Die Kimm ist die auf offenem Meer sichtbare Grenzlinie zwischen Wasser und Himmel. Auf sie beziehen sich Messungen von Höhenwinkeln z. B. mit einem Sextanten.
Wegen der Erdkrümmung (mittlerer Erdradius 6371 km) erscheint die Kimm umso tiefer unter dem ''mathematischen Horizont, je höher sich der Beobachter über dem Meeresspiegel befindet.
Daher müssen die Höhenwinkel um die Kimmtiefe verkleinert werden. Diese Beschickung beträgt
-
(in
Minuten; Höhe H in
Metern).
In die o.a. Konstante ist bereits ein Mittelwert für die Strahlenbrechung (Refraktion) in der Atmosphäre eingerechnet. Rein Geometrisch wäre der Wert 1,93'.
Nach der DIN-Norm 13312 "Navigation; Begriffe, Abkürzungen, ..." soll für die Kimmtiefe in der Seefahrt die Abkürzung Kt, im Englischen die Abkürzungt D (von "dip of horizon"), in der Luftfahrt die Abkürzung Dip verwendet werden; als Formelzeichen wird für die Seefahrt k empfohlen.
Mathematischer Hintergrund
Die
geometrische Kimmentfernung d vom Beobachter sowie die
Kimmtiefe κ (die gleich ist dem
Bogenwinkel des
Seeweges zwischen Beobachter und Kimm in Bezug auf den
Erdmittelpunkt); lassen sich aus
Erdradius R und
Höhe H des Beobachters wie folgt berechnen:
-
Die
Raumdiagonale r vom Auge zur Kimm ist noch einfacher zu berechnen:
r \approx d\,.
Da eine
Bogenminute auf der
Erdoberfläche etwa einer
Seemeile entspricht, ist die Kimmtiefe in (Bogen-)Minuten ungefähr gleich der Entfernung zur Kimm in Seemeilen. Für 1 m Beobachterhöhe ist das Ergebnis also 1,93'.
Korrektur durch Refraktion
In der
Erdatmosphäre mit etwa 15°C sowie 6,5°C
Temperaturabnahme je km Höhenzunahme beträgt die durch
Refraktion bedingte
Krümmung 1/
RL eines horizontalen
Lichtstrahls etwa 1/37500 km (jedoch abhängig von der
Wetterlage!). Um diesen Betrag muss die Erdkrümmung 1/
R reduziert werden, um die scheinbare Erdkrümmung 1/
Rk zu erhalten:
=\frac{1}{6371\,\mathrm{km}}-\frac{1}{\,37500\,\mathrm{km}}
=\frac {1} {7675\,\mathrm{km}}\,.
Einsetzen in die Formel für die Kimmtiefe nun
RL statt
R führt zu einer Kimmtiefe von 1,75' bei 1 m Höhe. Für andere Werte von
H<<
R ist κ näherungsweise
proportional zur
Quadratwurzel von
H (vgl. Raumdiagonale), so dass eingangs genannte Formel entsteht. Der Zusammenhang zur Entfernung in Seemeilen stimmt aufgrund der Abweichung von
Rk gegenüber
R natürlich nicht mehr; vielmehr gilt nun
-
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