Das Kernkraftwerk Gundremmingen ist mit einer Leistung von 2 × 1.344 MW das leistungsstärkste deutsche Kernkraftwerk. Es steht in Gundremmingen im Landkreis Günzburg in Bayern. Betreiber ist die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG), die zu 75 % der in Essen ansässigen RWE Power AG und zu 25 % der in Hannover ansässigen E.ON Kernkraft GmbH gehört.
Der alte Block A, ein Siedewasserreaktor mit einer Leistung von 237 MW, der von 1966 bis zu einem schweren Unfall im Januar 1977 betrieben wurde, wird seit 1990 zurückgebaut. Der Rückbau ist mittlerweile (Stand Ende 2005) weit fortgeschritten. Im Januar 2006 genehmigt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz den Bau eines sog. Technologiezentrums im Bereich des ehemaligen Block A. Hier können zukünftig folgende Arbeiten durchgeführt werden:
Geschichte: Nachdem die Stadt Nürnberg wegen ihrer Trinkwasserschutzgebiete im Mündungsgebiet des Lechs gegen den anfangs geplanten Standort Bertoldsheim an der Donau (zwischen Donauwörth und Neuburg/Donau) protestiert hatte, wurde rund 50 Kilometer donauaufwärts in Gundremmingen (zwischen Dillingen und Günzburg) Deutschlands erstes Großkernkraftwerk am 13.7.1962 beantragt, schon im Dezember 1962 genehmigt und im Dezember 1966 in Betrieb genommen. Eine protestierende „Notgemeinschaft Atom-Kraftwerk Gundremmingen-Offingen“ wurde mit in Aussicht gestellten Geldern zum Verstummen gebracht Joachim Radkau: „Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft 1945 – 1975“, Hamburg 1983.
Am 13. Januar 1977 kam es zum oben genannten Großunfall mit wirtschaftlichem Totalschaden. Bei kaltem und feuchtem Wetter traten an zwei stromabführenden Hochspannungsleitungen Kurzschlüsse auf. Bei der dadurch eingeleiteten Schnellabschaltung kam es zu Fehlsteuerungen. Nach ca. zehn Minuten stand im Reaktorgebäude das Wasser etwa drei Meter hoch und die Temperatur war auf rund 80 Grad Celsius angestiegen. Anfangs hieß es, der Reaktor werde in einigen Wochen wieder in Betrieb gehen können. Über Monate und Jahre wurde dann langsam bekannt, dass der Reaktor nicht mehr repariert wurde.
Eine im September 1999 beantragte Leistungserhöhung beider Blöcke von einer elektrischen Bruttoleistung von je 1.344 MW auf 1.450 MW liegt seit Jahren "auf Eis". Die elektrische Nettoleistung beträgt 1.300 MW je Meiler. Beide Blöcke sind seit einigen Jahren auch für den Lastfolgebetrieb, bei dem die Leistung der Stromnachfrage ("Last") nachgesteuert wird, eingeplant. Zumindest an Wochenenden werden diese Reaktoren häufig in ihrer Leistung gedrosselt. Die planmäßige Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen B ist bisher für das Jahr 2016 angekündigt, die Abschaltung von Gundremmingen C für 2017. Bereits Ende 1994 hatten die Betreiber die (Neu)Verträge mit den Wiederaufbereitungsanlagen („WAA“) im französischen La Hague und im britischen Sellafield gekündigt und schlagen damit den Weg der langfristigen Zwischenlagerung ein. 1995 wurden weltweit erstmals bei Siedewasserreaktoren in großem Umfang plutoniumhaltige MOX-BE eingesetzt. Mit rd. 40.000 Einwendungen protestierten die Umweltschutzverbände.
Die für das Jahr 2004 gemessene abgegebene Radioaktivität beträgt: 3 TBq in die Luft und 5 TBq ins Wasser Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Die Kraftwerksbetreiberin, die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH, hat einen Antrag auf Einlagerung von bis zu 192 Castoren mit abgebrannten Brennelementen gestellt. Anwohner klagen mit Unterstützung von Umweltgruppen gegen das Vorhaben vor Gericht. Eine Entscheidung wird voraussichtlich 2006 erwartet. Die Gegner treibt neben der Sorge vor Großunfällen und insbesondere Terroranschlägen auch die Befürchtung an, dass sich das Zwischenlager zu einer ungeplanten Endlagerstätte entwickeln könnte, da auch im Jahr 2005 entgegen vieler Zusagen weltweit noch kein Endlager für abgebrannte Brennelemente freigegeben ist.
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