Kautschukplantage.JPG Kautschuk (indian. cao = Baum und ochu = Träne) ist ein Sammelbegriff für elastische Polymere, aus denen Gummi hergestellt wird. Kautschuk kann vulkanisiert, unvulkanisiert oder vorvulkanisiert sein.
Einige von Pflanzen erzeugten Kautschukarten sind: Naturkautschuk, Balata, Chicle-Gummi, Guttapercha und Guayule-Kautschuk. Naturkautschuk, aus Latex (dem Milchsaft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis)), ist davon die ökonomisch wichtigste. Synthetische Kautschuke, die heute etwa 60 % des weltweiten Bedarfs abdecken, gibt es in vielen Varianten. Darüberhinaus werden als Kautschuk auch Faktis und Kautschukregenerate verstanden.
Die Völker Mesoamerikas und die indigenen Völker Amazoniens nutzten Naturkautschuk in vielfältiger Weise. Am bekanntesten ist das Mesoamerikanische Ballspiel mit einem Vollgummi-Ball. Auch seine wasserabweisende Eigenschaft war bekannt, so dass Stoff damit beschichtet wurde und die Mayas sollen ihre Füße so mit einem begrenzt haltbaren Gummiüberzug versehen haben.
Die ältesten bekannten Gegenstände aus Kautschuk stammen aus der Zeit von 1600 v. Chr..
Aus Mittelamerika erreichte die Kunde vom Kautschuk anfangs nur wenige Menschen in Europa, etwa Kaiser Karl V., der von Hernán Cortés eine aztekische Ballspielmannschaft vorgeführt bekam. Erst durch Bücher gelang das Wissen verstärkt an die Öffentlichkeit. So beschrieben Juan de Troquemadas 1615 in „De la Monarquia Indiana“, wie die Indianer Gegenstände wasserabweisend machten und der Conquistador Bernal Díaz del Castillo um ca. 1520 aztekische Ballspieler. Dieser Bericht wurde allerdings erst 1632 in einer Bibliothek in Madrid entdeckt und veröffentlicht.
Charles Marie de La Condamine beobachtete auf einer wissenschaftlichen Expedition für die Pariser Akademie der Wissenschaft von 1735 bis 1745 im Amazonasgebiet auf welcher Weise Kautschuk verwendet wurde und beschrieb die indianische Herstellungsweise. Dies löste weitere Berichte und die ersten europäischen Versuche mit dem neuen Werkstoff aus: 1761 wurde ein Lösungsmittel für festen Kautschuk gefunden, um 1770 entstand der Radiergummi, 1791 ein erstes patentiertes Verfahren von Samuel Peal in Terpentin gelösten Kautschuk auf Gewebe aufzutragen, 1824 der erste Regenmantel oder Macintosh und die "Wellington boots". Diese frühen Gummistiefel, wurden durch Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington im England des frühen 19. Jahrhunderts berühmt. Trotz dieser und weiterer Erfolge war das Material nach wie vor nur schwer zu gebrauchen, da es bei großer Hitze anfing zu kleben und bei Kälte spröde wurde.
Nachdem Kautschuk in Form von Gummi zu einem wichtigen Werkstoff wurde, gab es Versuche Kautschukbäume in Plantagen zu züchten. Nur außerhalb Südamerikas gelang deren Aufbau, so den Engländern in ihren Kolonien in Asien. Bereits 1876 hatte der Engländer Henry Wickham rund 70.000 Kautschuksamen aus Brasilien ins britische Ceylon (heute Sri Lanka) geschmuggelt, aber erst zu Anfang des 20. Jahrhundert kamen größere Mengen aus Asien auf den Markt. Eine weiteres wichtiges Kautschuk produzierendes Land war damals der Kongo-Freistaat unter der Herrschaft von _Der_Kongo-Freistaat, der mit verbrecherischen Methoden die Einheimischen zur Produktion zwang. Mit diesen Plantagen außerhalb Brasiliens konnte der Preis gedrückt werden und der Kautschukboom in Amazonien kam zu einem Ende. Zwar führte der große Bedarf während des Ersten Weltkrieges noch einmal zu einem Aufschwung, doch das war nicht von Dauer.
