Kaspar von Stieler (* 2. August 1632 in Erfurt; † 24. Juni 1707 in Erfurt) war ein deutscher Gelehrter und Sprachwissenschaftler, der vor allem für das von ihm verfasste Wörterbuch bekannt wurde, das den zeitgenössischen deutschen Wortschatz repräsentierte.
Im Jahr 1660 veröffentlichte Stieler Die Geharnschte Venus, das schönste Liebesliederbuch des siebzehnten Jahrhunderts. Seine späteren Werke umfassen sechs Theaterstücke, das Sachbuch Die teutsche Sekretariatskunst (1673/1674), einen Briefsteller mit ausgesprochen puristischem Charakter, sowie Der Teutsche Advocat, eine Enzyklopädie des damaligen deutschen Rechts.
1688 wurde er durch Herzog August von Sachsen-Weißenfels in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Als Gesellschaftsnamen wurde ihm der Spate und als Motto übertrifft den Frühzeitigern verliehen. Als Emblem wurde ihm der Blumenkohl zugedacht. Im Köthener Gesellschaftsbuch findet sich Stielers Eintrag unter der Nr. 813.
1695 erschien sein Buch Zeitungs Lust und Nutz, das ihn aus heutiger Perspektive betrachtet als Medienwissenschaftler avant la lettre erscheinen lassen kann und in jüngerer Zeit nicht nur von der Barockforschung, sondern auch von der historischen Zeitungswissenschaft und der Mediengeschichte entsprechend gewürdigt wird.
Das von Stieler verfasste Werk Der teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs, ein Wörterbuch der deutschen Sprache von bis dahin unerreichtem Umfang verdient auch heute noch Beachtung. Dieses Wörterbuch entstand in enger Abstimmung mit anderen Mitgliedern der Fruchtbringenden Gesellschaft. Die Entwicklung zur deutschen Hochsprache war damals noch nicht abgeschlossen und die Grammatiker dieser Gesellschaft sahen ihre Hauptaufgabe darin, ein widerspruchsfreies Regelsystem für sie zu fixieren.
Ähnliches schwebte Stieler auch für den Wortschatz vor, weshalb jedes Stichwort grammatisch fixiert wurde: bei Substantiven gab er das Geschlecht und den Plural an (in Zweifelsfällen auch den Genitiv Singular) und bei starken Verben die Stammform an.
1705 wurde Stieler in den erblichen Adelsstand erhoben. Zwei Jahre darauf verstarb er im heimatlichen Erfurt.
Mann | Deutscher | Germanist | Autor | Literatur (17. Jh.) | Fruchtbringende Gesellschaft | Geboren 1632 | Gestorben 1707
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