Slc_mormon_tempel.jpg in Salt Lake City, Utah]] Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, LDS, im folgenden Die Kirche) ist eine Glaubensgemeinschaft mit christlichen Wurzeln. Zusammen mit weit kleineren Abspaltungen bildet sie die Mormonen genannte Konfessionsgruppe. Formell gegründet wurde die Kirche von Joseph Smith jun. am 6. April 1830 in Fayette im US-Bundesstaat New York. Heute hat sie ihren Hauptsitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah.
Mitglieder der Kirche, die sich selbst „Heilige der Letzten Tage“ (englisch Latter-day Saints) nennen, verstehen ihren Glauben als eine durch Gott eingerichtete Wiederherstellung der Kirche, die, wie im Neuen Testament beschrieben, ursprünglich durch Jesus Christus gestiftet wurde. Daher sehen sie sich als Christen, doch unterscheiden sich Lehre und Praxis der Kirche in vielen Punkten deutlich von denen der traditionellen christlichen Zweige. Nach Ansicht der ökumenischen Kirchen ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage daher keine christliche Kirche, aber auch keine Sekte, die sich von einer traditionellen Kirche abgespalten hat, sondern eine synkretistische Neureligion. Die Konsequenz aus dieser Sichtweise ist, dass diese Kirchen die Taufe der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage nicht anerkennen.
Gottvater ist ein erhöhter Mensch mit einem Körper aus Fleisch und Gebein. Er steht über allem. Er wohnt nahe des, nur innerhalb des Mormonenglaubens bekannten, Sterns "Kolob".
Jesus Christus ist der Erstgeborene der Geistkinder des Himmlischen Vaters, den Gottvater zusammen mit der "Himmlischen Mutter" gezeugt hat. Christus nimmt im Plan der Erlösung als Erretter eine besondere Rolle ein. Jesus Christus ist Jahwe, Gott des Alten Testamentes und hat zusammen mit anderen Geistkindern und Göttern, unter anderm Adam, welcher der Erzengel Michael ist, die Erde erschaffen. Jesus von Nazareth wurde von Gottvater und Maria im Fleische gezeugt.
Der Heilige Geist ist eine eigenständige, körperlose Person. Seine Aufgabe ist es, als Offenbarer, Bestätiger von Wahrheit, Tröster und Warner seinen Einfluss auf die Menschen individuell auszuüben.
Luzifer, der Sohn des Morgens, ist ebenfalls ein Geistkind Gottvaters. Er wurde aber wegen seiner Rebellion und seines Wunsches, sich über Gott Vater zu erheben, ausgestoßen. Er ist also der böse Bruder, der für die Menschen Böses will, der Gegenpol seines Bruders Jesus Christus, der für die Menschen das Gute will.
Da diese Sichtweise nicht von Anbeginn der Kirche in jedem Detail klar und detailliert war, sondern im Laufe der Zeit deutlicher wurde, sind eine Reihe Außenstehender der Ansicht, das Gottesbild habe sich im Laufe der Zeit vom Modalismus über den Binitarianismus zum Dyotheismus entwickelt.
Der Wert der Bibel wird dadurch relativiert, da sie als nicht vollständig überliefert und durch Übertragungsfehler teilweise entstellt angesehen wird, was auch damit begründet wird, dass es heutzutage etliche Bibelübersetzungen gibt, die teilweise unterschiedlich interpretiert werden können. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung, eine stellenweise Ergänzung und Neuinterpretation der King-James-Bibel. Die Joseph-Smith-Übersetzung konnte jedoch durch den Tod von Joseph Smith nicht fertiggestellt werden und erhebt daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Für die englische Sprache wird in der Kirche eine eigene Ausgabe der King-James-Bibel verwendet, in der als Fußnoten bzw. als Anhang die Übersetzungen von Joseph Smith aufgenommen sind. Außerdem enthält sie Querverweise zu anderen kanonischen Schriften der Kirche. Die Fußnoten sind ähnlich zu den Bibelkommentaren anderer Bibelanstalten.
Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch die Einheitsübersetzung der Bibel. Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung im Schriftenführer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe 2003 in die Dreifachkombination (Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstliche Perle in einem Band) aufgenommen wurde.
Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute oder das Böse tun wolle. Allerdings seien die natürlichen und für die Entwicklung notwendigen Schwächen die Ursache dafür, dass jeder Mensch Falsches tue, also sündige. Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren.
Jesus Christus habe durch sein Sühnopfer allen Menschen die Möglichkeit gegeben, von ihren Sünden umzukehren und nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu Bevollmächtigten unerlässlich. Diese Taufe kann frühestens nach Vollendung des 8. Lebensjahres vollzogen werden, mit der Begründung, dass sonst keine wirksame Entscheidung des Täuflings möglich sei. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in ihren Augen nichtige Kindertaufe der großen christlichen Kirchen.
Nach dem Tod habe der Mensch den Körper verloren, lebe aber als Geistwesen weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben die gültige Taufe durch einen Priester der Kirche nicht empfangen habe, für den könne dieses Sakrament stellvertretend von einem Lebenden empfangen werden (siehe Totentaufe).
Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem Jüngsten Gericht, in dem Jesus Christus jedem die ihm gebührende Herrlichkeit zuteilen werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich mit der größten Herrlichkeit (Gegenwart Gott Vater), das Terrestriale Reich (Gegenwart von Jesus Christus) als mittleres und das Telestiale Reich (Gegenwart des Heiligen Geistes) als niederstes. Nur wer bewusst Gott leugnet, obwohl er ihn erkannt hat, der werde in die äußerste Finsternis gestoßen und ein Sohn des Verderbens werden. Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.
Nach dieser Lehre spielt die Entscheidungsfreiheit des Menschen eine wesentliche Rolle im göttlichen Plan. Daher wird der Fall von Adam und Eva, der im Garten Eden stattfand – nach Lehre der Kirche lag dieser geographisch im heutigen US-Bundesstaat Missouri – nicht als "Sünden"fall angesehen, sondern als freiwillige Entscheidung, um den Erlösungsplan in Gang zu setzen, da so die Sterblichkeit mit all ihren lehrreichen Mühen und den Versuchungen der Sünde durch das Erkennen von Gut und Böse erst in die Welt kamen.
Der Zusammenhang des Falles von Adam und Eva mit dem Sühnopfer Jesu Christi und die Rolle, die der einzelne Mensch dabei spielt, ist die zentrale Lehre, auf die in Predigten, Seminaren und Unterrichten sehr häufig Bezug genommen wird. Auch im Tempel spielt dies eine zentrale Rolle.
Durch den Namen wird verdeutlicht, dass in der Kirche Jesus Christus im Mittelpunkt stehen soll und auch, dass es sich um die wiederhergestellte "Kirche Jesu Christi" aus dem Neuen Testament handele. Die Formulierung "der Letzten Tage" unterscheidet namentlich die Kirche von eben dieser ursprünglichen "Kirche Jesu Christi" in neutestamentlicher Zeit. Smith sah mit seiner Mission die Endzeit eingeläutet, an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glaubte er allerdings, soweit festzustellen, nicht.
In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm den Auftrag gegeben habe, das Buch Mormon von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten in einem von Moroni Cumorah genannten nahen Hügel lagerten, zu übersetzen, wozu Smith die bei den Platten aufbewahrten "Sehersteine" Urim und Tummim zu Hilfe genommen habe. Das Buch wurde 1830, kurz vor der Gründung der Kirche, erstmals veröffentlicht.
1829 sei Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery der auferstandene Johannes der Täufer erschienen und habe ihnen das Aaronische Priestertum verliehen, mit der Vollmacht zu taufen. Einige Wochen später seien die Apostel Christi Petrus, Jakobus und Johannes erschienen und hätten ihnen das Melchisedekische Priestertum übertragen, wodurch der Weg für die "Wiederherstellung" der Kirche Jesu Christi frei gemacht worden sei. Die formelle Gründung erfolgte am 6. April 1830 mit Joseph Smith als "erstem Ältesten" und Präsidenten und Oliver Cowdery als "zweitem Ältesten", Hyrum und Samuel Smith (Brüder von Joseph), sowie Peter Whitmer jun. und David Whitmer als eingetragene Mitglieder.
