Swahili (auch: Kiswahili, (Ki-)Suaheli) ist eine in Ostafrika weit verbreitete Bantu-Sprache. Swahili ist die Muttersprache der Swahili, die den circa 1500 km langen Küstenstreifen von Süd-Somalia bis in den Norden von Mosambik bewohnen. Es gibt rund 5 Millionen Muttersprachler und 30–50 Millionen Menschen, die Swahili als Zweitssprache beherrschen.
Swahili wird ebenfalls in Ruanda, Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, Somalia, auf den Komoren (einschließlich Mayotte), Mosambik und Malawi gesprochen. Ferner wurde es auf dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Juli 2004 als Arbeitssprache übernommen und wird als Handelssprache (Lingua franca) von ca. 90 Millionen Menschen gesprochen.
Trotz der großen Anzahl von Lehnwörtern ist Swahili dennoch eine Bantu-Sprache. Ältere Theorien, die Sprache und Kultur der Swahili lediglich als eine Vermischung von arabischen und afrikanischen Einflüssen auffassten oder im Swahili gar eine Abart des Arabischen sahen, gelten mittlerweile zum Großteil als widerlegt. Die Existenz eines eigenständigen Volks der Swahili lässt sich, ebenso wie seine Sprache, über ein Jahrtausend lang zurückverfolgen. Nicht nur was die Struktur angeht, auch im Hinblick auf seinen Wortschatz hat das Swahili deutlich mehr kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten mit anderen Bantu-Sprachen als mit Arabisch, Persisch oder indischen Sprachen. So wird auch geschätzt, dass der Anteil an fremdsprachlichen Wörtern im Swahili in etwa dem Anteil französischer, lateinischer und griechischer Lehnwörter im Englischen entspricht.
Die ersten bekannten Transkriptionen des Swahili benutzten die Arabische Schrift, unter dem Einfluss der europäischen Kolonialmächte wurde aber die lateinische Schrift zum Standard.
Wie im Deutschen auch verändert sich der Anteil der Lehnwörtern an der gesprochenen Sprache je nach Gesprächssituation. Bei gebildeten Sprechern des Swahili treten die ursprünglichen Bantu-Wörter zugunsten arabischer und englischer Lehnwörter zurück.
Aussprache:
Swahili kennt keine Diphthonge. Das Wort für „Leopard“, chui, wird deshalb chu’i ausgesprochen.
| bilabial | labio- dental | dental | alveolar | post- alveolar | palatal | velar | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | p | t * | |||||
| Affrikate | c | j [ | |||||
| Frikative | f | th *" target="_blank" > | s *" target="_blank" > | sh *" target="_blank" >gh [ | |||
| '''Flaps (geschlagen) | r * | ||||||
| Nasale | m | n *" target="_blank" > | ng [ | ||||
| Approximanten | w | y [ | |||||
| lat. Approxi- manten | l * | ||||||
| Implosive | b | d * |
Wörter, die im Singular mit m- (1.) und im Plural mit wa- (2.) beginnen, bezeichnen Personen, z. B. mtoto „Kind“, watoto „Kinder“. Eine Klasse mit m- (3.) im Singular und mi- (4.) im Plural wird hauptsächlich für Pflanzen verwendet, vgl. mti „Baum“ und miti „Bäume“. Infinitive beginnen mit dem Klassenpräfix ku- (17.), z. B. kusoma „lesen“. Bei allen anderen Klassen lassen sich nur schwer inhaltliche Bezüge herstellen. Die ki-/vi--Klasse (7./8.) enthält hauptsächlich Werkzeuge und Artefakte, wird aber auch für Fremd- und Lehnwörter benutzt, bei denen das ki- ursprünglich zum Stamm gehörte: kitabu/vitabu „Buch“/„Bücher“ (aus arabisch kitāb „Buch“). In diese Klasse gehören außerdem Sprachen (wie der Name der Sprache selbst: Kiswahili) und Diminutive (Verkleinerungsformen). Wörter mit dem Klassenpräfix u- (11., kein Plural) bezeichnen oft Abstrakta, z. B. utoto „Kindheit“.
Die 9. und 10. Klasse beginnt mit n- oder m- und hat im Plural die gleiche Form. Eine weitere Klasse (5.) hat ji- oder nichts (ø-) als Präfix im Singular; ihr Plural wird mit ma- (6.) gebildet. Diese Klasse wird häufig für Augmentative benutzt.
