgenärmer. Dieses Wissen um Sicherheit zieht Kleinanleger an. Auch Hintergrundwissen darüber, in was der Fonds investiert, bietet ein höheres Sicherheitsgefühl. Vergleichsstudien haben überdies belegt, dass nur wenige aktiv gemanagte Fonds wirklich einen Indexfonds über einen längeren Zeitraum schlagen. Auch bei Indexfonds gibt es zwei Varianten: thesaurierend (=wiederanlegend) oder ausschüttend.

In den letzten Jahren bekamen Indexfonds immer größere Konkurrenz durch sogenannte

Exchange traded Funds: Was ist der Unterschied zu einem Indexfonds? Ein Exchange Traded Fund (ETF) kann über die Börse gehandelt werden wie eine Aktie. Aufgrund seiner rein passiven und computergestützten Ausrichtung sind die Gebühren weitaus niedriger. Teilweise betragen sie nur ein Zehntel der Indexfonds. Dabei bilden sie den Index oftmals wesentlich präziser ab als ein Indexfonds. Die Dividenden werden einmal im Jahr an den Anleger ausbezahlt. Der Trend zu ETFs entspringt einer Welle, die ebenfalls aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland geschwappt ist. Der deutsche Marktführer ist Indexchange, ein Tochterunternehmen der HypoVereinsbank. Die Nummer 2 in Deutschland stammt von der britischen Barclays Bank ab und heißt I-Shares. Aufgrund der rasanten Entwicklung von ETFs in Deutschland ist davon auszugehen, dass sie in ein paar Jahren die Indexfonds in der Beliebtheit der Kleinanleger überholt haben dürften.

Geschichte des Kleinaktionärs


In Deutschland gibt es immer noch keine ausgeprägte Aktionärskultur wie im englischsprechenden Raum oder in vergleichbaren Industrienationen.

Anfänge durch Ludwig Erhard

Bereits im Jahr 1959 versuchte Ludwig Erhard beim Börsengang der Preussag die Deutschen für die Börse zu begeistern. 2 Jahre später folgte der Börsengang von VW. Hier gab es einen Rabatt für Einkommensschwache. Anfang der 60er Jahre war fast jede 4. Mark des Geldvermögens in Aktien investiert. In den folgenden Jahren verlor die Börse ihren Reiz und es wurden andere Anlageformen entdeckt.

Telekom Börsengang

Vor dem Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 1996 wurden minutenlange Fernsehspots im Fernsehen mit Manfred Krug gezeigt. In den Printmedien waren ebenfalls entsprechende ganzseitige Anzeigen zu finden. Die Botschaft war recht einfach: "Die T-Aktie geht an die Börse. Gehen sie mit!". Dies war eine Anspielung auf die herannahende Neuemission. Kleinaktionäre sollten animiert werden, bei der Zeichnung mitzumachen. Auch Schnäppchenjäger wurden entsprechend angelockt. Es sollte einen Zeichnungsbonus für Kleinanleger geben.

Die Dauerberieselung der Deutschen durch diese Medienkampagne hat sicherlich geholfen, die Aktienkultur zu verbreitern.

In den darauffolgenden Jahren stieg der Telekom-Kurs rasant an und animierte sicherlich viele Erst-Aktionäre, weitere Aktien und noch riskantere Titel zu erwerben. Im Jahr 2000 folgte das Platzen der New-Economy-Bubble.

selbsternannte Börsengurus

In den Boomjahren an der Börse trieben sogenannte Börsengurus von 1997 bis zum Platzen der Börsenblase die Kleinaktionäre von einem riskanten Titel in den nächsten. Sie wurden angelockt mit Renditeversprechen von bis zu 1000% pro Jahr. Die Gier der Anleger führte in diesen hochspekulativen und marktengen Titeln tatsächlich in der Anfangsphase zu den versprochenen Kurssteigerungen. Die Gier kannte damals keine Grenzen mehr. Diesen Prozess bezeichnet man auch als "self fullfilling prophecy" - selbsterfüllende Prophezeiung. Unter Börsianern wurde diese Kleinanleger Klientel schlichtweg herablassend als "Lemming" bezeichnet. Die Leute hatten vor lauter Gier vergessen, das eigene Hirn einzuschalten und folgten blindlings den zweifelhaften Anlageempfehlungen der Börsengurus. Als klassische "Lemmingfallen" werden im nachhinein Unternehmen wie Intershop, CE Consumer Electronic, Infomatec und viele andere gehandelt. Die Liste ist schier endlos lang.

