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Ein Klartraum oder auch luzider (von lat. lux „Licht“) Traum ist ein Traum, in dem der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt. Die Theorie des luziden Träumens geht davon aus, dass dies ebenso erlernbar ist, wie die Fähigkeit, Trauminhalte gemäß eigener Vorstellungen zu steuern. Man kann an dieser Stelle aber auch folgende Begriffe hinzufügen: Realtraum, Wahrtraum, Realsituation, Aktive Person im Taum. Ein Mensch, der weiß, dass er sich real/materiel, also physisch in einem Traum befindet. Und in einem Realtraum befindet er sich dann, wenn er sich darüber im Klaren ist und auch aktiv an diesem Traum teilhaben kann. Der Autor Rudolf Steiner erwähnte die Begriffe: Inspiration, Intuition, Imagination. Diese Begriffe haben aber nicht zu 100% damit zu tun, sie können aber damit in Verbindung gebracht werden.

Abgrenzung und Auftreten


Paul Tholey präzisiert den Unterschied zwischen gewöhnlichen Träumen und Klarträumen anhand von sieben Merkmalen:

  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Traum klar.
  3. Das Bewusstsein ist klar (im Gegensatz zu Trübungs-, Verwirrtheits- oder Dämmerungszuständen).
  4. Es besteht Klarheit über das Wachleben (Wer bin ich? Was habe ich mir für den Klartraum vorgenommen?).
  5. Auch in der Wahrnehmung über die fünf Sinne herrscht Klarheit.
  6. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traumes im Klaren.
  7. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.

Die Bedingungen 1 bis 4 sind unerlässliche Bedingungen, 5 bis 7 können erfüllt sein.

Durch das Bewusstsein über den eigenen Traumzustand ist es möglich, in bestimmten Grenzen in den Traum einzugreifen, geistige Ressourcen zu aktivieren und planvoll im Traum zu handeln. Es sind dann nicht nur die eigenen Handlungen kontrollierbar, sondern auch die Traumumgebung und die Traumfiguren. Die Wahrnehmung der Traumhandlung reicht dabei von verschwommen und unzusammenhängend, über realistische Wahrnehmung bis hin zu realistischer als die Realität selbst. Allerdings kann der Träumer keine komplizierten Aufgaben, wie etwa mathematische Berechnungen erledigen, da vor allem der logische Teil des Gehirns teilweise nicht funktionsfähig ist. Ob diese Beschränkungen zu überwinden sind, ist Teil der aktuellen Forschung; die Existenz von Klarträumen wurde jedoch bereits wissenschaftlich erwiesen.

Die meisten Menschen wissen wenig von der Möglichkeit des Klaren Träumens. Manche aber erleben Klarträume spontan ohne vorhergehendes "Training". Andere bedienen sich verschiedenster Techniken, um klares Träumen zu aktivieren und sich genau daran erinnern zu können. Menschen, die gezielt Klarträume erleben können, werden auch Oneironauten genannt. Tibetische Mönche und Yogis, sowie indianische Schamanen kultivieren diese Kunst schon seit Jahrhunderten, die westliche Traum-Forschung und Wissenschaft befasst sich jedoch erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit diesem Phänomen und dessen Möglichkeiten.

Andere Kulturen

Luzides Träumen wird weltweit in verschiedenen Kulturkreisen praktiziert. Die Ziele, die damit verbunden sind, unterscheiden sich teilweise erheblich.

So ist das Traumyoga Bestandteil der Sechs Lehren des Naropa und damit eine aus dem buddhistischen Vajrayana stammende Praxis. Innerhalb des tibetischen, vorbuddhistischen Bön gibt es eine eigenständige Übertragung zu Traumyoga. Das buddhistische Traumyoga strebt die geistige Klarheit während sonst unbewusster Phasen an; letztlich soll es der Erfahrung der wahren Natur des Geistes – der Buddhanatur dienen. Im Bön, das in Teilen Ähnlichkeiten zur buddhistischen Nyingma-Schule hat, gehen die Lehren auf das Dzogchen-System des Zhang Zhung Nyan Gyud zurück, einem Lehrsystem das nach der eigenen Überlieferung der Bön bedeutend älter ist (Ursprünge sollen weit v. Chr. liegen) als das buddhistische Dzogchen.

