Kessel von Falaise.jpg | Canadian soldiers at Falaise town entrance.jpg Kessel von Falaise bezeichnet eine Schlacht im Zweiter Weltkrieg zwischen den Alliierten und Deutschen.
Nach dem erfolgreichen Verlauf des D-Day und dem Durchbrechen der deutschen Linien im Zuge der Panzerschlacht von Avranches kam es Anfang August 1944 südlich von Caen zur Kesselschlacht bei Falaise.
Aufgrund des Befehls von Adolf Hitler, um keinen Preis zurückzuweichen, wurden die deutschen Truppen von Pattons Einheiten beinahe ungehindert in ihrer offenen Südflanke umgangen. Mit der Operation Totalise startete Montgomery einen weiteren Angriff gegen die deutschen Verbände bei Caen. Dieser brachte zwei britische Panzerdivisionen aber weit genug nach vorne, um dem hinteren Teil der deutschen Linien bedrohlich zu werden. Durch dieses Vorgehen gerieten nun 28 Infanteriedivisionen und elf Panzerdivisionen der Deutschen in Gefahr, in eine Zange der Alliierten zu geraten.
Nach dem Abbruch der Operation Lüttich erhielt die 5. deutsche Panzerarmee der Befehl, in südwestlicher Richtung anzugreifen, obgleich sie sich damit dem Risiko aussetzte, zwischen Falaise und Argentan von den alliierten Streitkräften eingeschlossen zu werden.
Aus dem Kriegstagebuch des Feldmarschalls von Kluge heißt es dazu:
Am 8. August erreichte Pattons 5. Panzerdivision Le Mans und schloss sich dort mit der französischen 2. Panzerdivision unter Leclerc zusammen. Bradley und Montgomery kamen am selben Tag überein, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschließen. Pattons beide Panzerdivisionen sollten sich daher zu einem Zusammenschluss mit Montgomerys Divisionen, die parallel von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehen sollten, von Le Mans aus nach Norden wenden. Pattons 15. Korps schwenkte nun im rechten Winkel Richtung Argentan, während seine übrigen Divisionen zur Seine vorstießen. Dadurch konnte Bradley einen kurzen sowie auch einen langen Haken schaffen. Der lange Haken ermöglichte ein Abfangen der aus Falaise entkommenden deutschen Truppen.
Am 16. August erhielten die deutschen Truppen Hitlers Befehl zum Rückzug in drei Phasen:
American armoured forces race through Ballon.jpg
Das 2. SS-Panzerkorps sollte das Gebiet östlich von Falaise halten, um ein Entkommen aus dem Kessel möglichst lange zu gewährleisten. Jedoch kam dieser Befehl verspätet, da die Überquerung dreier Flüsse unter Beschuss kaum Aussicht auf Erfolg hatte, zumal aufgrund alliierter Luftangriffe ein Vorwärtskommen bei Tage unmöglich schien.
Bradley befahl Pattons 15. Korps, nördlich von Argentan zu halten. Somit ergab sich eine 25 km breite Lücke, durch welche die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Insbesondere Teile der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ und der 1. Kanadischen Armee lieferten sich über mehrere Tage erbitterte Kämpfe. Unterdessen schloss die 1. polnische Panzerdivision nördlich den Kessel, um die Flucht der deutschen Truppen zu verhindern, konnte sich aber unter den Angriffen der 2. SS-Panzerdivision nicht halten. Zwischen dem 18. und 21. August schrumpfte der Kessel zu einer 8 km breiten Straße zusammen, die zusätzlich der zahlreichen Luftangriffe täglich von bis zu 80.000 Granaten beschossen wurde. Am 1. September endete der Kampf mit den letzten zurückweichenden Soldaten.
Die deutsche Wehrmacht verlor zwischen dem 7. und 21. August im Westen 50.000 Soldaten; weitere 200.000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Verluste der Deutschen in der Normandie auf mehr als 240.000 Tote oder Verwundete und 250.000 Gefangene. An Material büßte die Wehrmacht dabei 1.500 Panzer, 3.500 Geschütze und 20.000 sonstige Fahrzeuge ein. Die Alliierten bezifferten ihre Verluste auf 209.672, darunter 36.976 Gefallene. Durch ihren Sieg bei Falaise waren die alliierten Streitkräfte anschließend in der Lage, Richtung Seine und schließlich nach Paris vorzurücken.
Die Wehrmacht konnte sich vom Materialverlust bei Falaise nicht wieder erholen. Nach offiziellen Angaben waren elf Panzerdivisionen aus dem Kessel entkommen. Allerdings verfügten diese Divisionen zusammen über weniger als 100 Panzer. Zehntausende Soldaten verloren ihre Ausrüstung. Der Kessel von Falaise wird somit auch als ein deutsches Dünkirchen bezeichnet. Die Alliierten erreichten am 25. August Paris und befreiten noch vor Jahresende ganz Frankreich.
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