Die Kirche fand rasch glühende Anhänger und erbitterte Gegner. Bereits im Jahre 1830 sandte Joseph Smith seinen Bruder Samuel als ersten Missionar aus. Relativ viele Menschen aus dem Umland schlossen sich der neuen Kirche an. Gegner der Kirche griffen zu Mitteln wie Boykott und Anzeigen, aber auch teilweise zu Tätlichkeiten. Aus dieser Zeit stammen die ersten Zeitungsartikel und Flugblätter, die sich auch gegen Joseph Smiths Persönlichkeit richteten. Zeitungsartikel und Kritik, die sich gegen die Führer und Gründer der Kirche richteten, wurden und werden in der Kirche oft als mittelbares Wirken des Satans gegen das wiederhergestellte Evangelium eingestuft.
In Kirtland errichtete die Kirche ihren ersten Tempel, in dem Joseph Smith 1836, wie er in Lehre und Bündnisse Abschnitt 110 ausführt, weitere Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln, erhalten haben will. 1834 war das "Kollegium der zwölf Apostel" als Führungsgremium unter Joseph Smith als Propheten in Leben gerufen worden.
Aufgrund des Zusammenbruchs der "Kirtland Safety Society Anti-Banking Company", eines von Joseph Smith privat gegründeten Kreditinstitutes im Jahr 1837, verloren viele, auch führende Mitglieder der Kirche, viel Geld. Dies veranlasste eine größere Anzahl, das göttliche Mandat Joseph Smiths nicht nur zu bezweifeln, sondern als Lüge zu bekämpfen.
Bereits 1831 hatte sich Joseph auch nach Missouri – damals die Grenze der USA im Westen – orientiert und dort Kircheneinheiten gegründet. Er wollte die Kirche langfristig zentral dorthin verlegen und steckte in der Stadt Far West bereits einen Platz für einen weiteren Tempel ab. Nach blutigen Verfolgungen im Jahr 1833 flohen die dortigen "Heiligen", wie sie sich nannten, in nördlichere Kreise des Staates Missouri. Nach dem Zusammenbruch von Kirtland musste Smith mit seinen Getreuen Ohio verlassen und folgte den "Heiligen" nach Missouri. Dort wurde Joseph Smith 1838 verhaftet und gemeinsam mit mehreren Mitarbeitern unter Arrest gestellt.
Durch Gegner der Kirche aufgehetzt, erließ Gouverneur Lilburn Boggs 1838 einen Ausrottungsbefehl, der besagte, die „Mormonen müssen aus dem Staat vertrieben oder vernichtet werden“.
1842 wurde in Nauvoo die Frauenhilfsvereinigung als Organisation der Frauen in der Kirche unter der Leitung von Emma Smith, der Ehefrau des "Propheten", gegründet.
Nach der Zerstörung der Druckerpresse der mormonenkritischen Zeitung "Nauvoo Expositor" – dieser prangerte in seiner einzigen erschienenen Ausgabe vor allem die heimliche Polygamie der Kirchenführer an – durch einen vom Bürgermeister Joseph Smith beauftragten Marshall entzündete sich der Volkszorn umliegender Gemeinden gegen die Kirche. Dies gipfelte schließlich in der Ermordung von Joseph Smith und seines Bruders Hyrum durch einen Mob am 27. Juni 1844. Über der Nachfolgefrage entstand ein heftiger Streit, der zu einer Reihe von Abspaltungen führte. Der dienstälteste Apostel, Brigham Young, übernahm die Führung des Hauptteils der Mitglieder. Die meisten der anderen Fraktionen wiedervereinigten sich wesentlich später (ab 1860) zur RLDS-Kirche, die sich seit 2001 Gemeinschaft Christi nennt.
Im Selbstverständnis der Kirche ist dies „das große, teils tragische, teils glorreiche Epos der Heiligen der Letzten Tage, auf das in Reden, Theaterstücken und Filmen immer wieder Bezug genommen wird“. (Zitat eines Mitglieds der Kirche.)
Salt Lake City, seither Hauptsitz der Kirche, wurde mit Ankunft von Brigham Young am 24. Juli 1848 praktisch gegründet.