Umstritten ist, ob das Volk der Senoi , eine Ethnie im heutigen Malaysia, eine Form der Traumsteuerung, wie das luzide Träumen beherrschen. Die Senoi wurden 1935 vom Anthropologen Kilton Stewart entdeckt und beschrieben Stewart, K.: Dream Theory In Malaya. In: Complex 6, 1951, S. 21-33 Link. Er beschreibt das Volk in der täglichen Traumarbeit und dem kreative Umgang mit Klarträumen, die eine zentrale Rolle in ihrem Leben einnehmen. Ann Faraday und ihr Mann John Wren Lewis widerlegten mit ihren Erkenntnissen nach einem einjährigem Aufenthalt die Berichte von Stewart Faraday, A., Wren-Lewis, J.: The Selling of the Senoi. In: Dream Network Bulletin 3-4/1984, S. 2 Link Domhoff, G. W.: Senoi Dream Theory: Myth, Scientific Method, and the Dreamwork Movement (2003) Link.

Außerkörperliche Erfahrung

Als außerkörperlicher Erfahrungen wird ein bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesener Zustand verstanden, bei dem sich der Betroffene als außerhalb des physischen Körpers wahrnimmt. Personen, die von der Existenz dieses Phänomens überzeugt sind, glauben an die Möglichkeit, dass aus einem luziden Traum heraus eine solche Erfahrung eingeleitet werden könne. Celia Green und Charles McCreery von der Universität Oxford beschreiben in ihrem Buch entsprechende Erfahrungsberichte. Green, C. und McCreery, C.: Träume bewußt steuern. Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf. Krüger, Frankfurt a. M. 1996, S. 117-118 Ihre Forschungen legen nahe, dass es sich bei „außerkörperlichen Wahrnehmungen“ - aber auch bei Visionen, Halluzinationen, bestimmten Drogenerfahrungen und ekstatischen Zuständen - tatsächlich um das dasselbe physiologische Geschehen wie bei luziden Träumen bzw. beim „falschen Erwachen“ (false awakenings) handeln könnte.Vgl. ebd., passim.

Anwendung


Die (nahezu) unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten der Klartraumumgebung eröffnet dem Träumer viele Optionen. Beispielsweise hat Paul Tholey als erster Klarträume systematisch genutzt, um komplexe Handlungsabläufe zu erlernen. Damit war es ihm möglich, auch körperlich anspruchsvolle Sportarten wie z.B. Skateboard, Kunstrad und Snowboard im Traum zu trainieren und damit für den Wachzustand meisterhaft zu erlernen.

Die Behandlung von Albträumen sind ein weiteres Einsatzgebiet von Klarträumen. Albträume haben insofern eine Ausnahmestellung, dass sie bei Träumern ohne Erfahrungen zu ersten luziden Erlebnissen führen können. Celia Green zitiert mehrere Traumbeschreibungen, in denen der Träumer in einem Albtraum seines Traumzustandes bewusst wurde und den weiteren Traumverlauf in Ansätzen positiv bewältigen konnte. Daraus zieht sie den Schluss, dass Klarträume auch begleitend zur Behandlung von Patienten eingesetzt werden können, die unter posttraumatische Belastungsstörungen leiden, wenn sie nach einem traumatisierenden Erlebnis von Albträumen geplagt werden.

Ausgehend von der Annahme, dass alle Bestandteile eines Traums und damit auch die eines Klartraums Bewußtseinsbestanteile sind, kann ein Träumer in dialogischer Form mit sich selbst in Kontakt treten Paul Tholey: Haben Traumgestalten ein Bewußtsein? Eine experimentell-phänomenologische Klartraumstudie. In: Gestalt Theory., 7/1985. Krammer, S. 29-46, Link. Damit besteht die Möglichkeit, Traumfiguren nach Sinn und Zweck ihrer Existenz im Traum zu befragen und Traumdeutungen im Traum selbst vorzunehmen.

