Die
Klarinette ist ein
transponierendes Musikinstrument aus der Familie der
Holzblasinstrumente. Sie hat eine vorwiegend
zylindrische Bohrung und ist mit einem
Mundstück mit
einfachem Rohrblatt ausgestattet. Der Name des Instruments („kleines Clarino“) wird darauf zurückgeführt, dass sie im hohen Register ähnlich klingt wie die hohe
Clarin-Trompete, deren Funktion sie auch im
18. Jahrhundert teilweise einnahm. Klarinettenspieler nennt man
Klarinettisten.
Aufbau und Funktion
Klarinette_beschriftet.png
Teile
Der
Korpus der Klarinette besteht üblicherweise aus
Grenadillholz, oft auch aus
Buchsbaum- oder
Ebenholz, seltener sind Instrumente aus Metall oder verschiedenen Kunststoffen. Die
Klappenmechanik ist in der Regel aus
Neusilber,
Messing,
Silber oder
Gold. Die Gesamtlänge der B-Klarinette beträgt ungefähr 66 cm (71 cm bei der A-Klarinette), und die Innenbohrung ist etwa 13 mm weit.
Um einfacher hergestellt, transportiert und gewartet werden zu können, besteht die Klarinette aus fünf getrennten Teilen, die mit korkbelegten Zapfen ineinander gesteckt werden:
- Das schnabelförmige Mundstück ist aus gehärtetem Kautschuk. Moderne Mundstücke sind aus Kunststoffen wie Ebonit oder Acryl, seltener aus Holz gefertigt, es gibt aber auch Glas-, Metall- und Plastikmundstücke. Der eigentliche Tonerzeuger ist das ca. 12,5 mm breite einfache Rohrblatt (kurz "Blatt" oder "Blättchen" genannt), das am Mundstück befestigt wird. Es ist fast immer aus Rohrholz (Pfahlrohr), da Kunststoffe derzeit noch nicht zu einem ausgezeichneten Klang führen. Zur Befestigung werden Metallhalter, Bänder oder auch Schnüre verwendet.
- Die Birne, auch Fass genannt, dient der Feinstimmung. Klarinettisten verwenden einerseits Birnen unterschiedlicher Längen, andererseits kann auch der Zapfen des Mundstücks etwas weiter aus der Birne "ausgezogen" werden, um tiefer zu intonieren.
- Der Trichter, der auch viele andere Namen wie Becher, Stütze oder Schallstück hat und für den Klang der tiefsten Töne ausschlaggebend ist.
Physik
Durch den Luftstrom, der vom Musiker in das Instrument geblasen wird, beginnt das am
Mundstück befestigte Rohrblatt hin- und herzuschnellen. Die Luftsäule der Klarinette verhält sich wie eine gedeckte Pfeife bei einer
Orgel. Der daraus folgende doppelte Schwingungsweg führt dazu, dass die Klarinette, auch wenn sie etwa gleich groß ist wie eine Querflöte, beinahe eine Oktave tiefer klingt. Die Frequenz dieser Schwingung hängt einerseits von der Länge der geschlossenen
Luftsäule im
Korpus ab, die durch Öffnen und Schließen der
Tonlöcher und
Klappen verändert werden kann, wird aber andererseits auch durch den Lippendruck und die Blasstärke beeinflusst, mit denen man kleine Korrekturen der Tonhöhe vornehmen kann. Ein
Überblasen im herkömmlichen Sinn ist nur nach langer Übung kontrolliert möglich. Jeder Ton besitzt mindestens einen Griff, bei dem der Ton sauber erklingt. Für Trillertöne können auch die seltener verwendeten Hilfsklappen am Oberholz verwendet werden, wenn man geringe Unterschiede in der Tonhöhe in Kauf nimmt.
Wegen der zylindrischen Bohrung der Klarinette erklingen die Obertöne geradzahliger Ordnung nicht. Das zweite Register der Klarinette überbläst deswegen in die Duodezime (zwölf Töne über dem Grundton, also Oktave plus Quinte, die Oktave als Oberton fehlt), was ihr einen großen Tonumfang beschert (praktisch eine ganze Oktave mehr als zum Vergleich Saxophon, Oboe oder Blockflöte). Das dritte Register überbläst zwei Oktaven und eine Terz. Der gesamte Tonumfang beträgt mehr als 3 Oktaven.