Die frühe Geschichte von Utah und die des "Staates Deseret" wurden sehr stark durch die Kirche geprägt. In diesem Zusammenhang steht der Utah-Krieg von 1857, in dessen Verlauf es auch zum sogenannten Mountain-Meadows-Massaker kam.
Verbunden mit der Sklavenfrage kämpfte die amerikanische Innenpolitik gegen die Polygamie und erschwerte durch immer restriktivere Gesetze diese Praxis der Kirche. Die Durchsetzung des Rechts führte zu Massenverhaftungen von Mitgliedern und groß angelegten Beschlagnahmungen von Kircheneigentum, wie z.B. Grundstücken und Kirchengebäuden. Als Reaktion darauf erklärte im Jahr 1890 der damalige Präsident und Prophet Wilford Woodruff die Vielehe als nicht mehr akzeptabel in der Kirche (siehe Amtliche Erklärung Nr. 1 im Buch Lehre und Bündnisse). Dies war ein wesentlicher Faktor dafür, dass Utah 1896 die Eigenständigkeit als Bundesstaat zugebilligt wurde. Aber erst unter der Präsidentschaft von Joseph F. Smith (1901-1918), dem Neffen des Gründers, konnte innerhalb der Kirche die Polygamie vollständig abgeschafft werden. Zu dieser Zeit kam es auch zu weiteren Abspaltungen, welche die Polygamie teilweise bis heute noch leben.
Bis 1978 konnten Männer mit schwarzafrikanischer Herkunft das Priestertum nicht bekommen und folglich auch keine Führungsaufgaben übernehmen. Sie durften auch nicht den Tempel besuchen und konnten keine Tempelsegnungen empfangen. Somit waren es ihnen nicht möglich, die Voraussetzungen für das Erlangen der höchsten Erfüllung des mormonischen Glaubens zu erreichen. Veranlasst durch großen Zulauf von Bekehrten mit schwarzafrikanischer Herkunft in Brasilien erließ Präsident Spencer W. Kimball die Amtliche Erklärung Nr. 2 (siehe Lehre und Bündnisse), die besagt, dass nunmehr alle Männer, unabhängig von ihrer rassischen Herkunft, das Priestertum erhalten können.
Mittlerweile hat die Kirche offiziell 12.560.869 Mitglieder Statistischer Bericht der Kirche für das Jahr 2005(Stand 31.12.2005), von denen mehr als die Hälfte außerhalb der USA leben. Wichtige Schwerpunkte sind Lateinamerika und Afrika. Ein Zeichen für die stärkere internationale Präsenz der Kirche ist der seit ca. 1990 massiv gesteigerte Bau von Tempeln der Kirche. Während die Kirche in Osteuropa ein starkes (Nachhol-)Wachstum aufweist, ist die Mitgliederzahl in den westeuropäischen Industriestaaten eher rückläufig oder stagnierend.
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In der Kirche herrscht strenge Hierarchie, die aber zeitlich stark wechselt und flexibel den Gegebenheiten der Zeit und des Ortes angepasst werden kann. Niemand kann sich um ein Amt bewerben, sondern man wird in ein Amt berufen, nach Überzeugung der entsprechenden Verantwortlichen, stützt sich die Auswahl eines bestimmten Funktionsträgers auf persönliche Offenbarung an denjenigen, der ihn beruft. Wer wen in welcher Organisationsebene zu berufen hat, ist genau festgelegt. Nachdem jemand ausgewählt wurde, wird er oder sie in einem vertraulichen Gespräch vom Verantwortlichen gefragt, ob er das Amt annimmt. Ist dies der Fall, wird er in einer öffentlichen Versammlung den betroffenen Mitgliedern zur Zustimmung vorgelegt. Durch Handheben erklären sich die Mitglieder mit der Berufung einverstanden und verpflichten sich, die Person in ihrer neuen Berufung zu unterstützen. Sie haben auch die Möglichkeit sich ebenfalls durch das Heben der Hand dagegen auszusprechen. Auch der Prophet wird so bestätigt. (Extrem selten wurde bisher eine Berufung wegen Verweigerung der Zustimmung nicht wirksam.)
