Eine Kläranlage, in der Schweiz und Österreich auch ARA (Abwasserreinigungsanlage) genannt, dient der Reinigung von Abwasser, das von der Kanalisation gesammelt und zu ihr transportiert wurde.
Zur Reinigung der unerwünschten Bestandteile der Abwässer werden mechanische (auch physikalische genannt), biologische und chemische Verfahren eingesetzt. Moderne Kläranlagen sind dementsprechend dreistufig, wobei in jeder Reinigungsstufe eine Verfahrensart im Vordergrund steht. Die erste Kläranlage auf dem europäischen Festland wurde 1882 in Frankfurt-Niederrad in Betrieb genommen.
RWZI.JPG | PICT0778 Klaeranlage naeheFrankfurt.JPG
- align="center" | Beispielfließschema einer kommunalen Kläranlage mit Vorklärung Kläranlage Ablaufschema - anaerobe Schlammbehandlung.jpg | - align="center" | Beispielfließschema einer kommunalen Kläranlage ohne Vorklärung Kläranlage Ablaufschema - aerobe Schlammbehandlung.png |
Ebenso wird dieser Anlagenteil bei Kläranlagen mit simultaner, aerober Schlammstabilisierung in der biologischen Stufe nicht verwendet, da sonst weiterhin nicht stabilisierter Primärschlamm anfallen würde.
Der Belebtschlamm muss gute Absetzeigenschaften aufweisen. Ist dies nicht der Fall (beispielsweise durch massenweises Wachstum fadenförmiger Mikroorganismen, Blähschlammbildung) treibt der Belebtschlamm aus dem Nachklärbecken in das Gewässer ab. Damit wird nicht nur das Gewässer beeinträchtigt. Da nicht genug Schlamm im System Belebungsbecken/Nachklärbecken gehalten werden kann, sinkt die Reinigungsleistung. Das Schlammalter, das heißt die mittlere Aufenthaltsdauer der Biomasse im System, nimmt ab. Zuerst sind daher von einem derartigen Versagen die langsam wachsenden Bakterien (beispielsweise die Nitrifikanten, die Ammonium zu Nitrat umbauen) betroffen. Besonders leicht abbaubares Abwasser (beispielsweise aus der Lebensmittelindustrie) neigt zur Blähschlammbildung. Die Vorschaltung kleiner, nicht oder gering belüfteter Becken vor dem Belebungsbecken (Selektoren) kann die Blähschlammbildung vermeiden. Eine spezielle Form des Nachklärbeckens ist der trichterförmige Dortmundbrunnen.
siehe auch: Festbettverfahren
Biologische Verfahren werden in der zweiten Reinigungsstufe kommunaler Abwasserreinigungsanlagen und für den Abbau organisch hochbelasteter Abwässer in der anaeroben Abwasserreinigung eingesetzt. Sie verwenden mikrobiologische Abbauvorgänge. Dabei sollen abbaubare organische Abwasserbestandteile möglichst vollständig mineralisiert werden, das heißt bis zu den anorganischen Endprodukten Wasser, Kohlendioxid, Nitrat, Phosphat und Sulfat in der aeroben, beziehungsweise organische Säuren und Methan in der anaeroben Abwasserreinigung umgewandelt werden. Üblicherweise werden damit die Kohlenstoffverbindungen aus dem Abwasser entfernt. Ebenso erfolgt die Entfernung von organischem Stickstoff und Ammonium durch biologische Nitrifikation und Denitrifikation. Zunehmend wird in mittleren und großen Kläranlagen auch der Phosphor biologisch eliminiert.
Chemische Verfahren bedienen sich chemischer Reaktionen wie Oxidation und Fällung. Sie dienen in der kommunalen Abwasserreinigung vor allem der Entfernung von Phosphor durch Fällungsreaktionen. Dieser Prozess hat große Bedeutung zur Vermeidung der Eutrophierung der Vorfluter. Zudem werden chemische Verfahren zur Fällung in der Industriewasserwirtschaft und zur weitergehenden Abwasserreinigung (beispielsweise Flockung/Fällung/Filtration) eingesetzt.
