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Kettengetriebe sind Zugmittelgetriebe. Sie übertragen Drehkräfte mit festem oder wechselbarem Übersetzungsverhältnis über eine Kette. Sie arbeiten in der Regel formschlüssig über Zahnräder, es gibt jedoch auch kraftschlüssige Bauformen. Eine Anordnung von An- und Abtriebsrad mit einer umlaufenden Kette wird als Kettentrieb bezeichnet. Kettengetriebe mit wechselbarer Übersetzung finden beispielsweise bei Fahrrädern mit Kettenschaltung Anwendung.

Formschlüssige Kettengetriebe


Nockenwellenantrieb.jpg Formschlüssige Kettengetriebe sind die häufigste Ausführungsform. Als Antriebskette wird hauptsächlich die sogenannte Rollenkette, eine aus mehreren Gliedern zusammengesetzte, aus seitlichen Laschen genietete Kette mit runden Bolzen verwendet. Während bei kraftschlüssigen Bewegungsübertragungen (z. B. Riemen- oder Seiltrieb) immer ein gewisses Maß an Schlupf auftritt, bewegen sich beim Kettentrieb die Antriebs- und Abtriebswelle immer völlig synchron zueinander. In der Kfz-Technik wird daher die Nockenwelle, die stets in einem festen Winkelverhältnis zur Kurbelwelle stehen muss, meistens über eine Kette oder einen Zahnriemen angetrieben.

Vergleich form- und kraftschlüssige Getriebe

Weitere Vorteile gegenüber der kraftschlüssigen Kraftübertragung:
  • Die Kette benötigt keine bestimmte Kontakt- bzw. Reibefläche zur Kraftübertragung wie z. B. ein Riemen, daher sind kleinere (Zahn-)Scheibendurchmesser möglich.
  • Es ist keine Vorspannung nötig, was die Lager der Wellen entlastet.
  • Es können wesentlich größere Kräfte übertragen werden.
  • Da sich die Kette beim Umlauf nicht elastisch verformt sind wesentlich kleinere Umschlingungswinkel und Achsabstände möglich.
  • Hohe Lebensdauer und damit Betriebssicherheit verglichen zu anderen Transmissionssystemen

Nachteile gegenüber der kraftschlüssigen Kraftübertragung:

  • Die Kette umschlingt die Zahnscheibe nicht rund sondern vieleckig, so dass das umlaufende Kettensegment kürzer ist als der beschriebene Kreisbogen. Das führt zu einer diskontinuierlichen Kraftübertragung - die getriebene Welle wird abwechselnd beschleunigt und gelöst, was zu hohen Trumkräften führen kann. Durch höhere Zähnezahlen lässt sich diese auch als Polygon-Effekt bezeichnete, longitudinale Oszillation verringern.
  • Senkrecht stehende Wellen lassen sich nicht gut mittels Kettentrieb verbinden, denn die Kettenlaschen würden einseitig an der Scheibenstirn reiben. Bei senkrecht übereinanderstehenden, quer gelagerten Wellen hängt die Kette am unteren Rad durch, was ungünstigere Laufeigenschaften zur Folge haben kann. Ideal ist eine leicht schräg versetzte Anordnung.
  • Kettentriebe sind wartungsaufwändiger und müssen geschmiert und deshalb auch gereinigt werden.
  • Kettentriebe haben höhere Laufgeräusche.

Um gegenseitige Verschleißverstärkung zwischen Kette und Zahnscheibe zu vermeiden, sollten als Zähnezahlen Primzahlen verwendet werden, so greifen nicht regelmäßig dieselben Bolzen in eine Zahnlücke.

Schwingungen - vor allem auf der rücklaufenden Kettenstrecke - werden durch (teils gefederte Dämpfer) oder Spannrollen unterdrückt.

Antriebsketten laufen mit besserem Wirkungsgrad als Kardanwellen - wenn man die Anwendung bei Motorrädern vergleichen will.

Kettengetriebe eines Fahrrades

Formschlüssige Kettengetriebe werden auch beim Fahrrad eingesetzt. Dort hat sich die Fahrradkette gegenüber allen anderen Kraftübertragungen (Kardanwelle usw.) durchgesetzt. Ein Nachteil der Kraftübertragung durch die Kette ist der Umstand, dass die Übersetzung nicht stufenlos gewählt werden kann. Im Radsport hat dies vor allem dazu geführt, dass in den letzten Jahrzehnten besonders einfach abgestufte Ritzelpakete nachgefragt wurden, welche vom Handel aufgrund der technischen Weiterentwicklung von Kette und Ritzeln mittlerweile in großer Auswahl angeboten werden (9- und 10-fach-Kassetten).

Kraftschlüssige Kettengetriebe


Bei der Kraftübertragung ohne Formschluß kommen sogenannte Gliederkettentriebe zum Einsatz. Sie arbeiten in der Regel kraftschlüssig und werden daher nicht den Kettentrieben zugeordnet, sondern folgen dem Arbeitsprinzip von Riemengetrieben.

Als Ausnahme sind formschlüssige Lammellenkettentriebe zu nennen, wie z. B. das stufenlose PIV-Getriebe, bei dem eine Kette mit quasi variablem Bolzenabstand in die radialen konischen Nutenzähne zweier Kegelscheibenpaare greift.

Stufenlose Kettengetriebe


Es gibt auch stufenlose Kettengetriebe, bei denen eine Lamellenkette zwischen je zwei Kegelscheiben auf der Antriebs- und Abtriebsseite läuft. Durch die Veränderung des Abstandes zwischen den Kegelscheiben kann die Übersetzung verstellt werden. Die Verstellung erfolgt in der Regel hydraulisch; je eine der Kegelscheiben ist fest, während die andere wie ein Zylinderkolben fungiert. Sie kann durch eine Erhöhung des Öldrucks im Hydrauliksystem bewegt werden.

Diese Getriebe werden in der PKW-Industrie als Automatikgetriebe verwendet. Ihr Hauptvorteil ist ihre Stufenlosigkeit, die ein Fahren immer im wirtschaftlichsten Drehzahlbereich des Motors ohne Schaltrucke ermöglicht. Ein bekannter Vertreter ist die multitronic von Audi.

Es muss bei der Auslegung beachtet werden, dass die Kette nicht durchrutschen darf, da es ansonsten zu einer Zerstörung des Getriebes kommen kann. Das maximal übertragbare Drehmoment eines Kettenwandlers liegt bei ca. 300 Nm (Stand Ende 2003).

Siehe auch


Getriebelehre | Fördertechnik

 

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