Als Kibbuzim (קיבוצים) (pl.) bezeichnet man ländliche Kollektivsiedlungen in Israel mit gemeinsamem Eigentum und basisdemokratischen Strukturen.
Weitere landwirtschaftliche Siedlungsformen sind die zahlreicheren (etwa 400) Moschawim, die genossenschaftlich organisiert sind, sowie Mischformen aus Kibbuz und Moschaw. Eine weitere Form sind schließlich die (deutlich weniger als 100) Moschawot, die mit europäischen Dörfern vergleichbar sind.
Die Mitglieder eines Kibbuz bezeichnet man als Chawerim (Einzahl Chawer) oder auch als Kibbuznik.
Unterscheiden lassen sich generell säkulare Kibbuzim, die die jüdischen religiösen Traditionen nicht mehr als verbindlich betrachten (obwohl vielfach die Feste noch begangen werden), und religiöse Kibbuzim, die in verschiedenen Richtungen die religiösen Traditionen pflegen und für ihre Mitglieder als verbindlich betrachten.
Die Ideologie der Kibbuzgründer war sozialistisch und zionistisch geprägt. Das Wort Ideologie hat dabei für die Kibbuzniks einen positiven Klang und ist nicht wie heutzutage in Deutschland negativ besetzt. Diese Ausrichtung hatte vor allem zwei Gründe:
Diese Erfahrungen waren für die Kibbuzgründer wegweisend. Sie wollten einen jüdischen Arbeiterstaat auf eigenem Boden aufbauen. Geschaffen werden sollte eine klassenlose Gesellschaft mit der Betonung auf Gleichheit und Gemeinschaft. Jeder und jede sollte gemäß dem Zitat von Marx "nach seinen Möglichkeiten geben" und "gemäß seinen Bedürfnissen erhalten".
Die Kibbuzim spielten eine entscheidende Rolle bei der jüdischen Besiedlung Israels. Ein Vorteil der Kibbuzim bestand vor allem in der Anfangszeit darin, dass leichter (Wehr-)Siedlungen in bisher kaum erschlossenen Gegenden gegründet werden konnten (unter Umständen auch gegen den Willen dort wohnender Palästinenser). Das Land, auf dem die Kibbuzim gegründet wurden, befand sich im Regelfall im Besitz des Jüdischen Nationalfonds.
Es gab auch in Europa, sogar in Deutschland, Siedlungen in der Form eines Kibbuz, um im Rahmen der Hachschara auf ein Leben in Palästina, dem späteren Israel, vorzubereiten.
In den ersten Jahrzehnten schlug sich die Ideologie stark im Lebensalltag der Kibbuzmitglieder, der Chawerim, nieder. Entscheidungen wurden in der Mitgliederversammlung basisdemokratisch getroffen. Die einzelnen Chawerim besaßen kein Eigentum, sondern sie brachten ihre Arbeitsleistung unentgeltlich für das Kollektiv ein. Im Gegenzug stellte der Kibbuz Wohnung, Kleidung, Verpflegung und medizinische Versorgung zur Verfügung. Die Gleichberechtigung umfasste auch eine Rotation in allen wichtigen Ämtern und bei der Besetzung der Arbeitsplätze.
Die Gleichberechtigung sollte auch die Frauen umfassen. Deswegen wurden viele hauswirtschaftliche Aufgaben als Dienstleistungen vom Kibbuz angeboten. Es bestanden zentrale Wäschereien, Schneidereien, sowie ein gemeinsamer Speisesaal (der "Chadar Ochel"); der Speisesaal war zugleich Kristallisationspunkt des gemeinschaftlichen Lebens, sowohl beim Essen als auch bei Festen und Versammlungen.
In den Kibbuzim war die patriarchalische Kleinfamilie aufgelöst und die Kindererziehung ebenfalls zentralisiert. Die Kinder wurden je nach Kibbuz schon von Geburt an in einem eigenen Kinderhaus mit Gleichaltrigen erzogen, die Geschwister lebten also jeweils in einer anderen Kindergruppe. Jede Gruppe wurde von einer eigenen Erzieherin, der sog. Metapelet (pl. Metaplot) geleitet. Durch den Kontakt zu mehreren Metaplot und den täglich nur stundenweisen Kontakt zu den Eltern waren die jungen Kibbuzniks stark auf ihre Altersgruppe fixiert. Nach einem bestimmten Zeitraum - etwa einem Jahr – erfolgte ein Wechsel zu einer anderen Metapelet. Trotz der Erziehung außerhalb der traditionellen Familienstrukturen war Hospitalismus unbekannt, eine gesunde Persönlichkeitsbildung üblich (siehe Literatur: Benjamin Beit-Hallahmi). Die strenge Orientierung auf die Erziehung im Kinderhaus löste sich in den folgenden Jahrzehnten langsam in Richtung „Kindergarten“ auf.
Noch umfassender waren die Veränderungen der folgenden Jahrzehnte:
Viele Kibbuzim haben versucht, sich den Herausforderungen zu stellen. Häufig wurden die zentralen Dienstleistungen reduziert oder aufgegeben, teilweise existiert nicht einmal mehr der Speisesaal. Privates Eigentum ist inzwischen selbstverständlich, die Chawerim beziehen ein Gehalt, über das sie verfügen können. Aus den Kinderhäusern sind meist Kindergärten geworden.
Erkennbar ist eine deutliche Entwicklung des Kibbuz hin zu einem "normalen" Dorf, von "sozialistischen" Siedlungen kann man kaum mehr sprechen. Eine weitere Auflösung der Kibbuzim und ihrer ursprünglichen Ideale in der Zukunft ist wahrscheinlich. Eine Gegenbewegung stellt der Versuch dar, die Grundidee des Kibbuz auf urbane Umgebungen zu übertragen (Kibbuz Tamuz, Kibbuz Migwan).
- align="center" | Jahr | Bevölkerung | Anzahl der Kibbuzim | - align="center" | 1910 | 10 | 1 | - align="center" | 1920 | 805 | 12 | - align="center" | 1940 | 26.554 | 82 | - align="center" | 1950* | 66.708 | 214 | - align="center" | 1970 | 85.110 | 229 | - align="center" | 1990 | 125.100 | 270 | - align="center" | 2001 | 115.500 | 267 | - align="left" | *Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurden im Jahr 1949 50 Kibbuzim neu gegründet. |
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كيبوتس | Kibuc | Kibbutz | Kibuc | Cibwts | Kibbutz | Kibutz | Kibbutz | Kibboutz | קיבוץ | Kibuc | Kibbutz | キブツ | Kibboets | Kibbutz | Kibuc | Kibutz | Kibuc | Kibbutz | Kibuts | קיבוץ | 基布兹