Die Prozesse in Kläranlagen können mathematisch durch ihre Reaktionskinetik (Makrokinetik) beschrieben werden.
- bgcolor="silver" | Prozess | Kläranlagenkomponente | Zweck | - | - | Physikalische Verfahren | - bgcolor="EEEEEE" | Siebung | Rechen, Trommelsieb, Mikrosieb | Entfernung von größeren Feststoffen und Schwimmstoffen | - valign="top" | Abscheidung | Schwimmstoff- beziehungsweise Ölabscheider | Entfernung von Fetten und Ölen | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Sedimentation | Sandfang, Absetzbecken, Zentrifugalabscheider, Vor- und Nachklärbecken | Entfernung kleinerer Schwimmstoffe, Sand, geflockter Schwebstoffe | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Separation | Nachklärbecken | Entfernung des Belebtschlamms aus dem gereinigten Abwasser | - valign="top" | Filtration | Sandfilter | Entfernung von Schwebstoffen | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Flotation | Flotationsbecken | Entfernung von feinen Schmutzpartikeln durch Einblasen von Luft | - valign="top" | Adsorption | Aktivkohlefilter | Anlagerung von beispielsweise halogenierten Kohlenwasserstoffverbindungen (AOX) oder Farbstoffen | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Thermodesinfektion (siehe Desinfektion) | Thermodesinfektionsanlage | Durch erhöhte Temperatur beziehungsweise Druck werden infektiöse oder sonstwie nicht zu eliminierende Keime abgetötet (Krankenhäuser, Labors, Pharmaindustrie). | - valign="top" | Strippen | Strippbecken | Entfernung durch Einblasen von Luft/Gasen. Damit werden in Entsprechung des Dampfdrucks gelöste Abwasserinhaltsstoffe in die gasförmige Phase übergeführt und somit aus dem Wasser entfernt. | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Verminderung der Radioaktivität | Abklinganlage | Durch entsprechend lange Verweildauer vermindert sich die radioaktive Belastung von Abwässern entsprechend der Halbwertszeit der Radionuklide. Einsatz in Labors, Krankenhäusern etc. | - valign="top" | Kühlung | Kühlturm, Kühlteich, Wärmetauscher etc. | Verminderung der Temperatur, um nachfolgende Reinigungsprozesse oder die Einleitung in den Vorfluter zu ermöglichen. Kann auch zur Wärmerückgewinnung dienen. | - | Biologische Verfahren | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Biochemische Oxidation | Belebtschlammverfahren, Tropfkörper | Aerober Abbau organischer Bestandteile zu anorganischen Endprodukten (H2O, CO2, NO3-, N2, PO4---, SO4--) durch Belebtschlämme (Belebungsbecken) beziehungsweise Bakterienrasen (Tropfkörper). Durch geeignete Betriebsführung bei Belebungsanlagen kann die Phosphoraufnahme in die Biomasse optimiert werden (Bio-P). Somit ist weniger Fällmittel zur Phosphorelimination erforderlich. Grundsätzliches Ziel ist stets, zu entfernende Abwasserinhaltsstoffe durch biologische Prozesse (Veratmung, Biomassewachstum) in Formen zu überführen, die durch Sedimentation oder Stripping (gasförmiges Austreiben) aus dem Abwasser entfernt werden können und zudem möglichst unschädlich sind. | - valign="top" | Biochemische Oxidation bei Kleinkläranlagen | Pflanzenkläranlage, Belebtschlammverfahren, Tropfkörper | Aerober und Anaerober Abbau in flachen Becken und anschließendem Bodendurchgang bei Pflanzenkläranlagen beziehungsweise Abbau durch Belebtschlämme (Belebungsbecken) oder Bakterienrasen (Tropfkörper) | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Schlammfaulung | Faulturm | Anaerober Abbau organischer Bestandteile des Primär- beziehungsweise Überschusschlammes zu anorganischen Endprodukten: Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Ammoniak (NH3) | - valign="top" | Anaerobe Abwasserreinigung | Reaktor | Anaerober Abbau organischer Bestandteile zu