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Als Kichwa (auch: Quichua) werden die Varianten der Quechua-Sprache (bzw. Sprachfamilie) ebenso wie deren Sprecher in Ecuador, Kolumbien sowie im Norden und Osten (Amazonien) Perus bezeichnet. Die Bezeichnung "Quichua" wird auch in Argentinien verwendet, jedoch zählen die dortigen Varianten nicht zum Kichwa, sondern zum südlichen Quechua.

Ursprung der Bezeichnung


Die Bezeichnung rührt daher, dass der uvulare Plosiv in den nördlichen Quechua-Varianten zu einem velaren Plosiv *" target="_blank" >niemals wie *" target="_blank" >dagegen niemals wie [o gesprochen wird. Das Quechua-Wort qichwa (sprich: "ketschua" mit uvularem k, d. h. weit hinten im Rachen) wird deshalb im Norden kichwa ("kitschua") ausgesprochen. Qichwa bedeutet eigentlich "Tal" bzw. bezeichnet eine Höhenzone der Anden und deren Bewohner, die größtenteils Quechua sprechen bzw. sprachen. Auf Kichwa lautet die Selbstbezeichnung der Sprache Runashimi ("Menschenwort", auf Süd-Quechua Runasimi).

Entwicklung der Sprache in Ecuador


In heutigen Ecuador (ähnlich auch in Kolumbien, wo es aber nur wenige Tausend Sprecher gibt) wurde das Quechua erst relativ spät Muttersprache der Bevölkerung. Spätestens mit der Eroberung durch die Inkas wurde eine auf dem südlichen Quechua basierende Form jedoch als Lingua franca (Lengua general) unter den sprachlich sehr unterschiedlichen Völkern Ecuadors verbreitet. Infolge der Umsiedlungen und damit verbundenen Durchmischung von Menschen unterschiedlicher Herkunftssprache zunächst unter den Inkas, später unter den Spaniern entwickelte sich das Kichwa als eine Kreol-Form der Quechua-Sprache. Während der Wortschatz des Quechua fast ganz übernommen wurde, gab es eine starke Umgestaltung in der Phonologie und Grammatik. Diese Veränderungen haben sowohl im ecuadorianischen Hochland als auch im Tiefland Ecuadors und in Kolumbien stattgefunden.

Verdrängung und Verteidigung der Kichwa-Sprache


Seit der Unabhängigkeit Ecuadors, besonders aber seit Anfang des 20. Jahrhunderts, wird die Sprache zunehmend vom Spanischen verdrängt. Mit ihrem Aufstieg seit den siebziger Jahren haben indigene Organisationen in Ecuador, darunter ECUARUNARI als Repräsentation der Kichwa-Ethnien, die Verteidigung der Sprachen zum politischen Thema gemacht und erreichten die Verankerung der so genannten Zweisprachigen interkulturellen Erziehung in der Verfassung von 1998, wenn auch Spanisch weiterhin die einzige verfassungsmäßige Amtssprache blieb. Seitdem wurden in eigener Verantwortung von Kichwa-Gemeinden zahlreiche zweisprachige Schulen eröffnet, ohne jedoch bisher eine flächendeckende Versorgung zu erreichen. In welchem Maße der Sprachverlust aufgehalten und umgekehrt werden kann, ist noch nicht abzusehen.

Sprecherzahl


Die Angaben über die Sprecherzahl in Ecuador schwanken stark und werden meist zwischen 750.000 und 2 Millionen angegeben. In Kolumbien dürfte es einige Tausend, im peruanischen Amazonien einige Zehntausend Sprecher geben.

Orthographie


Seit den neunziger Jahren gibt es für Ecuador eine einheitliche Orthographie (Quichua unificado, Shukllachishka Kichwa), die die vorherigen dialektbezogenen, aber ganz am Spanischen orientierten Schreibweisen abgelöst hat. Sie orientiert sich am peruanischen amtlichen Alphabet (Alfabeto oficial) für Quechua. Sie wird allerdings bisher noch nicht von allen Einrichtungen benutzt.

Wichtigste Unterschiede zum südlichen Quechua


Als südliches Quechua werden die Varianten von Süd-Peru (Chanka, Qusqu-Qullaw: Dialekte ab Huancavelica südwärts), Bolivien und Argentinien bezeichnet. Hier werden die Unterschiede des Kichwa von Ecuador im Vergleich dargestellt.

