Katharina von Medici (* 13. April 1519 in Florenz; † 5. Januar 1589 in Blois) – mit vollständigem Geburtsnamen Caterina Maria Romula de Medici - war durch Heirat mit Heinrich II. ab 1547 Königin von Frankreich. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen drei als Säuglinge starben. Die drei letzten französischen Valois-Könige Franz II. 1559-1560, Karl IX. 1560-1575, Heinrich III. 1575-1589 waren Söhne der Katharina von Medici.
Ihre älteste Tochter Elisabeth war mit dem spanischen König Philipp II verheiratet und ihre jüngste überlebende Tochter Margarete heiratete den Protestanten Heinrich von Navarra, den späteren König Heinrich IV.. Während der Hochzeitsfeiern im August 1572 fand ein Massaker an protestantischen Adeligen statt, das in der Geschichtsschreibung als Bartholomäusnacht bezeichnet wird und für das damals (und oft noch heute) die als Ausländerin diffamierte Katharina von Medici verantwortlich gemacht wird. Tatsächlich versuchte Katharina mehrfach durch oft zähe Verhandlungsrunden mit dem militarisierten französischen Adel das Ausmaß der französischen Bürgerkriege zu begrenzen.
Nur ihre Tochter Margarete – Margot in französischer Schreibweise – erbte die robuste physische Konstitution ihrer Mutter. Ihre übrigen Kinder waren während ihres gesamten Lebens anfällig für Infektionen und zeigten im erwachsenen Alter gelegentlich Anzeichen geistiger Verwirrtheit. Eine Reihe Historiker sehen darin Anzeichen einer vererbten Syphilis. Die instabile Gesundheit insbesondere ihrer Söhne sorgte dafür, dass Katharina von Medici während eines großen Teils ihres Lebens eine zentrale Rolle in der Regierung Frankreichs wahrnehmen musste. Da keine ihrer Söhne einen legitimen männlichen Nachkommen hatte, fiel die französische Krone 1589 an den Führer der französischen Protestanten, Heinrich von Navarra aus der Nebenlinie der Bourbonen, der als König Heinrich IV. von 1589 bis 1610 regierte und der die Krone durch Konversion zum Katholizismus gewinnen konnte.
Katharina von Medici entstammte der florentinischen Familie der Medici, die Florenz von 1434 bis 1737 bis auf zwei Unterbrechungen in den Jahren 1494-1512 und 1527-1530 beherrschte. Sie wurde in Florenz als Tochter von Lorenzo II. de Medici (1492-1519) und der französischen Bourbonen-Prinzessin Madeleine de la Tour d'Auvergne am 13. April 1519 geboren. Die Ehe zwischen der französischen Hochadeligen und dem Abkömmling einer italienischen Familie, die von vielen in Frankreich lediglich als reiche Kaufmannsfamilie angesehen wurde, war auf Betreiben des französischen Königs Franz I. und dem der Medici-Familie angehörenden Papst Leo X., einem Onkel von Lorenzo II., zu Stande gekommen. Franz I. beanspruchte mehrere italienische Fürstentümer, darunter unter anderem das italienische Herzogtum Mailand, benötigte aber einen starken Verbündeten, um diese Ansprüche durchsetzen zu können. Die Ehe sollte die Allianz mit dem Papst festigen.
Franz I. wünschte, dass die Waise – dank ihrer Mutter eine sehr wohlhabende Erbin - am französischen Hof aufwachsen sollte. Leo X. folgte diesem Wunsch jedoch nicht, sondern ließ das Kleinkind von Florenz nach Rom bringen, ernannte sie zur Herzogin von Urbino und plante, sie später mit dem Sohn des gleichfalls früh verstorbenen Giuliano de Medici, Ippolito de Medici, zu verheiraten. Leo X. starb jedoch bereits am 1. Dezember 1521. In dem Konklave, das seinem Tod folgte, wurde überraschend Hadrian VI. zum neuen Papst gewählt. Kardinal Gulio de Medici, ein weiteres Familienmitglied der Medici, der bis zu diesem Zeitpunkt großen Einfluss im Vatikan hatte und sich Chancen auf die Papstnachfolge errechnet hatte, zog sich daraufhin nach Florenz zurück. Katharina von Medici wurde in seinem Gefolge in ihre Geburtsstadt zurückgebracht.
Papst Hadrian VI. starb nach knapp zweijähriger Amtszeit. Am 19. November 1523, knapp zwei Monate nach Hadrian VI. Tod, wurde Gulio de Medici zum neuen Papst gewählt. Als Papst Clemens VII. regierte er bis zum Jahre 1534. Katharina von Medici war damit nicht nur aufgrund des Erbes ihrer Mutter eines der reichsten Mädchen Europas, sondern auch aufgrund ihrer Verwandtschaft zum Papst, der ein Bruder ihres Urgroßvaters war, eine interessante Heiratskandidatin für europäische Fürstenhöfe. Clemens VII. ließ sie in einem der Medici-Paläste in Florenz unter Obhut ihrer Tante Clarice Strozzi aufziehen.
