Kinderbetreuung ist als zusammenfassender Begriff für die pflegende, beaufsichtigende, erziehende Tätigkeit Erwachsener gegenüber Kindern zu verstehen. Kind ist nach deutschem Recht in der Regel jeder junge Mensch, der das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat (§ 7 Abs. 1 SGB VIII). Kinderbetreuung erfolgt zuerst und zumeist in der Familie, in der Vergangenheit und in reicheren Familien auch durch Kindermädchen. Heute ist neben der Familienerziehung die Form der öffentlich organisierten Kindertagesbetreuung in Kindertagesstätten und Kindertagespflege vorherrschend. Insbesondere im Alter vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Einschulung besucht fast jedes Kind in Deutschland (ca. 95%) zumindest einen Halbtagskindergarten.
Die Kontroverse zur öffentlichen Kinderbetreuung wird politisch, ideologisch und fachlich geführt. Während die Betreuung durch ErzieherInnen im Kindergarten ab dem 3. Lebensjahr in Deutschland allgemein akzeptiert wird, gibt es über die Vor- und Nachteile der Fremdbetreuung von Kleinkindern unter 3 Jahren Uneinigkeit. Kritiker der Fremdbetreuung argumentieren, dass nur Betreuungspersonen wie die eigenen Eltern, zu denen eine lange und vertrauensvolle Bindung aufgebaut werden kann, die emotionale, geistige und soziale Entwicklung des Kindes fördern (s. Bindung (Psychologie). Als Unterstützung ihrer Argumentation führen sie zum Beispiel eine Studie des US-amerikanischen National Institute of Child Health and Development (NICHD) an, die unter anderem feststellt, dass Kinder, die früh und lange fremdbetreut wurden, oft aggressiver sind als solche, die hauptsächlich von engen Bezugspersonen betreut wurden.
Allerdings sind die Ergebnisse der Studie insgesamt sehr viel differenzierter. Zum einen ist der Unterschied in Bezug auf die Aggressivität kein sehr erheblicher und in Bezug auf die Sprachentwicklung haben Kinder, die in Gruppen betreut wurden, oftmals Entwicklungsvorsprünge gegenüber Gleichaltrigen, die zuvor nur wenig Kontakt zu anderen Kindern hatten. Insgesamt, so das wichtigste Ergebnis der Studie, ist die Qualität der Betreuung von ausschlaggebender Bedeutung.
Während nach der Deutsche Wiedervereinigung in der Öffentlichkeit eine sehr kontroverse Debatte um die angeblich negativen Auswirkungen der Betreuung in Kinderkrippen geführt wurde, steht spätestens seit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (s. SGB VIII der Ausbau der Tagesbetreuungsplätze für Kleinkinder auch in Deutschland aus bevölkerungs-, familien- und bildungspolitischen Gründen auf der Agenda.
Für Eltern und insbesondere Mütter, die ihren Beruf nicht durch längere Erziehungspausen unterbrechen können oder wollen, ist die Möglichkeit der Kleinkindbetreuung ein wichtiger Aspekt in der Familienplanung. Der Mangel an solchen Betreuungsplätzen in Deutschland wird als eine der Ursachen für die niedrige Geburtenrate, besonders unter Akademikerinnen, angesehen.
Der Ausbaugrad der öffentlichen Kindertagesbetreuung steht in einem eindeutigen Zusammenhang zum Frauen- und Familienbild, das in der Gesellschaft herrscht. So gibt es in vielen anderen Ländern, etwa in Schweden und Frankreich, seit Jahren ein sehr viel umfangreicheres Angebot zur Kleinkindbetreuung. Diese Unterschiede zeigen sich zum Beispiel auch in Umfang und Intensität der wissenschaftlichen Befassung mit dem Thema. Die (west-)deutsche Kleinkindforschung ist auf wenige Lehrstühle und Institute in Deutschland beschränkt (s. auch Frühpädagogik).
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