Dieser Grundsatz gilt nur für die Kirche in ihrer seelsorgenden Funktion selbst, nicht für von ihr gegründete, unterstützende Organisationen, wie beispielsweise das Bildungswesen der Kirche oder die Bereiche Verwaltung, Bauwesen, Lehrmittelherstellung, Übersetzung usw., die professionelle, vollzeitige berufliche Arbeit erfordern.
Berufungen werden, mit Ausnahme der Funktion des Propheten und der Apostel, die bis zum Lebensende währen, für begrenzte Zeit ausgesprochen. Dadurch wechselt die Position eines Mitgliedes in der Hierarchie üblicherweise mehrmals im Leben und kann von Aufgaben auf Gemeindeebene durchaus zu Aufgaben auf Weltebene und wieder zurück führen.
Auch wenn Frauen nicht das Priestertum tragen können, haben sie dennoch Führungsaufgaben auf allen Ebenen inne, allerdings unter der Führung von männlichen Priestertumsführern.
In der Führung der Kirche spielt der Grundsatz der Offenbarung eine sehr wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass jeder ganz persönlich im Zwiegespräch mit Gott Antwort auf Fragen und Hilfe beim Lösen von Problemen erhalten könne, aber nur bezogen auf seinen Verantwortungsbereich. So könne beispielsweise ein Gemeindeleiter Offenbarung bezüglich Fragen in der Leitung der Gemeinde, aber nicht für die gesamte Kirche erhalten. In dieser Lehre manifestiert sich wiederum die streng geordnete Hierarchie der Kirche. Wenn sich jeder Amtsträger in seinen Entscheidungen darauf beruft, er habe ein Anrecht auf Offenbarung und er habe solche Offenbarung auch erhalten, ist im Rahmen der Organisation eine "Reform von unten" oder gar eine "Revolution von unten" undenkbar.
Ein weiterer Ort für das Kirchenleben sind die Tempel. Sie sind Mitgliedern vorbehalten, die sich zuvor bereit erklärt haben, nach den Grundsätzen der Kirche zu leben und von ihrem Bischof und ihrem Pfahlpräsidenten für würdig befunden wurden.
Ansonsten beeinflusst die Kirche das Familienleben sehr stark.
Beitrittswillige werden – üblicherweise durch Missionare – über einen längeren Zeitraum in den grundsätzlichen Lehren unterrichtet. Anschließend erfolgt eine prüfende Unterredung mit einem führenden Missionar.
Ausschlaggebende Faktoren für die Zulassung zur Taufe sind:
Bei schwerwiegenden Übertretungen (z.B. Verwicklung in eine Abtreibung – auch bei einem Mann) muss der Pfahlpräsident oder der Missionspräsident die Umkehr feststellen. Bei Taufkandidaten, die wegen Totschlages oder Mordes verurteilt worden sind, hängt es von der Genehmigung der Ersten Präsidentschaft ab, ob eine Taufe durchgeführt werden darf. Ist geklärt, ob der Kandidat künftig ein Leben nach den Grundsätzen der Kirche führen will und seine bisherigen Verfehlungen gegen Gottes Gebote soweit möglich bereut und bereinigt hat, so wird er zur Taufe zugelassen.
Die Taufe wird durch vollständiges Untertauchen von einem bevollmächtigten Priestertumsträger im Beisein von mindestens zwei Zeugen vollzogen. Durch die Taufe wird der Täufling von allen früheren Sünden, sofern er davon umgekehrt ist, befreit. Die kirchenrechtliche Mitgliedschaft wird allein durch die Taufe begründet. Nach den Lehren der Kirche bedarf es jedoch auch einer Mitgliedschaft in der Kirche des Reiches Gottes. Diese erfolgt erst durch die üblicherweise einige Tage später ausgeführte Spendung des Heiligen Geistes durch Auflegen der Hände von mehreren Trägern des Melchisedekischen Priestertums. Dabei wird auch die Mitgliedschaft wörtlich bestätigt.
Ungetaufte Kinder werden bis zur Vollendung des neunten Lebensjahres als eingetragene Mitglieder geführt.