Die Niederlage, die Clemens VII. in Rom erlitt, führte auch zu Unruhen in Florenz und zu einem republikanischen Intermezzo in der Stadt, die bislang unter Einfluss der Familie Medici stand. Die achtjährige Katharina von Medici, nun eine wertvolle Geisel der Republik Florenz, wurde zuerst im Konvent Santa Lucia und dann im Konvent Santa Caterina de Siena gefangen gehalten. Auf Intervention des französischen Botschafters, der ihre Lebensumstände im Konvent Santa Caterina de Siena unwürdig empfand, wurde Katharina am 7. Dezember 1527 in den vornehmen Konvent Santa Maria Annunziata della Murate gebracht. In dem Konvent, eigentlich vor allem ein Rückzugsort für verwitwete und wohlhabende adlige Damen, wurden auch junge Mädchen aus adeligen Häusern erzogen. Der Konvent war in der Vergangenheit immer wieder finanziell von der Medici-Familie unterstütz worden und die Äbtissin war Taufpatin der Katharina von Medici. Das Mädchen wurde entsprechend freundlich aufgenommen und bekam eine große und komfortabel eingerichtete Klosterzelle zugewiesen. Sie blieb dort die nächsten drei Jahre. Ihre Biographin Leonie Frieda führt ihre guten Umgangsformen, ihr sicheres und einnehmendes Auftreten und ihre Vertrautheit mit den Riten und Traditionen der katholischen Kirche auf diese drei Jahre im Konvent zurück. Welche formelle Erziehung Katharina von Medici genoss, ist weitgehend unbekannt. Gesichert ist nur, dass sie Griechisch, Latein und Französisch lernte und dass sie sich für Mathematik interessierte.
Am 29. Juni 1529 unterzeichneten Clemens VII. und Karl V. einen Friedensvertrag. Clemens versprach Karl V. die Krönung zum Kaiser. Karl V. wollte Clemens im Gegenzug dafür unterstützen, die Medici in Florenz wieder an die Macht zu bringen. Clemens illegitimer Sohn Alessandro de Medici sollte außerdem mit Karls illegitimer Tochter Margarete von Österreich verheiratet werden. Bereits im Oktober 1529 begann die Belagerung der Stadt Florenz durch kaiserliche Truppen, um die Medici-Familie dort wieder an die Macht zu bringen. Während Pest und Hungersnot in der belagerten Stadt Opfer forderten, wurde innerhalb der Regierung Florenz auch diskutiert, was mit der nun elfjährigen Katharina von Medici geschehen sollte. Zu den ernsthaft diskutierten Vorschlägen gehörte es, sie nackt in einem Korb von den Stadtmauern herabzulassen, damit sie im Kanonenfeuer der kaiserlichen Truppen umkäme. Erwogen wurde auch, sie als Prostituierte in einem der Bordelle arbeiten zu lassen, um damit alle weiteren Heiratspläne zu nichte zu machen, die Clement für sie hegen könnte. Entschieden wurde jedoch lediglich, sie wieder im Konvent Santa Lucia unterzubringen, wo man sie sicherer verwahrt glaubte. Als eine kleine republikanische Truppe am 20. Juli 1530 kam, um Katharina von Medici aus dem Konvent Maria Annunziata della Murate abzuholen, war das junge Mädchen überzeugt, dass man sie zu ihrer Exekution führen wolle. In Vorbereitung darauf hatte sie sich die Haare geschoren und ein Nonnengewand angelegt. Auf einem Esel reitend wurde sie unter Schmährufen und Drohungen der hungernden florentinischen Bevölkerung durch die engen Straßen ins Konvent Santa Lucia überführt.
Währenddessen schmiedete Clemens VII. in Rom Heiratspläne für Katharina von Medici. Ippolito de Medici, den Papst Leo X. einst als Ehemann der Katharina von Medici vorgesehen hatte, war von Clemens VII. zum Kardinal ernannt worden und befand sich seit 1532 als päpstlicher Legat in Ungarn. Um Katharinas Hand hatten sich bereits mehrere italienische Fürsten beworben; als Heiratskandidat war auch der uneheliche Sohn von Heinrich VIII., der Herzog von Richmond, diskutiert worden. Auch der schottische König Jakob V. wurde erwogen. Kaiser Karl V. wünschte sich eine Heirat zwischen Katharina und Francesco II. Sforza, dem Herzog von Mailand. Für Clemens VII. hätte das nach der Heirat ihrer beiden unehelichen Kindern eine sehr enge Bindung an den Kaiser bedeutet. Gelegener war ihm daher der bereits 1531 unterbreitete Vorschlag des französischen Königs Franz I., seinen zweitgeborenen Sohn Heinrich, den Herzog von Orleans, mit Katharina zu verheiraten. Noch lebte dessen älterer Bruder, der der französische Thronfolger war; andernfalls wäre es nicht zu Heiratsüberlegungen mit einer „italienischen Krämerstochter“ gekommen, unabhängig davon wie reichhaltig auch die Mitgift und das Erbe der Katharina von Medici war.
