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Unter Kategorien (griech. kategoria eigentlich Anklage, später Eigenschaft oder Prädikat) versteht man im logischen Verständnis Grundbegriffe, innerhalb der Ontologie und Metaphysik Grundmerkmale des Seienden. Da das Verb kategorein ins Lateinische übersetzt praedicare lautet, heißen Kategorien gerade auch im Mittelalter Prädikamente.

Grundproblem der Ontologie bei Platon


Das Grundproblem der Kategorien ist das der Ordnung und der Hierarchie des Seienden. Ausgelöst aus dem parmenidischen und heraklitischen Denken steht bei Platon die Frage nach dem, was das Seiende ist, im Vordergrund. Über den Versuch, uns über unsere eigenen Erklärungsmodelle über die uns umgebende Welt Rechenschaft zu geben, sind die Dialoge Platons Zeugnis für die letztlich große Aporie unseres eigenen Seins: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Konsequent befragt stellen wir fest, dass die wenig reflektierten alltäglichen Erklärungen über die Welt nicht zu halten sind. Da wir aber trotz aller Aporie über die letzten Fragen, trotzdem Erkenntnis über Sachverhalte und Dinge erlangen können, stellt sich in den Dialogen Platons Sokrates die Frage nach den Strukturen unserer Erkenntnis. Auffällig dabei ist, dass wir trotz aller Mannigfaltigkeit von Dingen und Sachverhalten offenbar das Identische innerhalb der Welt erfassen können.

Die Grundlage hierfür ist bei Platon die Teilhabe an unveränderlichen Ideen, die als Vorlage für die einzelnen Dinge dienen. Dadurch, dass wir an der wahren Welt der Ideen teilhaben, so das transzendentale Argument, können wir das Identische an den Dingen erfassen. Der Begriff der Idee ist dabei von dem griechischen Wort idein, sehen, als Substantiv abgeleitet: gesehen wird das, was an der Sache immer, bei allen zufälligen Veränderungen, zu sehen ist.

Aristoteles wird Platon grundsätzlich zustimmen, allerdings wird er dem Begriff der ousia (Wesen, aber auch Substanz) den Vorrang geben. Im Phaidon hatte Platon über die ousia ausgesagt, sie sei das, was ein jegliches Seiendes als es selbst ist (Phaidon65d/e; 75 d). Diese Merkmalsbestimmung übernimmt Aristoteles, allerdings verschärft er ihre Bedeutung: die Frage nach dem Was ist alles Wesen?, womit das einzelne Wesen einer Sache gemeint ist, wendet sich in die nach Aristoteles philosophische Grundfrage: was ist das Wesen selbst?

Die Kategorienlehre des Aristoteles


Als Begründer der Kategorienlehre gilt Aristoteles. Die Lehre von den Kategorien findet in der Schrift Kategorien statt, deren Titel so aber nicht von Aristoteles überliefert ist und in den Substanzbüchern der Metaphysik. Er unterscheidet zehn Kategorien, Substanz, Qualität, Quantität, Relation, Ort, Zeit, Tun, Lage, Haben, Leiden.

Aus dieser Auflistung ergeben sich die Begriffe Substanz (erste Kategorie, welche nochmals in erste und zweite Substanz unterschieden wird) und Akzidenzien. Diese beiden Formen unterscheiden sich dadurch, dass die Substanz selbstsständig gedacht werden kann, während die Akzidenzien nicht ohne Substanz gedacht werden können.

Durch diese Beschreibung ist es möglich zu erklären, warum beispielsweise eine Person, die sich im Laufe der Zeit verändert, also akzidentelle Veränderungen erfährt, dennoch die gleiche (substanzielle) Person bleibt. Erst durch diese Unterscheidung stellen sich überhaupt die Fragen nach dem was ein Seiendes ist, im Gegensatz zu dem, wie es erscheint.

Dies ist letztlich auch die Grundfrage des Aristoteles: Was ist das Wesen (griech. ousia)? Hieraus ergibt sich ein weiteres Problem der Kategorienlehre des Aristoteles: das Verhältnis von 1. und 2. Substanz. Beide nehmen die Eigentlichkeit einer Sache in den Blick, die notwendigerweise den Substanzcharakter thematisieren: des Wesen einer Sache und deren Individualität. So ist Sokrates zum einen der eine Sokrates, aber er ist auch Gattungswesen Mensch. Wie ist aber das Verhältnis von erster zur zweiten Substanz zu denken? Ist die allgemeine Bestimmung im Individuellen beinhaltet oder umgegkehrt?

