Das Klassenmodell nach Engel, Blackwell und Kollat dient hauptsächlich zur Erklärung des Konsumentenverhaltens. Es verwendet einen dem Begriff der sozialen "Schicht" ähnlichen Begriff von "Class". Dieser hat mit dem marxschen "Klassen"-Begriff jedoch praktisch nichts gemein, da er der vom "Konsum" her kommt und der Aspekt des Zugangs zu "Produktions"-Mitteln komplett ausgespart wird.
1. Obere Oberklasse
Diese soziale Klasse stellt eine soziale
Elite dar, die aus international bekannten Familien stammt und von vererbtem Vermögen lebt. Charakteristisch sind mehrere Haushalte, internationale Wohnsitze und Ausbildungsprogramme für den Nachwuchs auf internationalen, streng zugangsbeschränkten
Eliteschulen. Die hauptsächliche Beschäftigung besteht in der Verwaltung des umfangreichen Vermögens, sowie internationaler Verpflichtungen. Der Sozialstatus dieser Klasse erlaubt ihren Mitgliedern auch die Ausrichtung von gesellschaftlich bedeutenden und überregional bekannten
Festen, Bällen oder Ausstellungen. Die Interessen innerhalb dieser Gruppe beziehen sich auf Selbstverwirklichung und
Ästhetik, eine für den Klassenerhalt vorteilhafte Partnerwahl sowie erlesene Konsumgüter,
Yachten,
Flugzeuge und
Immobilien. Sie sind das Vorbild der unteren sozialen Klassen und werden von diesen beobachtet und imitiert.
2. Untere Oberklasse
Hier finden sich vor allem Menschen (soziale
Akteure), die durch besondere
berufliche
Leistungen oder selbst gesteigertes Erbschaftsvermögen zu beachtlichem materiellen
Reichtum gelangt sind. Oft entstammen sie der Mittelklasse oder sind "gefallene Superreiche", denen Fehler im Umgang mit ihrem Vermögen unterlaufen sind. Zu dieser Gruppe gehören auch die sog. "
Neureichen", die durch Heirat ("
Hypergamie") oder
Lotteriegewinn zu wirtschaftlichem Einfluss gelangt sind, und die durch ein exzentrisches Konsumverhalten auffallen. Hier finden sich auch bekannte
Musiker und
Schauspieler, erfolgreiche
Sportler oder
Schriftsteller. Das Marktinteresse zielt vor allem auf teure
Autos, schöne
Boote,
Immobilien,
Schmuck und sehr individuelle
Reisen oder
Studienaufenthalte.
In dieser Schicht ist das Ziel verbreitet, in die obere Oberklasse aufgenommen zu werden. In diesem Zusammenhang ist ein verstärktes Interesse an
gemeinnützigen Projekten festzustellen, für das die Mitglieder der unteren Oberklasse gerne die
Schirmherrschaft übernehmen bzw. spenden.
3. Obere Mittelklasse
Dies ist die
Karriereschicht. Menschen dieses Sozialstaus haben sich als
Freiberufler verwirklicht, sind
Lehrende oder
Unternehmer mit
mittelständischen Firmen oder sie sind durch
Sparen über
Generationen hinweg zu
Immobilienbesitz gelangt. Häufig finden sich in dieser Schicht auch die Gewinner des
Börsenbooms oder der
Wiedervereinigung.
Bildung ist für diese Schicht sehr wichtig. Bestimmte
Statussymbole der Oberschicht gehören im äußeren Auftreten zum Selbstverständnis. Regelmäßige Urlaube sind selbstverständlich. Höheren
Angestellten oder
Beamten in besseren Positionen gelingt es, in dieser Sozialschicht begrenzten Einfluss in
Politik und Wirtschaft zu nehmen. Die Vermeidung eines sozialen Abstieges ist für diese Gruppe besonders wichtig.
