Als Kettenrüstung oder Kettenpanzer (Ringelpanzer oder Panzerhemd; lat. Lorica hamata; engl. Ringmail oder Chainmail) bezeichnet man eine Rüstung, die aus zahlreichen ineinander vernieteten oder verflochtenen kleinen Metallringen aus Draht besteht. (vergleiche auch Brünne)
Eine komplette mittelalterliche Kettenrüstung, die einen Großteil des Körpers schützte, bestand meist aus über zehntausend Stahlringen, die ineinander vernietet wurden, um ein Aufplatzen der Ringe - etwa durch Pfeilschüsse - zu erschweren. Deshalb war es äußerst aufwändig, eine solche Rüstung herzustellen, was sich auch im Preis widerspiegelte. Eine Kettenrüstung konnte so viel kosten wie mehrere Dutzend Rinder, weshalb es sich zunächst nur wohlhabende Adlige - und manchmal auch Geistliche - leisten konnten, eine solche Rüstung zu erwerben. Die Hersteller von Kettenrüstungen wurden in Deutschland Panzermacher oder Sarwürker genannt. Die Panzermacher waren zunftgebunden. Vor allem das deutsche Reich galt als Hochburg dieses Handwerks in Europa.
Eine Kettenrüstung bot einen sehr guten Schutz vor Schnittverletzungen, aber gegen wuchtige Hiebe und kraftvolle Stiche half sie nur wenig. Deshalb wurde es im Hochmittelalter üblich, unter der Kettenrüstung eine Textilrüstung zu tragen, die man als Gambeson bezeichnete. Ohne eine solche Unterbekleidung wäre das Tragen einer Kettenrüstung relativ unangenehm gewesen. Außerdem erhöhte sich dadurch der Schutz, den eine Kettenrüstung vor Hieb- und Stichwaffen bot. Über der Kettenrüstung wurde ein Wappenrock (auch Waffenrock) getragen.
Nachteilig an einer Kettenrüstung war die Tatsache, dass ein Großteil ihres Gewichtes auf den Schultern des Trägers lastete. Diese Tatsache wurde dadurch ausgeglichen, dass man einen Gürtel um die Hüfte schlang, sodass einiges Gewicht auf den Beckenbereich abgeleitet wurde. Außerdem bot sie auch in Verbindung mit einem Gambeson nur wenig Schutz gegen Lanzenstiche, Streitaxthiebe, Armbrustbolzen und Pfeile, die mit einem Langbogen abgefeuert wurden. Deshalb ging man ab der Mitte 13. Jahrhunderts dazu über, die Kettenrüstung nach und nach durch Metallplatten zu verstärken oder zu ersetzen. Diese Entwicklung war um das Jahr 1400 abgeschlossen und resultierte in dem Plattenpanzer (Allerdings bietet auch ein Plattenpanzer keinen kompletten Schutz vor Armbrustbolzen oder Langbogen-Pfeilen).
Da ein Plattenpanzer aber möglichst flexibel sein musste, blieben bestimmte Körperteile wie die Achseln und der Genitalbereich ungeschützt. Deshalb trug man noch längere Zeit nach Aufkommen des Plattenpanzers ein Kettenhemd unter dem Harnisch, oder man schützte zumindest die Lücken, die der Plattenpanzer ließ, durch Kettengeflecht. Bei einfachen Fußvolk war es zum Beispiel während des 16. Jahrhunderts üblich, einen Hals- und Nackenschutz aus Kettengeflecht - den so genannten Bischofskragen - zu verwenden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam zwar ein Genitalschutz für Plattenpanzer - die so genannte Brayette - auf, diese konnte aber auf dem Rücken eines Pferdes nicht getragen werden, weshalb auch in diesem empfindlichen Bereich manchmal noch Kette verwendet wurde. Auch in Fechtkämpfen kam es noch längere Zeit vor, dass man unter der Kleidung ein Kettenhemd trug.
Mit dem Verschwinden des Plattenpanzers in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam auch das endgültige Ende für die letzten Reste der Kettenrüstung. In anderen Kulturkreisen fand die Kettenrüstung aber teilweise noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein Verwendung, vor allem im Orient. Während des Ersten Weltkriegs experimentierte man wieder verstärkt mit dem Einsatz von Rüstungen, darunter auch Kettenrüstungsteile. So trugen britische Tank-Besatzungen einen Gesichtsschutz aus Kette, zum Schutz vor den Patronenhülsen der Maschinengewehre. Danach verschwand die Kettenrüstung endgültig aus dem Sortiment der im Krieg verwendeten Schutzwaffen. Auf der Suche nach besseren Schutzausrüstungen für Polizei und Armee, experimentieren verschiedene Hersteller gegenwärtig wieder mit Abarten von Kettenpanzern in Kombination mit modernen Kunstfasern.
Eine Wiederbelebung erfuhr das "Kettenhemd" in den 1980er Jahren als Schutzausrüstung für den Oberkörper beim akademischen Fechten mit scharfen Waffen, der so genannten Mensur. Während bis dahin ein Plastron aus verstärktem Leder den Oberkörper vor zu tief angesetzten Hieben schützte, entwickelte eine Gruppe junger Corpsstudenten in Zusammenarbeit mit Textilingenieuren eine innovative Lösung, die dem Fechtarm deutlich mehr Bewegungsfreiheit bot. Die bisherigen Plastrons waren sehr dick und steif, eine Bewegung des Fechtarms auf die andere Körperseite ("Vorsetzen") staute das Material und behinderte die Bewegung.
Die neu entwickelte Lösung bestand aus einem nach klassischen Vorbildern aus einer modernen Metall-Legierung gefertigten Kettenhemd mit Unterfütterung aus der Hightech-Kunstfaser Kevlar, die auch zur Produktion von schusssicherer Bekleidung verwendet wird. So wurde die Schutzwirkung verbessert und die Bewegungsfreiheit des Paukanten erhöht, was einer technischen Verbesserung der Deckung durch leichteres "Vorsetzen" zu Gute kam.
Diese neue Lösung fand schnell weite Verbreitung und ist heute allgemein üblich.
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