Durch die klare Wahrnehmung des Träumens wird eine „Metaposition“ geschaffen. Der Körper kann träumend verlassen werden, es besteht eine Form der außerkörperlichen Erfahrung.

Eine detaillierte Liste der Möglichkeiten kann dem Klartraum entnommen werden.

Studien


Klarträume werden bereits seit mehreren Jahrzehnten in Schlaflabors erforscht. Führend ist dabei der Psychophysiologe Stephen LaBerge sowie der bereits verstorbene Gestaltpsychologe Paul Tholey. Die systematische Erforschung ist aufgrund eines körperlichen Phänomens möglich. So kann ein Klarträumer seine Augen im REM-Schlaf willkürlich steuern und damit auf Außenstehende auf seinen Traumzustand aufmerksam machen. Zentrale Fragen der Klartraumforschung drehten sich zu Beginn um die Erzeugung von luziden Träumen, ihrer Aufrechterhaltung sowie der Nutzung.

Es wurden spezielle Klartraumtechniken entwickelt, mit denen die Häufigkeit und die zeitliche Ausdehnung von Klarträumen gesteigert werden kann. Diese beruhen meist auf dem Aktivieren des Bewusstseins, den so genannten Realitätstests und dem Führen eines Traumtagebuchs.

Ein spezielles Forschungsfeld u.a. von Tholey ist motorisches Lernen, ohne dazu den physikalisch-tatsächlichen Körper einzusetzen, also ohne körperliches Training. Untersucht wird, in wie weit das Trainieren des phänomenal-erlebten Körpers im Traum motorische Lernfortschritte beim physikalisch-tatsächlichen Körper ermöglicht * Klartraumstudien im Schlaflabor.

Auftreten Anteil
nie 18,0 %
weniger als einmal im Jahr 7,5 %
etwa einmal im Jahr 10,9 %
etwa 2-4 Mal im Jahr 26,7 %
etwa einmal im Monat 16,2 %
2-3 Mal im Monat 10,3 %
etwa einmal die Woche 8,0 %
mehrmals die Woche 2,5 %
LaBerge schlägt vor, das Klarträumen als Testfall für die „konventionelle“ Traumforschung einzusetzen, wie beispielsweise beim Beleg der sog. Scanning-Hypothese LaBerge, S., Zimbardo, P.G.: (2000): Smooth Tracking Eye-Movements Discriminate Both Dreaming And Perception From Imagination. Abstract of talk presented at the Toward a Science of Consciousness Conference IV, Tucson, April 10, 2000 Link. Theorien über die Entstehung von Träumen müssen Klarträume mit berücksichtigen, was sie bis heute nicht tun LaBerge, S. (2000): Lucid dreaming: Evidence and methodology. In: Behavioral and Brain Sciences 23(6), 962-3 Link.

Klarträume sind wohl einer größeren Anzahl von Personen zugänglich. So gibt es individuelle Berichte aus unterschiedlichen Lebensphasen von Träumern, in denen ein einzelner, meist prä-luzider Traum auftrat. Weiterhin berichten Personen über regelmäßige Klartraumerlebnisse u.a. seit ihrer Kindheit bzw. Jugend.

Um eine Antwort auf die Frage, wie viele Menschen bereits Erfahrungen mit luziden Träumen hatten zu finden, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Studien initiiert. Ergebnisse über Befragte, die mindestens einen Klartraum in ihrem Leben hatten liegen zwischen 26% und 82%. Ursache dieser Bandbreite können durch die unterschiedliche Auswahl beim befragten Personenkreis (Zufallsstichprobe, Interessierte, Studenten u.a. der Psychologie) als auch durch die Definition des Klartraums (u.a. Abgrenzung zum präluzidem Traum) erklärt werden. Auch die individuelle Häufigkeit von luziden Träumen umfasst eine große Schwankungsbreite.