Die Obertonreihe der einzelnen Register charakterisiert auch ihren Namen. So heißt das tiefe Register auch Schalmeiregister, weil der Klang der tiefen Register an den dumpfen Klang der Schalmeien erinnert. Das Mittel-Register heißt Clarinregister und erinnert an den Klang hoch-gespielter Blechblasinstrumente (Clarinblasen). Das hohe Register trägt den Namen Flageolett-Register, der auf den Charakter einer Flageolett-Flöte hinweist.
Die Artikulation erfolgt bei der Klarinette meistens durch einen Zungenschlag, der auch als Zungenstoß bezeichnet wird, kann aber, für besonders weich einsetzende Töne, auch durch den kontrollierten Luftstrom allein erfolgen.
Griffsysteme
Clarinet.jpg
Die Entwicklung der verschiedenen Griffsysteme wird im Abschnitt
Geschichte beschrieben. International hat sich das so genannte
Französische oder
Boehm-System durchgesetzt (nebenstehend abgebildet), in Deutschland und Österreich ist das
Deutsche oder
Öhler-System verbreitet, das das Bild im Kasten rechts oben und die Graphik mit den Einzelteilen zeigt.
Neben Unterschieden in der Griffweise benutzt das Boehm-System ein Mundstück mit weiterer Öffnung und ein breiteres Blatt. Dadurch ist der Klang der Boehm-Klarinette flexibler, obertonreicher und schärfer. Der Klang der Deutschen Klarinette wirkt reiner und wärmer. Da jedoch unterschiedliche Mundstücke, Blätter, und hauptsächlich die Vorstellung des Spielers wesentlich zum Klangergebnis beitragen, kann natürlich auch auf Boehm-Klarinetten ein sehr reiner Klang erzeugt werden, jedoch ist der Klang der Deutschen Klarinette grundsätzlich sonorer. Die Grifftechnik der deutschen Klarinetten leitet sich von der Barock-Blockflöte ab. Die Einfachheit der Griffe der französischen Klarinette verbunden mit der Klappentechnik der deutschen Klarinette findet sich auf modernen Saxophonen. Typisch sind vor allem Rollverbindungen zwischen Klappen. Das Boehm-System kommt ohne Rollverbindungen aus. Es vermeidet einige Gabelgriffe und kommt daher Anfängern entgegen.
Es gibt traditionell starke Verfechter des einen oder anderen Systems und hochkarätige Solisten in beiden Lagern. Innerhalb nicht-klassischer Musik, insbesondere dem Jazz, ist das Boehmsystem stärker verbreitet, auch einige Dixieland- und Klezmerspieler ziehen es deutschen Klarinetten vor, da das Schleifen der Noten (Glissando) hier einfacher ist, und auch das im Jazz oft anzutreffende intensive modulieren durch verschiedene Tonarten grifftechnisch etwas leichter ist als auf der deutschen Klarinette und daher auch in komplexeren musikalischen Zusammenhängen ein schnelleres Spielen ermöglicht.
Clarinet_in_Eb.jpg
Bauformen
Die Familie der Klarinetten hat besonders zahlreiche Vertreter in unterschiedlichen Größen, weil sich die zylindrische Bohrung und das flexible Klappensystem besonders gut für bauliche Experimente eignen. Schon
Richard Strauss berichtet (in seiner Überarbeitung von
Berlioz’ Instrumentationslehre) von einer Aufführung der Mozartschen
g-moll-Symphonie mit einem reinen Klarinettenorchester, das sich aus Instrumenten der verschiedensten Stimmungen zusammensetzte. Fast alle Klarinetten sind
transponierende Instrumente und müssen daher dementsprechend notiert werden.
Üblich
Im modernen Gebrauch sind in erster Linie vier Größen üblich: Die „normale“
Klarinette in B, die auch im Jazz und in der Volksmusik verwendet wird, klingt einen Ganzton tiefer, als sie geschrieben wird. Im
Orchester gesellt sich zu ihr die
A-Klarinette, sie klingt eine kleine Terz tiefer. Die abwechselnde Verwendung dieser beiden Typen ist vor allem technisch zu begründen, da sie klanglich fast identisch sind: Passagen in b-
Tonarten lassen sich auf dem B-Instrument leichter ausführen, die A-Klarinette ist für Kreuz-Tonarten besser geeignet. Im Kasten sind beide Typen nebeneinander abgebildet, die B-Klarinette mit Mundstück.
