Keimruhe (auch: 'Eiruhe' oder 'Vortragezeit') gibt es sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen:
Bei Tieren bezeichnet das Phänomen, dass eine befruchtete Eizelle eines Säugetieres sich nicht sofort kontinuierlich zum Embryo weiterentwickelt. Die befruchtete Eizelle (Zygote) nistet sich zwar in der Gebärmutterschleimhaut ein, teilt sich aber zunächst nicht. Erst nach der Keimruhe beginnt die normale embryonale Entwicklung. Die dadurch verlängerte Tragzeit ermöglicht die Geburt während einer für die Aufzucht günstigen Jahreszeit. Beim Rehwild etwa erfolgt die Befruchtung während der Blattzeit Ende Juli. Aber erst Ende November beginnt das embryonale Wachstum. Dadurch werden die Kitze im vegetationsreichen Frühjahr (etwa Mai) gesetzt. In Europa kommt die Keimruhe regelmäßig außer beim Rehwild auch beim Dachs, Marder, Hermelin, Seehund, Fischotter und beim Braunbär vor. Besonders lang im Verhältnis zur eigentlichen Tragzeit ist die Keimruhe bei Beuteltieren.
Pflanzen, vor allem Getreidesamen, sind in Keimruhe, um nicht schon frühzeitig bei geringstem Wassereinfluss mit der Keimung zu beginnen. Im Korn muss zunächst ein gewisser Wassergehalt überschritten werden. Dabei handelt es sich um einen Schutzmechanismus, um nur bei optimalen Bedingungen mit dem Wachstum zu beginnen.
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