Generell werden Geschäftsprozesse eines Unternehmens in Kernprozesse und Supportprozesse unterteilt.
Der Kernprozess in der Betriebswirtschaftslehre ist ein Prozess, der sich aus der Kernkompetenz einer Organisation ableitet. Diese Prozesse sind nach Sohl im Idealfall:
Im Gegensatz dazu sind Supportprozesse Aktivitäten, die die Kernprozesse nur unterstützen. Es besteht daher die Möglichkeit Supportprozesse einen Benchmark zu unterziehen und in weiterer Folge auch auszulagern. Am Beispiel Materialwirtschaft kann die Unterscheidung verdeutlicht werden: Ein Kernprozess der Materialwirtschaft ist die Versorgung der Bedarfsträger mit den notwendigen Ressourcen. Ein Supportprozess könnte der Transport der Ressourcen sein.
Die grundlegende Idee ist, sich das Unternehmen als Bündel von Kernprozessen vorzustellen, um eine „kundenorientierte Rundumbearbeitung“ anbieten zu können. Anstatt sich auf die Aufbauorganisation zu konzentrieren, stellt das Prozessmanagement die Ablauforganisation in den Mittelpunkt. Die Organisationsstruktur wird um 90 Grad gedreht und die Aufbaustruktur nach den Prozessen ausgerichtet.
So werden die Kernprozesse sichtbar, die innerhalb des Unternehmens durchgängig sind und vom Lieferanten bis zum Kunden möglichst wenige Schnittstellen aufweisen sollten.
Ihre Bearbeitung erfolgt durch Prozess-Teams, die über alle notwendigen Ressourcen und Kompetenzen verfügen, um den gesamten Prozess zu betreuen. Für jeden Prozess gibt es nur noch eine prozessverantwortliche Person, einen sogenannten Process Owner, oder ein Case-Team, dass sich im Wege der Selbstabstimmung eigenständig koordiniert.
Im Optimalfall bedeutet das, dass die Kunden in jeder Kontaktphase mit demselben Team zusammenarbeiten, sei es bei der Vertragsabwicklung, oder bei der technischen Betreuung.
Der idealtypische Kernprozess hat nach Osterloh/Frost
Eine andere gängige Definition lieferten 1991 die Wirtschaftswissenschaftler Kaplan und Murdock. Kernprozesse bilden sich demnach aus der Verknüpfung von Aktivitäten, Entscheidungen, Informationen und Materialflüssen, die zusammen den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens ausmachen".
Je nach unterschiedlicher Fachdefinition spielen bei Kernprozessen auch der Beitrag zur Wertschöpfung, die funktionsübergreifende Eigenschaft, oder das Potential für Verbesserungen und Einsparungen eine wesentliche Rolle.
Aus organisatorischer Sicht sind jedenfalls drei Eigenschaften von Kernprozessen kennzeichnend:
Die Anwendungsgebiete des Prozessmanagements liegen vor allem im organisatorischen Bereich. Definition und Analyse der Kernprozesse sind oft die ersten Schritte einer umfassenden Reorganisation eines Betriebes, wobei mittlerweile eine Fülle von Methoden zu ihrer Identifikation bekannt sind. Als Beispiele seien folgende genannt:
In weiteren Schritten wird dann die Aufbauorganisation dem Prozessfluss angepasst, die Prozesse werden reorganisiert und die neue Struktur auf Effizienz geprüft.
Eine Organisation nach Kernprozessen bringt folgende Vorteile mit sich:
Die Abgrenzung von Supportprozess und Kernprozess ist in der Praxis nicht einfach. Ist beispielsweise die Küche bei einem Airline-Catering-Service ein Kernprozess? Falls die Qualität des Essens für den Abnehmer im Vordergrund steht ist die Antwort mit "Ja" zu beantworten, aber wie sieht der Fall aus, wenn die zeitgerechte Lieferung im Vordergrund steht? Ein Cateringunternehmen, das sich in erster Linie als Logistik-Dienstleister begreift, könnte in diesem Fall seine Schwerpunktsetzung von der Gastronomie auf die logistische Leistung verlagern und die Küche sogar ausgliedern.
Logistik | Betriebswirtschaftslehre | Planung und Organisation | Geschäftsprozessmanagement
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