Für hohe Stimmen wird normalerweise die Es-Klarinette verwendet, deren durchdringender Klang in Blaskapellen und böhmisch-mährischer Volksmusik, aber auch im groß besetzten Symphonieorchester zum Einsatz kommt. Wegen des durchdringenden Klanges wird sie im Orchester häufig nur einzeln besetzt.
Hauptsächlich im Orchester und vereinzelt im Jazz ist auch die Bassklarinette in B zuhause, die eine Oktave unter der B-Klarinette klingt. Hauptartikel: Bassklarinette
Basset_horn.png
Seltener
Seltenere hohe Instrumente sind die
G-Klarinette, das „picksüße Hölzl“, das ausschließlich in der Wiener
Schrammelmusik gespielt wird, und die
C-Klarinette, die im 19. Jahrhundert noch weit verbreitet war. Dieses einzige nicht-
transponierende Familienmitglied wird heute üblicherweise durch die B-Klarinette ersetzt, was dazu führt, dass aus C-Stimmen transponiert, also vom Blatt einen Ganzton höher gespielt werden muss.
Das Bassetthorn in F wurde vor allem von Mozart sehr geliebt und in einigen seiner Opern, Kammermusikwerken und dem Requiem verwendet. Auch Richard Strauss setzte es ein, und heute erlebt es eine Renaissance in der neueren Quartettliteratur für Klarinette. Hauptartikel: Bassetthorn
Rar
Die hohe
As-Klarinette spielte früher die höchste Klarinettenstimme in der italienischen Blasmusik und wird heute durch die Es-Klarinette ersetzt, ebenso wie die hohe
D-Klarinette, die beispielsweise im barocken Klarinettenkonzert von
Johann Melchior Molter oder in der Wiener Tanzmusik (
Johann Strauß) zu finden ist. Beide Bauformen werden heute nicht mehr serienmäßig hergestellt.
Die Bassettklarinette in A ist das dem Bassetthorn ähnliche Instrument, für welches Mozart sein Klarinettenkonzert KV 622 komponierte, das heute leider nur in rekonstruierten Fassungen vorliegt. Die Bassettklarinette wurde 1788 von dem Wiener Hofinstrumentenmacher Lodz erfunden[Partitur, Edition Eulenburg, Vorwort Alan Hacker] und von Mozarts Freund Anton Stadler(1753-1812) verbessert. Er fügte zur normalen Klarinette noch die tieferen Töne Dis, D, Cis und C hinzu. Die tiefsten Passagen des Konzerts wurden nach Mozarts Tod nach oben oktaviert, um es auf der verbreiteten A-Klarinette spielen zu können. Einige Instrumentenbauer haben in letzter Zeit moderne Sonderanfertigungen dieser Bauform hergestellt, so dass neuere Einspielungen, zum Beispiel jene durch Sabine Meyer, ein authentischeres Bild des Werks vermitteln können.
Im Blasorchester werden fallweise die Altklarinette in Es und die Kontra-Altklarinette in Es zur Verstärkung des tiefen Klarinettenregisters verwendet. Weitere Bassinstrumente der Familie sind die Kontra-Bassklarinette in B, die äußerst seltene Subkontra-Altklarinette in Es sowie die Subkontra-Bassklarinette in B, von der weltweit nur wenige Exemplare existieren.
Der kanadische Klarinettenbauer Steven Fox konstruiert Klarinetten, die in der Bohlen-Pierce-Skala gestimmt sind. Aufgrund der hohen Kompatibilität dieser Skala mit Klarinetten können diese auch in Bezug auf die Klappenmechanik deutlich einfacher ausgeführt sein.
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Kurios
In den
1930er Jahren entwickelte Friedrich Stein die
Steinklarinette, die ein neuartiges Klappensystem auf zwei Metallrohren hatte und von der Firma
Gebrüder Mönnig in
Markneukirchen gebaut wurde.
