Der Begriff Kaufkraftparität wird verwendet:
Sie stammt ursprünglich aus der monetären Außenwirtschaftstheorie. Es wird dabei berechnet, wie viele Einheiten der jeweiligen Währung notwendig sind, um den gleichen repräsentativen Waren- und Dienstleistungskorb zu kaufen, den man für 1 US-Dollar in den USA erhalten könnte. Kurzfristig kann der Wechselkurs von der Kaufkraftparität abweichen, langfristig sollte er aber um diesen Wert schwanken.
Als Wegbereiter dieser Interpretation der Kaufkraftparitätentheorie gilt Gustav Cassel, wenngleich Ansätze zu ihr sich schon im 17. Jahrhundert finden. Ausgehend von dieser Interpretation und der Zinsparitätentheorie entwickelte Rudiger Dornbusch die monetäre Wechselkurstheorie.
Kaufkraftparität (monetäre Theorie) und Allgemeine Gleichgewichtstheorie (realwirtschaftliche Theorie):
Die Kaufkraftparität lässt sich aus dem Standardmodell der allgemeinen Gleichgewichtstheorie herleiten, mit dem üblicherweise das Theorem der komparativen Kostenvorteile dargestellt wird. Dieses Zwei-Länder-zwei-Güter-zwei-Faktorenmodell wird lediglich um die Quantitätsgleichung ergänzt und ermöglicht so die Herleitung der Geldpreise. Mit diesem erweiterten Modell lässt sich zeigen, dass das Theorem der komparativen Vorteile und die Kaufkraftparität die beiden Seiten einer Medaille sind bzw. die Monetäre Zahlungsbilanztheorie das Theorem der komparativen Vorteile bei festen Wechselkursen widerspiegelt.
Herleitung:
Quantitätsgleichung:
M = Px*X + Py*Y
(M = Geldmenge, Px = Preis des Gutes X, X = Gut X, Py = Preis des Gutes Y, Y = Gut Y; Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wurde auf eins normiert!)
Bedingung für ein Tauschoptimum (Grenzrate der Substitution entspricht dem reziproken Güterpreisverhältnis):
-dY/dX = Px/Py
Die Bedingung für ein Tauschoptimum in die Quantitätsgleichung eingesetzt ergibt für
Px: Px = M /(X-(dX/dY)Y, und für
Py: Py = M /(Y-(dY/dX)X)
Führt man auf diese Weise Geldpreise in das Zwei-Länder-zwei-Gütermodell ein und vernachlässigt den internationalen Kapitalverkehr, dann herrscht immer Kaufkraftparität! Es gilt also:
PxA = E*PxB
(PxA = Preis des Gutes X im Land A, E = Wechselkurs, PyB = Preis des Gutes X im Land B)
Literatur: Gerhold, R., Die Kaufkraftparität als Verbindungsglied zwischen der realen und monetären Außenwirtschaftstheorie, Metropolis, Marburg 1999.
Für internationale Einkommensvergleiche ermitteln internationale Organisationen (z.B. Weltbank, EUROSTAT) solche Kaufkraftparitäten empirisch, um Verzerrungen durch Wechselkursschwankungen zu eliminieren.
Da viele Entwicklungsländer (nach der Kaufkraftparitätentheorie) unterbewertete Währungen aufweisen, stellt sich ihr Pro-Kopf-Einkommen in (USD-) Kaufkraftparitäten zumeist höher dar als mit offiziellen Wechselkursen umgerechnet.
Ein populäres Beispiel für Kaufkraftparitäten auf einer alternativen Basis ist der von der Zeitschrift The Economist regelmäßig veröffentliche sogenannte Big-Mac-Index. Dabei wird ermittelt, wieviel ein Big Mac in einem McDonalds-Restaurant in den verschiedenen Ländern der Welt kostet. Diese Preise werden zur Grundlage einer Währungsumrechnung gemacht.
Ähnlich ist der IPod-Index. Hierbei wird der Verkaufspreis des von der Firma Apple produzierten IPods in verschiedenen Ländern verglichen.
Ein Hauptunterschied zwischen beiden Indizes liegt darin, dass IPods ein über Landesgrenzen handelbares Gut darstellen, während mit Big Macs kein internationaler Handel betrieben wird.
Bruttoinlandsprodukte ausgewählter Staaten von 1997 (nach Fischer Weltalmanach 2000):
| Land | BIP/Kopf (in USD) | BIP/Kopf (in PPP-$) | Relation |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 43060 | 26580 | 0,62 |
| Norwegen | 36100 | 24260 | 0,67 |
| USA | 29080 | 29080 | 1 |
| Deutschland | 28280 | 21170 | 0,75 |
| Großbritannien | 20870 | 20710 | 0,99 |
| Portugal | 11010 | 14180 | 1,29 |
| Saudi Arabien | 7150 | 10540 | 1,47 |
| Brasilien | 4790 | 6350 | 1,32 |
| Polen | 3590 | 6510 | 1,81 |
| China | 860 | 3070 | 3,57 |
| Indien | 370 | 1660 | 4,49 |
| Nigeria | 280 | 860 | 3,07 |
| Sierra Leone | 160 | 410 | 2,56 |
1997 mussten für einen US-Dollar etwa 1,43 Schweizer-Franken bezahlt werden.
1,43 geteilt durch 0,62 ergibt 2,30
Die Kaufkraftparität (PPP) zwischen Dollar und Franken betrug demnach 2,30
Paritat de poder adquisitiu | Parita kupní síly | Paredd gallu prynu | Purchasing power parity | Paridad de poder adquisitivo | Parité de pouvoir d'achat | Keseimbangan kemampuan berbelanja | Kaupmáttarjöfnuður | 購買力平価説 | 구매력평가 | Pirktspējas paritāte | Koopkrachtpariteit | Paridade do poder de compra | Paritatea puterii de cumpărare | Паритет покупательной способности | Parita kúpnej sily | Köpkraftsparitet | ความเท่าเทียมกันของอำนาจซื้อ | Sức mua tương đương | 购买力平价
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