4. Untere Mittelklasse
In dieser Sozialschicht ist
Fleiß besonders hoch angesehen, weniger die
Selbstverwirklichung auf
künstlerischer oder unternehmerischer Ebene. Die Angehörigen dieser Schicht leben in "gut
bürgerlichen Verhältnissen", besitzen eine selbstgenutzte Wohnimmobilie und halten sich streng an gesellschaftliche Normen und Vorgaben. Die geordnete Haushaltsführung ist besonders wichtig, weniger die Erkundung fremder Länder und Sitten oder das Unterstützen sozialer Projekte. Die
Möbel werden regelmäßig neu erworben, die Reparaturen am Haus hingegen möglichst selbst durchgeführt. Es gibt ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein bei Einkäufen, "Gelegenheiten" haben einen hohen Stellenwert. Das Interesse an
Pauschalreisen ist groß, es werden häufig
Neuwagen gekauft. In dieser Sozialschicht herrscht auch ein gewisses
Markenbewusstsein vor,
Sicherheit ist ein wichtiges Kaufargument. Ein Aufstieg in die untere Oberschicht wird häufig angestrebt, bleibt jedoch aus einem typischen Mangel an
Risikobereitschaft eher die Ausnahme.
5. Obere Unterklasse
Hier finden sich vor allem einfache Angestellte und
Facharbeiter, z.T. auch
scheinselbständige Unternehmer ohne Mitarbeiter, "
Arbeiteraristokraten" (d.s. ältere Vorarbeiter, Industriemeister u.ä.), sowie Künstler ohne überregionale Bedeutung.
Die Wohnverhältnisse sind bescheiden, entweder zur Miete oder in sehr einfachen Eigenheimen, die überwiegend geerbt sind. Häufig bewohnen die Mitglieder dieser Schicht Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus. Ihre Kaufgewohnheiten sind gewohnheitsmäßig gleich, selten werden kulturelle oder gesellschaftliche Ereignisse wahrgenommen. Die Schulbildung der Mitglieder dieser sozialen Schicht ist einfach bis mittel, häufig hat die Ehefrau keine eigene berufliche Stellung. Halbtagsbeschäftigungen im Laden oder einfache Bürotätigkeiten bessern die Haushaltskasse auf, auf Urlaub wird schon mal verzichtet. Diese Gruppe der sozialen Gesellschaft bildet den wichtigsten Markt für Gebrauchtwagen, Last-Minute-Reisen oder Sonderangebote im Möbelhandel. Markenware ist nicht von hoher Bedeutung. Häufig wird in Versandhauskatalogen auf Teilzahlung bestellt oder in Fernsehshows telefonisch gekauft.
Die Bestrebungen zum Aufstieg in eine höhere soziale Schicht sind weniger stark ausgeprägt als die Vermeidungsstrategie eines Totalverlustes an Sicherheit.
6. Untere Unterschicht
Zu den Angehörigen der unteren Unterschicht zählen vor allem Menschen ohne eigenes
Einkommen, ungelernte Arbeiter, Angehörige des zweiten Arbeitsmarktes, Arbeitssuchende und
Sozialhilfeempfänger, sowie Ausländer ohne berufliche
Qualifikation. Geringe Schulbildung oder psychische bzw. gesundheitliche Probleme schränken die berufliche Betätigung ein. Rentner ohne ausreichende Versorgung, welche zusätzliche staatliche Unterstützung benötigen und "brotlose Künstler" bzw. Angehörige der
Obdachlosenszene bestimmen das soziale Bild dieser Gruppe. Oft sind die der Mittelklasse entstammenden
Werte und
Normen verpönt.
Häufig prägen
Alkohol- und
Drogenmissbrauch den Alltag dieser Menschen. Produktqualität ist nicht entscheidend für eine Kaufentscheidung,
Impulskäufe und unregelmäßige Versorgung sind der Regelfall.
Quelle, auf europäische Verhältnisse umgestellt: James F. Engel, Roger D. Blackwell, David T. Kollat: Consumer Behavior, The Dryden Press, Holt-Verlag Rinehart und Winston, U.S.A, 1978)
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