Getaufte Mitglieder setzen dem Familiennamen von anderen getauften Mitgliedern die Anrede "Bruder" und "Schwester" voran, dies geschieht auch, wenn über Mitglieder gesprochen wird.
Personen, die nach dem Ermessen des örtlich zuständigen Bischofs nicht zurechnungsfähig sind, können nicht getauft werden, da sie nicht umkehrfähig sind. Sie genießen einen Sonderstatus als sog. ungetaufte eingetragene Mitglieder.
Das Fasten soll durch Gebet begleitet werden und endet in der Fasten- und Zeugnisversammlung. Das ist eine besondere Abendmahlsversammlung in der jeder, der möchte, die Gelegenheit hat, seine Glaubengewissheit mitzuteilen.
Die Familie nimmt nicht nur an den Sonntagsgottesdiensten teil, sondern kommt auch möglichst montags zu einem Familienheimabend zusammen. Dort können Probleme und Vorhaben der Familie besprochen werden. Die Eltern nutzen diesen Abend, um die Lehre ihren Kindern in einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre nahezubringen.
Die Siegelung im Tempel soll die Familienbande ewig machen. Sie entspricht einer Eheschließung, die jedoch die Kinder ausdrücklich einschließt. Ein Mann kann an mehrere Frauen gesiegelt werden, allerdings nur dann, wenn die jeweils frühere Ehefrau verstorben ist. Seit Änderungen der Tempelzeremonien 1990 ist es Frauen nun unter bestimmten Umständen ebenfalls möglich, an mehr als einen Mann gesiegelt zu werden. Vorher gab es diese Möglichkeit nicht.
Unverheirateten Mitgliedern wird gelehrt, möglichst einen Partner zu heiraten, der ebenfalls Mitglied der Kirche ist. Vom Eingehen einer Mischehe wird deutlich abgeraten.
Tempelbesucher verpflichten sich, über besonders heilige Teile des Tempelrituals außerhalb des Tempels überhaupt nicht zu sprechen.
Siehe auch: Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Junge Männer sollen ab dem 19. Lebensjahr 24 Monate lang einen vollzeitigen Missionsdienst absolvieren. Auch Frauen ab 21 und ältere Ehepaare im Rentenalter können diesen Dienst, aber zeitlich verkürzt (meist 18 Monate bei jungen Frauen und 12 bis 18 Monate bei älteren Ehepaaren), erfüllen. Dies wird jedoch von ihnen nicht so stark erwartet wie von den jungen Männern.
Die Arbeit dieser vollzeitigen Missionare wird von einem Missionspräsidenten beaufsichtigt, der für ein bestimmtes geographisches Gebiet zuständig ist und direkt dem "Kollegium der Zwölf Apostel" unterstellt ist. Finanziert wird der Lebensunterhalt für diese Zeit von den Missionaren selbst (aus Erspartem) oder von ihren Familien und Freunden.
Siehe auch: Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Die Mitglieder zahlen den "Zehnten", also ein Zehntel ihres jährlichen Ertrages. Unter Ertrag wird dabei das persönliche Einkommen verstanden und nicht näher spezifiziert. Die Zehnteneinnahmen werden für die Finanzierung von Bauprojekten, Gebäudeunterhalt, Lehrmittel, Aktivitäten und anderes verwendet. Auch dies ist Bedingung für den Tempelbesuch.
Das Gebot der Keuschheit bedeutet völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und vollständige Treue in der Ehe. Dazu gehört auch das Verbot von Selbstbefriedigung innerhalb und außerhalb einer Ehe. Auch dieses Gebot ist eine Bedingung für den Besuch von Tempeln. Übertretungen hinsichtlich dieses Gebotes können zu Sanktionen wie Gemeinschaftsentzug bis hin zur Exkommunikation führen, wenn sie den Kirchenoberen bekannt werden und sich der der Übertretung Schuldige nicht zur "Umkehr" von der Übertretung bewegen lässt.
Unter "Sabbatheiligung" versteht man in der Kirche den Besuch des Gottesdienstes und den Verzicht auf kommerzielle und sportliche Betätigung (etwa Schwimmen im Freibad) am Sonntag. Statt dessen soll man sich mit familienzentrierten und geistlichen Dingen, wie dem Studium der "heiligen Schriften", befassen.