Franz I. wünschte, dass seine präsumptive Schwiegertochter die Zeit bis zur Hochzeit am französischen Hof verbringen sollte. Clemens VII. ließ das jedoch nicht zu; er fürchtete den Zorn Karl V., der mit Franz I. um die Vorherrschaft in Italien stritt und den die Hochzeit der Medici-Tochter eine Niederlage in diesem Kampf darstellte. Um Karl V. zu täuschen, setzte der Papst sogar seine Verhandlung mit dem Herzog von Mailand über eine Hochzeit mit Katharina von Medici fort. Karl V. erreichten zwar Gerüchte, dass eine Heirat mit dem französischen Königshaus bevorstand, hielt diese aber angesichts der Abstammung von Katharina de Medici für unvorstellbar.
Die Hochzeit zwischen Heinrich von Orléans und Katharina von Medici fand im Oktober 1533 in Nizza statt. Katharina war erst 14 Jahre alt; ihr Bräutigam nur 14 Tage älter als sie. Clemens VII. ließ seine junge Verwandte überreich ausstatten: Er beauftragte Isabelle d’Este, die berühmt für ihren Geschmack war, die Kleider auszuwählen, die Katharina von Medici mit an den französischen Königshof nehmen sollte. Umfangreich war auch der Schmuck, den er seiner Verwandten mitgab. Gerühmt wurde besonders ein großes Paar Ohrringe aus ungewöhnlich großen, birnenförmigen Perlen. Katharina schenkte sie später ihrer Schwiegertochter Maria Stuart, die es nach ihrer Verwitwung nach Schottland mit zurücknahm. Nach ihrer Hinrichtung trug Elisabeth I. diese Ohrringe.
Eine Flotte von mehr als vierzig Schiffen brachte Katharina von Medici nach Marseille. Begleitet wurde sie nicht nur von Papst Clemens VII, 13 Kardinälen sondern auch einer großen Schar Bischöfe und Mitgliedern des päpstlichen Hofes. In Marseille hatte man einen Palast aus Holz errichtet, um Katharina von Medici und ihre Begleiter zu empfangen. Der französische König Franz I., der Bräutigam Heinrich von Orléans und das französische Gefolge wohnte im Palast des Comtes des Provence am Place Neuve. Eine große Kammer war zwischen dem Palast des Comte des Provence und dem Holzpalast für die italienische Hochzeitsgesellschaft errichtet worden, um Begegnungen zwischen dem Papst und dem französischen König unbeobachtet von Außenseitern zu ermöglichen.
Am 12. Oktober 1533, einem Sonntag, zog zuerst Clemens VII. feierlich in die Stadt ein. Am 13. Oktober erfolgte der Einzug von König Franz I. und seinem zweitgeborenen Sohn. Ihn begleiteten 200 Soldaten, 300 Bogenschützen und die in Samt gekleidete Schweizer Leibwache des französischen Königs. Zehn Tage lang verhandelten sie die letzten Details des Heiratsvertrages, der Franz I. vor allem territoriale Ansprüche in Italien zusicherte. Von diesen Verhandlungen ist eine handschriftliche Notiz erhalten geblieben, die unter anderem festhält, dass päpstliche und französische Truppen Mailand zurück erobern wollten und Heinrich von Orléans dort zukünftig herrschen sollte. Parma und Piacenza sollte durch den Papst unter französische Herrschaft gestellt werden und Urbino zurückerobert werden.
Am 23. Oktober, nachdem die Verhandlungen zwischen dem Papst und dem französischen König abgeschlossen waren, hielt auch endlich die Braut Einzug in Marseille. Am 27. Oktober wurde der Heiratsvertrag unterzeichnet und am 28. Oktober fand die kirchliche Trauung statt. Nach einem Maskenball wurden die beiden vierzehnjährigen in die Hochzeitkammer geführt. Clemens segnete das Paar am nächsten Morgen und war erfreut darüber, dass er die beiden noch im Bett vorfand.