Im Jahr 2005 fanden diese Börsengurus erneut einen starken Zulauf unter Kleinanlegern. Es sind besonders Aktionäre, die den Crash 2000 nicht mitgemacht haben und sich erneut von den hohen Renditeversprechungen dieser Leute ködern lassen. Genau wie einst die Kleinaktionäre von 1997/98 bis 2000.

Die Namen dieser Börsengurus sind heute, wie auch damals die selben geblieben. Es handelt sich hier um eine erlesene handvoll Leute. Einige von ihnen sind so bekannt, dass sie auch Fernsehauftritte haben. Man kann hier ein paar große Namen nennen Markus Frick, Kurt Ochner, Bernd Förtsch usw...

Allgemeines zur Entwicklung 1996 - 2000

Neben der Telekom-Aktie hatte sich der Neue Markt - ein Marktsegment der Deutschen Börse AG - zum beliebtesten Tummelplatz für Kleinanleger entwickelt. Es gab damals zwei Indexbezeichnungen für dieses Segment: den Nemax 50 sowie den Nemax All share. Die Kursverluste in diesen beiden Indizes waren so gewaltig, dass die Deutsche Börse sich gezwungen sah, dieses Marktsegment zu schließen. Der inoffizielle Nachfolger ist der heutige TecDAX.

Viele Kleinanleger kannten bis dahin nur eine Richtung an der Börse: nach oben. Eine nicht minder geringe Anzahl nahm Kredite auf, um noch mehr spekulative Aktien zu kaufen. Die Unerfahrenheit der Anleger, was wichtige Kennziffern angeht (KGV, Ebit, earnings per share usw.), hat das Entstehen dieser Bubble begünstigt. Als die kreditgebenden Banken erkannten, dass der Index sich nicht mehr erholen wird, haben sie die Anleger aufgefordert, ihre Derivatekredite zurückzuzahlen. Die Spirale drehte sich munter weiter nach unten. Es breitete sich Panik aus. Existenzen wurden vernichtet. Es traf sowohl die Anleger wie auch die Mitarbeiter börsennotierter Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze verloren. Die Geldbeschaffung der Unternehmen über Börsengänge funktionierte nicht mehr.

Entwicklung der Kleinaktionäre

Die Anzahl der Kleinaktionäre ging in den Jahren 2000-2004 massiv zurück. Erst 2005 konnte wieder eine Stabilisierung mit leicht steigenden Aktionärszahlen unter der Gesamtbevölkerung verzeichnet werden. Das ist erstaunlich. Im Frühjahr 2003 begann eine Hausse an den Börsen, die bis heute anhält.

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ermittelte in seiner turnusgemäßen Infratest-Umfrage zum Wertpapierbesitz der Deutschen, dass 2005 rund 10,8 Millionen Bundesbürger Aktien, Fondsanteile oder beides hielten. Das waren rund 300.000 mehr als im Vorjahr und zudem der erste Anstieg seit dem Jahr 2001, als es noch knapp 12,9 Millionen direkte oder indirekte Aktionäre gab.

Nach Daten der Onlinebroker Comdirect und Cortal Consors, stiegen die Kundenorders zu Jahresbeginn sprunghaft um rund 40 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2005.

Ausblick

Die Geschichte des Kleinaktionärs ist noch längst nicht vorbei und hat scheinbar gerade erst begonnen. Themen wie Altersversorgung, die jetzt erst richtig, z. B. in Zusammenhang mit der Riesterrente an Bedeutung gewinnen, dürften auch wieder zu einer Zunahme der Kleinaktionäre führen. Doch bis zu Verhältnissen wie in den USA ist es für uns immer noch ein sehr weiter Weg.

beliebte Aktien der Kleinanleger


Nach dem Crash aus dem Jahr 2000 haben sich viele Kleinaktionäre aus dem Neuen Markt verabschiedet. Der Trend ging eindeutig hin zu DAX Werten. Nach wie vor stark vertreten ist in den Depots die Aktie der Deutschen Telekom. Trotz der starken Kursverlusten nach dem Jahr 2000 ist dieser Wert immer noch beliebt. Auch Siemens AG, E.ON, Allianz AG spiegeln sich in vielen Depots wider.

Die Rallye in den Emerging Markets und an den Rohstoffmärkten hat dazu geführt, dass viele Kleinanleger hochspekulative Werte aus diesen beiden Produktkategorien reihenweise in ihre Depots packen. Die Gier kennt ähnlich, wie damals im Jahr 2000 keine Grenzen. Früher oder später wird ein erneuter Crash viele Kleinaktionäre dieser Rubriken aus den Märkten spülen.

Weblinks


Wertpapiere und Börse

 

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