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Ein Kindergarten ist zum einen das Gebäude, zum anderen eine Einrichtung zur Kindertagesbetreuung.
Überblick
Zumeist wird als Kindergarten die Einrichtung für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren bezeichnet; in Abgrenzung zur
Kinderkrippe (0 bis 3 Jahre) und zum
Hort (Kinder im Grundschulalter). In Anlehnung an
Friedrich Wilhelm August Fröbel, den Gründer des ersten (in jedem Fall des ersten deutschen) Kindergartens wird die Bezeichnung auch wieder als Sammelbegriff für alle Einrichtungen der Kindertagesbetreuung verwendet. Der Kindergarten hat einen
Erziehungs-,
Bildungs- und Betreuungsauftrag und gilt als Elementarbereich des Bildungswesens (s. auch
Vorschule).
Hinsichtlich der Öffnungszeiten gibt es drei unterschiedliche Modelle:
- Teilzeitbetreuung, am Vor- und am Nachmittag
- Verlängertes Vormittagsangebot, von Morgens bis nach dem Mittagessen
- Ganztagsbetreuung, von morgens bis zum Spätnachmittag. Diese Kindergärten werden in Deutschland als häufig Kindertagesstätten (kurz KiTa) bezeichnet. In letzter Zeit bieten Träger auch zunehmend erweiterte Betreuungszeiten an, die sehr früh morgens beginnen (5.30 Uhr), bis in den späten Abend reichen (20 Uhr) und die Samstage und Übernachtungsmöglichkeiten umfassen.
In den meisten Kindergärten arbeiten unterschiedliche pädagogische Fachkräfte, wie Erzieher/innen, Sozialpädagogen und Kinderpfleger.
Unterhalten werden in Deutschland Kindergärten - regional in sehr unterschiedlichen Anteilen - überwiegend durch Freie Träger oder von den Kommunen. Freie Träger sind vor allem kirchliche Träger, Institutionen der Freien Wohlfahrtspflege, Vereine und Elterninitiativen aber auch immer häufiger auch privatwirtschaftliche Träger
Zusätzlich oder ergänzend zu den Regelkindergärten gibt es sonderpädagogische und heilpädagogische Kindergärten, welche meist als integrative Kindergärten ausgelegt sind. Zuweilen zeichnen sich Kindergärten durch ein besonderes Angebot oder pädagogisches Profil aus, wie beispielsweise Waldkindergärten, Montessorikindergärten, Waldorfkindergärten.
Zunehmend werden die Einrichtungen nicht mehr nach Altersgruppen (Krippe, Kindergarten, Hort) oder nach Zielgruppen (Kinder mit besonderen Förderbedarfen) getrennt betrieben, sondern in integrierter oder zumindest kombinierter Form.
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Geschichte
Nach ersten Ansätzen gegen Ende des
18. Jahrhunderts, unter anderen von
Johann Friedrich Oberlin und
Louise Scheppler gründete
1840 der Thüringer
Friedrich Wilhelm August Fröbel den ersten Kindergarten in
Bad Blankenburg. Den Namen wählte er, da das Kind wie eine Pflanze heranwachsen soll.
1851 bis
1860 wurde der Kindergarten in
Preußen verboten.
August Köhler (Pädagoge) war
1863 Initiator und Mitbegründer des „Deutschen Fröbelverein“s zunächst für
Thüringen, aus dem
1872 der „Allgemeine Fröbelverein“ und ein Jahr später,
1873, der "Deutsche Fröbelverband" hervorging. Köhler entwickelte eine eigenständige „Köhler-Kindergartenpädagogik“. Der Anteil der Kinder, für die ein Kindergartenplatz zur Verfügung stand, erreichte bereits 1910 etwa 13 %. Dies blieb auch in der Weimarer Republik so.
Kinderbetreuung in Deutschland (2004)
Während die Versorgungsquote für Altersgruppe der 3- bis 6jährigen Kinder in allen deutschen Bundesländern bei fast 100 % liegt, ist dies für die jüngeren und älteren Kinder in den Ländern unterschiedlich. Insbesondere die Versorgungsquoten der Kleinkinder streuen stark, wie die folgende Übersicht zeigt.