Durch die Beschäftigung der Komponisten mit Mikrointervallen, die ab dem 20. Jahrhundert stattfand, entstand gerade bei Blasinstrumenten der Wunsch nach baulicher Unterstützung dieser Töne. Der Instrumentenbauer Fritz Schüller (1883-1977) konstruierte eine Vierteltondoppelklarinette, die aus zwei nebeneinander liegenden, im Abstand eines Vierteltons gestimmten Klarinetten bestand, die jedoch mit nur einem Mundstück und einem Klappensystem ausgestattet war. Mit einer zusätzlichen Klappe konnte zwischen den beiden Röhren hin- und hergeschaltet werden, so dass es ohne erheblich größerem Griffaufwand möglich war, eine Vierteltonleiter zu spielen.
In der türkischen Volksmusik wird eine Klarinette aus Metall verwendet, die einem Sopransaxophon ähnelt, aber mit einer modernen Böhm-Mechanik ausgestattet ist.
Geschichte
Das Chalumeau
Schon in der Antike wurden verschiedene Instrumente mit einfachem Rohrblatt verwendet, die Klarinette selbst entwickelte sich aus dem
Chalumeau, das seinerseits aus
Blockflöten entstanden sein dürfte, die mit einem anderen Mundstück versehen wurden. Das Chalumeau hatte noch keine Überblaseklappe und war daher auf einen
Tonumfang von etwa eineinhalb
Oktaven in der
Alt-Lage beschränkt. Ähnlich der Blockflöte hatte es acht
Grifflöcher, manchmal eine oder zwei Klappen, und
chromatische Noten konnten nur mit Hilfsgriffen gespielt werden.
Diderot clarinette.jpg
Denners Entwicklungen
Um 1700 begannen deutsche Instrumentenbauer das Chalumeau weiter zu entwickeln. Die bedeutendste Errungenschaft auf dem Weg zur Klarinette gelang dem deutschen
Instrumentenbauer Johann Christoph Denner. Seine Weiterentwicklung der Chalumeau war die, dass er ein Instrument anfertigte, das mit einer Zusatz
klappe zum
Überblasen versehen war. Weil dieses Instrument im mittleren und hohen
Register einen lauten, klaren Klang hatte, wurde es von Mayer im 'Museum musicum' (1732) als
Clarinetto, also
kleine Trompete bezeichnet. Da die ersten Klarinetten für die tiefe Lage jedoch nicht gut geeignet waren, wurden auch weiterhin Chalumeaus erzeugt, heute noch nennt man die tiefste Lage der Klarinette das
Chalumeau-Register. Die Denner-Klarinette hatte nur zwei Klappen, doch verschiedene andere Hersteller fügten bald weitere hinzu, um zusätzliche Noten spielbar zu machen. Das klassische Instrument, wie Mozart es kannte und liebte, hatte acht Grifflöcher und an die fünf Klappen.
Noch mehr Klappen
Der nächste wichtige Entwicklungsschritt war die Erfindung der modernen Polster: Frühe Klarinettenklappen bedeckten die Tonlöcher mit
Filzscheiben. Da diese aber nicht sehr dicht waren, musste die Anzahl der Klappen klein bleiben, und nicht alle Töne konnten sauber und schön klingen. Im Jahre
1812 entwickelte
Ivan Müller, ein russischer Klarinettist, ein neuartiges Polster aus
Leder, das das Loch erstmals luftdicht abdeckte. Er baute eine Klarinette mit sechs Grifflöchern und dreizehn Klappen, die in fast jeder
Tonart ohne Probleme gespielt werden konnte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden diesem System, das weltweit Anklang fand, noch weitere Zusatzklappen hinzugefügt.
Hyacinthe Klosé entwarf 1839 eine völlig neue Anordnung der Löcher und Klappen, die stark von den von Theobald Böhm erstellten Berechnungen beeinflusst war, die dieser auf den Bau der Querflöte angewandt hatte. Nach ihm benannte er seine Erfindung auch Boehm-System. Da diese Griffweise völlig neuartig konzipiert war und die das Müller-System gewohnten Musiker komplett umlernen mussten, setzte es sich jedoch nur langsam durch. Mittlerweile aber ist die Böhmklarinette, vom deutschen Sprachraum abgesehen, das internationale Standardinstrument. Siehe auch: Griffsysteme.
