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Ein Kettenblatt ist das vordere Zahnrad eines Fahrradantriebes. Die Anzahl der Kettenblätter hängt vom Typ der Schaltung und vom Einsatzgebiet des Fahrrades ab. Neben Fahrrädern mit fester Übersetzung (Eingangrad) haben solche mit Nabenschaltung ein Kettenblatt. Bei Fahrrädern mit Kettenschaltung gibt es meistens zwei oder drei Kettenblätter. Zwischen den Kettenblättern wird die Kette mittels eines Umwerfers geschaltet.

Größe des Kettenblatts – Übersetzung – Ablauflänge


Die Größe (Anzahl der Zähne) des Kettenblatts bestimmt, zusammen mit der Größe des jeweiligen Ritzels, die Übersetzung. Bei Rennrädern werden gewöhnlich Kettenblätter mit 53 und 39 Zähnen verbaut. Bei Mountainbikes und Trekkingrädern sind die Zähnezahlen 22, 32 und 44 oder 26, 36 und 48 gängige Kombinationen.

Zur Bestimmung des "Raumgewinns", d. h. der Strecke, die man mit einer Kurbelumdrehung zurücklegt, ist im Radsport wie im Alltagsgebrauch des Fahrrades die Kenntnis der Größe des Kettenblatts und des Ritzels nicht ausreichend. Vielmehr muss zur Bestimmung der sogenannten Ablauflänge bei einer Kurbelumdrehung die Größe des Hinterrades und damit der Umfang dieses Rades berücksichtigt werden.

Die Ablauflänge L bestimmt sich dann aus allen drei Größen als

L=\frac{U \cdot Z_K}{Z_R}

(worin ZK die Zähnezahl des Kettenblatts; ZR die Zähnezahl des Ritzels; U der Umfang des Hinterrades)

Bestimmung der Größe (Zähnezahl) der Kettenblätter


Die Wahl der Zähnezahl der beiden (drei) Kettenblätter im Verhältnis zu einander und zu den zur Verfügung stehenden Ritzeln (man spricht vom "Ritzelpaket" oder "Kassette") ist sehr komplex. Da sich das Übersetzungsspektrum beider Kettenblätter überschneidet, muss eine Lösung gefunden werden, bei der möglichst wenige der "gangbaren" (vgl. unten) Übersetzungen doppelt vorkommen. Als "gangbar" gelten Übersetzungen, bei denen der Kettenschräglauf nicht zu groß ist – bei den heute üblichen 9- bzw. 10-fach-Kassetten sollten aus diesem Grunde die beiden größten Ritzel nicht mit dem großen Kettenblatt, die beiden kleinsten Ritzel nicht mit dem kleinen Kettenblatt kombiniert werden.

Noch bis in die 60er Jahre wurde aus diesem Grund der sog. "Stufenkranz" verwendet. Bei dieser Variante "griffen" die Übersetzungen des kleinen Kettenblatts in die Lücken, die durch die 2-Zähne-Abstufung des Ritzelpakets bei Verwendung des großen Kettenblatts entstanden.

Heute dagegen werden Ritzelpakete verwendet, bei denen die Ritzelabstufung jeweils eine Differenz von einem Zahn aufweist und sich das Übersetzungsspektrum des kleinen Kettenblatts bei Vernachlässigung der nicht gangbaren Übersetzungen mit einem kleinen Überschneidungsbereich an das des großen Blatts anschließt. Aus diesem Grunde wird im Straßenradsport heute fast ausschließlich die Kettenblatt-Kombination 53/39 verwendet. Mit einer Ritzel-Kassette, die bspw. die Ritzel 11-12-13-14-15-16-17-18-19-21 hat, schließt sich so an die letzte gangbare Übersetzung 53/18 mit einem Übersetzungs-Quotienten von 2,94 die Übersetzung 39/14 mit einem Quotienten von 2,79 an – im Überschneidungsbereich sind die Übersetzungen 53/19 und 39/14 mit 2,789 bzw. 2,786 sowie 53/18 und 39/13 mit 2,94 bzw. 3,00 nahezu identisch. Der verbleibende Überschneidungsbereich ist durchaus gewollt, weil sich dadurch der doppelte Schaltvorgang (Kettenblatt- und Ritzelwechsel) in bestimmten Rennsituationen vermeiden lässt.

Technische Ausführung


Neben der Anzahl der Zähne ist dabei der Lochkreis ein wichtiges Merkmal. Der Lochkreisdurchmesser ist der Durchmesser, auf dem die Bohrungen liegen, mit dem das Kettenblatt auf die Kurbel geschraubt wird.

Lochmaße der Kurbelsysteme

Kurbeltyp Lochmaß kleinstes Kettenblatt
Campagnolo (alt) 85 mm 41 Zähne
Campagnolo (neu) 79 mm 39 Zähne
Shimano 76 mm 38 Zähne
Stronglight (SUP) 72 mm 36 Zähne
MTB Standard 65 mm 34 Zähne
Microdrive Shimano 58 mm 32 Zähne
Microdrive Suntour 56 mm 32 Zähne
SR/Sugino 50 mm 28 Zähne
MTB kleines Blatt 43 mm 24 Zähne
Microdrive Shimano 34 mm 20 Zähne
Microdrive Suntour 33 mm 20 Zähne

Befestigung und Material

Kettenblätter sind entweder fest mit dem Innenlager (Tretlager) verbunden oder mit der Kurbel verschraubt. In diesem Fall kommt es auf den passenden Lochkreis (vgl. oben) an. Kettenblätter werden aus Stahl, Duraluminium oder Titan (sehr selten) hergestellt. Oft weisen sie auch Steighilfen auf. Sie sollen es der Kette beim Schalten erleichtern zwischen den Kettenblättern zu wechseln.

Der Mythos vom „großen Blatt“ im Radrennsport


Um die Verwendung des großen Kettenblatts im Radsport ranken sich sowohl Theorien als auch Legenden. So beschreibt Hans Blickensdörfer in seinem Klassiker Tour der Leiden ausführlichst den Moment, in dem ein berühmter Radrennfahrer am Berg vom kleinen auf das große Kettenblatt schaltet und diese Übersetzung erst einmal „drücken“ muss.

Tatsächlich gibt es ernstzunehmende physikalische Gründe:

  • Wegen des höheren Trägheitsmoments der Kette (höhere Bahngeschwindigkeit bei gleicher Trittfrequenz) und damit besseren Gleichlaufs werden bei Ausdauerdisziplinen (Straße, Bahn ab 4000 m) eher große Kettenblätter eingesetzt.
  • Bei Sprintwettkämpfen dagegen verwendet man möglichst kleine Kettenblätter.

Alles weitere, was in Radsportlerkreisen über das große Kettenblatt diskutiert wird, ist jedoch entweder auf den Mythos oder auf bestimmte, gängige Schaltpraxis (z.B. Vermeidung des doppelten Schaltvorgangs, vgl. oben) zurückzuführen. Ausdrücke wie „Kette rechts!“ (das große Kettenblatt ist rechts), „das große Blatt drinstehen lassen“ usw. und die Tatsache, dass viele Sprinter die in das Kettenblatt eingestanzte Zähnezahl herauszufeilen pflegten, geben Zeugnis, dass hier psychologische Faktoren eine gewichtige Rolle spielen.

Siehe auch


Gangschaltung, Kettenschaltung, Kettenblattgarnitur.

Weblinks


Getriebelehre | Fahrradtechnik | Zahnrad | Radsport

 

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