-
| Bundesland | Krippenplätze je 1000 Kinder | Fertilitätsrate
| -
| Sachsen-Anhalt | 841 | 1,2
| -
| Brandenburg | 663 | 1,3
| -
| Mecklenburg-Vorpommern | 556 | 1,3
| -
| Berlin | 538 | 1,2
| -
| Sachsen | 433 | 1,3
| -
| Thüringen | 334 | 1,2
| -
| Hamburg | 197 | 1,2
| -
| Bremen | 147 | 1,3
| -
| Bundesgebiet | 126 | 1,3
| -
| Saarland | 70 | 1,2
| -
| Hessen | 54 | 1,3
| -
| Rheinland-Pfalz | 39 | 1,4
| -
| Schleswig-Holstein | 39 | 1,4
| -
| Baden-Württemberg | 34 | 1,4
| -
| Niedersachsen | 34 | 1,4
| -
| Nordrhein-Westfalen | 32 | 1,4
| -
| Bayern | 31 | 1,4
|
Quelle: Familienforschung Baden Württemberg, Statistisches Bundesamt
Rechtsanspruch
Deutschland
Seit 1996 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch nach
KJHG auf einen Kindergartenplatz (
BVerfG im Urteil zum § 218
StGB) für Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Einschulung. Für jüngere und ältere Kinder sollen bedarfsgerecht Plätze vorgehalten werden. Einige Bundesländer haben landesrechtlich einen weitergehenden Rechtsanspruch bestimmt. Dieser ist zuweilen konditioniert; d.h. die Kinder haben nur einen Anspruch, wenn ihre Eltern berufstätig oder sonstwie an der Ausübung ihrer Erziehungspflicht gehindert sind.
Österreich
In Österreich gibt es diesen Rechtsanspruch nicht. In der Praxis kann es in einigen Gegenden auch Wartezeiten von der Anmeldung bis zur Aufnahme von bis zu einem Jahr geben. Da aber die Geburtenrate rückläufig ist, sind zumindest in den Ballungsräumen eher Kapazitäten frei. Die Kindergärten sind Angelegenheit der
Bundesländer. Dementsprechend sind auch Kostenbeiträge durch die Eltern unterschiedlich. In einigen Bundesländern ist nur für das Essen zu bezahlen, in anderen sind die Kosten sozial gestaffelt. Oft decken private Kindergärten, die zwar teurer sind, Randzeiten ab, die von öffentlichen mangels größeren Bedarfs nicht abgedeckt werden.
Internationaler Vergleich
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Vereinigte Staaten von Amerika
1. Kindergarten
Der erste
private (deutsche) Kindergarten wurde 1856 von der
Fröbel-Schülerin Margarethe Schurz in Watertown
Wisconsin in ihrem Haus gegründet. Ein Denkmal erinnert noch heute daran.
Elizabeth Peabody ließ sich von Margarethe Schurz inspirieren und in die fröbelschen Ideen einweisen und gründete 1860 in
Boston (
Massachusetts) den ersten
englischsprachigen Kindergarten. Der deutsche Auswanderer, Journalist und
Pädagoge Adolph Douai (1819-1888) hatte ebenfalls in Boston - allerdings schon ein Jahr zuvor (
1859) - den ersten
öffentlichen (deutschen) Kindergarten nach den Vorstellungen des deutschen Pädagogen
Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852) gegründet; weitere Kindergärten gründete
Douai dann ab
1866 in
New York City.
Heute sind in den USA die Kindergärten häufig den Grundschulen (Elementary Schools)angegliedert, die Teil des US-amerikanischen Schulsystems sind. Dieser Kindergarten ist ein einjähriges Programm, in dem Grundfertigkeiten unter anderem im Lesen und Rechnen vermittelt werden. Die Teilnahme ist kostenlos und freiwillig, nach der Anmeldung erfolgt jedoch ein straffes Curriculum. Der Schultag der Kindergartenkinder entspricht weitgehend dem der übrigen Grundschüler.
Auf den Kindergarten folgt der Besuch der ersten Klasse. Die Klassen werden dafür neu zusammengesetzt und erhalten neue Lehrerinnen. Als Datum der Einschulung wird in den meisten amerikanischen Familien nicht der Beginn der ersten Klasse, sondern der Eintritt des Kindes in den Kindergarten gefeiert. In den USA ist der Begriff Kindergarten als wohl bekanntestes Lehnwort in den dortigen Sprachgebrauch übergegangen, was für den Erfolg des Konzepts spricht.
2. Child Day Care
Vom Kindergarten als Teil des staatlichen Bildungssystems sind die anderen Frühförderungs- und Betreuungsprogrammen zu unterschieden, die es in den USA in großer Zahl und Vielfalt gibt. Den deutschen Kindertagesstätten entsprechen hierbei am ehesten die Day Care Centers und Nursery Schools, die sich gleichermaßen als Schulen wie als Ganztagsbetreuung für Kinder berufstätiger Eltern verstehen. Der Mutterschutz in den USA endet 12 Wochen nach der Geburt und eine darüber hinaus reichende Erziehungszeit weder von den Arbeitgebern noch vom Staat unterstützt wird, fördern und betreuen Day Care Centers Kinder von 3 Monaten bis zu 5 Jahren.
Day Care Centers erhalten keine staatlichen Fördermittel, werden häufig jedoch von lokalen Arbeitgebern bezuschusst. Daneben werden je nach Geschäftstüchtigkeit der Leitung zum Teil erhebliche private Zuschüsse eingeworben (fundraising). Der Besuch eines Day Care Centers ist kostenpflichtig und um ein Vielfaches teurer als bei deutschen Kindergärten. Eltern mit geringem Einkommen können oft jedoch Förderung beantragen. Die Betreuungszeiten sind flexibel und ermöglichen den Eltern normale Arbeitszeiten. Die Kinder sind in Gruppen zusammengefasst, deren Größe vom Alter der Kinder abhängt.