Die Wiener Klarinette
Die Wiener Klarinette ist ein für Österreich typisches Instrument. Diese besondere Art der Deutschen Klarinette unterscheidet sich von der deutschen Schwester dadurch, dass sie eine weitere Bohrung besitzt, dickere Wandstärken hat und dass sie eine andere Mundstücksbahn hat. Wiener Blätter sind breiter als deutsche Blätter. Wiener Blätter sind zudem stärker und haben einen anderen Blattkern.
Die Wiener Klarinette verleiht den neben den anderen Wiener Instrumenten, wie z.B. Wiener Oboe, Wiener Horn, Wiener Schlagwerk, udgl., den österreichischen Orchestern ihren typischen Klang. Die Wiener Instrumente basieren auf der Klangvorstellung, dass diese Instrumente einen volleren, weicheren Klang besitzen sollen und sich dadurch klanglich besser über den Orchesterklang legen.
Eine besondere Klarinette in der wiener Volksmusik ist die G-Klarinette. Sie ist einen Halbtonschritt tiefer gestimmt als die selten verwendete As-Klarinette. Ihre Verwendung findet sie in der
Schrammel-Musik, wo sie auch als
picksüßes Hölzl bezeichnet wird.
Verwendung in der Musik
Solistisch
Aus den zahlreichen Werken für Klarinette und
Klavier sind vor allem die beiden
Sonaten von
Brahms, die
Fantasiestücke von
Robert Schumann und die
vier Stücke von
Alban Berg hervorzuheben. Weitere Sonaten komponierten
Max Reger,
Francis Poulenc,
Paul Hindemith oder
Leonard Bernstein
Es gibt auch eine reiche Literatur an Klarinettenkonzerten, das bekannteste dürfte das Konzert in A-Dur KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart sein. Auch Carl Maria von Weber, Ludwig Spohr, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Krommer, Johann Melchior Molter und Mitglieder der Stamitz-Familie schrieben bekannte und bis heute häufig aufgeführte Klarinettenkonzerte, später komponierten Claude Debussy, Igor Strawinski oder Aaron Copland Werke für Soloklarinette mit Orchesterbegleitung. Einen Höhepunkt in technischer und auch musikalischer Rafinesse markiert das Klarinettenkonzert von Jean Francaix (1964), leider wird es wegen seiner hohen Anforderungen an den Solisten wie auch an das Orchester nur selten aufgeführt.
Die völlig unbegleitete Klarinette wurde von vielen Komponisten, vor allem im 20. Jahrhundert mit Solokompositionen bedacht. Die prominentesten Vertreter sind hier die drei Stücke von Strawinski, das Capriccio von Sutermeister und Luciano Berios Sequenza IXa.
Kammermusik
In der reinen Bläserkammermusik gibt es kaum eine Formation ohne Klarinette. In
Harmoniemusiken, Bläser
oktetten und -
sextetten sind meistens zwei, im
Bläserquintett eine Klarinettenstimme besetzt. Eine weitere wichtige Besetzung ist das moderne
Klarinettenensemble mit Klarinetten, Bassetthörnern, Es-Klarinette, Baßklarinette und Saxophonen oder das
Klarinettenquartett aus zwei Klarinetten, Bassetthorn und Bassklarinette. Außerdem hat die Klarinette in den
Quintetten für Klavier und Bläser von Mozart und
Beethoven mancherlei Aufgaben.
In der gemischten (Bläser- und Streicher-) Kammermusik ist zuallererst das Klarinettenquintett zu nennen, das den Klang des solistischen Blasinstruments mit einem Streichquartett kombiniert. Vor allem die Quintette von Mozart und Brahms sind hier hervorzuheben. In der größeren gemischten Besetzung, wie im Schubert-Oktett oder Beethoven-Septett teilt sich die Klarinette mit der ersten Violine oft die Hauptstimme
Orchester
Abgesehen von einigen solistischen Versuchen war das Chalumeau nie wirklich im barocken
Orchester integriert. Erst mit der Weiterentwicklung zur Klarinette konnte sich das Instrument neben den anderen Holzbläsern behaupten.
Wolfgang Amadeus Mozart hörte 1778 in Mannheim Sinfonien von Carl Stamitz und schrieb an seinen Vater:
- Ach, wenn wir nur clarinetti hätten! - sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht!
