Als Klassikerjäger werden im Radsport umgangssprachlich diejenigen Radrennfahrer bezeichnet, die vor allem bei den wichtigsten Eintagesrennen, den so genannten Klassikern, erfolgreich sind, bei längeren Rundfahrten wie der Tour de France meist aber keine Chance auf den Gesamtsieg haben. Allerdings kann der Begriff des „Klassikerjägers“ nicht eindeutig umrissen werden, da es keine feste Zuordnung von Radrennfahrern etwa in Klassiker-, Sprint- oder Rundfahrtspezialisten gibt.
Als wichtigste Klassiker gelten die fünf Monumente des Radsports (Mailand-San Remo, Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Paris-Roubaix, Lombardei-Rundfahrt) sowie die Straßenrad-Weltmeisterschaft.
Spezialisierung
Dem im Radsport zunehmenden Trend der Spezialisierung folgend, bereiten sich die Radprofis während der ganzen Saison auf wenige Rennen vor, bei denen sie möglichst weit vorn liegen möchten. So hatte sich
Lance Armstrong darauf spezialisiert, bei der Tour de France zu gewinnen und sah die übrigen Rennen der Saison praktisch ausschließlich als Training. Eine ähnlicher Effekt ist bei vielen Klassikerjägern zu beobachten, die sich auf „ihr“ Rennen perfekt vorbereiten: Sie wissen genau, wie sie ihr Rennen „lesen“ müssen, um zu gewinnen. So haben beispielsweise Fahrer wie
Edwig van Hooydonck oder
Gilbert Duclos-Lassalle keine breit gefächerte Siegerliste aufzuweisen, konnten aber bei ihren jeweiligen Lieblingsrennen, der
Flandern-Rundfahrt bzw.
Paris-Roubaix, je zweimal überraschend triumphieren.
Bekannte Klassikerjäger
Die klassischen Eintagesrennen gelten traditionell als Domäne der Italiener und Belgier. Die bekanntesten Klassiker-Spezialisten der Geschichte kommen folgerichtig fast ausschließlich aus den beiden genannten Ländern: "Klassikerjäger" der 1950er Jahre waren die Belgier
Rik van Looy und
Rik van Steenbergen, in den 1970er/80er Jahren dominierte
Roger de Vlaeminck (Bel) und die Italiener
Francesco Moser und
Giuseppe Saronni. Die 1990er Jahre wurden von italienischen Eintages-Spezialisten wie
Franco Ballerini,
Andrea Tafi,
Michele Bartoli, vor allem aber dem Belgier
Johan Museeuw geprägt. Gegenwärtig gelten Fahrer wie
Peter van Petegem,
Tom Boonen (beide Bel),
Davide Rebellin und
Paolo Bettini (beide Ita) als führende Klassikerspezialisten.
Deutsche Klassikerjäger
Nur wenige deutsche Fahrer können als echte Klassikerspezialisten verstanden werden. Die bei Eintagesrennen sicherlich erfolgreichsten Deutschen,
Rudi Altig und
Erik Zabel, werden häufig eher als Sprint- denn als Klassikerspezialisten bezeichnet. Andere deutsche Klassikerfahrer sind
Dietrich Thurau,
Rolf Gölz,
Olaf Ludwig sowie momentan
Steffen Wesemann und
Andreas Klier.
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