Oft kann am Nomen selbst nicht erkannt werden, zu welcher Klasse es gehört. Dies ist dann nur unter Berücksichtigung der mit ihm konkordierenden (übereinstimmenden) Wörter möglich. Adjektive und Zahlwörter tragen dasselbe Präfix wie das Nomen (Set A), Verben und andere Wortarten erhalten (sofern Übereinstimmung gefordert ist) andere Klassenpräfixe (Set B).
Ein Beispiel für die 1. Klasse (Singular) mit m- bei Nomen und a- bei Verben:
| mtoto mmoja anasoma „Ein Kind liest.“ | |||
| Swahili: | m-toto | m-moja | a-nasoma |
| Wörtlich: | 1.Klasse Singular-Kind | 1. Kl.Sg.–eines | 1. Kl.Sg.-lesen |
Im Plural, also der 2. Klasse, wird wa- bei Nomen und wa- bei Verben verwendet:
| watoto wawili wanasoma „Zwei Kinder lesen.“ | |||
| Swahili: | wa-toto | wa-wili | wa-nasoma |
| Wörtlich: | 2.Klasse Plural-Kind | 2. Kl.Pl.-zwei | 2. Kl.Pl.-lesen |
Klasse 7/8 mit ki-/vi- (sowohl bei Set A (Nomen) als auch bei Set B (Verben)):
| kitabu kimoja kinatosha „Ein Buch reicht aus.“ | |||
| Swahili: | ki-tabu | ki-moja | ki-natosha |
| Wörtlich: | 7. Klasse Singular-Buch | 7-eines | 7-ausreichen |
| vitabu viwili vinatosha „Zwei Bücher reichen aus.“ | |||
| Swahili: | vi-tabu | vi-wili | vi-natosha |
| Wörtlich: | 8. Klasse Plural-Buch | 8-zwei | 8-ausreichen |
Ebenfalls möglich: Pflanzen (3./4.) mti (miti) „Baum/Bäume“; Werkzeuge (7./8.) kiti (viti) „Stuhl/Stühle“; Vergrößerung (5./6.) jiti (mati) „großer Baum“; Verkleinerung (7./8.) kijiti (vijiti) „Stock/Stöcke“; ? (11./10.) ujiti (njiti) „schlanke(r), hohe(r) Baum/Bäume“.
Trotz der Nähe der Nominalklassen des Swahili zu einem Genussystem, gibt es einen entscheidenden Unterschied zu den Genera vieler europäischer Sprachen. Denn im Gegensatz zu diesen ist die Zuweisung der Nomen zu ihren Klassen nicht willkürlich, sondern folgt im Großen und Ganzen semantischen Kriterien. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bedeutung der einzelnen Klassen im Swahili in simple Kategorien wie „Menschen“, „Pflanzen“, etc. zu fassen wäre. Die Zuweisung erfolgt vielmehr durch schrittweise Ausweitung der Grundbedeutung auf ähnliche Wörter, die dann wiederum selbst zur Ausweitung der Kategorien dienen können. Dies führt letztendlich zu einem semantischen Netz, dessen Verästelungen in früheren Zeiten sinnvoll waren und auch heute noch teilweise nachvollzogen werden können, jedoch für den Nicht-Muttersprachler äußerst verwirrend sein können.
In den meisten Wörterbüchern zum Swahili wird nur die Verbwurzel aufgeführt (bspw. -kata mit der Bedeutung "schneiden"). Im einfachen Satz werden Präfixe für die Person und das Tempus angehängt (ninakata). ni- steht für die 1. Person Singular ("ich") und -na- markiert das Tempus Bestimmte Zeitform – im Allgemeinen mit Präsens im progressiven Aspekt zu übersetzen.
| ninakata „Ich schneide (es) (gerade).“ | |
| Swahili: | ni-na-kata |
| Wörtlich: | 1.P.Sg.-PROG-schneiden |
Dieser Satz kann nun durch Austausch der Präfixe verändert werden.