Mozart bemühte sich von diesem Zeitpunkt an, dieses Instrument auch in Österreich im Orchester zu integrieren und es ist mit sein Verdienst, dass in den
Symphonien von Beethoven die Klarinette bereits fix zur Bläsergruppe gehört und gleichwertig mit der
Oboe oder
Flöte eingesetzt wird. Besonders charakteristische Stellen findet man in den innigsten Momenten vieler Mozart-
Opern und in den langsamen Sätzen der
Beethoven-Symphonien. Zu dieser Zeit wurden üblicherweise zwei Klarinetten im Orchester besetzt.
Bei vielen Komponisten der Romantik ist die Klarinette, ähnlich der Oboe in der Barockzeit, das Instrument der Wahl für intime, gesangliche Passagen (beispielsweise in den Symphonien von Mendelssohn oder Brahms). Auch im romantischen Opernorchester wird sie gerne mit ausdrucksvollen Gesangslinien kombiniert. Außerdem vergrößert sich die Klarinettengruppe im Orchester, oft kommen drei oder mehr Spieler zum Einsatz, die zum Teil auch Nebeninstrumente spielen.
Zu Beginn des 20. Jahrhundert beeinflusste der neuartige Jazz auch die Konzertmusik und naturgemäß kam hierbei die Klarinette als verbreitetes Jazz-Instrument, das aber auch im Orchester vertreten ist, sehr zum Zug. Ein weltbekanntes Beispiel ist der Beginn der Rhapsody in Blue von George Gershwin. Moderne Komponisten schätzen die Klarinette vor allem für ihre Wendigkeit in allen Registern. Seit Arnold Schönberg gilt sie gemeinsam mit der Flöte als besonders geeignetes Instrument für atonale oder experimentelle Musik.
Blasorchester
In
Blasorchestern und Militärkapellen wird die Klarinette für schnelle Solopassagen verwendet. In Blasmusikbearbeitungen
symphonischer Werke übernehmen die in zwei oder mehr Gruppen geteilten Klarinetten häufig die
Geigenstimmen. Sie spielen dort weitgehend in ihrem oberen Tonbereich, in dem sie sich leicht von den anderen Instrumenten abheben.
Jazz
Vor allem im frühen
Jazz war die Klarinette ein zentrales Instrument, der Gipfel ihrer Popularität war in der
Dixieland Jazz- und
Big Band-Ära der
1930er und
1940er Jahre, als Klarinettisten wie
Benny Goodman,
Artie Shaw,
Johnny Dodds und
Woody Herman die wohl erfolgreichsten Unterhaltungsmusikgruppen ihrer Zeit anführten. Ähnlich wie bei den
Beatles, die eine Generation später viele Menschen dazu brachten, Rockmusik zu machen, begannen viele junge Menschen unter diesem Einfluss, Klarinette zu spielen.
Mit der sinkenden Beliebtheit der Big-Bands in den späten 1940ern entfernte sich das Instrument von der zentralen Position. Es wurde vor allem vom Saxophon verdrängt, gleichwohl einige Musiker wie Buddy DeFranco, Jimmy Giuffre ,Perry Robinson und Theo Jörgensmann es auch für Bebop und Free Jazz einsetzten.
Weiteres
Auch im
Klezmer und der osteuropäischen Volksmusik (
Iwo Papasow) findet die Klarinette reiche Verwendung als Solo- oder Begleitinstrument.
Berühmte Klarinettisten
Der erste große Klarinetten-Star war
Anton Stadler (1753-1812), dem
Wolfgang Amadeus Mozart fast sämtliche seiner Werke für Klarinette, Bassetthorn oder Bassettklarinette „auf den Leib“ schrieb. Er kam ursprünglich aus
Prag, führte aber wegen seiner großen Beliebtheit in vielen europäischen Metropolen ein regelrechtes Wanderleben.
Ähnlich inspirierend dürfte der Münchner Hofmusiker Heinrich Baermann (1784-1847) auf Carl Maria von Weber gewirkt haben, der ihm zwei Konzerte, ein Konzertstück und Kammermusikwerke widmete. Sein Sohn Carl Baermann war auch Klarinettist und schrieb neben einigen Konzerten eine Klarinettenschule, die bis heute verwendet wird.
Auch Johannes Brahms, der in den 1890er Jahren eigentlich schon aufgehört hatte, zu komponieren, wurde vom schönen Ton des Autodidakten Richard Mühlfeld (1856-1907) dazu gebracht, kurz vor seinem Lebensende noch einige Klarinettenwerke zu komponieren.
