Kim Il-sung (* 15. April 1912 in Mangyongdae, heutiges Nordkorea; † 8. Juli 1994), frühere Umschrift auch Kim Ir-Sen, mit Geburtsnamen Kim Song-chu (Hangeul: 김성주, Hanja: 金成柱), war ab dem Jahr 1948, spätestens ab Ende der 50er Jahre, bis zu seinem Tode der unumstrittene kommunistische Machthaber Nordkoreas. Auch danach wurde er von der nordkoreanischen Regierung als „ewiger Präsident“ bestätigt. In einem eigens geschaffenen Mausoleum in Pjöngjang wurde sein Leichnam aufgebahrt und kann dort betrachtet werden.
1940 zog sich Kim Il-sung mit anderen Partisanen wegen des verstärkten Drucks der japanischen Besatzungsmacht in die Sowjetunion zurück. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch ungeklärt. Anfang 1941 nahm er an einer Kommandeurschulung der Sowjetarmee an der Okeanskaja-Feldschule nahe Wladiwostok teil. Danach lebte er in Gesellschaft anderer koreanischer Emigranten in Chabarowsk, wo bis zu den 30er Jahren viele Koreaner gelebt hatten, die von Stalin jedoch nach Kasachstan und Usbekistan umgesiedelt worden waren. Im Örtchen Wjatskoje (oder Wjatsk) bei Chabarowsk wurde zu dieser Zeit aus koreanischen Partisanen die 88. Schützenbrigade der Roten Armee gebildet. Kim Il-sung soll im Rahmen dieses kleinen koreanischen Kontingents an der Schlacht von Stalingrad im Winter 42/43 teilgenommen haben, was zeitlebens von ihm geleugnet wurde, wahrscheinlich um seinen sowjetischen Hintergrund von 1940 bis 1948 zu verschleiern und als Nationalist zu erscheinen. Von 1943 bis 1944 war er als Hauptmann der Roten Armee Bataillonskommandeur in der 88. Schützenbrigade der II. fernöstlichen Armee in der Primorje-Region.
In der Sowjetunion wurde 1942 Kims Sohn Juri, der spätere Kim Jong-il geboren. Seine Mutter, Kim Jong-suk, war ebenfalls eine koreanische Partisanin. Sie war Kim Il-sungs zweite Frau. Seine erste Frau Kim Hyong-sung geriet 1940 in Korea in japanische Gefangenschaft. In Wjatsk wurden Kims zweiter Sohn Schura und eine Tochter geboren. Schura etrank 1947 in einem Teich im Garten des väterlichen Hauses in Pjöngjang. Kim Jong-suk starb 1949.
Ab 1944 befasste sich der sowjetische Geheimdienst mit Kim und anderen Koreanern in Chabarowsk, um sie auf eine führende politische Rolle im Nachkriegskorea vorzubereiten. Als im August 1945 Nordkorea von sowjetischen Verbänden eingenommen wurde, setzte Kim im September mit dem Schiff "Pugatschow" von Wladiwostok nach Wŏnsan über und erreichte am Ende des Monats Pjöngjang. Er war zunächst Mitarbeiter des Kommandanten der zukünftigen nordkoreanischen Hauptstadt. Da die Sowjets in den ortsansässigen Kräften keine für sie annehmbaren Partner sahen, beschloss Moskau, den ihm wohlbekannten Kim Il-sung zum zukünftigen starken Mann des nördlichen Korea aufzubauen. Zuvor war die Zusammenarbeit mit den örtlichen Nationalisten unter Cho Man-sik an den großen politischen Differenzen gescheitert, während die Sowjets in den in Korea verbliebenen Kommunisten unter Pak Hyon-jong, die einst starke Verbindungen zur Stalin verhassten Komintern hatten, ebenfalls keine verlässlichen Partner fanden.
Der erste öffentliche Auftritt Kims in Pjöngjang fand im Rahmen einer Kundgebung zu Ehren der Sowjetarmee am 14. Oktober statt. Im Februar 1946 wurde er Vorsitzender des Provisorischen Volkskomitees. Am 1. März 1946 überlebte er mit Glück ein vom Süden initiiertes Attentat. Bereits seit 1945 war Kim Chef der nordkoreanischen Sektion der gesamtkoreanischen KP. Im Frühjahr 1946 bildete sich hieraus die eigenständige KP Nordkoreas, die sich im Sommer mit der "Neuen Volkspartei" zur Nordkoreanischen Arbeiterpartei vereinigte. Kim gab den Posten des Generalsekretärs an Kim Du-bon ab, blieb aber Chef der Administration und wurde am 17. Februar 1947 zum ersten nordkoreanischen Regierungschef bestimmt. Durch gezielte Säuberungen in Partei und Verwaltung begann Kim Il-sung, seine Macht auszubauen. Am 9. September 1948 rief er die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Er selber wurde zum Ministerpräsidenten des neuen Staates gewählt. Nach der Vereinigung der nord- und südkoreanischen Kommunisten zur "Koreanischen Arbeiterpartei" wurde er erneut Parteivorsitzender.
