Die Katastrophensoziologie beschäftigt sich mit der sozialen Dimension von Katastrophen - theoretisch gehört sie nach ihren Definitionsmerkmalen eher in die Allgemeine Soziologie, im Hochschulalltag wird sie wie eine Spezielle Soziologie behandelt.
In der (in ihren Ursprüngen - beginnend mit Enrico Quarantelli (vgl. Emergentes Organisations-Netzwerk) - sehr pragmatisch orientierten) nordamerikanischen Sociology of Disaster wird erst neuerdings catastrophe von disaster abgetrennt, vor allem als überörtliche soziale Vernetzung von lokalen Schadereignissen.
In Deutschland wird Katastrophe soziologisch sehr unterschiedlich definiert:
Entweder (und auch erst jüngst) systemtheoretisch (in der Nachfolge von Niklas Luhmann von Klaus P. Japp – in der Abgrenzung zum Risiko) – als ein Kommunikations-Aspekt, d.h. als ein Signal unspezifizierten Nichtwissens ( eine Kontingenzentgrenzung), das absolute Signifikanz beanspruche: Durch Katastrophe wird etwas unabweisbar nicht Gewolltes kommuniziert. (Spezifiziertes Nichtwissen führe hingegen vermöge Kontingenzlimitation zur Abwägung und ggf. zur Inkaufnahme von Risiken).
Überwiegend jedoch wird Katastrophe seit 1975 figurations-, konflikt- und tauschtheoretisch (nach Lars Clausen u. a.) als ein besonderer sozialer Wandel aufgefasst, und zwar zugleich in dessen drei Dimensionen
als (i) extrem beschleunigter, (ii) extrem vernetzender (gründlicher) und (iii) extrem magisierter (dämonisierter) sozialer Wandel. Als erarbeitete katastrophensoziologische Schlüsselkonzepte bzw. -modelle sind hier exemplarisch zu nennen der Experten-Laien-Konflikt, das (strukturelle) Stadienmodell FAKKEL, das (operative) Phasenmodell LIDPAR, der Noah-Effekt, die Sündenbocksuche.
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