Bedeutende Klarinettisten der Gegenwart sind Jack Brymer, Sabine Meyer, Dieter Klöcker, Sharon Kam, Milenko Stefanovic*,Karl Leister, Eduard Brunner, Paul Meyer und Giora Feidman. Weitere Musiker sind in der Liste von Klarinettisten aufgeführt.
Auch Woody Allen spielt Klarinette und hat in den Aufnahmen seiner Filmmusiken ("Take the Money and run", "The Sleeper", "Radio Days") selbst die Klarinette gespielt.
Pädagogik
Wie so viele andere Instrumente kann man auch das Klarinettenspiel privat, an
Musikschulen,
Konservatorien oder
Kunsthochschulen erlernen. Vor der Anschaffung eines Instruments sollte unbedingt der zukünftige Lehrer konsultiert werden, der den Schüler über die Wahl des Klappensystems und die Qualität der Klarinette beraten kann. Neben der Vermittlung von Grifftechnik, Haltung,
Atemtechnik und
Ansatz sollte ein guter Klarinettenlehrer auch in der Lage sein, Tipps für die Bearbeitung des
Blatts zu geben.
In Klarinettenensembles, Blasorchestern oder Amateur- oder Schulorchestern kann der fortgeschrittene Schüler seine erste Spielpraxis erhalten, im professionellen Studium bieten sich zudem noch Kammermusikensembles oder Hochschulorchester an. Für die Aufnahme in ein Symphonieorchester ist das Gewinnen eines Vorspiels vonnöten, bei dem Solokonzerte und schwierige Stellen aus Orchesterwerken vorzutragen sind. Die Vorbereitung solcher Probespiele ist einer der Schwerpunkte des professionellen Instrumentalstudiums.
Wichtige Etüden und Schulwerke für Klarinette stammen von Friedrich Berr, Giovanni Battista Gambaro, Hyacinthe Klosé, Fritz Kröpsch, Rudolf Jettel, Ernesto Cavallini, Paul Jeanjean und Alfred Uhl.
Hersteller
Amati, Belcanta, Buffet-Crampon, Jupiter, Leblanc, Luis Rossi, Noblet, Orsi, Selmer,
Yamaha Corporation
- Hersteller in Deutschland
Oscar Adler, Claríssono (Martin Schöttle), Wolfgang Dietz, Martin Foag, Frank Hammerschmidt, Karl Hammerschmidt, Stefan Hofmann, Harald Hüyng, Richard Keilwerth, Leitner & Kraus, Rolf Meinel, Mollenhauer, Bernd Moosmann, Richard Müller, Püchner, Lother Reidel, Eberhard Scherzer, Schreiber, Schwenk & Seggelke, F. A. Uebel, Guntram Wolf, Herbert Wurlitzer
Eric Pettersson
Gerold Angerer, Othmar Hammerschmidt, Rudolf Tutz
Literatur
- F. Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Bärenreiter, Kassel, Bd. 7, Artikel „Klarinette“, ISBN 3423059133
- Oskar Kroll: Die Klarinette, Bärenreiter Verlag, s.o., 1965, ISBN 376180086X
- Jack Brymer: Die Klarinette, Fischer Taschenbuch Verlag, 1983, ISBN 3596229863
- Kurt Birsak: Die Klarinette, eine Kulturgeschichte, Verlag Obermayer GmbH, Buchloe, 1992, ISBN 3-9800919-8-8
- Günter Dullat: Klarinetten: Grundzüge ihrer Entwicklung, Verlag Erwin Bochinsky, Frankfurt am Main, 2001, ISBN 3923639449
- Eugen Brixel, Schriftenreihe für Jungmusiker, Heft 1, Die Klarinette und das Saxophon, Musikverlag Stefan Reischel, Oberneunkirchen, Österreich, 1983
- Peter Ninaus: Voraussetzungen für den Bläserunterricht am Beispiel der Klarinette, Eine Betrachtung unter den Aspekten der Musikpädagogik, Psychologie, Physiologie und des Instrumentenbaus, Bakkalauretasarbeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz, 2004
- Conny Restle und Heike Fricke, Faszination Klarinette , Prestel Verlag, München, 2004,
ISBN 3-7913-3180-9
Quellen
Weblinks
Rohrblattinstrument
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