Die Kinder- und Jugendpsychiatrie (eigentlich „Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“) ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnostik, Therapie und Prävention der psychischen, psychosomatischen und neurologischen Krankheiten bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden befasst. Es steht somit an der Schnittstelle vieler mit Kindern und Jugendlichen und ihren Familien befassten Fachdisziplinen (wie z.B. der Pädiatrie, der Neuropädiatrie, der allgemeinen Psychiatrie, der Psychotherapie, aber auch der Pädagogik).
Gerade dort, wo die weitläufig als zumindest suspekt empfundene Psychiatrie mit der Therapie von Kindern und Jugendlichen beginnt, ist die Sensibilität gegenüber der Thematik besonders stark ausgeprägt. Die Vorstellung eines kleinen Kindes „auf Drogen“, das von naturwissenschaftlich ausgebildeten, ignoranten Ärzten in die klinisch-sterile Umgebung eines Krankenhauszimmers, einer „Irrenanstalt“, fern der elterlichen Geborgenheit, gesperrt wird, weckt in den meisten Menschen heftige Emotionen. Für die weitläufig schlecht aufgeklärte Bevölkerung zeichnen Halbinformationen, einseitige Berichterstattung und widersprüchliche Aussagen seitens der Ärzteschaft, der Pharmaindustrie und der Antipsychiatrie ein groteskes und schwer zu bewertendes Bild der Kinderpsychiatrie, das Ideologien und sensationswütigen Medien einen Nährboden bietet, von dem aus die Ängste der Menschen noch weiter geschürt werden können.
Standpunkte wie der rein-materialistisch-biologische Therapieansatz auf der einen und der romantisch-psychiatrieablehnende auf der anderen Seite verdecken oftmals, dass sowohl die Kinderpsychologie als auch die Pharmakotherapie in der Kinderpsychiatrie eng miteinander verwoben sind, dass Psychopharmaka oft nur Wegbereiter für eine anschließende Psychotherapie sind. Insbesondere die Arbeit „im sozialen Feld“ (z.B. Kindergarten, Schule, Einrichtungen der Jugendhilfe o.ä.) die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen (Lehrern, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten u.a.), die Einbeziehung der gesamten Familie (in der Familientherapie) überschreiten das klassische Berufsbild des Arztes und machen in der modernen Kinderpsychiatrie methodenübergreifendes Denken und Arbeiten notwendig.
Die Bezeichnung „Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“ wurde 1993 im Zuge der neuen Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer eingeführt und löste den 1968 eingeführten Titel „Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie“ ab.
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