anorganischen Endprodukten: Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Ammoniak (NH3). Besonders für organisch hochbelastete Abwässer geeignet (beispielsweise Lebensmittelindustrie, Tierkörperbeseitigung). | - | Chemische Verfahren | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Flockung | Flockungsbecken | Entfernung von Kolloidstoffen und feinen Schmutzpartikeln durch Flockungsmittelzugabe beziehungsweise Einstellung des pH-Wertes | - valign="top" | Neutralisation/pH-Wert Einstellung | Neutralisationsbecken | Einstellung des gewünschten pH-Wertes durch die Zugabe von Säure oder Base. | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Fällung | Fällungsbecken | Ausfällung von Phosphationen (PO43-) mit Eisen- und Aluminiumsalzen | - valign="top" | Simultanfällung | Belebungsbecken/Nachklärbecken | Entfernung von Phosphor durch Eisen- beziehungsweise Aluminiumzugabe zum Belebtschlamm. | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Vorfällung | Mischbecken/Vorklärbecken | Entfernung von Phosphor durch Eisen- beziehungsweise Aluminiumzugabe vor dem Vorklärbecken. | - valign="top" | Nachfällung | Mischbecken/Absetzbecken nach dem Nachklärbecken | Entfernung von Phosphor durch Eisen- beziehungsweise Aluminiumzugabe vor dem Vorklärbecken. | - valign="top" bgcolor="EEEEEE" | Chemische oder physikalische Oxidation | Sonderbecken | Zerstörung biologisch nicht abbaubarer organischer Verbindungen beispielsweise durch Ozon oder UV-Licht. Gegebenenfalls mit dem Ziel, die Reste biologisch abbauen zu können (beispielsweise Entfärbung von Abwasser) | - valign="top" | Desinfektion | Sonderbecken | Entkeimung durch Chlor- oder Ozonzugabe oder durch UV-Bestrahlung |
Ein Einwohnerwert entspricht folgenden Größen: der gröse nach
Als Belastung der Kläranlage mit Abwasser wurde früher ein Schmutzwasseranfall von 150-200 Liter pro EW und Tag angesetzt. Der Schmutzwasseranfall entspricht überschläglich dem Wasserverbrauch. Für Neuplanungen oder Überplanungen wird jetzt der ortsspezifische Wasserverbrauch ermittelt und eine Abschätzung für die Zukunft versucht. Üblicherweise werden jetzt Schmutzwassermengen um 130 Liter pro EW und Tag angesetzt.
Dieser Wert berücksichtigt die in Mitteleuropa bei dichten Kanalnetzen übliche Werte. Für die Bemessung der Kläranlage wird jedoch in der Regel ein Zuschlag für das Fremdwasser (undichte Kanäle, Einleitungen von Drainagen etc.) zu berücksichtigen sein. Dieser kann durchaus bis 100 % des Schmutzwasseranfalls betragen. Die Fremdwassermenge wird auf die angeschlossene versiegelte Fläche bezogen und sollte nicht mehr als 0,15 l/(s*ha) betragen.
Bei Mischkanalisationen (Regenwasser und Schmutzwasser in einem Kanal) sind entsprechende Zuschläge zur Abarbeitung des Regenwassers zu berücksichtigen, die meist mit 100 % der Tagesspitze bei Trockenwetter angesetzt werden.
Für die hydraulische Berechnung der Kläranlage ist zudem der Tagesgang der Belastung von Bedeutung. Die durchschnittliche Tagesfracht ist daher zur Bemessung nicht durch 24 Stunden, sondern durch eine geringere Zahl (10-14) für den max. Stundenwert zu teilen.
60 g pro EW und Tag
Davon können etwa 20 g in der Vorklärung durch Sedimentation entfernt werden.
120 g pro EW und Tag
10 bis 12 g pro EW und Tag
etwa 1,8 g pro EW und Tag.
Bewirtschaftung von Abwässern | Kommunalpolitik | Biomasse
Depuradora | Rensningsanlæg | Επεξεργασία λυμάτων | Sewage treatment | Tratamiento de aguas residuales | Épuration des eaux | טיהור שפכים | Rioolwaterzuiveringsinstallatie | Oczyszczalnia ścieków | Estação de Tratamento de Águas Residuais
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Kläranlage".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world