| unakata „Du schneidest (es) (gerade).“ | |
| Swahili: | u-na-kata |
| Wörtlich: | 2.P.Sg.-PROG-schneiden |
| umekata „Du hast (es) geschnitten.“ | |
| Swahili: | u-me-kata |
| Wörtlich: | 2.P.Sg.-PERFEKT-schneiden |
Als weiteres Tempus gibt es eine Präsensform, die nicht mit dem genannten zu verwechseln ist: Nasoma ist keine Verkürzung von ninasoma („Ich lese gerade“), es enthält stattdessen eine Zeitform, die mit dem Präfix –a- gebildet wird. Nasoma (assimiliert aus *Ni-a-soma) bedeutet in etwa „Ich lese (für gewöhnlich)“/„Ich kann lesen“. Dieses Tempus wird auch als Unbestimmte Zeitform oder gnomisches Präsens bezeichnet.
| nasoma „Ich lese.“ | |
| Swahili: | na-soma |
| Wörtlich: | 1.P.Sg.:GNOM-lesen |
| mwasoma „Ihr lest.“ | |
| Swahili: | mwa-soma |
| Wörtlich: | 2.P.Pl.:GNOM-lesen |
Die Liste aller Subjekt-Präfixe für die m-/wa--Klasse (1./2. - „Menschen“):
| Person | Singular | Plural |
| 1. | ni- | tu- |
| 2. | u- | m- |
| 3. | a- | wa- |
Die gebräuchlichsten Tempus-Präfixe sind:
| -a- | Gnomisches Präsens (unbestimmte Zeitform) |
| -na- | Progressiv (bestimmte Zeitform) |
| -me- | Perfekt |
| -li- | Präteritum |
| -ta- | Futur |
Das Präfix -ki- (oder: -nge-) ist der Konditional. Es übernimmt die Rolle, die im Deutschen die Konjunktion „wenn“ hat:
| nikinunua nyama ya mbuzi sokoni, nitapika leo. „Wenn ich auf dem Markt Ziegenfleisch kaufe, werde ich heute kochen.“ | |||||||
| Swahili: | ni-ki-nunua | nyama | ya | mbuzi | soko-ni, | ni-ta-pika | leo |
| Wörtlich: | 1.Sg.-KOND-kaufen | 9-Fleisch | 9-von | 9-Ziege | Markt-LOK | 1.Sg-FUT-kochen | heute |
| anamwona „Er sieht ihn/sie (gerade).“ | |
| Swahili: | a-na-mw-ona |
| Wörtlich: | 3.Sg.-PROG-3.Sg.OBJ-sehen |
| ninamwona mtoto „Ich sehe das Kind.“ | ||
| Swahili: | ni-na-mw-ona | m-toto |
| Wörtlich: | 1.Sg.-PROG-3.Sg.OBJ-sehen | 1-Kind |
Neben Präfixen gibt es im Swahili auch Suffixe. Genau genommen handelt es sich bei dem Wörterbucheintrag -soma „lesen“ nicht um die reine Wurzel, sondern um die Wurzel mit der Endung -a. -a steht für den Indikativ. Daneben gibt es beispielsweise auch noch die Verneinung -i: sisomi „Ich lese nicht“.
| sisomi „Ich lese nicht.“ | |
| Swahili: | si-ø-som-i |
| Wörtlich: | 1.Sg.-NEG-TEMPUS-lesen-NEG |
Eine weitere Variante ist der Konjunktiv mit der Endung -e (bei Bantu-Verben; Verben, die aus dem Arabischen entlehnt sind, werden auf kompliziertere Weise gebildet).
Daneben gibt es Suffixe, die noch vor dem Endvokal stehen, z. B. -w- für Passiv:
| wanapigwa „Sie werden geschlagen.“ | |
| Swahili: | wa-na-pig-w-a |
| Wörtlich: | 3.Sg.-PROG-schlagen-PASSIV-IND |
| Einige nützliche Vokabeln sind: | |
|---|---|
| jambo | Hallo (für Touristen) |
| hujambo? – sijambo | Wie geht’s? – Mir geht’s gut |
| habari? – nzuri! | Was gibt’s neues? Gutes! |
| simba | Löwe |
| tembo | Elefant |
| mgeni | Gast, Fremder |
| rafiki | Freund |
| karibu | Willkommen! |
| asante | Danke! |
| asante sana | Vielen Dank! |
| hakuna matata | (es gibt keine Probleme) kein Problem! |
| safari | Reise |
| mtanga | Reisender |
| nakupenda | Ich liebe dich! |
| hatari! | Gefahr! |
| daktari | Doktor |
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