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Als Klavierauszug bezeichnet man die Klavierfassung einer Orchesterpartitur, beispielsweise einer Oper, eines Oratoriums, aber auch einer Sinfonie oder einer Schauspielmusik. Praktische Bedeutung bekommt der Klavierauszug vor allem bei der Korrepetition von Vokalsolisten, bei Chorproben und bei Proben für szenische Aufführungen von Oper und Ballett, bei denen der Einsatz eines Orchesters nicht sinnvoll und überdies finanziell nicht machbar ist.

Die klaviertypische Notation auf zwei Notensystemen birgt allerdings auch Probleme: Wird der gesamte Notentext umgesetzt, wird der Klavierauszug unübersichtlich und bei größeren Orchesterbesetzungen bzw. komplexen Satzstrukturen meist unspielbar. Wird der Notentext zugunsten der Spielbarkeit reduziert, handelt es sich genau genommen um eine Interpretation, da durch die notwendige Selektion musikalische Inhalte verloren gehen können. Um auf dem Klavier ein authentisches Klangbild zu erreichen, sind oft weitere Eingriffe in die Satzstruktur erforderlich.

Einige Komponisten haben daher selbst Klavierauszüge oder Klavierfassungen ihrer Werke erstellt; Beispiele dafür sind Johannes Brahms (Ein deutsches Requiem), Max Reger (100. Psalm) und Carl Orff (Carmina Burana).

In seltenen Fällen werden Klavierauszüge auch ganz oder teilweise vierhändig oder sogar für zwei Klaviere gesetzt, wenn die musikalische Struktur sehr kompliziert ist. So enthält zum Beispiel der Klavierauszug von Alban Bergs Oper „Wozzeck“ einige vierhändige Abschnitte, während es zu Béla Bartóks Ballett „Der wunderbare Mandarin“ einen Klavierauszug gibt, der durchgehend für zwei Klaviere gesetzt ist. Diese Praxis ist zu unterscheiden von den zahlreichen vierhändigen Einrichtungen für das häusliche Musizieren von Amateuren, die in der Rezeptionsgeschichte eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen und deren Beliebtheit erst mit der allgemeinen Verbreitung von Schallplatten Anfang des 20. Jahrhunderts abnahm.

Direkt verwandt mit dem Klavierauszug ist der Orgelauszug, bei dem ein Orchesterpart für die Orgel eingerichtet wird; dieser wird überwiegend für Auftritte in einem Gottesdienst verwendet. Allerdings haben auch hier schon etliche Komponisten reagiert; Chor und Orgel hat sich mittlerweile zu einer eigenständigen Gattung entwickelt.

Siehe auch


Korrepetitor

Orchester | Klavier | Chor

 

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