Keuschheit (keusch aus lat. conscius, "bewusst") ist die Abstinenz von sexuellem Verhalten. Im allgemeinsten Sinn wird darunter der freiwilligen Verzicht auf Sexualität verstanden. Das Ideal der Keuschheit geht jedoch weiter als ein bewusster und gewollter Verzicht auf den sexuellen Genuss.
In der Idealvorstellung bezeichnet Keuschheit das Verhalten einer der sinnlichen Inbrunst (Leidenschaft) durchaus fähigen Person, sich vermöge eines erworbenen Schamgefühls oder kraft eines bewussten Grundsatzes vor Sexuellem zu hüten, seien es auch nur Andeutungen anderer oder eigene Anwandlungen. In viele Kulturen spielt die Keuschheit eine meist religöse Rolle. Sie wird häufig speziell von jungen Menschen erwartet (Jungfrau).
Geraten Sitten sexueller Zurückhaltung ihrerseits in einen Parteienstreit, etwa als symbolische Muster, so wird „Keuschheit“ leicht zu einer bloßen Ideologie, z.B. im gegenwärtigen „Kopftuchstreit“ in Frankreich oder Deutschland seit der Jahrtausendwende.
Obwohl die Forderung nach Keuschheit in vielen Kulturen stark kulturell oder religiös begründet wird, hat diese mehrere sehr profane Vorteile: Der Verzicht auf Sex verhindert eine Schwangerschaft. In vielen Kulturen ist oder war die wirtschaftliche Situation von alleinerziehenden Müttern äußerst schwierig und wird oder wurde durch soziale Ächtung noch verschärft. Keuschheit verhindert zudem auch die sexuelle Übertragung von Krankheiten. Trotz des medizinischen Fortschritts gibt es immernoch mehrere unheilbare Infektionskrankheiten (AIDS, Hepatitis). Keuschheit oder auch die starke Beschränkung der Zahl von Sexualpartnern reduziert das persönliche Risiko zu erkranken und die Ausbreitung dieser Krankheiten.
Heute stehen effektive Verhütungsmittel wie die Antibabypille zur Verfügung, die eine Schwangerschaft zwar nicht vollkommen ausschließen, deren Wahrscheinlichkeit jedoch stark senken. Kondome reduzieren darüber hinaus auch das Risiko einer Infektion (Safer Sex).
Uganda ist eines der wenigen afrikanischen Länder, die Erfolge im Kampf gegen AIDS vorweisen können. Diese beruhen auf einem „ABC“-Programm, das Keuschheit (Abstinence), Treue (Be Faithfull) mit Safer Sex (Condoms) kombiniert Uganda AIDS Commission: Frequently Asked Questions.
Christliche Gruppen in den USA und die katholische Kirche propagieren Keuschheit darüber hinaus als alleiniges Mittel gegen ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten. Sexuelle Aufklärung und Kondome werden von ihnen abgelehnt. Eine Studie der Universitäten Columbia und Yale zeigte jedoch, dass eine solche Strategie nicht gegen sexuell übertragbare Krankheiten hilft.Tagesspiegel Online: Wer dem Sex abschwört Bushs Keuschheitskampagne hilft nicht gegen Aids
Im Zölibat der römisch-katholischen Kirche bedeutet sie nicht nur den Verzicht auf Ehe, sondern auch auf alle sexuellen Handlungen und streng genommen auch die Unterdrückung sexueller Fantasien (Keuschheit der Gedanken, vgl. dazu den Apostel Paulus, aber auch Jesu Aussagen über den Ehebruch in der Bergpredigt ("Wer eine Frau anschaut, ihrer zu begehren, ...")).
In der Tradition der römisch-katholischen Kirche gehört Keuschheit zu den Evangelischen Räten.
Anfang der 1990er Jahre entstand in den USA in evangelikalen Kreisen die Jugendbewegung "True Love Waits", die für Enthaltsamkeit bis zur Ehe eintritt. Daraus entwickelte sich eine internationale Jugendbewegung, die auch im deutschen Sprachraum unter dem Namen "Wahre Liebe wartet" vertreten ist.
Sozialer Hintergrund ist, dass das entblößte Haupthaar in diesen (wie auch in vielen anderen historischen und gegewärtigen Gesellschaften) als sinnlicher (sexueller) Reiz empfunden wird. (Vgl. dazu den Habit christlicher Nonnen.)
Sexualverhalten | Wertvorstellung
Sexual abstinence | Castidad | Abstinence sexuelle | Castità | Skaistumas | Kyskhet
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