Die Kirche betreibt umfangreiche Ahnenforschung, da dies für die Mitglieder als religiöse Pflicht gilt. Sie ist mit ihren riesigen Archiven, vor allem durch die Genealogische Gesellschaft von Utah, auch Nichtmitgliedern bei der Ahnenforschung behilflich, wobei diese nicht zu einer Mitgliedschaft gedrängt werden.
Viele internationale Hilfsorganisationen loben zudem die Zusammenarbeit mit der Kirche in humanitären Hilfsprojekten.
Die evangelische Kirche in Deutschland bezeichnet die Kirche als eigenständige synkretistische Neu-Religion. Ein Übertritt zum Mormonentum bedeute daher eine völlige Abkehr von der christlich-ökumenischen Kirchengemeinschaft. Die evangelische Kirche vertritt außerdem den Standpunkt, dass kirchliche Register nicht den Mormonen zum Zwecke ihrer Genealogiearbeit zur Verfügung gestellt werden können, aufgrund der Sonderlehre der Totentaufe. Ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage kann nicht als Taufpate zugelassen werden. Weiter ist die kirchliche Trauung eines Mormonen nicht möglich. Ebenso ist die gastweise Zulassung zum evangelischen Abendmahl Mormonen nicht möglich. Mit Ausnahme der Verweigerung des Zugangs zu genealogischen Daten werden die geschilderten Maßnahmen der evangelischen Kirche von Mormonen akzeptiert, ja für folgerichtig und selbstverständlich gehalten.
Grundsätzlich werden Zweifel bezüglich Joseph Smith und der Authentizität seiner Visionen geäußert. Smith habe demnach keine Offenbarungen erhalten, sondern seine Werke mittels Phantasie und Adaption anderer Lehren erstellt oder sie – nach anderer Ansicht – von Dämonen erhalten. Details hierzu findet man unter Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Buch Abraham.
Die Lehre von der „Mehrzahl der Götter“ (engl. plurality of Gods) sei Polytheismus und deshalb nicht mit dem Christentum zu vereinbaren. Ähnlich verhält es sich auch mit der Lehre, die besagt, dass jeder Mensch ein Gott werden und Welten erschaffen könne.
Auch wird kritisiert, dass die Kirche entgegen dem christlichen Verständnis, die Sintflut dahingehend interpretiert, dass sie dazu dienen sollte, die gesamte Erde durch Untertauchen zu taufen. Ferner wird kritisiert, dass der örtlich zuständigen Bischof regelmäßige Interviews mit Minderjährigen führen soll, in denen sie Auskunft darüber gegeben sollen ob sie nach dem Gebot der Keuschheit leben.
Einige Christen kritisieren auch die Lehre der Kirche, die besagt, dass Jesus ein Bruder Satans sei. Gerade von Protestanten wird der Kirche oft Werkgerechtigkeit vorgeworfen. Manche Kritiker sehen einen Widerspruch zwischen dem allgemeinen „Anrecht auf Offenbarungen“ einerseits und der internen Hierarchiebildung durch Offenbarungen andererseits. Der Kirchenführung wird außerdem vorgeworfen, die eigene Geschichte zu verfälschen und negative Punkte zu verheimlichen.
Kritisiert werden ferner ihr autoritärer Führungsstil, die Forderung der Abgabe des „Zehnten“ und manche geschäftliche Aktivitäten. Die Abgabe des Zehnten ist zwar freiwillig, jedoch mit hohem sozialem Druck verbunden. So ist z.B. der für die Kirchenmitglieder so wichtige Tempelbesuch nur möglich, wenn der Zehnte regelmäßig gezahlt wird.
Die auf Druck der Öffentlichkeit (z. B. New York Times) von der Kirche eingeräumte Existenz des sogenannten „Strengthening the Members Committee“ wird auf das Schärfste kritisiert. Dieses Komitee wird von Aposteln der Kirche geführt und unterhält eine geheime Liste von sogenannten Kirchengegnern und Kritikern.