Neben den Brasilianern litten auch die Briten unter dem niedrigen Preis, weshalb sie 1920 den Stevenson Plan (en:Stevenson Plan) erdachten, ein Kautschuk-Kartell das vornehmlich zu Lasten des größten Verbrauchers, der USA, ging. Zu dieser Zeit entstand der Plan von Henry Ford Kautschuk selbst in Brasilien anzubauen. Im heutigen Fordlândia, in der Gemeinde Aveiro, beschäftigte Ford in den zwanziger Jahren bis zu 5000 Arbeiter, aber wegen verschiedener Schwierigkeiten, beispielsweise starkem Befall durch den in Brasilien vorkommenden Pilz Microcyclus ulei, misslang das Projekt. "Ford's Obsession to Rubber. An Emperical Study of Irrational Decision 1934 gab es einen weiteren Versuch den Preis von Kautschuk zu stabilisieren. (en:International Rubber Regulation Agreement)
Auch während des Zweiten Weltkrieg wurde Kautschuk knapp. Diesmal nicht nur für die europäischen Achsenmächte sondern auch für die Alliierten, da die asiatischen Plantagen durch Japan erobert worden waren.
In Deutschland produzierte IG Farben ab 1935 in den Buna-Werken Styrol-Butadien-Kautschuk. Als Rohstoff diente beispielsweise in Schkopau Braunkohle und aus dem benachbarten Leunawerk stammte der notwendige Wasserstoff.
Ab 1940 lagerte die staatliche US-amerikanische Rubber Reserve Company Naturkautschuk ein, da die USA einen Lieferstopp bei einem Angriff Japans in Asien befürchtete. Als dieser dann auch eintraf, begann die USA ab 1941 15 staatlich finanzierte Fabriken für Buna-Kautschuk aufzubauen. Die Patente für Buna lagen bei der Standard Oil of New Jersey, welche sich aufgrund eines Abkommens mit der IG Farben weigerte, die Buna-Patente für den amerikanischen Markt freizugeben, worauf eine Untersuchungskommission der Firma einer „fortgesetzten Verschwörung zugunsten Deutschlands“ bezichtigte und Harry S. Truman auf einer Pressekonferenz von „Verrat“ sprach. Der amerikanische Kongress beschloss die Freigabe der Buna-Patente für Amerika. Im Jahr 1943 übertraf die US-Produktion von 185.175 Tonnen „Government Rubber“ erstmals die deutsche Produktion von 110.569 Tonnen und konnte bis zum Kriegsende noch auf über 730.000 Tonnen gesteigert werden. Jochen Streb, Die Entwicklung der Synthesekautschukindustrie in Deutschland und den USA vor und während des Zweiten Weltkriegs
Es gab Versuche, andere Kautschuk liefernde Pflanzen zu nutzen. Während des Russlandfeldzuges erbeutete die Wehrmacht russisches Forschungsmaterial über die Verwendung von Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz Rodin) zur Kautschukproduktion. Löwenzahnanbau zur Produktion von Kautschuk Es gab deutsche Pläne 1944 auf 120.000 Hektar in Osteuropa Löwenzahn anzubauen, da dieser zwischen 6 % und 10 % Kautschuk Nutzpflanzendatenbank Löwenzahn in den Wurzeln enthielt, was aber wegen des Kriegsverlaufes unmöglich wurde. In der USA wurde Guayule (Parthenium argentatum) während des zweiten Weltkrieges als Ersatzpflanze untersucht. Nutzpflanzendatenbank Guayule Auch hier ist Kautschuk vornehmlich in den Wurzeln konzentriert, mit einem Anteil von 7 % bis 10 %.