Katharina von Medici wäre am französischen Hof weitgehend isoliert gewesen, hätte sie sich nicht einen Platz in der engeren Gesellschaft rund um ihren Schwiegervater erobert. Sie war zwar mit ihren etwas vorstehenden Augen und ihrer zur Fülligkeit neigenden Gestalt nicht hübsch, aber gesellschaftlich gewandt, eine geübte und beherzte Reiterin, eine gewitzte und einnehmende Gesprächspartnerin und bereit, bei den mitunter rauen Scherzen, die der französische König schätzte, mitzumachen. Mit dem Damensattel, den sie in Frankreich populär machte, war sie in der Lage, bei den Treibjagden zu Pferd mitzuhalten und erwarb sich auch damit die Wertschätzung ihres königlichen Schwiegervaters. Politisch war sie klug genug, der Mätresse des Königs, der Herzogin D’Etampes mit größtem Respekt zu begegnen und eine freundliche Beziehung zu ihr aufzubauen. In ähnlicher Weise wusste sie sich bei Marguarite von Navarra, der Schwester des Königs, beliebt zu machen. Ihren Mann dagegen konnte sie nicht erobern - Seine Verbindung zu Diana von Poitiers wurde immer enger und er reagierte mit Missfallen auf die enge Beziehung zwischen seiner Ehefrau und der königlichen Mätresse, die mit seiner Geliebten um Einfluss am französischen Königshof kämpfte.
Am Morgen des 10. August 1536 starb der französische Thronfolger unerwartet nach kurzer, heftiger Krankheit. Katharinas Ehemann Heinrich war nun der neue Anwärter auf die französische Königskrone. Die Situation für Katharina verschlechterte sich dadurch; sie war bereits seit drei Jahren mit Heinrich verheiratet und bislang hatte sich nicht das geringste Anzeichen einer Schwangerschaft eingestellt. Nachdem Heinrich 1538 auch noch Vater einer unehelichen Tochter wurde, vermuteten alle am französischen Königshof bei ihr die Ursache dafür, dass bislang Kinder ausgeblieben waren. Zunehmend wurden Überlegungen laut, die Ehe aufgrund der Kinderlosigkeit zu scheiden. Katharina_von_Medici_Familie.jpg
Ausgerechnet Diana de Portiers, die Mätresse Heinrichs, gehörte zu den Parteigängern am französischen Königshof, die sich für eine Fortsetzung der Ehe einsetzte. Eine neue, junge Braut hätte möglicherweise ihre Position unterminiert. Heinrich, der zu seinem Vater ein distanziertes Verhältnis hatte, überzeugte sie von einer Fortsetzung der Ehe mit dem Hinweis, dass es vor allem die Parteigänger seines Vaters waren, die sich für eine Scheidung einsetzten. Die letztendliche Entscheidung über eine Scheidung lag jedoch bei Franz I.:
Die öffentliche Demütigung, der Katharina sich vor den Augen des französischen Königshofes unterwarf, rührte den französischen König dermaßen, dass er mit dem Hinweis, dass es Gottes Wille sei, dass sie seine Schwiegertochter und die Ehefrau Heinrichs sei, sich für eine Fortsetzung der Ehe aussprach. Die Erklärung des Königs stärkte Katharinas Position am Hofe. Margarethe von Navarra, die Schwester des Königs, erinnerte ihren Neffen mehrmals in Briefen an die Qualitäten seiner Ehefrau. Diane de Portiers sendete Katharina Medikamente, die ihre Empfängnisbereitschaft erhöhen sollte und sorgte dafür, dass Heinrich regelmäßig Geschlechtsverkehr mit seiner jungen Frau hatte. Katharina von Medici unterzog sich gleichzeitig allen möglichen medizinischen Prozeduren, um endlich schwanger zu werden. Trotzdem dauerte es bis 1543, bis eine Schwangerschaft festgestellt wurde. Am 19. Januar gebar sie in Anwesenheit des französischen Königs endlich ihren ersten Sohn, der nach ihrem Schwiegervater Franz genannt wurde. In den nächsten 12 Jahren folgten neun weitere Kinder, von denen sechs ihre Kindheit überlebten.
Auch durch die vielen Schwangerschaften war Katharina von Medici schon früh matronenhaft. Heinrich II. stand unter starkem Einfluss seiner Mätresse, Diana von Poitiers (1499-1566). Katharina von Medici konnte sich mit dieser Situation arrangieren. Als Heinrich II. 1559 überraschend starb, war Katharina in Regierungsgeschäften völlig unerfahren.
Katharina von Medici starb im königlichen Schloss von Blois. Sie wurde in der Basilika Saint-Denis bestattet. Während der Wirren der Französischen Revolution wurde ihr Grab (wie andere Königsgräber auch) geschändet.
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