Sehr viel populärer ist jedoch die Kritik wegen der Mehrehe und wegen Rassismus. Die Polygamie, also dass ein Mann mehrere Frauen haben darf, wird zwar kaum noch praktiziert und ist den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verboten. Mitglieder welche die Mehrehe praktizieren werden in den meisten Fällen ausgeschlossen. Dennoch wird von Frauenrechtlerinnen darauf hingewiesen, dass die mormonische Lehre die Mehrehe nach wie vor nicht ausschließe, und nicht nur damit ein problematisches Frauenbild vermittele.
Die sehr eigenen Lehren der Mormonen über die Besiedlung des amerikanischen Kontinents werden dagegen von Vertretern der indigenen Bevölkerung und der Farbigen als rassistisch kritisiert. Nach mormonischer Lehre wurde Amerika nicht erst in nachkolumbianischer Zeit von Weißen erobert und besiedelt, sondern die Wurzeln reichten bis in die biblische Zeit zurück. Die Lehren sind zum Teil erkennbar geprägt von einem für diese Zeit typischen Gefühl weißer Überlegenheit und Verantwortung (s.a. Hamitentheorie). Kritiker sehen darin einen Rechtfertigungs- und Legitimierungsversuch für den Völkermord an der Urbevölkerung, für Rassismus und für Sklaverei. Vertreter der Mormonen bestreiten dies. Sie behaupten archäologische Beweise für ihre Theorie zu besitzen und verweisen auf verschiedene mittelamerikanische Indianervölker, wie die der Olmeken. Diese "Beweise" werden von der kritischen Wissenschaft jedoch nicht anerkannt.
| Länder mit der höchsten Mitgliederzahl | Länder bzw. Territorien mit der prozentual höchsten Mitgliederzahl | (mindestens 10 000 Mitglieder)
|---|
| USA | 5 503 192 | Mexiko | 980 053 | Brasilien | 866 988 | Chile | 530 739 | Philippinen | 526 178 | Peru | 384 663 | Argentinien | 330 349 | Guatemala | 192 207 | Kanada | 166 442 | Ecuador | 161 396 |
| Tonga | 46,0 % | Samoa | 34,0 % | Amerikanisch-Samoa | 19,1 % | Kiribati | 10,0 % | Französisch-Polynesien | 7,8 % | Chile | 3,4 % | Uruguay | 2,4 % | Neuseeland | 2,3 % | Honduras | 1,6 % | Bolivien | 1,5 % |
Im Jahr 2004 gab es in Österreich 20 Gemeinden und 2 österreichische Pfähle:
Die Kirche hat lediglich in zwei Bundesländern Hessen (seit 1954) und Berlin (seit 1954) den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts. In den übrigen Ländern ist sie als rechtsfähiger Verein im Sinne des BGB – also privatrechtlich organisiert – eingetragen. Weiter soll die Kirche in diesen Ländern den Antrag zur Verleihung der Körperschaftsrechte gestellt haben, jedoch ist bisher nicht eindeutig geklärt, wann diese Anträge gestellt wurden und wann in etwa mit einer Entscheidung der zuständigen Behörden darüber zu rechnen ist. Eine Meinung in der Staatskirchenrechtswissenschaft bezweifelt gar die Wirksamkeit des Körperschaftsstatus im Bundesland Berlin, da im Jahre 1954 entgegen den Bestimmungen der Berliner Landesverfassung Formerfordernisse im Verleihungsverfahren nicht eingehalten wurden (Quelle: Held, Die kleinen öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften im Staatskirchenrecht der Bundesrepublik, S. 132, 149 f., München 1974). In Deutschland leben ca. 36 000 Mitglieder, davon sind ca. 35% aktiv, d.h. sie besuchen regelmäßig die Versammlungen und Aktivitäten der Kirche. Es gibt zwei Tempel: in Friedrichsdorf (Taunus) bei Frankfurt am Main (Frankfurt-Tempel) und in Freiberg in Sachsen (Freiberg-Tempel). Es gibt 184 Gemeinden und Zweige in den Pfählen München, Stuttgart, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Neumünster, Dortmund, Mannheim, Frankfurt am Main, und den Distrikten Neubrandenburg und Erfurt.
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage | Neue religiöse Bewegung | Nichttrinitarier Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich)
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