Der erste wirtschaftlich nutzbare synthetische Kautschuk war Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), ein 1929 von Walter Bock entwickeltes Emulsionspolymerisat von 1,3-Butadien und Styrol. 1930 entwickelten Erich Konrad und Eduard Tschunkur Butadien-Acrylnitril-Kautschuk (NBR) und in der USA entstand bei DuPont Chloropren-Kautschuk (CR), welches heute als Neopren verkauft wird. In der USA entstanden 1942 Siliconkautschuk und 1948 Fluorkautschuk. In den folgenden Jahren wurden immer mehr auf spezielle Bedürfnisse abgestimmte synthetische Kautschuke entwickelt.
Naturkautschuk kann in Brasilien weiterhin nur aufwändig als Sammlerprodukt gewonnen werden (Extraktivismus). Diese ökologisch einwandfreie, nachhaltige Bewirtschaftung bietet vielen Einheimischen eine selbständige, auskömmliche Existenz. (siehe auch: Chico Mendes)
Naturkautschuk kann auch als festes Material verkauft werden. Dazu koaguliert man die Flüssigkeit (zur Gerinnung bringen). Dann wird das feuchte Material auf verschiedene Weisen gewaschen, getrocknet und in Form gebracht. Einige traditionelle Handelssorten sind: „smoked sheets“ (im Rauch getrocknet), „air dried sheets“ (rauchfrei getrocknet), „pale crepes“ (gewaschen) und „brown crepes“ (ungewaschen).
Nach dem Trennen in etwa 1 Meter lange „sheets“ oder „crepes“, werden diese getrocknet, nach Qualität sortiert und als Ballen von etwa 100 kg verkauft.
Heute kommt Naturkautschuk, das nach national standardisierten Verfahren hergestellt wurde, am häufigsten vor. Diese Verfahren sind beispielsweise: Thai Tested Rubber (TTR), Standard Indonesian Rubber (SIR) oder Standard Malaysian Rubber (SMR).
Auch in Form eines Pulvers kann Naturkautschuk in den Verkauf gebracht werden
Die fünf wichtigsten Produzentenländer von Naturkautschuk sind heute Thailand, Indonesien, Malaysia, Indien und die Volksrepublik China. Die größten afrikanischen Produzenten sind: Elfenbeinküste, Nigeria und Liberia. Die Weltproduktion beläuft sich auf jährlich 7,6 Mio. t (Trockengewicht, 2003), wovon 80 % exportiert werden. Hauptabnehmer sind die USA, Japan, China, Deutschland und Frankreich.
- | Rang | Land | Produktion (in Tsd. t) | Rang | Land | Produktion (in Tsd. t) | KarteNaturkautschukerzeugung.png | - bgcolor=#EEEEEE | 1 | Thailand | 3030 | 10 | Brasilien | 96 | - bgcolor=#EEEEEE | 2 | Indonesien | 1792 | 11 | Sri Lanka | 92 | - bgcolor=#EEEEEE | 3 | Malaysia | 1000 | 12 | Philippinen | 88 | - bgcolor=#EEEEEE | 4 | Indien | 694 | 13 | Guatemala | 50 | - bgcolor=#EEEEEE | 5 | China | 550 | 14 | Kambodscha | 46 | - bgcolor=#EEEEEE | 6 | Vietnam | 391 | 15 | Kamerun | 46 | - bgcolor=#EEEEEE | 7 | Elfenbeinküste | 123 | 16 | Myanmar | 36 | - bgcolor=#EEEEEE | 8 | Nigeria | 112 | 17 | Mexiko | 23 | - bgcolor=#EEEEEE | 9 | Liberia | 108 | - bgcolor=#EEEEEE |
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Gegen Naturkautsch kann es zu einer Allergie kommen, der sogenannten „Latex-Allergie“. Obwohl diese relativ weit verbreitetet ist, ist die genaue Prävalenz nicht bekannt; Der geschätzte Wert liegt bei 3-20 %. Bekannt ist allerdings, dass Personen, die oft in Kontakt mit Naturkautschuk kommen eine Risikogruppe darstellen, welche signifikant häufiger unter dieser Allergie leiden. Dies sind Ärzte, OP-Schwestern, Pfleger, aber auch Kinder, die häufig operiert werden müssen. Verwendet man stattdessen reinen, synthetischen Kautschuk, dann ist dies problemlos möglich. Allerdings ist in manchen Kunststoffen Naturlatex ohne Kennzeichnung enthalten, was speziell bei Patienten mit dieser Allergie sehr problematisch sein kann. Latex-Allergie-Informations-Vereinigung
Heute wird Kautschuk hauptsächlich synthetisch durch Polymerisation hergestellt. Es entsteht meist aus Styrol und Butadien, andere Rohstoffbasen sind Styrolacrylat, Reinacrylat, Vinylacetat.