Kim war von Hause aus Soldat, er hatte sich nicht in die Politik gedrängt. Sein Manko war die ihm fehlende Ausbildung. Er legte jedoch einiges Talent dabei an den Tag, seine Gegner in Widersprüche zu verwickeln. So gelang es ihm nach dem Krieg, eine Diktatur nach Stalinschem Vorbild und einen umfassenden Personenkult aufzubauen. Bereits Ende der 1940er Jahre tauchte erstmals die Bezeichnung "Führer" für ihn auf, eine Ehre, die bis dahin innerhalb der kommunistischen Bewegung allein Lenin und Stalin vorbehalten war. Seine Bilder waren bald allgegenwärtig, und Portraits von ihm mussten in jedem Haus aufgehängt werden. Die staatlich angeordnete Verehrung seiner Statuen und Bildnisse (Verbeugen, Blumenniederlegung) trägt bereits religiöse Züge. Auch die Familie Kims wird in den Kult mit eingeschlossen. Dies bezieht sich nicht nur auf seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-il, sondern auch auf dessen 1949 verstorbene Mutter, Kims erste Ehefrau Kim Jong-suk. Kims Ahnen betreffend wird heute behauptet, er entstamme einer revolutionären Heldenfamilie. Sein Urgroßvater Kim Ung-u habe am Sturm auf das US-amerikanische Kanonenboot „USS General Sherman“ im Jahre 1866 teilgenommen. 1966 wählte man Kim Il-sung zum Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas und 1972 wurde er auf Grund einer Verfassungsänderung zum Staatspräsidenten ernannt.
Kims Chuch'e-Ideologie stellte die nationalen Werte über die weltkommunistischen Interessen und wurde von Zeitgenossen als wahrhaftige Fortführung des Marxismus deklariert. Im Grunde handelt es sich hierbei um einen marxistisch verbrämten Nationalismus, der die jahrtausendealte Geschichte und Kultur des koreanischen Volkes in einen ausgeprägten Nationalstolz ummünzt. In den innerparteilichen Auseinandersetzung zeigte sich dies in der Verfolgung internationalistisch gesinnter Kommunisten als „Kriecher“. Das Bewusstsein einer kulturellen Überlegenheit gegenüber dem als dekadent dargestellten Ausland schweißte das Volk zusammen. Hinzu kamen in den 50er und 60er Jahren die unverkennbaren Fortschritte in der Wirtschaftsentwicklung, wobei allerdings einseitig die Schwerindustrie bevorzugt wurde, die von der Bevölkerung als Erfolge des Systems anerkannt wurden. Die unablässig betonte Einheit des koreanischen Volkes und der Anspruch, dieses unter der Fahne des Nordens zu vereinen, prägte das Bewusstsein der Menschen nachhaltig. Dieser selbstständige Kurs erlaubte auch Kritik an der Sowjetunion und der Volksrepublik China, führte aber zugleich zu einer Isolation des Landes.
Aufgrund der geographischen Lage ist es für die nordkoreanische Führung einfach, die Bevölkerung zu indoktrinieren und in ihrem Sinn zu „erziehen“. Südkoreanische Rundfunk- und Fernsehprogramme können nicht empfangen werden, so dass in Nordkorea das Informationsmonopol der Machthaber in einer einzigartigen Weise funktioniert. Dies zeigt sich auch in der offiziellen Geschichtsschreibung des Landes. So ist die verbreitete Biographie Kim Il-sungs und seine Familiengeschichte in weiten Teilen geschönt. Ähnlich dem Vorgehen unter Stalin wurden auch hier Informationen über ehemalige Weggefährten des „großen Führers“ aus der Geschichtsschreibung getilgt, so dass der Aufbau von Staat und Partei schließlich als Werk eines einzigen Mannes, Kim Il-sungs, erscheint. Abweichler und Kritiker werden in Nordkorea unerbittlich verfolgt. Kim errichtete Straflager („Umerziehungslager“) und setzte die Bevölkerung zunehmenden Repressalien aus.
Mann | Politiker (Nordkorea) | Koreakrieg (Person) Geboren 1912 Gestorben 1994 | Personenkult
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