Die zwei Kirchhoffschen Regeln wurden von Gustav Robert Kirchhoff entdeckt. Sie beschreiben jeweils den Zusammenhang zwischen mehreren elektrischen Strömen und zwischen mehreren elektrischen Spannungen in elektrischen Netzwerken.
Ein Netzwerk mit n Knoten hat (n-1) linear unabhängige Knotengleichungen. Die Knotenregel gilt nicht nur für einzelne Knoten, sondern auch für ganze Schaltungen. Allerdings wird davon ausgegangen, dass der Knoten elektrisch neutral bleibt. Möchte man z.B. nur eine Kondensatorplatte betrachten (und nicht den ganzen Kondensator), ist dies nicht mehr erfüllt und man muss das 4. Maxwellsche Gesetz benutzen:
Es gilt also:
Sind für die zufließenden Ströme folgende komplexe Effektivwerte gegeben:
In Wechselstromnetzwerken muss die Summe der komplexen Effektivwerte oder komplexen Amplituden der Spannung betrachtet werden:
Ein Netzwerk mit n unabhängigen Knotengleichungen hat n+1 unabhängige Maschengleichungen. Die Maschenregel ist ein Spezialfall des 3. Maxwellschen Gesetzes und darf nur bei Abwesenheit zeitlich ändernder Magnetfelder angewandt werden.
Dieses Gleichungssystem lässt sich nach den drei unbekannten Strömen ordnen :
In Matrixschreibweise lautet das Gleichungssystem:
Die Kirchhoffschen Gleichungen eines Schaltkreises bilden immer ein lineares Gleichungssystem. Die Theorie linearer Gleichungssysteme (Lineare Algebra) ist gut verstanden, und es gibt Standardmethoden zu ihrer Auflösung.
Kleinere Gleichungssysteme lassen sich analytisch „von Hand“ lösen, für umfangreichere Schaltkreise werden numerische Methoden (Computerprogramme) verwendet.
Beide Kirchhoffschen Regeln drücken physikalische Erhaltungssätze aus: Der ersten Regel liegt zugrunde, dass die elektrische Ladung erhalten bleibt; die zweite beruht auf der Erhaltung der Energie, welche im Stromkreis auf der Bewegung der Ladungsträger durch ein Spannungsgefälle gegeben ist.
Bei der Anwendung der Kirchhoffschen Gleichungen ist zu beachten, dass davon ausgegangen wird, dass alle Verbindungen zwischen den einzelnen Stromkreiselementen ideal leitend sind. Außerdem muss beachtet werden, dass die Stromkreiselemente als konzentrierte Elemente angesehen werden. Konzentrierte Stromkreiselemente sind Elemente deren elektrisches Verhalten sich vollständig durch die an den Anschlüssen fließenden Ströme und anliegenden Spannungen beschreiben lassen. Sollten in der zu untersuchenden Schaltung nicht konzentrierte Elemente vorkommen, so müssen diese durch Ersatzschaltungen konzentrierter Stromkreiselemente ersetzt werden.
siehe auch: Reihenschaltung, Parallelschaltung
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