  • Verlust der Possessiv-Suffixe

Besitz- und Zugehörigkeitsverhältnisse werden ausschließlich durch Voranstellen des entsprechenden Substantivs oder Pronomens des Besitzenden, dem noch ein -pak angehängt werden kann, vor das Substantiv des Besitzes ausgedrückt.

Ein Überbleibsel der Possessiv-Endungen ist der Ausdruck für "Gott", Apunchik (eigentlich "unser Herr"), was zeigt, dass bei der Missionierung noch eine ursprüngliche Stufe des Quechua mit Possessiv-Suffixen verwendet wurde.

  • Verlust der objektivischen Konjugation (Transition)

Das Objekt wird bei der Transition ausschließlich durch das Personalpronomen (bzw. Substantiv), meist durch Anhängen von -ta, ausgedrückt (wie im Spanischen oder Deutschen).

  • Verlust der Unterscheidung zwischen inklusivem und exklusivem "wir"

Das Pronomen für exklusives "wir", ñuqayku (ñuqakuna), und die entsprechenden Verbalendungen (-niku / -yku / -ni llapa) sind verloren gegangen. Das vormals (und südlich von Ecuador nach wie vor) ausschließlich inklusive ñukanchik und die zugehörige Verbalendung -nchik drücken "wir" allgemein (inklusiv wie exklusiv) aus.

  • Bedeutungsänderungen bei Suffixen bzw. Infixen

Das progressive Infix -chka- ist verloren gegangen; seine Rolle wird vom ursprünglich reflexiven -ku- übernommen. Die Bedeutung von -ku- übernimmt das vormals inchoative -ri-.

Beispiele:

Deutsch: Unser Vater! (Vaterunser) Qusqu-Qullaw: Yayayku! (Taytayku!) Kichwa: Ñukanchik Tayta!

Deutsch: Ich liebe dich. Qusqu-Qullaw: Munaykim. Kichwa: Kanta munanimi.

Deutsch: Liebst du mich? Qusqu-Qullaw: Munawankichu? Kichwa: Ñukata munankichu?

Deutsch: Der Inka war der Sohn der Sonne. Qusqu-Qullaw: Inkaqa intip churin kasqa. Kichwa: Inkaka intipak churi kashka.

Deutsch: Das ist mein Haus. Qusqu-Qullaw: Chayqa wasiymi. Kichwa: Chayka ñuka(pak) wasimi.

Deutsch: Ist das dein Haus? Qusqu-Qullaw: Wasiykichu chay? Kichwa: Kan(pak) wasichu chay?

Deutsch: Ich arbeite (gerade). Qusqu-Qullaw: Llamk'achkani. Kichwa: Llankakuni.

Deutsch: Er kämmte sich. Qusqu-Qullaw: Ñaqch'akurqan. Kichwa: Ñakcharirka.

  • Aussprache

In der Aussprache gibt es ebenfalls Unterschiede zum südlichen Quechua. Neben der Angleichung des ursprünglichen an das *," target="_blank" >"nt" wie *. In manchen Dialekten gibt es auch ein "f", wo sonst ein "p" auftritt. Die stimmhaften Plosive b, d, g sowie das f sind jedoch nicht phonemisch und werden deshalb - auch in Angleichung an andere Quechua-Varianten - in der neuen Orthographie als p, t, k bzw. p wiedergegeben. Das "ch" fällt vor "n" durch Assimilation in der Aussprache mit dem "ll" zusammen. Anders als in den südlichen Dialekten hat sich das ursprüngliche "sh" (wie deutsch: sch) erhalten und hat phonemischen Charakter (z. B. pushak = "Führer"; pusak = "acht").

  • Wortschatz

Der Wortschatz entspricht überwiegend dem südlichen Quechua, es gibt jedoch als Ausnahmen einige wichtige Wörter, die Kichwa nur mit dem zentralperuanischen (Ancash, Huánuco, Junín) und nordperuanischen Quechua gemein hat. Die beiden häufigsten sind chusku statt tawa für "vier" und tamya statt para für "Regen". Dazu kommen Entlehnungen aus anderen indigenen Sprachen Ecuadors.

Kichwa im peruanischen Amazonien


Die Kichwa-Dialekte in den Sprachinseln Nord- und Ostperus entsprechen in der Aussprache weitgehend Kichwa-Mundarten Ecuadors, sie haben aber überhaupt nicht die grammatische Umgestaltung bzw. Kreolisierung mitgemacht (so gibt es dort z. B. weiterhin zwei "wir"-Formen).

Siehe auch


Weblinks


Inka-Reich | Ecuador | Peru | Indianer | Südamerikanische Ethnie

 

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