Siehe auch Aristoteles

Vier Kategorien der Stoa


Von den Stoikern wurde ebenfalls eine Kategorienlehre aufgestellt. Sie unterscheiden vier Kategorien: Substanz, Beschaffenheit, Eigenschaft und Verhältnis. Wie bei allen anderen philosophischen Richtungen sind die Kategorien und ihr Verhältnis zueinander auch hier Ausdruck der inneren Ordnung des Kosmos.

Siehe auch Stoa

Thomas von Aquin und das Seiende und seine Prinzipien


Auch Thomas von Aquin unterscheidet zwischen Substanz und Akzidenz. Diese Unterscheidung übernimmt er den aristotelischen Vorstellungen. Weiter ist für Thomas aber die Verbindung von Theologie und Philosophie zentraler Aspekt seines Denkens.

In diesem Zusammenhang wird das göttliche Sein zentraler Aspekt seiner Betrachtungen. Wie sollte das göttliche Sein unter den Vorstellungen des Aristoteles zu verstehen sein? Aristoteles sprach selber von einem unbewegten Beweger, diese Vorstellung aber widerspricht der christlichen Offenbarung. Thomas steht also vor der Aufgabe die christliche Gottesvorstellung mit den ontologischen Begriffen des Aristoteles denkbar zu machen. Zentrale Begriff sind hier Wesen und Sein, Mögliches und Wirkliches, sowie Form und Materie.

Letztlich muss Thomas aufzeigen, in welcher Form sich Gott als Seiendes von allem anderen Sein abhebt und wie dies innerhalb des Denkens des Aristoteles wiederspruchsfrei zu denken ist. Ein Beispiel für dieses Vorgehen mag das Begriffspaar Möglichkeit und Wirklichkeit aufzeigen. Jedes Individuum hat nach Thomas Essenz (Wesen) und Existenz. Ob sich die Essenz in der Existenz verwirklicht, ist Teil der Verwirklichung von Möglichkeiten. Dieses Bild ist kohärent mit der Beobachtung der Natur: so hat ein Same das Potential zu einer Pflanze.

Für das Sein Gottes muss es nun möglich sein zu denken, dass er dieser Beschränkung nicht unterliegt. Nur in Gott fallen beide Aspekte zusammen: Gott ist die reine Möglichkeit. Also werden hier die Aspekte der Kategorie Möglichkeit und Wirklichkeit zusammengedacht. Dies ist die Aufgabe Thomas.

Siehe auch Thomas von Aquin, Analogia entis

Kants Wendung der Kategorienlehre in die Erkenntnistheorie


Bei Immanuel Kant finden sich zwölf Kategorien. Bei ihm sind die Kategorien Verstandesbegriffe und somit Bestandteil der Erkenntnis, nicht aber zwangsläufig auch Ausdruck des Dinges An sich. Damit wandelt sich die ontologische Sichtweise in eine erkenntnistheoretische Betrachtung.

Quantität, Qualität, Relation und Modalität sind die vier Urteilsfunktionen des Verstandes, nach denen Kategorien gebildet werden. Demnach sind z.B. der Urteilsfunktion Quantität die Urteile Einheit, Vielheit und Allheit untergeordnet oder der Relation das Urteile der Ursache und Wirkung.

Zur Übersicht siehe auch Immanuel Kant

Kategorien nach Kant
Quantität Qualität Relation Modalität




Einheit Realität Substanz und Akzidenz Möglichkeit
Vielheit Negation Ursache und Wirkung Existenz
Allheit Limitation Wechselwirkung Notwendigkeit

Allerdings ist diese Kategorientafel nicht frei von Willkürlichkeiten, wurde sie doch letztlich nachträglich im Hinblick auf eine bereits vorhandene Physik konstruiert. Originell bei diesem Ansatz bleibt die Tatsache, dass Kant die Kategorie, also die Ordnungschemata an die logischen Formen unsere Urteilsfunktionen bindet.

Siehe auch Erkenntnistheorie

Sprachanalytisches Verständnis der Kategorien


Die moderne analytische Ontologie ist die Lehre von den grundlegenden Kategorien, Dingen, Eigenschaften, Ereignissen, Teilen und Ganzen. Dabei steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich die verschiedenen Kategorien zueinander verhalten und ob sich eine Kategorie als fundamentale auszeichnen lässt. Zentrale Begriffe sind hier Entitäten, Universalien, Individuen, Sachverhalte und Tropen.

Siehe auch Ontologie

Siehe auch


Transzendentalien, Existenzialien, Universalienstreit, Ontologie, Sein, Seiend, Metaphysik, Immanuel Kant, Aristoteles, Platon, Kategorienfehler, Nicolai Hartmann

Weblinks


Literatur


  • Oehler, Klaus: Aristoteles. Kategorien, übersetzt und erläutert, Berlin 1984 u.ö.

Ontologie | Metaphysik | Phänomenologie | Existenzphilosophie

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