Der Begriff Kathedersozialismus ist ein politisches Schlagwort vgl. dazu jüngst die Verwendung des Begriffs bei Gerd Habermann: Milde, künstlich, illusorisch. Polemisches Soziallexikon, in: Die Welt, 22. Juli 2005, mit dem im 19. Jahrhundert eine Gruppe von Nationalökonomen belegt wurde, die sich um eine Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiter bemühten.Kathedersozialismus, in: Lexikon Sociologicus, Projekt "Sozialwissenschaftliches Grundwissen im Web" an der Fachhochschule Nordostniedersachsen
Der durch Heinrich Bernhard Oppenheim 1871 geprägte Begriff Heinrich Bernhard Oppenheim: Kathedersozialismus, Berlin 1872 ist irreführend, da die Angehörigen dieser so bezeichneten Strömung keine Vertreter des Sozialismus waren, sondern Anhänger der staatlichen Ordnung, die die Idee des Privateigentums nicht antasten wollten.Alexander Gallus / Eckhard Jesse: Was sind Dritte Wege? Eine vergleichende Bestandsaufnahme, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 16-17/2001, S. 6-15, hier: S.9 Allerdings hielten sie die Widersprüche zwischen Bürgern und Arbeitern durch soziale Reformen für überwindbar. Der Gruppe zugeordnet wurden Wissenschaftler wie Gustav von Schmoller, Hans DelbrückHans Delbrück, in: Lebendiges virtuelles Museum Online, Deutsches Historisches Museum, Berlin., Lujo Brentano und Werner Sombart Werner Krause: Werner Sombarts Weg vom Kathedersozialismus zum Faschismus, Rütten & Loening, Berlin 1962.
Vertreter dieser Richtung, wie Schmoller, von Schönberg, Held und Nasse gründeten 1872 den Verein für Socialpolitik sowie 1901 die Gesellschaft für Soziale Reform. Sie unterstützten die Maßnahmen Otto von Bismarcks zur Einführung von Sozialversicherungen. Gleichzeitig bemühten sie sich um Einfluss auf die Anhänger des Reformismus, die innerhalb der SPD für eine Umgestaltung des Staates durch Reformen statt durch Revolution eintraten.
Friedrich Engels kritisierte die Vertreter als "leicht philanthropische Vulgärökonomen" und "bloße(r) Apologeten des Bismarckschen Staatssozialismus"Karl Marx und Friedrich Engels, „Werke“, Bd. XXVII, S.499 (deutsch in „Ausgewählte Briefe“, S. 465) (zitiert nach *). In der heutigen Diskussion um einen Dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus werden sie in die Reihe der frühen Vordenker eingeordnet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galten die Anschauungen der Kathedersozialisten als Allgemeingut der deutschen Nationalökonomen. Bekämpft wurden diese allerdings von Julius Wolf in dessen Zeitschrift für Socialwissenschaft (Berlin, seit 1898).
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"Kathedersozialismus".
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