Schredl und Erlacher haben 2004 in einer Studie Schredl, M. & Erlacher, D. (2004). Lucid dreaming frequency and personality. Personality and Individual Differences, 37(7), S. 1463-1473 (Link) Angaben von 444 Psychologiestudenten (85% Frauen und 15% Männer; Alter: Anfang 20) ausgewertet. Das Ergebnis ist in der Tabelle dargestellt.

Techniken


Zur Induktion eines Klartraums stehen viele unterschiedliche Techniken zur Verfügung. Grundsätzlich können sie drei Kategorien zugeordnet werden:

1. Klarheit bewahrende Techniken:
Der noch wache Mensch versucht seine Bewusstheit in den Traum fließend mit hinüber zunehmen, wie beispielsweise bei der WILD-Technik (Wake Induced Lucid Dream). Gewissermaßen schläft nur der Körper ein und verfällt in eine Schlafstarre.

2. Klarheit gewinnende Techniken:
Der Träumende erkennt während des Traumgeschehens, dass er träumt. Dies kann beispielsweise durch Erkennen von Schlüsselsymbolen geschehen. Wenn diese regelmäßig in Träumen auftreten kann bei deren erneutem Erscheinen ein Klartraum induziert werden.

3. Einsatz von externen Reizen:
Wenn der Träumende in der REM-Phase von außen Reize (visuell, auditiv) erhält, die ihn auf sein Träumen hinweisen, kann dies Klarträume induzieren. Solche Reize können Lichtsignale, Worte oder Töne sein.

Die unterschiedlichen Techniken, die Anleitung sowie Vor- und Nachteile sind im Klartraum ausführlich beschrieben.

Siehe auch


Literatur


  • Stephen LaBerge, Howard Rheingold: Exploring the world of lucid dreaming. Neuausgabe. Ballantine Books, 1997, ISBN 0345420128
  • Stephen LaBerge: Hellwach im Traum. Höchste Bewusstheit in tiefem Schlaf. Junfermann, Paderborn 1987, ISBN 3-87387-266-8
  • Paul Tholey, Kaleb Utecht: Schöpferisch träumen. 3. Aufl. Klotz, Eschborn 1997, ISBN 3-88074-275-8
  • Frederick E. Dodson: Illumination des Träumens. Bohmeier, 2004, ISBN: 3890944264
  • Brigitte Holzinger: Der luzide Traum. Phänomenologie und Physiologie. WUV, Wien 1994, ISBN 3-85114-110-5
  • Celia Green, Charles McCreery: Träume bewußt steuern. Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf. Krüger, Frankfurt a. M. 1996, ISBN 3-8105-0858-6
  • Klaus Henner Spierling: Der Klartraum und seine Anwendung zur Angstreduktion und Streßbewältigung im Traum. Mikrofiche-Ausg. Tectum, Marburg 1997, ISBN 3-89608-750-9
  • Erlacher, D. (2005). Motorisches Lernen im luziden Traum: Phänomenologische und experimentelle Betrachtungen. Abrufbar auf dem Server der Heidelberger Universitätsbibliothek: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/5896
  • Aus der Sicht einer russischen Psychiaterin, autobiografisch und in Romanform: Olga Kharitidi: Samarkand. Eine Reise in die Tiefen der Seele. List 2003, ISBN 3-471-79478-6

Für weitere Literatur aus östlicher Sicht vgl. die Literatur zum Artikel Traumyoga. Für die schamanistisch-esoterische Perspektive s. die Werke von Carlos Castaneda.

Filme


Weblinks


Quellen


Traum | Erkenntnisprozess

Lucid dreaming | Lucida sonĝo | Sueño lúcido | Selkouni | Rêve lucide | חלימה מודעת | Sogno lucido | 明晰夢 | Lucidiniai sapnai | Lucide droom | Klardrøm | Świadomy sen | Sonho lúcido | Осознанные сновидения | Lucid dream | Луцидни сан | Klardrömmande

 

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