Unter Kinderlosigkeit versteht man den freiwilligen oder unfreiwilligen Verzicht auf Kinder in der Lebensplanung. Der unfreiwillige Verzicht wird auch als unerfüllter Kinderwunsch bezeichnet.
Besonders betroffen von Kinderlosigkeit scheinen gut Ausgebildete zu sein. Eine Zahl, die häufig genannt wird, ist ein Anteil von 43% der westdeutschen Akademikerinnen, die kinderlos bleiben (Stand 2005). Dieser Prozentsatz wird allerdings von anderer Seite als Dramatisierung bezeichnet; tatsächlich gebe es keine verlässlichen Daten und Erhebungen, denn die Frage nach der Zahl der Kinder wurde aus der Erhebung im Rahmen des Mikrozensus herausgenommen. Andere Schätzungen nennen 25% Kinderlosigkeit.
Weniger betroffen von Kinderlosigkeit sind ostdeutsche Frauen (22%) und Ausländerinnen (21%).
Ein Gutachten der Familienkommission der Bundesregierung weist 2005 darauf hin, dass die geringe Geburtenrate in Deutschland nicht allein durch hohe Kinderlosigkeit erklärt werden kann. Auch in den USA oder in Finnland, beides Länder mit hoher Geburtenrate, gibt es gut 20 Prozent kinderlose Frauen. In Deutschland fehlen jedoch die Mehrkindfamilien. In den USA haben doppelt so viele Familien drei Kinder als in Deutschland.
Es wird jedoch angeführt, dass Kinderlosigkeits- und Geburtenstatistiken in Deutschland keine große Aussagekraft haben, da durch die Standesämter und den jährlichen Mikrozensus nur unzureichende Daten erhoben werden (Artikel in der ZEIT vom 14.06.2006).
Auch der spätere Berufseinstieg und fehlende Befassung mit Familienplanung spielen eine Rolle. Der Begriff "Familienplanung" wurde lange Zeit fast synonym mit dem Begriff "Empfängnisverhütung" gleichgesetzt. Die überwältigende Akzeptanz der Anti-Baby-Pille seit ihrem Erscheinen in den 1960er-Jahren zeigt, dass von weiten Teilen der Bevölkerung erwünscht war, die Kinderzahlen zu kontrollieren.
Hielt früher auch aus ökonomischer Notwendigkeit eine Ehe das Leben lang, so hat die Bedeutung der Ehe stark abgenommen. Der Wechsel des Lebenspartners ist zur Realität geworden. Frauen können sich nicht mehr auf eine lebenslange finanzielle Absicherung verlassen, wenn sie als Hausfrau ihren Lebensschwerpunkt auf die Kindererziehung setzen. Sie sind mit der Möglichkeit einer Scheidung im Hinterkopf häufig dazu gewillt, für ihren Lebensunterhalt eine eigene Versorgungsgrundlage zu schaffen.
Jahrelange Unterhaltspflichten und -kosten für Kinder, bei Trennung ggf. auch für die Frau, dabei aber rechtliche Nachteile als Vater, auch dann wenn die Trennung einseitig von der Frau ausging, gehören zu den gewichtigsten Ängsten, die bei Männern einen Wunsch nach Kindern unterdrücken.
Die zunehmend geforderte Mobilität und Bereitschaft zum Wohnortwechsel führt häufig zum Getrenntleben oder erschwert die Partnersuche.
Als weiterer Grund für Kinderlosigkeit wird die unzureichende Kinderbetreuung in Deutschland, insbesondere in den alten Bundesländern, angesehen. Es ist oftmals nicht möglich, einen ganztägigen Betreuungsplatz für Kinder zu finden, so dass eine Vollzeitberufstätigkeit beider Elternteile, wie sie beispielsweise in Dänemark allgemein üblich ist, für diese nicht oder nur schwerlich realisierbar ist. Dies führt ebenfalls zu einem Einkommensverlust, der Familien im Vergleich zu Singles finanziell schlechter stellt.
Dazu kommt die zum Teil berechtigte Angst, nach einer Familiengründung nicht mehr in den Beruf zurück zu finden.
Da die Kosten für ein Kind besonders in einem Industrieland wie Deutschland hoch sind, wäre zu erwarten, dass die Zahl der Kinder mit dem Einkommen der Eltern steigt. Jedoch ist das Gegenteil der Fall: Menschen mit hohem Einkommen haben weniger Kinder. Man spricht hier vom demo-ökonomischen Paradoxon. Setzt man den in Deutschland seit 1961 bestehenden individuellen Sozialhilfeanspruch jedes Menschen als unveränderbar Voraus, so löst sich das Paradoxon. Menschen mit Einkommen unterhalb oder knapp oberhalb der Sozialhilfeniveau haben so gut wie keine Kosten oder gewinnen sogar noch. Besserverdienende hingegen müssen die Kosten aus eigenen, ansonsten frei verfügbaren Mitteln aufbringen und haben darüber hinaus noch Opportunitätskosten, also Einkommen, das während der Kinderbetreuung nicht verdient wird. Bei den Kosten für die Kinderbetreuung müssen auch die zusätzlichen, enormen Kosten einer statistisch wahrscheinlichen Scheidung mitberücksichtigt werden, da aufgrund der Entwicklung der Ehe von einem geschützten Vertrag hin zur Kenntnisnahme einer bestehenden Lebensgemeinschaft niemand mehr durch eigenes Verhalten den Fortbestand seiner Ehe garantieren kann.
Eine weitere Tatsache ist, dass insbesondere hoch qualifizierte Frauen selten einen geeigneten Partner finden, da sie Partner mit vergleichbarem Bildungsniveau bevorzugen, während Akademiker eher geringer qualifizierte Frauen in ihrer Partnerwahl berücksichtigen (siehe auch Partnerwahl). Etwa 25% der Akademikerinnen sind kinderlos, der Anteil kinderloser Akademiker ist noch höher.
Vor diesem Hintergrund erlebt dieser Pessimismus derzeit in Deutschland seinen Höhepunkt. Eine Umfrage ergab 2005, dass die Deutschen im Mittel die pessimistischsten Menschen weltweit sind.
Familien, die zwei oder drei Kinder erfolgreich großgezogen haben, haben in Deutschland kaum ein höheres Ansehen als kinderlose Paare mit dem selben Beruf. Neben dem linken Ansatz mehr Kindergeld = mehr Kinder gibt es die bürgerliche These, dass Kindergeld erst der allerletzte Aspekt der Förderungspakete für Familien sein darf, weil die postulierte Wirkung sonst nicht oder nur temporär greife. In Westdeutschland gelten Mütter, die ihre Kinder in Krippen und Kindergärten betreuen lassen, teilweise noch als schlechtere Mütter, obwohl die Erziehungswissenschaft sich dem entgegenstellt. Außerdem ist in Westdeutschland das Angebot an Unterbringungsmöglichkeiten dieser Einrichtungen knapp. Das zweite Kind wird im Osten oft geboren aus der Erfahrung heraus, dass diese Betreuung beim ersten so gut geklappt hat.
Ursache für Kinderlosigkeit kann auch ein zu später Beginn des Kinderwunsches sein. So geraten viele Paare in letztlich ungewollte Kinderlosigkeit, weil sie eigentlich gewollte Kinder immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt aufschieben. Später gelingt ihnen dann durch das Fortschreiten der biologischen Uhr die Zeugung eines Kindes nicht mehr.
Zusätzlich können dazu Faktoren in der Lebensumwelt und Ernährung auftreten (chemische oder andere Belastungen, Hormonbelastungen)
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