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Kettenbrücke (Széchenyi Lánchíd)
Budapest_Kettenbrücke_gr.jpg
Daten
Lage: Budapest in Ungarn
geograf. Lage:
Überquerung von: Donau
Länge: 375 m
Spannweite: 220 m
Breite: 12,5 m
Verkehrsweg: Straße
Brückentyp: Hängebrücke - Kettenbrücke
Material: Stahl - Stein
Bauzeit: 1839 - 1849
Besonderheiten: erste feste Donaubrücke in Budapest, Löwenstatuen
Die Kettenbrücke (ungarisch Széchenyi Lánchíd), die in Budapest die Donau überspannt, wurde in der Zeit von 1839 bis 1849 auf Anregung des ungarischen Reformers Graf István Széchenyi erbaut, nachdem er eine Woche lang warten musste, um zum Begräbnis seines Vaters ans andere Ufer zu kommen. Ihren Namen trägt sie ihm zu Ehren. Sie ist die älteste und bekannteste der neun Brücken über die Donau in Budapest. Außerdem war sie bei ihrer Einweihung 1849 die erste Donaubrücke unterhalb von Regensburg.

Beschreibung


Die Kettenbrücke, eine Hängebrücke, verbindet den Roosevelt Platz (Roosevelt tér), der den Abschluss der Pester Innenstadt bildet, mit dem vor dem Budaer Burgberg liegenden Clark-Ádám-Platz (Clark Ádám tér). Das klassizistische Bauwerk wird von zwei triumphbogenartigen Stützpfeilern getragen, durch die die eisernen Ketten des 375 Meter langen Brückenkörpers verlaufen, daher auch der Name Kettenbrücke. Die Pfeilertore haben eine Durchgangsbreite von 6,50 Meter und das Gewicht der Eisenkonstruktion betrug 2.000 Tonnen.

Budapest Chain Bridge.jpg Die vier Löwen, die jeweils zu zweit an den beiden Brückenköpfen sitzen, sind Arbeiten des Bildhauers János Marschalkó von 1885. In Pest gibt es eine Legende, wonach den Löwen der Brücke die Zungen fehlen würden. Dieses Gerücht rührt wohl daher, dass man die Zungen (die vorhanden sind) ausschließlich von oben her sehen kann und dieser Blickwinkel den meisten verwehrt bleibt, da die Löwen jeweils auf einem etwa 1,50 Meter hohen Podest sitzen.

Vorgeschichte


Kettenbrücke_Budapest_bei_Nacht.jpg Bereits 1776 verband eine Pontonbrücke aus 46 Schwimmkörpern die beiden Städte Buda und Pest. Sie musste jedoch vor dem Winter immer wieder abgebaut werden, und im Frühjahr konnte sie wieder errichtet werden. Durch dieses Dilemma gab es in den Wintermonaten keine Verbindung zwischen den beiden Städten, was den freien Verkehr von Menschen und Handelsgütern sehr einschränkte und teilweise auch zum Erliegen brachte. Da Eisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur in England in Gebrauch war und auf dem europäischen Festland Brücken nur mit vielen Pfeilern aus Holz und Stein gebaut wurden, traute sich niemand, aus diesen beiden Materialien eine so bedeutende Brücke über einen Fluss mit starkem Eisgang zu errichten, was eine realistische Einschätzung zu dieser Zeit war, da Holzpfeiler der zugefrorenen Donau kaum längere Zeit standgehalten hätten.

Bau


Budapest_chain_bridge_pillar_by_night.JPG Graf István Széchenyi initiierte bereits 1832 die Gründung des Budapester Brückenvereins, der zur Aufgabe hatte, alle bekannten Brückenentwürfe zusammen zu tragen. Außerdem sollte der Verein einen Neuentwurf unter Berücksichtigung der vorhandenen geologischen Untersuchungen des Gebietes ausarbeiten.

Der unermüdlichen Initiative von Széchenyi kam dann noch eine Katastrophe zugute. Nach einem verheerenden Hochwasser (bei Schneeschmelze) waren beide Orte zerstört und es kam politisch darauf an, den Ungarn einen Neubeginn zu signalisieren. Dadurch wurden Geldmittel zur Verfügung gestellt, die es sonst kaum gegeben hätte.

Mit dem Entwurf der Kettenbrücke wurde der renommierte englische Ingenieur William Tierny Clark beauftragt. Die Bauleitung erhielt sein Namensvetter Adam Clark, der sich nach Beendigung der Bauarbeiten in Ungarn niederließ. Ihm wurde der Platz zwischen der Kettenbrücke und dem Tunnel (durch den Burgberg (Budapest)) gewidmet. Graf István Széchenyi war aber nicht nur Initiator, sondern ihm unterstand auch die Organisation des Baus. Als Präsident des Verkehrskomitees bestellte er in den frühen 1840er Jahren das Baumaterial aus den verschiedensten Ländern, da es beispielsweise unmöglich war, in Ungarn den nötigen Stahl für die Brücke zu bekommen. Die erste Brücke bestand aus etwa 2000 t. Barabas-lanchid.jpg

Außerdem plante er den Tunnelbau unter dem Burgberg und eine Eisenbahnverbindung zwischen Pest und Fiume (heute Rijeka). Die Vorbereitungen für den ersten Pfeiler begannen am 28. Juli 1840, indem man Holzpfähle als Einfriedung der Baustelle in die Ufer trieb. Nach diesen Arbeiten, die zwei Jahre in Anspruch nahmen, konnte am 24. August 1842 mit der feierlichen Grundsteinlegung in der Baugrube des Pester Widerlagers begonnen werden. Am 20. November 1849 konnte die Brücke dann nach langen, vom Krieg unterbrochenen Bauarbeiten als damals größte Hängebrücke fertig gestellt und der Bevölkerung übergeben werden.