Qualität und Ausstattung variieren stark. Für die Qualitätssicherung sorgt einerseits die Lobby der (zahlenden) Eltern und andererseits Institutionen wie beispielsweise die National Association for the Education of Young Children, die vielbeachtete Akkreditierungen aussprechen.
3. Frühforderungsprogramme
Unter den reinen Förderungsangeboten sind vor allem die von privater Hand, beispielsweise Kirchen oder YMCA, getragenen Preschools und das staatliche Programm HeadStart zu nennen. Als Teilzeitprogramm bilden die Preschools die Entsprechung zu (west-)deutschen Halbtags-Kindergärten.
Großbritannien
Das erste Schuljahr wird in England und Wales "Rezeption" oder auch das "Jahr Null" genannt. Kindertagesstätten, welche nicht im Schulsystem integriert sind, werden "Nursery School" genannt. Die Bezeichnung Nursery School wird auch öfters durch die Bezeichnung Kindergarten ersetzt, jedoch nur für Werbungszwecke. In Schottland ist der Ausdruck Kindergarten im Allgemeinen nicht die Bezeichnung für Nursery School. Das erste Bildungsjahr wird in Schottland "Primary 1" bezeichnet.
Schweden
In
Schweden beispielsweise sehen sich Erzieher als
Lehrer. Der Kindergarten setzt bereits in einem früheren Alter der Kinder ein. Anspruch auf einen kostenpflichtigen Kindergartenplatz haben bis zum letzten Jahr vor Schulbeginn aber nur Kinder, deren Eltern berufstätig sind, bei zwei Eltern müssen beide berufstätig sein. Für das Jahr vor Schulbeginn steht jedem Kind ein kostenloser Platz in der Vorschule zu. Die pro Tag vierstündige Teilnahme ist für die Kinder freiwillig. Im Kindergarten lernen sie den Umgang mit komplexen Situationen und beschäftigen sich bisweilen in zum Kindergarten gehörenden Ställen mit der Nahrungsversorgung von Tieren. Es wird gebastelt, gesungen und vorgelesen und bereits früh werden sprachliche Fähigkeiten geschult. Bewusst werden komplexe Fotos mit Menschen und kulturellen Errungenschaften statt Häschen und Strichmännchen aufgehängt.
Wegen des hohen Anteils an Migrantenkindern nimmt die Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen mittlerweile einen breiten Raum ein.
Finnland
Das finnländische Bildungswesen gilt entsprechend der PISA-Studie als eines der besten weltweit. Für Kindergärten in Finnland gilt beispielsweise folgendes: Die leitenden Erzieherinnen haben Abitur und ein Hochschulstudium. Der Kindergartenbesuch ist für Kinder ab dem ersten Lebensjahr möglich. Die Gruppengrösse liegt bei etwa 14 Kindern. Fremdsprachenlernen oder naturwissenschaftliche Experimente im Kindergarten werden gefördert.
China
In China wird der Kindergarten auch gleichzeitig als Vorschule gesehen. Die Übersetzung für Kindergarten lautet dort "you er yuan". Mehr und mehr wird dort eine auf hohe Konzentration ausgerichtete Leistungsschulung betrieben. (vgl.
Links)
Japan
In Japan wird unterschieden zwischen Kindergarten (hoikuen 保育園)und Kindertagesstätte (youchien幼稚園 oder Day Care Center oder Nursery School). Hoikuen nehmen Kinder ab 0 Jahren auf, wobei die meisten Einrichtungen ein Mindestalter von zwei Monaten vorsehen. Die Betreuung wird meist von Montag bis Samstag angeboten und richtet sich nach dem Schulkalender. Der Kindergarten nimmt Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren auf. Die Kinder werden nach Alter (2–3 Jahre und 4–5) in Gruppen eingeteilt. Es gibt einen festen Tagesablauf, um den Kindern die Eingewöhnng zu erleichtern. Die Gruppen werden von zwei Lehrern/Lehrerinnnen (sensei 先生)und eventuell einer/einem Assistentin/Assistenten betreut. Die Lehrer/innen sind durch einen Hochschulabschluss qualifiziert. Der Grad der Professionalität ist mit der Ausbildung deutscher Erzieher/innen kaum vergleichbar. Beispielsweise gehört das Erlernen des Klaviers zur Ausbildung. Musik und Kunst spielen im japanischen Kindergarten eine große Rolle. Meist gibt es neben dem normalen Personal einen zusätzliche/n zusätzliche/n Kunstlehrer/in (und Sportlehrer/in). Der Beruf ist in Japan ähnlich hoch angesehen wie der einer Hochschulprofessorin/eines Hochschulprofessors.
Literatur
- Konrad, Franz Michael: Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Freiburg: Lambertus Verlag 2004. ISBN 3-7841-1532-2 (294 S.; EUR 19,00)
Siehe auch
Weblinks
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