Klassismus ist die Bezeichnung für die Diskriminierung von Angehörigen einer als 'niedriger' wahrgenommenen sozialen Klasse durch eine andere. Der Begriff setzt damit die Existenz einer Klassengesellschaft voraus und ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu Racism, also Rassismus.
Der Begriff Klassismus ist negativ besetzt. Gegen Klassismus in der Politik, Gesellschaft und Kultur wendet sich der Antiklassismus.
Klassismus ist die deutsche Übersetzung des englischen Begriffs Classism, der in den USA gebildet wurde, um die Ansicht zu transportieren, dass Diskriminierung nicht nur in Form von Rassismus aufgrund ethnischer Herkunft oder in Form von Sexismus aufgrund des geschlechtlicher Zuordnung, sondern auch auf Grund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse stattfinden würde. Während Antirassisten die Existenz von Rassen jedoch verneinen, geht Antiklassismus von der Existenz von Klassen aus.
Der Begriff ist im deutschen Sprachgebrauch vergleichsweise ungebräuchlich und wird oft mit der Stilepoche Klassizismus verwechselt.
Klassismustheoretiker unterscheiden zwischen Diskriminierung gegenüber Arbeitern (working class) und armen Menschen (poverty class).
Der Klassismustheoretiker Chuck Barone unterscheidet drei Ebenen von Klassismus:
Im Unterschied zu beispielsweise maoistischen Marxisten gehen Klassismustheoretiker nicht unbedingt davon aus, dass die Auseinandersetzung zwischen Klassen ein so genannter „Hauptwiderspruch“, Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht oder Ethnizität hingegen nur so genannte „Nebenwidersprüche“ seien. Es geht ihnen vor allem darum, zu verhindern, dass die Diskussion über die von ihnen angenommene Klassendiskriminierung gegenüber den heute dominierenden Diskussionen über die beiden anderen genannten Formen von Diskriminierung weiter in den Hintergrund gerät. Betont wird auch die Überschneidung verschiedener Unterdrückungsformen, wie sie beispielsweise von der Triple Oppression-Theorie formuliert wird.
Klassismustheoretiker gehen davon aus, dass Klassenzugehörigkeit „sozialer Vererbung“ unterliege. Ihrer Ansicht nach existieren besonders im Bildungsbereich klassistische Selektionsmechanismen, die dazu führen würden, dass Menschen oftmals in der sozialen Klasse verbleiben, in der sie geboren wurden. In den USA haben sich Gruppen wie die Workingclass Academics gebildet, die ihre Aufgabe darin sehen, gegen derartige Mechanismen anzukämpfen.
Die Klassismustheorie hat Kontinentaleuropa und insbesondere Deutschland bisher kaum erreicht. Im europäischen Diskurs spielen - vor allem im Bezug auf die soziale Vererbung von Klasse - eher die Begriffe Kapitalsorten, Habitus und symbolische Gewalt von Pierre Bourdieu eine Rolle, die wiederum in den USA weniger gebräuchlich sind.
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Arbeiterbewegung | Diskriminierung | Werte und Urteil | Sozialstruktur | Bildungsbenachteiligung
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