Die Polymerenketten sind üblicherweise aus Kohlenwasserstoffen aufgebaut. Ketten auf der Basis von Silikonen oder anderer Verbindungen sind ebenfalls möglich.
Unvulkanisierter Kautschuk ist viskoelastisch, das heißt, nach dem Anlegen einer äußeren Kraft dehnt sich der Werkstoff langsam bis auf seine Enddehnung und geht nach dem Abschalten der Kraft nicht vollständig in seine ursprüngliche Form zurück. Nach der Vulkanisation zeigt Kautschuk zwei wichtige Elastizitätsbereiche: Bei hohen Temperaturen ist der Werkstoff nach wie vor viskoelastisch, während er bei tiefen Temperaturen ein elastisches Verhalten zeigt. Wenn allerdings die Glasübergangstemperatur unterschritten wird, wird Kautschuk hart und spröde.
Vulkanisierter Naturkautschuk ist besonders elastisch (auch bei kalten Temperaturen) und zugfest.
Sowohl Naturkautschuk als auch synthetischer Kautschuk wird vulkanisiert.
Kautschuk kann zu Porengummi, auch als Moosgummi bezeichnet, weiterverarbeitet werden, bei dem der elastische Schaumstoff Porenstruktur von völlig geschlossen bis völlig geöffnet haben kann. Auf diese Art können nicht nur Material und damit Kosten eingespart werden, sondern zusätzlich auch gewisse mechanische Eigenschaften des Profils wie z.B. die Härte verändert werden.
Zwischen 65 % und 70 % des gesamten Kautschuks geht in die Produktion von Autoreifen.
Naturkautschuk kann als alleiniges Polymer oder in Mischungen mit Synthesekautschuken verwendet werden. Nachteilig ist, dass bei Kontakt mit Sonnenlicht bzw. mit UV-Licht oder mit Fetten sich Naturkautschuk auflösen kann.
Die Hauptanwendungsgebiete sind Binder für die Papierstreicherei, die Teppichrückenbeschichtung sowie Tauchartikel wie z. B. dünne Handschuhe.
In aufgeschäumter Form wird Latex für Matratzen und Schwämme verwendet. Auch für PET Flaschen, aber auch in sehr dünnen Filmen für Kondome, Handschuhe oder Luftballons und in dickeren Filmen für die Herstellung von Abgussformen, LKW- und PKW-Reifen, Motorlagern, sowie diversen Gummi/Metall-Verbindungen.
Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall sind Dichtungsprofile aus Kautschuk. Aufgrund der günstigen Witterungseigenschaften wird hierfür hauptsächlich EPDM verwendet. Die Dichtungssysteme werden durch Extrusion hergestellt und oft in angeschlossenen Veredelungsverfahren beflockt, kaschiert und/oder lackiert.
Kleidungsstücke und andere Artikel aus Latex, bzw. Gummi oder ähnlichen Kunststoffen reizen die Haut und andere Sinne (Geruch, Optik) auf eine besondere Art (Wärme - Kälte, Feuchtigkeit, Betonung der Körperformen) und dienen somit dem Gummifetischismus.
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