Zwischen den beiden Pylonen wird eine Spannweite von 202 m überbrückt. Damit war sie die nächsten 30 Jahre die weiteste Brücke dieser Bauweise(Brückenbau).

Graf István Széchenyi war es aber nie vergönnt, seine Brücke zu begehen, da er nach einem Zusammenbruch im September 1848 den Rest seines Lebens in der Döblinger Irrenanstalt zu Wien verbrachte.

Ergänzend wurde auf der Budaer Seite neben dem Tunnel für die aus Pest zur Burg strömenden Arbeiter der erste Dampf-Schräg-Aufzug in Ungarn errichtet. Noch heute für Touristen eine Empfehlung wert.

Wiederaufbau


Im Jahr 1915 wurde die ursprüngliche Konstruktion durch eine stärkere ersetzt, da sie dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war. Die Holzteile wurden durch Eisen und Stahl ersetzt.

Diese zweite Brücke bestand nun aus über 5000 t Stahl. Nur die beiden Brückenpfeiler waren noch unverändert. Allerdings wurde das Material, wo irgend möglich, recycelt. Vieles konnte jetzt in Ungarn produziert werden. Die neuen Kettenhäupter auf den Pylonen stammen aus London.

Am 18. Januar 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges, fiel sie, wie alle anderen Donaubrücken, den Sprengkommandos der abziehenden deutschen Armee zum Opfer. Am 21. November 1949 konnte sie nach langen Rekonstruktionsarbeiten pünktlich am 100. Jahrestag der ersten Brückeneinweihung zum dritten Mal wieder eröffnet werden.

Seit 1957 erstrahlt sie mit einer elektrischen Beleuchtung.

Nationales Symbol


Budapest Chain bridge lion.jpg Die Kettenbrücke ist eines der bekanntesten Bauwerke Budapests und ein Symbol für den Aufbruch in eine nationale Identität. Die Vielzahl der Überlieferungen und Mythen zeigt, dass die Kettenbrücke eine wichtige Rolle in der Geschichte der Ungarn spielt. So erzählt eine der vielen Überlieferungen zur Brücke, dass der Bauherr Graf István Széchenyi seine Freundin in Pest öfters und trockenen Fußes besuchen wollte, und auch aus diesem Grund mit den Planungen zur Kettenbrücke begann. Eine weitere Legende wurde bereits kurz erwähnt, wonach einige Pester der Meinung sind, dass der Bildhauer, der die Löwen erschaffen hat, die Zungen in den Mäulern der Löwen vergessen haben soll und aus diesem Grund nach der Vollendung Selbstmord begann. 1999 wurde der 150. Geburtstag der Brücke begangen, wobei auch eine neue Brückenbeleuchtung gespendet wurde, die sie noch mehr zu einem Touristenmagneten machte.

Briefmarken

Die Kettenbrücke ist auch auf einigen Briefmarken der Ungarischen Postá (Post) verewigt worden, was ihren Status im Land unterstreicht. Zu finden ist sie auf den folgenden Postwertzeichen:
  • IBRA'73, Ausgabewert: 4 Ft., Ausgabejahr: 1973
  • Lánchíd, Ausgabewert: 60 Ft., Ausgabejahr: 1964

Literatur


  • Jozsef Lengyel: Die Kettenbrücke - Geschichte um die Kettenbrücke in Budapest. Mit 8 Bildtafeln - 1. Aufl., Verlag der Nation, Berlin 1982
  • Bernhard Graf: Brücken, die die Welt verbinden. Prestel, München 2002, S. 66-67, ISBN 3-7913-2700-3
  • Richard J. Dietrich: Faszination Brücken - 1. Ausgabe. Callwey, München 1998, S. 170-177, ISBN 3-7667-1326-4

  • David J. Brown: Brücken. Kühne Konstruktionen über Flüsse, Täler, Meere. Callwey, München. 2005. ISBN 376671645X
  • Judith Dupre: Brücken. Die Geschichte berühmter Brücken. Könemann, Köln. 1998. ISBN 3829004
  • Imre Gáll, Szilvia Andrea Holló: The Széchenyi Chain Bridge und Adam Clark. City Hall Publishing House, Budapest. 1999. ISBN 9638376910 .

Weblinks


Brücke | Brücke (Budapest) | Wahrzeichen

Széchenyi Chain Bridge | Széchenyi-Ĉenponto | Puente de las Cadenas | Lánchíd | セーチェニ鎖橋

 

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